Schneeberg

Mio und ich starten am Parkplatz des Sesselliftes in Losenheim. Tourengeher kommen uns vergnügt und zufrieden entgegen. Ich staune, was haben denn die heute gemacht? Es ist kalt, der Boden hart, aber wenig Schnee. Keine Wolke trübt das Blau des Himmels, ein feiner Tag wartet, aber die sind schon fertig – hmm?

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Lech am Arlberg

Carina zieht es an den Arlberg nach Lech. Letztes Jahr habe ich mich noch gedrückt. Aber in diesem Jahr geht es in den Ort aus vergangenen Tagen, wo sich die Wiener Nobelbezirkbewohner in den Semesterferien die Hand geben. Eigentlich tuen sie das nicht, man sagt es halt. Lech ist in der Hand der Reichen und der Schönen. Böse Zungen sagen: die Reichen sind nicht schön, und die Schönen sind nicht reich. Egal, wir sind mitten drin an der Rüflikopfbahn im Hotel Pfefferkorn. Auch, wenn das Haus in die Jahre gekommen ist, so wird es regelmäßig renoviert. Die Gastleute sind wirklich freundlich und zuvorkommend, das Essen ist erwähnenswert gut. Einzig das Frühstück hat noch genug Raum zur Entfaltung. Das Mineralwasser am Abend kostet 9,80 Euro. Die Preise kann man hochrechnen und erkennen: ja, die sind hier hoch!

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Haidsteig – Königschuss

In Wien liegt seit Tagen oder gar Wochen der Nebel. In den Bergen hingegen lacht oft die Sonne. Haidsteig und, wenn es gut geht, auch Königschusswandsteig. Gernot verwendet lieber Knieschusswandsteig. Ihn brauche ich also gar nicht fragen. Renate bevorzugt auch sicherere Bedingungen. Mio wäre für alles zu begeistern, aber.. Also, geht es alleine los.

Der Zustieg geht schnell, weil schneefrei und gar nicht kalt. Die Madonna ist auch bald erreicht, wo ich die beim Spar gekauften Spitzbuben auspacke. Ulli lehnt dankend ab und so mampfe ich das ganze Packerl alleine runter. 500g, immerhin ein halber Kilo! Prompt ist mir auch bald ein bisserl schlecht. Also, genau gesagt, ist noch ein anderer Steiggeher nachgekommen, der mir ein Keks abgenommen hat. Vier Jahre ist er jünger, wir tauschen uns aus. Und dann kommt noch einer daher. Ohne Klettersteigset schwebt er vorbei, biegt nach links ab und tänzelt den Malersteig hinauf. Ich schau‘ nicht schlecht!

Ein bisserl bleibe ich noch, genieße die Sonne und Ullis schweigsame Gesellschaft, ehe ich weiter steige und auch zeitnahe das Preinerwandkreuz erreiche. Ich fühle mich fit und einige mich mit mir selbst auf den Königschusswandsteig. Zwischen den Latschen liegt Schnee, aber sonst alles easy. Also, zum Einstieg.

Die Sonne lacht, das langärmlige Shirt reicht. Mir fehlt ein bisserl die Übung, und so nehme ich den Königschusswandsteig heute als deutlich schwieriger wahr als sonst. Auf die Frage, welcher Steig denn schwieriger sei, hatte ich nie so recht eine Antwort. Hier im Osten sind alle ähnlich, aber heute merke ich den Unterschied. Die Bedingungen sind zumindest richtig fein, womit auch der Königschuss ein Genuss ist.

Runter dann den Holzknechtsteig, an den ich mich auch irgendwann gewöhnt habe. Und ab zum Auto! Edler Tag, Sonne getankt, alles gut!

Die Tour auf garmin

Das Tacxi und ich

Am 8. Jänner 2025 habe ich unseren neuen Smart Trainer von Garmin, das Tacx NEO Bike Plus ausprobiert. Am 30. November 2025 habe ich meine Mallorca-Rundfahrt darauf beendet. 107 mal war ich am Tacxi unterwegs. Bei einem Anschaffungspreis von über 3.500 Euro kostet jedes Training noch immer über 30 Euro. Gar nicht wenig Geld. Aber es macht Spaß, denn sonst wäre ich nicht im Schnitt jeden dritten Tag aufs Rad gestiegen.

Garmin hat Tacx übernommen und damit auch die Tacx-App. Das Zusammenspiel zwischen der Garmin Connect App und der Tacx-App ist noch ein klein wenig hölzern.

Die Tacx-App bietet die Möglichkeit, dass man abgefilmte Strecken weltweit nachfahren kann. Da spürt man nicht nur die Steigungen und Abfahrten sondern sieht auch andere Radfahrer, Spaziergänger, Autos etc.. Anfangs habe ich mich noch automatisch in die Kurve gelegt, aber das bringt halt nichts. Man kann den gefilmten Menschen winken, aber sie winken nicht zurück. Warum ich das gemacht habe? Weil der Sauerstoff in den Beinen war und wenig fürs Hirn übrig war.

Anfangs bin ich diese Filme abgefahren und habe nach Leistungsdiagnostik trainiert. Bei der Leistungsdiagnostik wurden meine optimalen Trainingsbereiche wissenschaftlich präzise ermittelt und ein Plan erstellt. Über den Sommer habe ich das Filme-Abo gekündigt und bin nur nach Wissenschaft geradelt. Verbesserungen habe ich damit nicht erzielt. Erst, seit ich seit Oktober wieder Filme fahre, geht es bergauf.

So bin ich unter anderem eine teils selbst zusammengestellte Dolomitenrunde mit über 5 000 Höhenmetern auf 160 km Distanz in fünf Etappen geradelt. Die Mallorca-Runde brachte über 5 300 Höhenmeter bei 300 km in 8 Etappen. Was immer der Grund ist, diese Touren machen mich fitter und sie machen Spaß.

Die Filme drehen unterschiedliche Radfahrer. Auf Mallorca und in den Dolomiten waren es wohl sehr, sehr fitte Fahrer. Virtuell wurden in den Filmen vor allem auf Mallorca endlos andere Radfahrer überholt. Selbst bieten die Filme auf Mallorca nur zwei oder drei schneller Radfahrer. Das sieht jeder so, der die Route fährt. Warum? Ja, weil es demjenigen, der den Film gedreht hat, so ergangen ist. Dieses Material ist im Kasten und lässt sich nicht mehr ändern. Einzig die Geschwindigkeit, mit der der Film abgespielt wird, lässt sich ändern. Und die Geschwindigkeit wird genau in Relation zu der Geschwindigkeit abgespielt, mit der der Film gedreht wurde. Das hat lustige Effekte. Es gibt nur wenige Momente, wo ich schneller bin als derjenige, der den Film gedreht hat: beispielsweise bei Serpentinen oder an Kreuzungen. Einen Bergpass fahre ich mit 60 km/h den Berg runter. Es ist egal, wie eng die Kurven sind. Da bin ich natürlich vielleicht doppelt so schnell wie das Original. Radfahrer, die mir entgegenkommen, strampeln als Folge doppelt so schnell. Man meint, sie wären auf der Flucht. Umgekehrt bin ich bergauf viel langsamer als das Original. Motorradfahrer und andere Radler schleichen dann derart langsam dahin, dass man Angst bekommt, dass sie umfallen werden. Trete ich dann rein wie ein Verrückter, erwacht auch wieder Leben in den anderen, denn der Film dreht schneller. Wähle ich einen Film unter dem Motto „Trainiere mit den Profis“, kann ich problemlos mithalten. Die Profis treten halt in Zeitlupe rein.

Neben den gefilmten Teilnehmern gibt es noch die anderen Fahrer, die bei sich zuhause auf ihren Bikes sitzen. Es sind wenige und trotzdem kann ich nicht anders: ich prüfe, ob sich mein Abstand zu ihnen vergrößert oder verkleinert. Oh, da packt mich der Ehrgeiz. Meist bin ich alleine auf der Strecke unterwegs, nie hatte ich mehr als sechs virtuelle Partner. Da ist Garmin noch Ödland im Vergleich zu Zwift oder den anderen Plattformen.

Es ist ein teurer Spaß. Selbst bei meiner intensiven Nutzung kostet eine Tour so viel wie ein Fitness Center pro Monat. Kaum jemand hat so viel Zeit wie ich. Kurz, das mag gut überlegt sein.

Vorteile, an dich ich davor gar nicht gedacht habe, sind:

  • Kein einziger Sturz 😉
  • Handtuch, Taschentücher, Energieriegel, etc. – alles in Griffweite
  • Kein Autofahrer, der mich übersehen kann
  • Kein einziges Mal Luft nachfüllen, Kette reinigen, etc.
  • Kein einziges Mal in den Regen gekommen

Wer Interesse hat, kann sich die gpx-Tracks in einer Flyover-Animation ansehen. Warnung: das ist ein bisserl fad und zeigt keine echten Aufnahmen, sondern nur, wo ich gefahren bin.

Weitere absolvierte Tacx-Challenges:

  • Thailand („Thailand-Touren“) – hat mir nicht so gefallen
  • Korsika und Sardinien („Inselhüpfen“) – empfehlenswert
  • Niederlande („Elfstädtetour“) – empfehlenswert. Es ist ewig flach. Man düst in der Ebene dahin. Nice!

Kanzelsteig

Gernots und mein Novemberklettern will gemacht werden. Wir haben mehr Erwartungen als Zeit für die Vorbereitung der Tour. Die Erwartungen sind: unten Nebel und Temperaturen um die Null, oben Sonne und T-Shirt. Ja, so war es schon ein paar Mal, dann soll es auch heute so sein. Da Gernot ein neues E-Auto bekommen hat, ist er am Vorabend beschäftigt. Ich bin vom Haidsteig auch ein bisserl müde. Niemand gleicht die Erwartungen gegen die Realität ab. Vom Haidsteig weiß ich, dass die Hohe Wand die bessere Wahl sein wird. Und auf der Hohen Wand ist es doch immer warm. Eigentlich sollten wir es besser wissen, aber…

Gernot hat ein paar Tourenvorschläge geschickt. Allesamt III und schwieriger. Boah, da ist mir nicht ganz wohl dabei. Ich suche und finde Leichteres. Wir nehmen den Kanzelsteig und können ja oben dann noch die Technikervarianten mitnehmen.

Beim Seiser Toni folgt der erste Wettercheck. Kein Nebel, keine Sonne. Dafür Wind und Schneeflocken. Ich habe beide Mammut-Jacken mit. Die wärmere Jacke habe ich dabei, weil man beim Kraxeln mit Seil viel herumsteht und dabei leicht friert. Jetzt entscheide ich, beide Jacken anzuziehen. Gernot geht es gleich. Der Kanzelsteig ist ein II+. Den sollten wir auch ohne Seil schaffen, meint Gernot. So würden wir weniger herumstehen und nicht auskühlen. Zustimmung! Dann habe ich die glorreiche Idee, dass es noch wärmer wird, wenn wir das Material und das Seil im Rucksack mitschleppen. Für Wärme wäre gesorgt. Machen wir! Ich nehme freiwillig Seil und mein Eisen.

Der Einstieg ist schnell gefunden. Gernot sieht schon die roten Punkte. Diese sehe ich auch, aber erst, wenn ich draufstehe oder ich mich am entsprechenden Fels festhalte. Gernot geht somit vor. Die Kraxelei ist lustig. Ein bisserl viel Nadeln, Bockerln, Steine usw. liegen herum. Das nächste Mal nehme ich noch einen starken Laubbläser mit und mache da ein bisserl Ordnung. Ha, da ist sie schon die „Schlüsselstelle“. Gernot meint, wir gehen ohne Sicherung. Ich bin nicht sicher. Irgendwie muss ich meine Muttropfen heute vergessen haben. So mache ich den Vorschlag, wir nehmen das Seil und Gernot steigt vor. Zustimmung pur, los geht’s!

Bald erkennt Gernot, dass es eh eine gute Idee war, das Seil zu nehmen. Irgendwann rufe ich ihm zu, dass es wieder einmal Zeit wäre für eine Zwischensicherung. Wenn er jetzt einen Abgang macht, kugelt er definitiv an mir vorbei. Somit hat er die Wand eigentlich ohne Sicherung genommen. Zack, da kommt der erste Stein. Deckung und der Kopf ist mal geschützt. Ob der Rucksack schützt? Die Beine sind etwas exponiert. Die Wahrscheinlichkeit für ein Treffer ist eh extrem gering. Schon höre ich dieses grausige Surren des Steins – verfehlt – gut so! Kurze Zeit danach wieder. Diesmal sind es mehrere Steine. Ja, was macht der da oben? Ein dicker Stein springt im Zickzack herunter. Wo jetzt? Links, rechts, links… Deckung und auch verfehlt. Okay, vielleicht bin ich den Steig deswegen noch nicht gegangen. Ist ja ein Wahnsinn da!

Ich steige nach, und das lieber schnell als langsam. Dabei erwische ich es nicht gut. Ja, Himmi! Wo ist der da rauf? Begeistert hat er gerufen, dass er riesige Griffe gefunden hat. Hat er die mitgenommen oder abgebaut? Ich finde da nichts. Keine Sorge, auch ohne die großen Komfortgriffe ist diese Wand, das Testamentwandl, machbar. Gernot wartet schon. Für den ersten Stein übernimmt er die Verantwortung, aber die restlichen schreibt er den Steinböcken zu. So richtig Freund werde ich mit diesen Viechern nicht.

Weiter geht es im „Gehgelände“. Das Seil haben wir schlampig aufgenommen und steigen so eng hintereinander. Dabei reduziert sich die Funktion des Seils darauf, dass keiner alleine heimfahren muss, wenn etwas passiert. Der Steig macht Spaß und bald brauchen wir wieder die Hände. Ah, da drüben startet die erste Techniker-Variante. Die blauen Punkte sehe auch ich aus der Ferne.

Heute bleiben wir mal am Kanzelsteig. Der muss zumindest einmal gemacht werden. Außerdem wird es zunehmend kalt. Gernot steigt wieder vor. Diesmal sucht er ein bisserl nach Griffen. Auch hier gilt: der Steig ist genau richtig, überfordert sind wir kein einziges Mal. Im Nachstieg habe ich dann das Glück auf meiner Seite und spaziere da ohne Erkennen von Schwierigkeiten hinauf. Jetzt sind wir am Grat, der Wind pfeift, der Schnee kommt von rechts. Gemütlich ist anders.

Aha, da ging es zu den anderen Technikervarianten! Fein, aber kalt. Also, aufi! Bald ist das Gipfelkreuz da. Das nenne ich einen komfortablen Standplatz. Sogar eine Kette achtet darauf, dass ich nicht runterfallen kann. Die Finger frieren allerdings und ich könnte noch ein paar Jacken gebrauchen. Gernot kommt den Grat herauf. Was für ein Glück! Die Freude ist groß, die Zeit zum Feiern und Genießen kurz. Wir stopfen das Material in die Rucksäcke und verlassen diesen unwirtlichen Platz.

Die Wilhem-Eichert-Hütte hat offen. Wir können es gar nicht glauben, aber seitdem die neuen Pächter übernommen haben, ist der Besuch hier ein Muss. Die Karte bietet deutlich mehr Speisen als heute Gäste kommen werden. Wir machen Umsatz und wärmen uns auf. Abgesehen vom Steinschlag, ausgelöst durch boshafte Steinböcke, ist der Steig eine wahre Genusskraxelei gewesen. Wir kommen sicherlich wieder. Wärmer sollte es sein. Das schon!

Runter sind wir das Zahme Pechterlein, oder so! Wunderbarer Vormittag in den Bergen, die sich heute deutlich frostiger gezeigt haben als erwartet. Edel war’s!

Die Tour auf Garmin

Haidsteig

Tadellose Sonne, aber kalt und sehr einsam. So lässt sich mein diesmaliger Besuch beschreiben. Aus der Ferne möchte man überhaupt bezweifeln, dass ein Aufstieg möglich sein wird. Das Phänomen kennen wir: je näher man kommt, umso weniger Schnee liegt. Der Parkplatz ist verwaist, Iduna fühlt sich einsam, ich starte. Schon herunten liegt Schnee. Schauen ma a mal!

Erst ist noch eine Spur eines Menschen zu sehen, der mit einem Hund spaziert ist. Aber irgendwann gibt es nur noch Tierspuren. Ich bin entsprechend langsam, aber so langsam? Egal, das überlege ich mir wann anders.

Über eine Stunde brauche ich bis zum Einstieg. Im Steig lächeln mir dann früh Eiszapfen entgegen. Der Fels ist entweder aper, mit losem Eis, mit festem Eis oder Pulverschnee überzogen. So muss ich viele Schritte öfters setzen. Oh ja, ich spüre in den Sohlen, was mich erwartet. Am wenigsten Komfort macht sich breit, wenn Eis unter der Sohle ist. Denn dann muss ich mich ordentlich ins Seil hängen. Das ist eigentlich nur zur Sicherung da. Heute wird es aber auch mal von mir an diesen Stellen zum Raufziehen und Reibungsaufbau missbraucht. Der Steigerhalter mag es mir nachsehen.

Bei der Madonna pausiere ich lange. Es ist einer der seltenen Tage, an dem kein Wind geht. Ich trinke meinen Tee und denke mir, dass Ulli die Ewigkeit sicherlich schon auf die Nerven geht. Nun ja, hier kommt wenigstens Unterhaltung vorbei. Vielleicht bin ich heute der einzige Besuch. Und das Portal! Das muss natürlich eingenommen werden. Alles unverständlich – gut so!

Weiter geht es langsam Richtung Plateau und zum Preinerwandkreuz. Den Königschusswandsteig habe ich schon früh von der heutigen Liste gestrichen. Es liegt daran, dass die Bedingungen heute etwas ermüdend waren. So bleibt mir nur noch ein Abstecher zur Neuen Seehütte, wo ebenfalls ein Portal umgefärbt werden will.

Der Holzknechtsteig ist wie erhofft heute erträglich, ja gar fast angenehm. Am Weg liegt Schnee, und dieser dämpft und bremst den Schritt. Schnee kommt in den Schuh, aber das ist angenehmer als die Steinchen, die es sonst sind. Worüber man sich so freuen kann!

Beim Abstieg passiere ich den Einstieg zum Haidsteig. Hier sehe ich, dass noch zwei andere Klettersteiggeher gefolgt sind. Wie gesagt, am Haidsteig ist eigentlich immer etwas los. Und das ist gut so!

So steige ich nach diesem ruhigen, einsamen Tag ins Auto und rolle heim. Passt so!

Gradonna


Zu den Fotos


Carina schlägt vor, dass wir die Herbstferien im Gradonna in Kals verbringen. Da schlage ich zu. Zwei Turm-Suiten sind noch für diesen Zeitraum frei. Die nehmen wir auch gleich. Wir reisen am Sonntag an, Jasmin kommt am Mittwoch nach. Passt!

Der erste Tag beginnt eiskalt. Ja, da schau her! Am Nachmittag fängt es gar noch an zu schneien. Wir besteigen die Kranzwand, um zu testen, ob Carina bergfit ist. Ist sie. Mio soundso!

So planen wir für den Dienstag den Aufstieg zur Glorer Hütte. Das sind 732 Höhenmeter. Nur ist da noch keine Spur gezogen. Macht aber nichts, denn der Weg ist nicht zu verfehlen. Einzig mit zunehmender Höhe wird der Schnee immer tiefer. Einer geht vor und plagt sich. Irgendwann kommt auch Mio drauf, dass es mit seinen kurzen Beinen besser ist, wenn er hinten nach geht. So hat er wenigstens irgendeine Chance, die Hütte zu erreichen. Dicke Schneeklumpen haben sich an seinem Fell festgeheftet. Uh, das ist so hart, dass ihn Renate gar mal trägt. Aber das ist für sie dann noch härter. Carina kämpft tapfer. Auch für sie ist es anstrengend. Ich habe meine schweren Bergschuhe daheim gelassen. Carin hat nicht einmal daheim hohe Bergschuhe. So haben Carina und ich bald nasse Füße. Das erfrischt, hilft aber auch nicht. Renate motiviert trockenen Fußes Carina und Mio. Noch ein Kilometer und der Schnee ist wirklich tief. Teils brechen wir bis übers Knie ein. Mann oh!

Und dann schaffen wir es doch. Hier heroben sitzt einsam Carsten, vermutlich ein deutscher Aussteiger. Wir sind und werden heute die einzigen Gäste bleiben. Ich kann das alles nicht glauben, aber Carsten ist mit sich im Reinen. Passt doch. Das Essen ist gut. Wir plaudern, Mio schnorrt ein Paar Frankfurter. Wir trauen uns den Abstieg wieder zu. Der ist auch viel leichter, wenn man in Kauf nimmt, dass die Schuhe völlig durchnässen.

Wieder beim Lucknerhaus zurück, bin ich erleichtert, dass die Sonne Schnee und Eis von der Straße geschmolzen hat. Wir sind mit Sommerreifen unterwegs. In der Früh ging es einigermaßen auf der Schneefahrbahn, weil bergauf. Bergab hätte das hart werden können. Ein E-Auto mit zweieinhalb Tonnen am Eis in Sommerreifen bergab – uff! Sorgen waren umsonst, alles gut! Das Abendessen haben wir uns verdient.

Die Tour zur Glorer Hütte auf Garmin


Am Mittwoch macht Carina Pause. Renate und ich kehren zum Lucknerhaus zurück. Von hier wollen wir aufs Figerhorn. Der Schnee hat sich gesetzt, es taut. Am Figerhorn warten über 800 Höhenmeter und eine Spur auf uns. Das sieht machbar aus. Schon nach kurzer Strecke warnt uns ein Vogelfotograf, dass Mio in Gefahr sein könnte. Zwei Adler sind unterwegs, und das könnte für Mio eng werden. Solche Geschichten habe ich auch schon gehört. Aber so richtig glauben will ich das nicht. Egal, Mio muss in der Nähe bleiben. Macht er aber nicht lange, und Adler sind auch keine zu sehen.

Die Tour ist heute bequemer als gestern, auch wenn nach dem Greibichel der Schnee tiefer wird. Dort, wo es dann steiler wird, ist der Weg tief eingeblasen. Der abgeblasene Grat hingegen ist schneefrei. Die Sonne hat brav gewirkt. Nur ist der Grat richtig steil und mit nun nassem Gras bedeckt. Rauf kommt man ja, auch wenn es anstrengend ist, aber runter? Egal, das überlegen wir uns später. So erreichen wir doch etwas außer Atem wieder den Weg, der nun den restlichen Grat entlang zum Gipfel führt. Hier ist es schneefrei und das Gipfelkreuz bald erreicht. Der Großglockner schaut her, wir machen Fotos. Die Bergsteigerjause aus dem Gradonna schmeckt , alles passt.

Irgendwann wird es dann doch kalt und wir steigen ab. Ein Paar hat sich am offiziellen Weg heraufgequält. Das finde ich sehr löblich, denn nun sollte der Abstieg kein Problem sein. Der junge Mann wirkt auf mich wie eine Dampflok, die sich auf Schienen durch den tiefen Schnee heraufgearbeitet hat. Er lacht. Ja, anstrengend war es schon. Aber was soll’s? Seine Partnerin ist gar im kurzen T-Shirt unterwegs, weil das so deppert anstrengend war. Auch sie ist sich bewusst, was das Spuren ihres Partners ihr erspart hat. Ich bedanke mich und bin beeindruckt.

Ja, so ist der Abstieg schnell erledigt. Die Schuhe sind zwar genauso nass wie am Vortag. Die kommen in den Trockenraum, und ich hole noch Jasmin aus Lienz ab. Als sichere L-Fahrerin bringt sie mich nach Kals zurück. Am Donnerstag ist Ruhetag für uns, das Wetter ist okay aber nicht sonderlich gut.

Das Figerhorn auf Garmin


Der Freitag bringt dann eine Tour mit Jasmin zur Blauspitze, immerhin über tausend Höhenmeter. Es ist frühlingshaft warm. Entsprechend sind die Sonnenseiten wieder abgetaut. Auf der Nordseite wird aber schon einiges an Schnee warten.

Wir steigen über das Bergrestaurant Glocknerblick auf. Die Hüttenwirtin erkenne ich prompt. Das letzte Mal habe ich sie vor knapp 25 Jahren gesehen. Wie die Zeit vergeht! Sachen gibt’s. Sie kann sich an mich nicht erinnern – komisch!

Wie auch immer, weiter geht es. Erst die Piste hinauf, ehe wir unter der Blauspitze nach Osten queren. Tja, und irgendwann geht es in die Schattseite des Berges, wo der Schnee beginnt. Eine Spur ist hier vorhanden, das hilft. Die Schneefelder, die es zu queren gilt, sind teils steil. Zum Glück trägt der Schnee gut. Jasmin kämpft tapfer. Oben unter dem Gipfel wird es dann nochmals mühsam. Aufgeben ist aber keine Option, und so erreichen wir lange nach Mio den Gipfel. Die Pause ist hier kürzer, denn es hat zugezogen und es beginnt gar leicht zu nieseln. Fotos, Mannerschnitten, Abstieg..

Mio ist völlig gaga. An den steilsten Stellen dreht er durch. Er will spielen. Das Spiel schaut derart aus, dass er versucht, meine Schuhbänder zu schnappen. Ich wehre ihn ab und er springt bellend herum. Keine gute Idee hier. Sein Hintern hängt bei diesen Spompanadeln bedenklich weit über dem Abgrund hinaus. Mio wird angeseilt mit Sicherung um den Hals. Na ja, besser als abgestürzt!

Auf der Hütte gibt es dreimal Burger. Eigentlich sperrt die Hütte schon um 15 Uhr, aber wir haben Glück. Und wie das schmeckt, da kann die Jause im Gradonna nicht mithalten. Am letzten Stück läuft uns Jasmin davon. Die jungen, elastischen Gelenke sind bergab schneller als meine. Einzig Mio schafft es, zwischen Jasmin und uns zu pendeln.

Die Blauspitze auf Garmin


Am Samstag machen wir noch einen letzten Ausflug zum Glocknerblick zur Jause. Jasmin und Carina genießen die Annehmlichkeiten des Mountain Resorts. Renate, Mio und ich geben unserem Bewegungsdrang nach, der aber nach dieser Woche schon deutlich abgeschwächt ist.

So geht am Sonntag eine Woche in den Bergen zu Ende. Auch das Ressort schließt hinter uns die Pforten. Nach einem Monat Pause beginnt Anfang Dezember hier die Wintersaison.

Fein war es!