Klettern: Akademikersteig

Den Akademikersteig mit 2+ habe ich ausgesucht. Das sollten wir schaffen. Schon zweimal bin ich ihn gegangen, beide Male in jüngeren Jahren ohne Seil. Auch Ulli ist damals ohne Seil gegangen.

Aber wir sind älter geworden und ich will all die feinen, neuen Sachen ausprobieren: Klemmkeile, Friends, Bandschlingen, Expressschlingen,.. Auch Altes ist dabei wie das 60m lange Halbseil. Ja, man sollte zwei Halbseile verwenden, aber Gernot und ich entscheiden gemeinsam, dass auch ein Halbseil reicht.

Ungewiss ist auch noch, welche Auswirkungen der Felsabbruch im Bereich des Felsenfensters hat. Das Internet kennt nur Einträge von 2015 und die sagen, dass der Steig eigentlich nicht begehbar ist. Aber der Hüttenwirt des Weichtalhauses meint, dass das Jahre zurückliegt und der Akademikersteig problemlos machbar ist – jippieh!

Den Einstieg finden wir gewohnt nicht. Viel zu früh steigen wir schon nach der Schönbrunnerstiege einen Steig hinauf. Richtig wäre hingegen, schön brav nach der Schönbrunnerstieg auf den Forstweg, auf diesem weiter, bis der Weg möglichst nahe an die Wand kommt, und dort geht es dann hinauf.

So kommt Gernot an der steilen Blechmauer mit ihren vielen Gedenktafeln vorbei. Da baut sich Respekt auf. Als dann noch ein mindestens 100m langes Seil die mehr als senkrechte Wand herunterhängt, ist Ehrfurcht angesagt. Egal, wir gehen den Wandfuß weiter entlang, müssen wieder ein wenig absteigen, ehe wir dann am richtigen Zustieg zum Akademikersteig sind.

Schon der Wechsel vom Geröllfeld zum Einstieg erfordert ein bisserl Kletterei. Das schaffen wir ohne Seil. All das wäre für Gernot bis vor kurzem undenkbar gewesen.

Auch der Rest ist für den Kletter-Rookie, immerhin erst die zweite alpine Kletterei in seinem Leben, nicht ohne. Eine detaillierte Steigbeschreibung folgt hier nicht. Der Steig ist eine tolle Kletterei und sicherlich bei etwas Übung ohne Seil zu machen. Aber wir üben lieber das Klettern am Seil und das Setzen der mobilen Sicherungen. Das kostet Zeit, macht aber echt Spaß.

Gernot hält sich tapfer. Also, eigentlich sehe ich nicht viel von ihm, weil ich weit vorsteige und dann nur am Seil spüre, dass er nachkommt.

Jedoch überrascht mich Gernot beim Felsenfenster. Beim Anblick des Fensters, in dem auch das Steigbuch liegt, freue ich mich erst mal, dass es noch da ist. Es ist durch den Felssturz schlanker geworden. Das bilde ich mir zumindest ein. Eigentlich habe ich gedacht, dass es gar nicht mehr existiert und mit den Felsmassen einfach ins Höllental abgefahren ist. Aber dem ist nicht so und meine Ankündigung, dass dieser unangenehme Teil entfällt, greift ins Leere.

Im Vorstieg kraxle ich da also rauf und denke mir: „Hoffentlich habe ich dem armen Gernot da nicht zu viel zugemutet.“. Man muss da sehr luftig ein bisserl raufspreizen. Das ist sicherlich nicht jedermanns Sache und auch ich bin froh, als ich die Stelle hinter mir habe. Ich klettere noch weiter zu einem Baum, um einen Stand zu bauen. Der Wind schluckt mein: „Nachkommen“, trotzdem merke ich irgendwann, dass Gernot unten los ist. Ich sehe ihn nicht und mein Plan ist, dass er, falls er an der Stelle verweigert, mich mal fünf bis zehn Minuten taub stelle. Falls er dann noch immer nicht kommt, müsste ich absteigen und das wäre überaus entbehrlich.

Aber das Seil macht Fortschritte, sogar die Markierung der Seilmitte ist vorbei und es geht weiter! Super, da kann ich mich sogar zu ihm abseilen! Aber so weit kommt es gar nicht. Ehe ich mich versehe, taucht der hellgrüne Helm unter mir auf. Nein, bei dem Fenster habe er sich sicher gefühlt. Mit Youtube im Kopf, wo junge Männer Fassaden hinaufgespreizt sind, ist Gernot da ebenso hinauf. Da soll sich einer auskennen. Cool!

Nur noch eine Seillänge trennt uns vom Ausstieg. Noch einmal klettern wir einen schönen Grat. Gernot, der noch vor ein paar Monaten auf der Wildfährte mehr als ausreichend Respekt hatte, lässt keinen Zacken aus. Wie ein Pro – wer hätte das gedacht.

Der Akademikersteig ist also bedenkenlos begehbar und in jedem Fall eine klare Empfehlung! Wir hatten unseren Spaß!

Details via Garmin

Anmerkung: Warum gibt es von dem tollen Steig keine Fotos von den spektakulären Stellen? War ich an der Stelle, hatte ich zu tun. Da gibt es ja kein Seil, um sich gemütlich festzuhalten, wie an einem Klettersteig. Ist Gernot an den spannenden Stellen, bin ich schon bei einem sicheren Stand und sehe von ihm genau nichts außer ein Seil, das gelegentlich ein bisserl zuckt.

 

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