Mio ist ab 16 Uhr bei Baxter, Diego und Edi in Willendorf zu Gast. Er probiert die Sommerfrische. Gernot und ich stehen um drei vor vier am Nachmittag vor der Tür. Sonja übernimmt Mio und wir rauschen nach Losenheim.
Um die Uhrzeit sind wir noch nie gestartet. Den Steig kennen wir zu gut, da gibt es nichts zu berichten. Nur, wo sind die Gämsen? Nach gut zwei Stunden sind wir am Plateau. Das Licht ist schon toll. Was tun? Drohne starten? Fotografieren mit der neuen Kamera, einer Canon R6? Oder weiter zur Hütte?
Wir gehen zur Hütte und gönnen uns ein Gulasch. Michael, der Hüttenwirt, erzählt, dass der Rekord von Losenheim zur Hütte bei 47 Minuten liegt. Da kann Gernot mit unseren 2 h 39 min wenig beeindrucken. In 3 h 40 min schafft es der schnellste Bergläufer rauf, runter, rauf, runter und wieder rauf. Im Abstieg gönnt man sich in der Spitzenklasse 27 Minuten. Der Hüttenwirt will es mal in 32 Minuten geschafft haben. Letzteres ist aber, so glaube ich, nicht offiziell gemessen.
Noch eine Cremeschnitte und dann soll es losgehen. Michael spendiert allerdings noch einen Zirbenschnaps. Langsam wird es eng. Wir haben zugesagt, dass wir Mio wieder um 21 Uhr abholen. So laufen wir los, aber 32 Minuten werden wir nicht schaffen. Vielleicht liegt es daran, dass wir so viel fotografieren.
Kurz vor 21 Uhr sind wir am Parkplatz. Die Beine sind beansprucht. Es wird noch dauern bis Mio so eine Tour mitgehen kann. Da hat er es besser bei Sonja. Soll so sein.
Einiges hat sich getan seit meinem letzten Besuch. Gernot will wieder einmal am östlichen Alpenrand herumklettern, ich muss bald daheim sein. So fahren wir auf die Hohe Wand.
So leicht ist die Urlaubsgestaltung während einer Pandemie nicht. Die Hotels sind geschlossen, die Lifte sind offen. Eigentlich eine angenehme Konstellation, wenn nur Partys auf der Titanic nicht so einen fahlen Beigeschmack hätten.
In diesen verrückten Zeiten ist ein Nebenwohnsitz von großem Nutzen! Warum haben wir nur das Haus in Mitterfelden verkauft? Egal, wir finden eine Lösung. Die drohende Option „Locked down in Breitenfurt Ostende“ macht erfinderisch, und wir machen uns auf den Weg nach Leogang.
Lydia ist auch dabei und so rauscht die vollbepackte Q Richtung Westen. Wir wagen das deutsche Eck, auch wenn wir nicht wissen, welche Belege wir für unseren Ausbruch aus dem Lock-down brauchen. Zum Glück überholt uns ein Fahrzeug mit rumänischem Kennzeichen vor der Grenze. Nach so etwas sind wir für die reaktivierten Grenzbeamten am kleinen deutschen Eck zum Glück uninteressant. Wir dürfen anstandslos passieren.
Gernot und Renate sind am Vortag angereist. So ist das Haus schon vorgewärmt und im Handumdrehen auch rappelvoll – die verordneten Babyelefanten sorgen für Ordnung. Die Zimmer sind verteilt. Schön haben sie es hier und wir. Hier werden Gernot und Renate also die nächsten Monate verbringen – beneidenswert.
Wir haben Wetterglück. Das Skigebiet in Leogang ist klein aber fein. Saalbach-Hinterglemm hat wegen der unklaren Auflagen geschlossen. So rauschen wir mit ein paar Einheimischen und Zweitwohnsitzlern über die Pisten. Der Tag in Kitzbühel ist ähnlich. Die Zweitwohnsitzler kommen aber den KFZ-Kennzeichen folgend aus Großbritannien, den Niederlanden oder der Ukraine.
Eine Skitour in Leogang ist auch dabei. Ich steige mit Lydia zur Mittelstation der Steinbbergbahn auf. Gilt das als Skitour? Zumindest tun das hier viele. Der Aufstieg erfolgt über die Piste. Im neuen Jahr steigen Gernot, Renate, Sabine und Lydia durch den Wald auf. Die Abfahrt ist wegen Schneemangels jedenfalls nur über die Piste möglich.
Ein weiteres Highlight ist die Abfahrt von Gernot, Sabine, Lydia und Jasmin nach Viehhofen, von wo sie mit der Q abgeholt werden wollen. Das ist eine halbe Stunde Fahrzeit von Leogang entfernt. Ich habe schon Sorge, dass ich vier Eiszapfen einsammeln werde, zumal kein Gasthaus, keine Schihütte und keine Liftstation wärmenden Unterschlupf bieten darf. Lieber wird erfroren, als Ischgl 2.0 zu drehen. Die Verhältnismäßigkeit der Mittel ist längst verlorengegangen. Wie auch immer, zu meiner Überraschung bin ich es, der noch eine Spanisch-Lektion einschieben kann, ehe ich am oberen Ende einer kaum schneebedeckten Wiese vier Skifahrer schon im schwachen Tageslicht erspähe. Etwas verschwitzt berichtet man von einigen Unwegsamkeiten und zumindest einem lohnenswerten Tiefschneehang. Passt – nicht nur Jasmin wird sich lange an die Abfahrt erinnern.
Silvester ist auch ein gelungener Abend. Und das liegt nicht nur daran, dass die Destillerie in der Nachbarschaft ein Click & Collect eingerichtet hat. So tanzen wir auf der leicht schneebedeckten Terrasse ins neue Jahr, ehe es am 2. Jänner wieder zurückgeht!
Nächster Lock-down-Sonntag und wieder in die Berge. Auf der Rax sind wir nicht die einzigen. Das erkennt man schon daran, dass der Parkplatz voll ist und wir an der Straße parken müssen. Doch die Berge sind für alle da!
Die Tour ist aus mehreren Gründen besonders! Einerseits sind wir am Sonntag unterwegs und anderseits ist erstmals Renate mit dabei. So sind wir an einem Sonntag bei edlem Herbstwetter zu viert auf der Schneealpe unterwegs.
Sabine hat die Tour vorgeschlagen. Gernot und ich sind begeistert, zumal wir studieren können, was wir im Winter mit den Skiern abgefahren sind. Wir treffen uns beim Lurgbauer. Erstaunlich wenig Autos stehen da. Da schau‘ her. Okay, die Hütten sind geschlossen und wer geht schon den Blarergraben? Wir starten und werden erstmal von einem Auto mit tschechischem KFZ überholt. Wo will denn der hin? Wenig später brettern weitere Autos an uns vorbei. Des Rätsels Lösung ist, dass wir am Parkplatz für die Skitouren parken, während fleißige Wanderer noch die Forststraße weiterfahren, bis wirklich nichts mehr geht. Oh, alleine sind wir also dann doch nicht.
Zuerst geht es durch den unteren Teil des Lohmgrabens. Am Wochenende sieht man da so einiges. Da sind Leute in Jeans und Wollpullover unterwegs. Oder es liegt ein roter Rucksack einsam und verlassen am Wegesrand. Aha, unter der Woche würde ich mir Sorgen machen. Nach geraumer Zeit kommt uns dann ein Wanderer entgegen. Er hat nur kurze Hosen und ein Shirt an, aber keinen Rucksack. Wir sehen ihn am Nachmittag nochmals am Plateau in großer Gruppe mit diesem Rucksack. Hatte er seinen Rucksack vergessen? Oder hatte er ihn abgestellt, um der Gruppe nachzulaufen und ihnen zu sagen, dass sie langsamer gehen sollen? Aber ich muss es ja nicht verstehen.
Steil geht es dann links weg in den Blarergraben. Gernot führt uns eine Wildfährte abseits des markierten Weges ins Geröll, was die Sache spannend, aber eigentlich unnötig spannend, macht. Sabine und Renate sind jedenfalls mäßig begeistert von der Einlage.
Der Anstieg ist steil und ein bisserl anstrengend. Anstrengend auch, weil Gernot und ich uns uneins sind, wo denn nun die Gams bei der Skitour gestanden ist. Also, jene Gams, die uns zugeschaut hat und unser Schicksal in ihrem Hufe hatte. Sie hätte nur einen Schneeball in das steile Gelände schubsen müssen und hat auch schon überlegt, dies zu ihrer Unterhaltung zu tun. So sagt es zumindest die Legende!
Am Plateau ist dann einiges los. Die Mautstraße bringt wirklich viele Menschen herauf. Die Wege sind somit allesamt mobil, bunt markiert. Unter der Woche sind wir hier bislang immer allein gewesen. Aber das stört nicht. Wir finden sogar einen windgeschützten Platz vor einer der Hütten. Einzig einen Espresso vermissen wir!
Wir wandern weiter übers Plateau und steigen durch den landschaftlich überaus reizvollen Lohmgraben wieder ab. Immer wieder zeigt sich der Vielfalt der bunten Vögel unter den Wanderern. Das ist Abwechslung und Unterhaltung, die unter Woche wahrlich fehlt. Wir staunen!
Alles andere läuft ohne jeden Zwischenfall ab. Am Abend spüren wir noch die Sonne im Gesicht. Wunderbar – so soll’s sein!
Im BlarergrabenWenig lohnende AbweichungRückkehr von der VarianteEin bisserl Schnee war nochAm PlateauAbstieg LohmgrabenAbstieg LohmgrabenAbstieg LohmgrabenAbstieg LohmgrabenAbstieg Lohmgraben
Gernot und ich sind wieder unterwegs. Gernot will Cardio, ich ein bisserl Kraxeln. So entscheiden wir uns fürs Wilde Gamseck und haben einen super tollen Tag!