Gradonna


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Carina schlägt vor, dass wir die Herbstferien im Gradonna in Kals verbringen. Da schlage ich zu. Zwei Turm-Suiten sind noch für diesen Zeitraum frei. Die nehmen wir auch gleich. Wir reisen am Sonntag an, Jasmin kommt am Mittwoch nach. Passt!

Der erste Tag beginnt eiskalt. Ja, da schau her! Am Nachmittag fängt es gar noch an zu schneien. Wir besteigen die Kranzwand, um zu testen, ob Carina bergfit ist. Ist sie. Mio soundso!

So planen wir für den Dienstag den Aufstieg zur Glorer Hütte. Das sind 732 Höhenmeter. Nur ist da noch keine Spur gezogen. Macht aber nichts, denn der Weg ist nicht zu verfehlen. Einzig mit zunehmender Höhe wird der Schnee immer tiefer. Einer geht vor und plagt sich. Irgendwann kommt auch Mio drauf, dass es mit seinen kurzen Beinen besser ist, wenn er hinten nach geht. So hat er wenigstens irgendeine Chance, die Hütte zu erreichen. Dicke Schneeklumpen haben sich an seinem Fell festgeheftet. Uh, das ist so hart, dass ihn Renate gar mal trägt. Aber das ist für sie dann noch härter. Carina kämpft tapfer. Auch für sie ist es anstrengend. Ich habe meine schweren Bergschuhe daheim gelassen. Carin hat nicht einmal daheim hohe Bergschuhe. So haben Carina und ich bald nasse Füße. Das erfrischt, hilft aber auch nicht. Renate motiviert trockenen Fußes Carina und Mio. Noch ein Kilometer und der Schnee ist wirklich tief. Teils brechen wir bis übers Knie ein. Mann oh!

Und dann schaffen wir es doch. Hier heroben sitzt einsam Carsten, vermutlich ein deutscher Aussteiger. Wir sind und werden heute die einzigen Gäste bleiben. Ich kann das alles nicht glauben, aber Carsten ist mit sich im Reinen. Passt doch. Das Essen ist gut. Wir plaudern, Mio schnorrt ein Paar Frankfurter. Wir trauen uns den Abstieg wieder zu. Der ist auch viel leichter, wenn man in Kauf nimmt, dass die Schuhe völlig durchnässen.

Wieder beim Lucknerhaus zurück, bin ich erleichtert, dass die Sonne Schnee und Eis von der Straße geschmolzen hat. Wir sind mit Sommerreifen unterwegs. In der Früh ging es einigermaßen auf der Schneefahrbahn, weil bergauf. Bergab hätte das hart werden können. Ein E-Auto mit zweieinhalb Tonnen am Eis in Sommerreifen bergab – uff! Sorgen waren umsonst, alles gut! Das Abendessen haben wir uns verdient.

Die Tour zur Glorer Hütte auf Garmin


Am Mittwoch macht Carina Pause. Renate und ich kehren zum Lucknerhaus zurück. Von hier wollen wir aufs Figerhorn. Der Schnee hat sich gesetzt, es taut. Am Figerhorn warten über 800 Höhenmeter und eine Spur auf uns. Das sieht machbar aus. Schon nach kurzer Strecke warnt uns ein Vogelfotograf, dass Mio in Gefahr sein könnte. Zwei Adler sind unterwegs, und das könnte für Mio eng werden. Solche Geschichten habe ich auch schon gehört. Aber so richtig glauben will ich das nicht. Egal, Mio muss in der Nähe bleiben. Macht er aber nicht lange, und Adler sind auch keine zu sehen.

Die Tour ist heute bequemer als gestern, auch wenn nach dem Greibichel der Schnee tiefer wird. Dort, wo es dann steiler wird, ist der Weg tief eingeblasen. Der abgeblasene Grat hingegen ist schneefrei. Die Sonne hat brav gewirkt. Nur ist der Grat richtig steil und mit nun nassem Gras bedeckt. Rauf kommt man ja, auch wenn es anstrengend ist, aber runter? Egal, das überlegen wir uns später. So erreichen wir doch etwas außer Atem wieder den Weg, der nun den restlichen Grat entlang zum Gipfel führt. Hier ist es schneefrei und das Gipfelkreuz bald erreicht. Der Großglockner schaut her, wir machen Fotos. Die Bergsteigerjause aus dem Gradonna schmeckt , alles passt.

Irgendwann wird es dann doch kalt und wir steigen ab. Ein Paar hat sich am offiziellen Weg heraufgequält. Das finde ich sehr löblich, denn nun sollte der Abstieg kein Problem sein. Der junge Mann wirkt auf mich wie eine Dampflok, die sich auf Schienen durch den tiefen Schnee heraufgearbeitet hat. Er lacht. Ja, anstrengend war es schon. Aber was soll’s? Seine Partnerin ist gar im kurzen T-Shirt unterwegs, weil das so deppert anstrengend war. Auch sie ist sich bewusst, was das Spuren ihres Partners ihr erspart hat. Ich bedanke mich und bin beeindruckt.

Ja, so ist der Abstieg schnell erledigt. Die Schuhe sind zwar genauso nass wie am Vortag. Die kommen in den Trockenraum, und ich hole noch Jasmin aus Lienz ab. Als sichere L-Fahrerin bringt sie mich nach Kals zurück. Am Donnerstag ist Ruhetag für uns, das Wetter ist okay aber nicht sonderlich gut.

Das Figerhorn auf Garmin


Der Freitag bringt dann eine Tour mit Jasmin zur Blauspitze, immerhin über tausend Höhenmeter. Es ist frühlingshaft warm. Entsprechend sind die Sonnenseiten wieder abgetaut. Auf der Nordseite wird aber schon einiges an Schnee warten.

Wir steigen über das Bergrestaurant Glocknerblick auf. Die Hüttenwirtin erkenne ich prompt. Das letzte Mal habe ich sie vor knapp 25 Jahren gesehen. Wie die Zeit vergeht! Sachen gibt’s. Sie kann sich an mich nicht erinnern – komisch!

Wie auch immer, weiter geht es. Erst die Piste hinauf, ehe wir unter der Blauspitze nach Osten queren. Tja, und irgendwann geht es in die Schattseite des Berges, wo der Schnee beginnt. Eine Spur ist hier vorhanden, das hilft. Die Schneefelder, die es zu queren gilt, sind teils steil. Zum Glück trägt der Schnee gut. Jasmin kämpft tapfer. Oben unter dem Gipfel wird es dann nochmals mühsam. Aufgeben ist aber keine Option, und so erreichen wir lange nach Mio den Gipfel. Die Pause ist hier kürzer, denn es hat zugezogen und es beginnt gar leicht zu nieseln. Fotos, Mannerschnitten, Abstieg..

Mio ist völlig gaga. An den steilsten Stellen dreht er durch. Er will spielen. Das Spiel schaut derart aus, dass er versucht, meine Schuhbänder zu schnappen. Ich wehre ihn ab und er springt bellend herum. Keine gute Idee hier. Sein Hintern hängt bei diesen Spompanadeln bedenklich weit über dem Abgrund hinaus. Mio wird angeseilt mit Sicherung um den Hals. Na ja, besser als abgestürzt!

Auf der Hütte gibt es dreimal Burger. Eigentlich sperrt die Hütte schon um 15 Uhr, aber wir haben Glück. Und wie das schmeckt, da kann die Jause im Gradonna nicht mithalten. Am letzten Stück läuft uns Jasmin davon. Die jungen, elastischen Gelenke sind bergab schneller als meine. Einzig Mio schafft es, zwischen Jasmin und uns zu pendeln.

Die Blauspitze auf Garmin


Am Samstag machen wir noch einen letzten Ausflug zum Glocknerblick zur Jause. Jasmin und Carina genießen die Annehmlichkeiten des Mountain Resorts. Renate, Mio und ich geben unserem Bewegungsdrang nach, der aber nach dieser Woche schon deutlich abgeschwächt ist.

So geht am Sonntag eine Woche in den Bergen zu Ende. Auch das Ressort schließt hinter uns die Pforten. Nach einem Monat Pause beginnt Anfang Dezember hier die Wintersaison.

Fein war es!

Marseille


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Der erste Hochzeitstag naht, Renate hat Marseille vorgeschlagen. Warum denn nicht? Ich war auch noch nie dort. Das nehme ich zumindest an, bis der Taxler vom Flughafen zum Hotel erklärt, dass der Graf von Monte Christo hier irgendwo eingesperrt war. Na ja, dass es den Grafen gar nicht gibt, sondern, dass das eine erfundene Romanfigur ist, habe ich damals vor 42 Jahren wahrscheinlich genau so wenig gewusst, wie heute. Also, jetzt weiß ich es – Google sei Dank! Aber halt, wusste ich es nicht doch? Egal, so erinnere ich mich, dass ich auf meiner Interrail-Reise mit Oskar schon mal hier war. Wir hatten überlegt, zur Insel zu schwimmen und wollten damit als erste Menschen nach Alcatraz schwimmen. Da war wohl einiges durcheinander!

Zurück zur diesjährigen Reise. Die Anreise über München verläuft friktionsfrei, sieht man von diesen heimtückischen Rollbänder für die Fußgänger ab. Also, ich kann nur warnen! Verkehrt stehend und aufs Handy starrend wird einem das Ende des Rollbandes zum Verhängnis. Hah, in die Falle gelockt, nicht ich purzle da wie ein hilfloser Käfer am Boden. Renate hat’s erwischt. Die erste Passantin ist so schnell da, dass ich noch nicht einmal Kopf schütteln konnte. „Are you okay?“. Das ist wirklich die dümmste Frage, die man in so einer Situation stellen kann. Renate hat noch nicht ganz mitbekommen, was ihr da passiert ist, lacht aber schon. Fix ist, einen Ganzkörper-Selbstscan wird sie wohl noch nicht geschafft haben. Also, „I’m great, thanks!“ kann man da nur antworten. „Mach‘ ich gerne – so eine kleine Showeinlage mit angedeuteter Rückwärtsrolle!“.

Im Hotel C2 haben wir uns einquartiert. Von außen ist es ein – naja – Hotel, aber innen ist es wirklich gelungen. Wir haben ein Zimmer ganz oben und blicken auf die Notre Dame in der Ferne. Nein, nicht bis Paris! Auf die Notre Dame de la Garde, denn die steht in Marseille am höchsten Punkt der Stadt. Das nenne ich mal einen feinen Ausblick. Die Sonne lacht, der kalte nieselige Herbst ist daheimgeblieben. Ein Spaziergang zum alten Hafen und Meeresfrüchte mit einer Flasche Crémant in den Markthallen machen den ersten Tag schon zum Erfolg. Okay, der Crémant erinnert ein bisserl an einen g’spritzten Heckenklescher. Was soll´s? Bleibt mir mehr!

Der zweite Tag wird noch besser! Wir haben E-Bikes gebucht und radeln in die Calanques. Schick mit rosafarbenem Helm geht es los. Anmerkung: Ich habe mir die Haare frisch gemacht und wollte mir die Frisur nicht zerstören, weswegen es keine rosa Helmfotos von mir gibt. Komoot geht es dahin. Auf Komoot hat uns der Verleih sogar die Strecke zusammengestellt. Die Bedingungen sind ideal. Ein Rennradfahrer überholt uns und nimmt triumphierend einen Schluck aus seiner Flasche. Es geht bergauf, er muss Mühe haben, das Getränk zu schlucken. Egal, nach ein paar Kilometer wird es wirklich steil. Da schätze ich schon mal 20% Steigung. Und da sind wir wieder. Der Rennradfahrer pfeift aus dem letzten Loch. Was hätte ich für eine Wasserflasche jetzt gegeben! Ein Königreich für ein Pferd! Quatsch, das braucht kein E-Biker, eine Flasche brauchte man. Ich will ihm zuprosten, dem armen Tour de Francler, der normal dreimal so fit wie ich aber jetzt dreimal so langsam ist. Er ruft uns etwas auf französisch nach. Kann ich nicht – C’est la vie!

Auf der anderen Seite geht es ebenso steil bergab und wir gelangen an eine schöne Bucht umringt von steilen Felsen. Junge Kletterer erfreuen sich des warmen Fels in der Herbstsonne. Wir sind zum idealen Zeitpunkt des Jahres hier. Im Sommer ist es wahrscheinlich heiß und voll mit Menschenmassen. Aber nun passt alles!

Am Heimweg geht es noch mit dem E-Radl zur Passage des Croisettes. Der Akku des Radels ist noch deutlich frischer als ich, der ich schon den ganzen Tag auf dem Sattel herumwetze. Und wir haben ein Problem. Hier in Südfrankreich pfeift man auf unseren azyklischen Essensrhythmus. Das soll heißen, zwischen 14:30 und 18:00 gibt es da nichts. Also, kaum etwas. Wir finden die Boissonnerie Les Goudes in Les Goudes. Wegen des Pan Bagnat kommt man hierher. Wir sind so hungrig, diese Thunfisch-Sandwiches schmecken herrlich. Wir können weiter.

Wieder in Marseille geht es dann noch mit letzter Energie steil zur Notre Dame hinauf. So sind wir bei tiefstehender Sonne am höchsten Punkt und genießen den Ausblick über Marseille. Ab jetzt volle Fahrt bergab! Die Räder sind knapp vor Geschäftsschluss im Verleih – alles gut!

Der Samstag ist Renates Leidenschaft gewidmet. Wir sind bei Alexandre Mazzia, genauer im AM par Alexandre Mazzia. Drei Sterne bei Michelin gibt es selten. Es ist ein Genuss! Einzig, es sind so viele Gerichte! Von jedem hätte ich gerne einen Teller voll, aber es gibt nur einen Löffel, dafür wunderbar präsentiert. Viele Gerichte werden auf am Kopf stehenden Häferln serviert. Ich wundere mich, aber sag lieber nichts. Die vielen Kellner in ihren dunklen Anzügen hätten sicher eine Antwort. Den Kaffee bestelle ich zu früh. Ich dachte, der Film ist schon aus, aber da kamen noch weitere Leckereien. Nach dem Essen schafft Renate noch ein Foto mit dem Drei-Sterne-Star, einem ehemaligen Basketballstar aus der Republik Kongo. Da schau‘ her! Ich lege mich bald erschöpft auf historische Steine, um ein bisserl das Wamperl zu stretchen, aber nur so lange bis mich die Museumswärterin vertreibt und mich auf die bereitgestellten Bänke hinweist. Ich bin auch immer entsetzt, auf was für vertrottelte Ideen diese Touris bei uns kommen – fürchterlich! Noch ein Abendspaziergang und auch dieser Tag ist ein Erfolg.

Am letzten Tag schießen wir noch Fotos, und Gottfried bekommt seine Bouillabaisse. Der gute Mann am alten Hafen muss denken, dass wir nach mehreren harten Tag im vom wilden Mistral aufgepeitschten Mittelmeer mit unserem Fang zurück sind und nun etwas brauchen, das uns nicht nur aufwärmt sondern auch sättigt. In der warmen Sonne tuen wir uns mit diesem knappen Liter heißer Suppe, serviert im Topf, schwer. Beim Alexandre, dem Ex-Basketballer, hätte ich einen Löffel voll bekommen. Facettenreiches Marseille!

Am Abend dann Abflug nach Wien! Wir sind total positiv überrascht von Marseille und können einen Besuch nur empfehlen! Was für ein gelungener Städtetrip zu unserem einjährigen Jubiläum. La vie est belle – wie der Franzose sagt!


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Weißkugel


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Monate, ja Jahre lang tun wir mit der Weißkugel schon rum. Als Kind hat ich die Besteigung schon vor. Der Vater hat einen elendslangen Firngrat versprochen, der bezwungen werden will. Okay, den wird die Klimaerwärmung entschärft haben . Vor sechs Jahren hat Ulli, als der Krebs schon weit fortgeschritten war, dem Onkologen auf die Frage, was sie sich denn noch vorgenommen hat, launisch und zuversichtlich, nur wie sie es konnte geantwortet: „Die Weißkugel besteigen!“. Irgendwie hat sich die Story ab da verselbständigt, dass Gernot und ich Ulli versprochen hätten, die Weißkugel für sie zu erledigen. Daran kann ich mich aber nicht erinnern. Vielleicht haben Gernot und ich mal posthum gesagt, dass wir die Weißkugel für sie machen. Was auch immer der Beweggrund war, die Top 3 der höchsten Berge in Österreich sind „erledigt“. Die Liste gibt es hier.

Renates Füße haben sich mit den neuen Einlagen arrangiert. So arrangiere ich mich mit dem Faktum, dass ich 57 bin, viel Zeit habe und es eigentlich nebensächlich ist, ob ich die Weißkugel in eineinhalb oder zweieinhalb Tagen bewerkstellige. Ich akzeptiere gar schon, dass ich die Weißkugel ohne Übernachtung nicht mehr schaffe. Zwei Übernachtungen erscheinen mir schon sehr komfortabel geplant. Ich spekuliere damit, dass, wenn nicht wir, so doch Gernot, nach der Besteigung noch ins Tal absteigt und heimfährt. Aber es kommt besser. Nun der Reihe nach.

Am Dienstag beschließen Renate und ich, dass wir am Mittwoch aufbrechen und am Donnerstag Gipfeltag ist. Gernot ist spontan dabei, kann aber erst am Donnerstag in Kärnten los. So fahren Renate und ich am Mittwoch los und übernachten in Nauders. Am Donnerstag ist es zu unserem Treffpunkt beim Almhotel Glieshof nur noch ein kurzes Stück. Der Glieshof sieht von außen überaus fein aus. Das nächste Mal quartieren wir uns hier ein! Gernot hat es von Kärnten aus kilometermäßig nur halb so weit wie wir. Aber er kommt mit einer Geschwindigkeit wie Mio, wenn man ihn ruft.

So starten wir nach 14 Uhr. Die Sonne brennt runter. Upps, das wird zäh. Auf der Hütte kommen dann die ersten Überraschungen. Wir haben ein Vierbettzimmer mit Bad. Oha, Dusche und Handtuch warten auf uns. Gernot bekommt das Stockbett wir das Doppelbett. Wir hätten gar ein Doppelzimmer haben können, aber dann hätte Gernot in ein Sechserzimmer müssen. Da nehmen wir ihn doch bei uns auf. Sogar eine „Sonnenterrasse“ bietet unser Zimmer. Da werden wir wohl nicht fluchtartig noch absteigen. Hier hält man es aus. Die Hütte ist in tollem Zustand, das Essen soll auch gut sein und ist auch wirklich gut.

Edwin, der Hüttenwirt, meint, dass das Matscher Wandl aktuell in perfektem Zustand ist. Das hat auch schon die Wirtin bei der Buchung gesagt. Jepp, das ist fein! Keine Eisschrauben, keine Angst im steilen Eis. Was soll da noch schiefgehen?

15 Gäste sind wir. Zwei Gäste haben getrennt einen Bergführer für die Weißkugel gebucht. Diese zwei Gruppen – die einen nennen wir die Geschwinden, die anderen die Moderaten – und wir werden also am Donnerstag von der Oberetteshütte Richtung Weißkugel aufbrechen. Das ist sehr wenig. Frühstück gibt es um halbsechs. Na zack, das ist aber früh. Sonnenaufgang ist sieben Uhr. Ich überlege. Okay, es wird warm wie an einem Sommertag. Da will man nicht in einem steilen Firnhang herumeiern. Wie auch immer, kurz nach halbsieben stehen wir vor der Hütte. Vor uns sieht man die Stirnlampen der beiden Gruppen. Wir starten mit dem ersten Morgenlicht.

Nach der Hütte geht es 350 Höhenmeter auf einen Grat, weiter auf einem Plateau, ehe man wieder knapp 150 Meter absteigen muss. Uh, das ist steil, das wird am Rückweg kein Genuss werden. Dann noch ein Stück an einem sicherlich eher jungen „See“ links vorbei, ehe wir am aktuell unteren Ende des Matscher Ferners angelangen. Hier holen wir unsere beiden Gruppen von der Hütte ein. Sehe ich es richtig, haben die beiden Bergführer nur ein Strickerl mit, das nur ein Gehen am kurzen Seil erlaubt. Wir sind da mit unserem 60m langen Seil schon eher auf Spalten eingestellt. Ich vermute, dass wir wieder einen „sterbenden“ Gletscher begehen werden. Jepp, so ist es leider dann auch. Im unteren Drittel gibt es noch ein bisserl ein Spaltenlabyrinth. Wer wild ist, kann wahrscheinlich gerade aufsteigen. Er muss halt ein paar Mal ein, eineinhalb Meter in die Spalte und auf der anderen Seite wieder rauf. Die Spalten sind V-förmig im Querschnitt aber nicht tief. Wir sind natürlich brav und queren, bis wir über die Spalten einfach drübersteigen können.

Bald geht es dann noch mal weniger steil dahin, ehe man entscheiden muss, ob man steiler weitergeht und unter der Inneren Quellspitze Richtung Matscher Wandl zieht oder, ob man doch die flachere Variante wählt, die unterhalb einer markanten Felsinsel links in einem weiten Bogen führt. Wir machen es wie die Bergführer und das ist natürlich schlau so. Hier sind zwar noch einmal ein paar Querspalten zu nehmen, aber dann ist Ruhe mit den Behinderungen. Schattig ist es auch, und das ist definitiv angenehm. Trotzdem keucht eine von uns drei schon ordentlich. Auch am Ende des steileren Abschnittes will sich keine Erholung einstellen. Jetzt ist es eigentlich nur noch ein flacherer Firnabschnitt.

Ist das da vorne schon das Matscher Wandl? Oha, das sieht dann doch ein bisserl wild aus. Die Erfahrung sagt, das Gegenhänge oder steile Hänge aus der Ferne und in Draufsicht immer wilder aussehen. Gernot ist beruhigt, ich noch nicht so ganz.

Während wir also langsam dahintrotten, fällt die Entscheidung. Gernot wird alleine gehen. Renate nehme ich ans kurze Seil. Das bringt mentale Sicherheit für sie. Ich bin mir sehr sicher, dass ein kurzes Seil zwischen uns nur bedeutet, dass wir mit hoher Wahrscheinlichkeit gemeinsam abfahren, wenn einer ausrutscht. Noch ehe wir am Einstieg sind, ist auch schon das erste Duo, die Geschwinden, durch das Wandl. Mah, das ging schnell. Die Moderaten lassen uns vor und so sind wir die nächsten.

Der Durchstieg ist dann eher einfach. Es schaut zwar an der ersten Querung das Eis raus, aber es sind gut haltende Schneereste fast in Stufenform vorhanden, die die Begehung recht einfach machen. Die Kehre ist steil, aber gut machbar. Kein Blankeis mehr, und die Steigung nimmt wieder ab. Wenn sich die Schneebedingungen nicht allzu sehr ändern, bin ich für den Abstieg entspannt.

Jetzt folgt noch ein flacher Firnhang und ein wenig spektakulärer Firngrat zum Steigeisendepot. Am Gipfel sehen wir schon emsiges Treiben. Steigeisen und Pickel liegen zuhauf herum. Oha, da ist eine große Gruppe von der Bella Vista Hütte heraufgekommen. Wir lassen Steigeisen und Pickel ebenfalls hier.

Gekraxelt wird ein bisserl ausgesetzt, aber nicht sonderlich schwer. Und dann ist da das kleine, nordseitige Schneefeld, das ich in einer Beschreibung gelesen habe. Man muss es absteigen. Ohne Pickel und Steigeisen ist das ein fragwürdiges Unterfangen. Aber ein mächtiges Seil ist doppelt gespannt. Es ist mit Bandschlingen und zwei Exen montiert. Wau, das sieht professionell und sehr neu aus. Da bin ich aber froh. Nur was, wenn das am Rückweg nicht mehr da ist? Dann stehen wir beim Gipfel ohne Ausrüstung! Hmm, schauen ma a mal.

Am Gipfel dann Gedränge. Die junge Truppe aus Südtirol hat gar zwei Hunde mit herauf gebracht. Der junge Mann erzählt, dass sie um 4:15 in Kurzras los sind und er die Sicherung aufgebaut hat. Alles viel Information. Die Leute hier haben also schon über zweitausend Höhenmeter in den Beinen. Sie lachen und scherzen. Und er ruft immer wieder „Mama, mach‘ des!“ und „Mama, hast du des eh a?“. Die Frau, die sich angesprochen fühlt, ist jünger als ich. Der Verstand kommt nicht nach. Ist die Luft zu dünn? Oha, da steht auch das g’schwinde Paar von unserer Hütte. Sie warten offenkundig schon ewig auf ungestörte Gipfelfotos.

Wir entscheiden schnell, dass wir nur kurz hier verweilen werden und stattdessen weiter unten rasten wollen. So können wir noch die Seilsicherung nutzen. Ja, das passt alles! Die Hunde, die Mama und noch ein paar Menschen sind schon weg. Wir schießen schnell die Fotos, und ich achte sorgfältig darauf, dass noch jemand aus der Südtiroler Gruppe hinter uns ist.

Tja, die Erkenntnis ist dann, dass der Aufstieg auch ohne Seilsicherung leicht machbar gewesen wäre. Da hätten wir also ruhig einsame Momente am Gipfel genießen können. Renate schließt sich gar dem g’schwinden Bergführer an und ist gar nicht mehr zu stoppen. Der zweite Bergführer ist mit seinem Gast auch da und sichert unbeabsichtigt eine bisserl kniffligere Stelle, indem er noch oben steht, während sein Gast ein paar Meter unter ihm Platz genommen hat. Der Gast kauert sich an den Fels und wir steigen drüber. Das ist ja wie auf den Achttausendern hier. Mann, da geht es zu. Ich bedanke mich höflich und ausführlich bei Bergführer und Gast und versichere mich bei dem doch etwas mitgenommenen Gast, ob eh alles in Ordnung ist. Ein bisserl deppert ist die Situation schon.

Beim Steigeisendepot dann die nächste Aufregung. Mama meint, dass ihre Steigeisen verwechselt wurden. Sie rennt dem g’schwinden Bergführer mit seinem Gast nach. Der ist schon im Abstieg und sicher, nichts verwechselt zu haben. Man ist irritiert. Logistisch kann niemand sonst die Steigeisen verwechselt haben. Gernot bietet seine 46er an. Auch meine werden nicht passen. Der junge Mann hat mittlerweile die Seilbrücke abgebaut und versucht aufzuklären. Ehe Mama ihren Fehler eingesteht, nimmt sie halt das Paar das noch über ist.

Wir pausieren noch ein bisserl, ehe es ins Wandl geht. Wieder bilden Renate und ich eine Schicksalsgemeinschaft, während Gernot ungesichert und doch bei geringerer Gefahr alleine absteigt. Runter ist es wie zu erwarten nochmals leichter. Die steile Kehre ist überstanden und in an den eisigen Stellen stützt der Schnee tadellos. Just unter der steilsten Stelle schauen einige Felsen aus dem Eis. Wer hier ausrutscht, hat gute Chancen, sich weiter unten zu fangen. Wäre da nur nicht dieses Felsband. Egal, wir sind durch. Ab jetzt heißt es durchhalten.

Wir wählen wieder die Variante unter der Felswand der Inneren Quellspitze. Von Steinschlag ist da keine Spur. Gernot wird uns durchs Spaltenlabyrinth führen. Mal ein bisserl links, mal ein bisserl rechts, mal ein großer Schritt über eine Spalte, manchmal gar ein kleiner Hüpfer. Da reicht es einer von uns. Disziplin ist gefragt. Okay, so trotten wir zum Ende des Matscher Ferners. Wir wollten ja eine Eisschraube eindrehen. Immerhin haben Gernots Eisschrauben noch nie Eis gespürt. Aber jetzt will Gernot nicht. So stehe ich als einziger da, der hier am Gletscher bohrt. Die moderate Gruppe holt uns ein und überholt. Fest steht, von den beiden reicht es auch zumindest einem und der will heim.

Wir drei hingegen haben es nicht eilig, rasten nochmals anständig vor dem steilen Gegenanstieg und erreichen am Nachmittag die Hütte. Stolz und unumstößlich mit dem Gipfelsieg in der Tasche faulenzen wir in der Sonne. Am Abend gibt es gar eine Flasche zur Feier des Tages. Zu meiner Freude habe ich eingesehen, dass wir die Nummer 3 in Österreich bestiegen haben. Als solche steht sie eh in meiner Liste, aber ich war ganz sicher, dass der Pöschlturm höher ist. Neun von zehn der Top 10 habe ich somit. Wir planen gleich die Glocknerwand und schielen zum Ortler hinüber. Die Zuversicht ist zurück. Es liegt nicht nur am Wein!

Am nächsten Tag heißt es dann Abschied nehmen. Der Abstieg geht schnell. Am Glieshof trennen sich unsere Wege. Während wir über den Reschenpass Richtung Norden fahren, schlängelt sich Gernot durch Italien nach Kärnten in die fast neue Heimat. Für uns gibt es noch im Restaurant Hubers im Fischerwirt ein feines Essen. Wir arbeiten konsequent an unserer Erholung.

Die drei Tage auf Garmin


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Wildes Gamseck

Neue Einlagen für Renates Füße sind da. Die müssen probiert werden. Am besten auf vertrautem Terrain und nicht in der Ferne. So starten wir in Hinternaßwald, wo es kalt ist. Also, es ist Herbst, und da starten zwei Wanderer in ihren kurzen Hosen. Der Wind macht Gänsehaut, aber mit dem Wald kommt der Anstieg, und die Kälte weicht. Nach zweieinhalb Stunden sind wir beim Einstieg. Renate wechselt die Schuhe. Aufs Seil will sie verzichten, das bleibt im Rucksack. Ich habe es zur Sicherheit mit.

Viel zu rasch sind wir durch. Die Kletterei, oder Kraxelei, ist so fein wie kurz. Da wir den Steig, oder ist es gar die Route, kennen, tun wir uns vielleicht extra leicht. Ich kenne die „Schlüsselstellen“. Wer Übung hat, meistert sie. Wer Anfänger ist oder sich unwohl fühlt, braucht Sicherung und Unterstützung. Klebehaken und Standplätze gibt es genug. Die Markierung findet man auch leicht, wenn man nicht wie ich eine Rotgrünsehschwäche hat.

So haben wir die Kraxelei rasch hinter uns, und Renate steigt wieder auf die anderen Schuhe um. Wir gehen ohne Pause zum Habsburghaus weiter. Hunger macht sich breit. Noch vor der Hütte fragt mich Renate, ob ich geschaut habe, ob sie geöffnet ist. Ja! Renate hat auch nachgeschaut. Meine Trinkreserve habe ich schon aufgebraucht. Zeit fürs Nachfüllen. Aber siehe da, Montag ist Ruhetag! Ein Schild mit dem launischen Aufdruck „Uns kannst du GERN-haben“ frustriert arg und macht mich zornig. Ehe ich einen Punkt auf Google vergebe, lese ich nochmal nach. Mist, da steht auf der Homepage der Hütte im Kleingedruckten, dass im September der Montag Ruhetag ist. Renate hat nichts überlesen, sie hat nur auf einer Webseite nachgelesen, die eben nicht so gut informiert ist. Da kann der Hüttenwirt nichts dafür.

So steigen wir mit einem Loch im Bauch und etwas dehydriert ab. Weil eh schon alles wurscht ist, wählen wir den Peter-Jokl-Steig. Am Wegweiser steht, dass man da eine halbe Stunde länger geht als über den Kaisersteig. Aber das will ich nicht einsehen, denn kürzer ist der Peter-Jokl allemal. Ein bisserl „zach“ ist er halt, aber das weiß ich bereits. Bei der Hälfte der Entfernung quert man eine Forststraße. Renate fragt hoffnungsvoll, ob wir jetzt unten sind. Nicht ganz, aber den steilen Teil haben wir hinter uns.

Und auch heute geht alles irgendwann zu Ende. Wir erreichen den Parkplatz und fahren zum Raxkönig in Naßwald. Die Raxwirtin, oder Raxkönigin, kommt aus Thailand. Nach Tullnerbach-Pressbaum ist nun Naßwald die nächste Station ihres Lebensweges. Wer hätte das gedacht? Die Suppe mit Shrimps und Zitronengras schmeckt definitiv asiatisch, die Forelle ist auf den Punkt perfekt zubereitet und Sesam-Bällchen in Kokosmilch wie Topfenstrudel runden all das ab. Ist das Fusion-Kitchen? Wir staunen, und es liegt nicht nur am Hunger, dass wir hoch zufrieden sind. Die Wirtin verabschiedet uns mit einem „Kummst guat ham!“.

Ach ja, die Füße haben auf der doch langen Tour gehalten! Wir sind bereit für noch Größeres.

Die Tour auf Garmin

Akademikersteig

Einmal im Jahr muss der Akademikersteig erledigt werden. Erstmals sind wir zu dritt. Wir entscheiden uns für die Variante: „Einer vorne, die beiden anderen nahe beisammen am Ende des Seils“. So schwierig sollte es ja nicht werden.

In einer guten halben Stunde sind wir beim Einstieg. Mah, da ist es schwül. Der anstrengendste Teil sollte geschafft sein. Ich probiere unsere Variante in der ersten Seillänge aus. Funktioniert tadellos. Auch die beiden kommen schnell und problemlos nach. Die beiden sind mit Karabinern ins Seil eingehängt, so können sie sich schnell aushängen und die einfachen Passagen ohne Seil gehen, während ich das Seil aufnehme und folge. Zack, schon ist Renate weg.

Ab der nächsten Seillänge übernimmt Gernot und ich bleibe mit Renate hinten. All das ist überaus entspannt. Wir schießen Fotos und genießen den Tag.

Bald sind wir beim Felsenfenster. Nein, da ist nichts verlorengegangen seit 2015(?). Ein Kommentator hat 2024 erwähnt, dass ein Teil nun fehlt und alles viel schwieriger ist. Es sieht alles gleich aus wie sonst auch. Der gute Mann muss vor über zehn Jahren das letzte Mal hier gewesen sein. Und ein IIIer ist die Passage beim Felsenfenster wirklich nicht. Von Gernot und Renate kann ich coole Fotos machen. Gernot sieht als nächste Option nur noch „Free solo“! Na, das wäre vor ein paar Jahren nicht denkbar gewesen. Auch Renate verspürt keine Schwierigkeiten. Sie steigt gar den Schlussgrat ungesichert vor. Ausstieg erreicht.

Warm ist es nun wieder geworden. Wir rasten, packen zusammen. Dann rückt Gernot raus, dass er nichts dagegen hat, wenn wir gleich absteigen und im Weichtalhaus essen. Am Vortag hatten Renate und ich noch eine schwere Diskussion, was wir nach dem Steig machen. Ihre Füße mögen aktuell keine langen Hatscher. Wie auch immer, mit Zweidrittelmehrheit beschließen wir den Abstieg über den Wachthüttelkamm. So gierig war ich auch nicht auf die Wanderung zum Ottohaus – passt schon! So ist es ein bisserl kurz. Bei so wenig Kalorienverbrauch tue ich mir im Weichtalhaus gar nicht leicht. Aber den Burger, in dem sich Reh und Wildschwein treffen, schaffe ich, und die Heidelbeertatschgerl sind Pflicht.

Tadelloser, vergnügter Tag!

Die Tour auf Garmin

Fuchsloch & Karl-Kantner

Vom Preinergscheid über den Fuchslochsteig zum Karl-Ludwig-Haus und von dort wieder runter zum Auto – soweit der Plan. Renate hält sich jetzt bei den Vorbereitungen mit verunsichernden Aussagen zurück, trotzdem fragt sie mich zumindest einmal, ob ich in der kurzen Hose gehe. Dass ich mich ganz spontan auf die Lange umentscheide, bereue ich dann knapp nach Beginn der Tour schwitzend.

Den Fuchslochsteig ist Mio nun schon ein paar Mal gegangen. Vielleicht ist es die Routine, aber heute will es nicht so recht. Wir erreichen den Einstieg rasch. Renate und ich sind beide fit. Garmin vermag keine sonderliche Anstrengung festzustellen. So kommen wir also frohen Mutes zum Steig. Mio schreitet voran und lässt massig Geröll auf uns hernieder. So weit, so normal. Bei der Schlüsselstelle – immerhin mit ausreichend glitzernden Haken versorgt – muss Mio geholfen werden. Diesmal hebe ich ihn hoch, Mio erreicht mit den Pfoten die Wand, drückt sich ab und hebelt mich fast aus der Wand. Pah, der hat eine Kraft! „Der will nur spielen!“ sagt man da als guter Hundehalter. Aber er will nicht spielen und ich finde es nicht lustig. Mann oh!

Die Schlüsselstelle ist wie schon ein paar Mal hier geschrieben wirklich nicht wild. Keine sechs oder gar zehn Meter, wie in mancher Literatur angegeben, und sicher nicht senkrecht. Sonst läge ich jetzt am Fuße der Schlüsselstelle. Also, Schlüsselstelle gut, Rest gut.

Kalt ist es am Plateau. Bin ich froh, dass ich eine Lange anhabe. Kurz nach elf kommen wir zum Karl-Ludwig-Haus. Es gibt Gams-Ragout. Das ist ausgezeichnet, aber auch ein bisserl komisch, da wir drei jede Menge Gämsen gerade noch bewundert haben. Einer ganz besonders, aber der geht jetzt leer aus. Wir plaudern entspannt mit den neuen Leuten der Hütte und brechen doch beeilt auf. Das Wetter ist nicht gut angekündigt und es sieht aus, als käme der Regen früher.

Spontan entscheiden wir uns für den Karl-Kantner-Steig. Eine „Kletterstelle“ umgeht Mio selbständig im Geröll, zweimal braucht er einen Lift. Zusätzlich zu seinem Halsband hat er jetzt ein Brustgeschirr oder passender einen Klettergurt an. Und damit er nicht wieder an der Wand antaucht, halte ich ihn von dieser weg, während ich die paar Schritte absteige. Der freischwebende Mio und ich geben sicherlich ein skurriles Bild ab, schaffen es aber derart ohne Zwischenfall über die zwei leichten Klettersteigstellen.

Knapp vor Einsetzen des Regens schaffen wir es ins Auto. Eine tadellose, kurzweilige Tour ist geschafft.

Die Tour auf Garmin

Haidsteig -Königschuss – Haid

Ein Auto in der Griesleiten – da ist ja wie damals! Die Sommerferien sind vorbei, da wird es einsam an einem Mittwoch werden. Ich bin alleine unterwegs und will zügig den Haidsteig und den Königschusswandsteig gehen. #beatYesterday lautet Garmins Motto. Ich will auch besser sein als gestern. Schauen ma a mal! So ziehe ich los ohne übertriebene Eile, aber auch ohne Trödeln und verliere bis zum Einstieg gegenüber meinen schnellsten Tagen als Ü50 ganze zehn Minuten. Oida, wie geht denn das? Das muss ich daheim studieren. Nix mit #beatYesterday, eher #beatenByYesterday.

Der Haidsteig ist fein wie immer. So ganz alleine für mich mag ich ihn besonders. Bei Ulli schaue ich vorbei. Da ist ein neuer Aufkleber an der Hüttenbuchbox angebracht – siehe Fotos. Seltsam, ob sie das war? Ich bleibe ein bisserl bei ihr.

Der weitere Aufstieg ist natürlich auch kein Problem, nach knapp über eineinhalb Stunden bin ich am Ausstieg. Da fehlt dann eine Viertelstunde auf die alten Zeiten bzw. die Zeiten eines Ü50-Alten. Damit kann ich leben. Vielleicht will ich es ja einmal wissen und es in weniger als 90 Minuten schaffen. Die eineinviertel Stunden scheinen nicht mehr erreichbar. Wichtig war es nie und ist es nicht. Die Sportuhr muss herhalten! Sie ist schuld, weil sie mir das immer vorzeigt bzw. mich nachschauen lässt. Wie schnell ich mit 30 war? Keine Ahnung, da gab es solche Uhren noch nicht.

Beim Preinerwandkreuz treffe ich dann erste Wanderer. Aber kaum verlasse ich das Plateau und steige zum Königschusswandsteig ab, bin ich wieder alleine. Die Querung treffe ich diesmal gut. Beim Einstieg ein Packerl Schnitten und los geht es. Gut geht es. Das Felsenfenster ist gar nicht so feucht wie befürchtet und diesmal tritt ein, was selten vorkommt. Ich komme fast elegant, also ohne Quetschen, Schieben und Drücken, durch. Recht so, das gibt Auftrieb!

Wieder oben am Plateau sehe ich plötzlich das Gesicht eines finster dreinschauenden Kameraden in der gegenüberliegenden Felswand – siehe Fotos. Den habe ich noch nie gesehen. Es muss an der Wolkenstimmung oder am Sonnenstand bzw. der Jahreszeit liegen. Oder er war schon immer da, nur ich blicke diesmal in die richtige Richtung.

Der Boden ist „übersät“ mit Edelweiß. Die haben sich über die Jahre ausgebreitet. Ich mache Fotos und beschließe, den Haidsteig wieder abzusteigen. Man muss ja variieren. Beim Abstieg kommen mir dann vier Gruppen mit insgesamt zehn Kraxlern entgegen. Gleich viele Frauen wie Männer sind unterwegs. Ich plaudere und hole das soziale Defizit der letzten Stunden nach. Die tschechische Vierergruppe ist sehr jung und etwas verwundert, dass man den Steig auch bergab gehen kann. Kann man, ist leichter als gedacht.

Müde aber doch rolle ich wieder heim. Auch wenn alles unerklärlicherweise laut Uhr langsamer geworden ist, habe ich mich fast so gefühlt wie vor ein paar Jahren. Ich muss das noch einmal überprüfen oder – besser – einfach akzeptieren. Fein war es jedenfalls allemal!

Die Tour auf Garmin

Altenbergsteig

An diesem Samstag zieht es uns wieder einmal an die einsame Seite der Rax. Am Preinergscheid ist noch massig Trubel. Die Parkplätze sind am späteren Vormittag schon knapp, die meisten Wanderer zieht es Richtung Waxriegelhaus.

Wie zu erwarten sind wir somit am Weg zu Karreralm einsam unterwegs. Renate düst dahin. Bei der Karreralm will sie nicht einmal eine Pause machen. So steigen wir nach ein paar Distelfotos eben weiter. Mit den Höhenmetern fällt die Temperatur und das ist Mio gerade recht. Der Aufstieg ist eine schöne Wanderung ohne technische Schwierigkeiten, und wer sie ohne Unterlass geht, ist auch bald oben.

Mio hat Gämsen erblickt. Aber er ist kein junger Hund mehr, also kein Imponieren oder angedeutetes Jagen mehr. Stattdessen die Schnauze tief am Boden jagt er über das Gras. Er mag das Plateau. Liegt es an der Kälte, die einige, junge Wanderer in kurzen Hosen und mit blauen Knien wegzulächeln versuchen? Pah, da pfeift der Wind und die Sonne versteckt sich hinter den Wolken. Der Sommer ist vorbei, zumindest für heute. Wir haben uns fest eingepackt.

Auf der Heukuppe drängen sich die kurzhosigen, jungen Männer aus dem Osten im Windschatten einer Mulde. Mio überwindet Sprachbarrieren und bettelt ihnen ihre Jause ab, zumindest den wurstigen Anteil. Er will gar nicht weiter. Als ich ihn dann doch losreiße, ist Renate schon vom eisigen Wind verweht. Zahlreiche Wanderer kommen vom Karl-Ludwig-Haus herauf. Mit dem Wind im Rücken vermag Mio sein Frauchen nicht zu erschnüffeln. Hat er es diesmal mit dem Nicht-Hören-Wollen übertrieben? Was für eine Freude, als er sie dann doch ausmacht!

Das Karl-Ludwig-Haus hat einen neuen Pächter. So viel Personal habe ich hier heroben überhaupt noch nicht gesehen. Alles läuft recht professionell ab. Wir werden freundlich empfangen. Okay, wir sind ein bisserl spät dran und die anderen Gäste mit dem Mittagessen wohl schon fertig. Egal, wir bekommen das Essen schnell und gut ist es auch. Am Internet beschweren sich die Gäste über die hohen Preise, doch die Aufregung mag konzertiert sein, denn mir fällt kein Aufschlag zu früher oder einer anderen Hütte in der Nähe auf. Wir sind zufrieden und steigen mit vollem Bauch den Schlangenweg ab, wo es allmählich wieder wärmer wird.

Der Abstieg vom Siebenbrunnenkessel über die Alte Schipiste wird renaturiert. Aha, was es nicht gibt. So geht es teils die Forststraße und teils durch den Wald zum Parkplatz zurück.

Schnelle Runde mit Renate und Mio – tadellos!

Die Tour auf Garmin

Weg ohne Grenze

Gernot hat Geburtstag – ein Grund nach Kärnten zu kommen. Am Vortag seines Ehrentages fahren wir gemeinsam vom Wörthersee auf den Plöckenpass. Zwei Klettersteige haben wir uns ausgesucht: den Cellonstollen und den „Weg ohne Grenze“. Ein gut besuchter Parkplatz auf italienischer Seite erwartet uns. Ein Stück müssen wir zurück Richtung Österreich (aber nicht im Tunnel!), ehe, gut angeschrieben, der Steig über die Verbauung bergauf führt. Der Zustieg ist kurz.

Geschichte ist hier angesagt, zumal der Cellon bzw. Frischkofel im ersten Weltkrieg wild umkämpft war. Wer die Gipfel hat, kontrolliert die Pässe und damit die Grenzen – so das damalige Motto. Als der Cellongipfel schon von den Italienern erobert war, schlugen die Österreicher den Stollen in den Stein, um die Stellung auf der Cellon-Schulter halten zu können. Steil geht es im Stollen hinauf. Alle 20 bis 30 Meter ein Luftloch. Damals waren Holzstufen verbaut, heute sind es ein Seil und dort, wo notwendig, Eisenklammern. Bei unserer Begehung war es feucht und ein bisserl rutschig, aber alles gut machbar. Wir haben so viele Fragen und sind voller Respekt, was das für eine Arbeit war. Die Begehung ist ebenso kurzweilig wie spektakulär.

An der Schulter angekommen, geht es weiter zum Klettersteig „Weg ohne Grenze“. Auch der Abschnitt ist nicht sonderlich weit und bald stehen wir am Einstieg des Klettersteigs. Die Schwierigkeit ist mit D angegeben. Entsprechend respektvoll blickt eine von uns den Herausforderungen entgegen. Einige Klettersteiggeher sind unterwegs, aber die lassen wir vor. Renate bekommt eine Blitz-Einschulung von Gernot in die Verwendung des Skylotecs, einem Sicherungsgerät, das die Sturzlänge im Falle eines Falles minimiert. Nicht wissend, was ich zwischenzeitlich mit meiner Zeit anfangen soll, mampfe ich den Proviant für den heutigen Tag in mich hinein.

Dann geht es los. Nach ein paar einfachen Metern erwartet uns eine steile Rampe. Sie ist mit B/C bewertet. Mit Erfahrung ist sie wirklich nicht annähernd so schwer wie sie spektakulär ist. Der gesamte Steig ist toll angelegt, der Fels ist durchgängig griffig und kein bisschen abgeschliffen (2025). Es warten eine C/D- und zwei D-Stellen. Alle drei Stellen sind eher kurz und somit nicht allzu kraftraubend. Dies vorausgesetzt, dass man zügig über die Stellen kommt. Zum Abschluss dann noch eine Wand mit der Schwierigkeit C und das Ende ist erreicht. Was sich kurz liest, ist zeitlich und von den Höhenmetern ein ganzes Stück. Es ist ein überaus feiner Steig, der das Prädikat „Empfehlenswert“ verdient. Für Anfänger und Kinder gibt es Passenderes. Wer es trotzdem probieren will, soll zu jedem Anfänger bzw. Kind jemand mit Erfahrung dabei haben, der gegebenenfalls an einem Seil sichert. Der Steig ist mit Klebehaken ausreichend versorgt.

Gegen Ende des Klettersteigs ist Nebel aufgezogen. Den Frischenkofel, oder besser bekannt als Cellon oder Creta di Collinetta, nehmen wir natürlich mit. Der Weg dorthin ist gesäumt, von von Menschen geschlagenen Höhlen mit Fenstern, um Richtung Plöckenpass feuern zu können. Hier auszuhalten, muss Irrsinn gewesen sein. Wie das im Winter war, 1916 war es sicher deutlich kälter, mag man sich gar nicht vorstellen. Gernots späte Berufung zum Immobilientreuhänder beweist sich hier. Er ist versucht, jede Höhle zu begehen, meint, Schlaf- und Essraum zu erkennen. Er schreitet ab, will ausmessen und überlegt wohl, wie er das potenziellen Mietern schmackhaft machen könnte. Jede Höhle beeindruckt ihn, uns weniger.

Wir rasten am Gipfel, die verbliebenen Kokoskuppeln müssen weg, aber ich explodiere gleich. Eine neue Form der Bedrohung hier heroben. Im Abstieg weichen wir von der geplanten Route ab, steigen kühn einen anderen, möglichweise zwar eingezeichneten, aber nicht offiziellen Weg ab und sparen uns derart doch einiges. Renates Fußballen streiken wieder einmal und so sind wir froh über die abgekürzten Kilometer.

Am Plöckenpass gibt es noch Pasta. Gernot hat nicht nur eine Leidenschaft für Erdlöcher sondern ebenso für alles, was aus Italien kommt. Er bestellt auf Italienisch – die vielen Duolingo-Stunden und Online-Kurse machen sich bezahlt. Ob es dann die beste Pasta war? Ich weiß es nicht. Vielleicht hatte ich einfach zu viel während der Tour in mich hineingestopft.

Die Runde kann man jedenfalls jedem empfehlen, der Freude an schönen, ausgesetzten und etwas fordernden Klettersteigen hat. Ein toller Tag war es auf jeden Fall!

Die Tour auf Garmin

Ankogel (3.252m)

Unsere Unternehmung steht an der Kippe, denn in Kärnten kommt am Vorabend Renate zur Erkenntnis, dass sie in Flip-Flops in Breitenfurt losgefahren ist, und derart ihre speziellen Einlagen für die Schuhe vergessen hat. Selbst mit Einlagen ist so eine Bergtour mitunter eine Mühsal, aber so! Das wird was!

Mit geliehenen Einlagen – von Renate zu Renate – geht es mit Gernot und Mio zur Talstation der Ankogel-Seilbahn und mit dieser bis auf 2.650m. Es ist warm. Das passt zum labilen Wetterbericht. So ziehen wir ein bisserl schwitzend in langen Hosen los. Heerscharen von Gipfelstürmern aus allen Herren Länder sind unterwegs, die meisten in Shorts und bei früher aufziehenden Gewittern in einer sicherlich unangenehmeren Lage. Aber meistens wird es wohl gutgehen. Wir sind halt überaus vorsichtig. So grüble ich, während wir in einer wilden Truppe Niederländer dahinziehen. Die Gruppe gibt alles und hält durch. Zumindest am ersten Teil, der leicht bergab Richtung Osten führt. Aber kurz nachdem sich der Anstieg ins ehemalige Lassacher Kees vom Tauern-Höhenweg trennt, trennen auch wir uns von der Gruppe. Da ist schon was los hier. Den weiteren Verlauf des Weges erkennt man leicht an den vielen Bergsteigern, die hier Richtung Ankogel bzw. zumindest Richtung Kleiner Ankogel stürmen.

Jetzt kommt die Stelle, an der ich schon manchmal geschrieben habe, wie das damals im vorigen Jahrtausend war, als ich mit dem Vater unterwegs war. Ich meine, es war damals eine Tour mit Begehung eines Gletschers. Aber es ist zu lange her, um mich belastbar zu erinnern. Also, diesmal kein Bericht von fast vor einem halben Jahrhundert.

Das bisserl Gletscher, das da noch über ist, bedarf keiner speziellen Ausrüstung. Entweder es liegt ausreichend weicher Firn oder das Eis ist dick von Geröll bedeckt. Mio ist völlig respektlos, er nimmt in den ärmlichen Gletschertümpeln ein Eisbad. Selbst, wenn ab sofort kein CO2 mehr ausgestoßen wird, der Gletscherrest wird hier in ein paar wenigen Jahren verschwunden sein. So steigen wir über loses Gestein und Blockwerk auf. Viel kann man da bei brauchbaren Bedingungen nicht falsch machen. Mittlerweile nehmen Wolken den größten Teil des Himmels ein, aber es sollte weiter trocken bleiben. Kurz, man überblickt fast die gesamte Strecke. Ich habe mir die Tour fast sträflicherweise nicht einmal heruntergeladen.

Der Kleine Ankogel ist bald erreicht. Hier findet Mio einen Kollegen, einen Irish Setter. Das Herrl will nicht weiter. Da sind wir zuversichtlicher, obschon Renate Sorge hat, ob sie denn mit ihren malträtierten Fußballen da wieder runterkommt – und vor allem wie. Anderseits, wie oft kommt man daher. Also, sie probiert es – tapfer! Mio wird auch den „Kletterteil“ mit I+ bis II schaffen. Der Grat und Hang sieht vom Kleinen Ankogel aus steil her. Aber das haben Gegenhänge so an sich. Schauen wir einmal, wie sich der Berg gibt, wenn wir dort sind. Und so ist es dann auch, was von gegenüber wild und abweisend wirkt, verliert bei näherer Betrachtung seinen Schrecken. Ganz oben warten noch zwei Stellen, wo Mio ein bisserl Hilfe in Anspruch nimmt. Aber ein IIer ist das ganz sicher nicht!

Beim Gipfelkreuz herrscht ein Treiben, das es einem anders werden lässt. Doch halt, die Felsnadel da drüben sieht doch höher aus. Mio hat Freundschaft mit einem Wurstsalat-Rudel gemacht. Schon davor hat er anderen Gipfelsiegern die Wurst aus dem Brot geschnorrt, aber so eine Tupperware-Schüssel mit Wurstsalat will sorgfältiger geteilt werden. Die einen bekommen den Salat, der andere die Wurst. Okay, Mio ist beschäftigt. Ich entferne mich unerlaubt von der Truppe und sehe mich nach leichtem Zustieg auf der Nadel. Schon macht sich der erste zu mir auf den Weg, und ich rufe Gernot zu, dass hier ganz heroben ist. Gernot kommt nach. Es werden Fotos gemacht. Das hat Auswirkung auf die Influencer und anderen Fotosüchtigen beim Gipfelkreuz. Man will jetzt ein Foto von dort oben auf der Felsnadel. Mein Plan geht auf, wir haben nun das Gipfelkreuz fast für uns alleine. An der Felsennadel müssen sich zwischenzeitlich tumultartige Szenen abspielen.

Die Wolken werden dunkler und wir haben es kurz ein bisserl eilig. Beim Abstieg heben wir Mio an zwei Stellen, aber das ist nicht so schlau. Denn wir stehen wackelig da und Mio will gar nicht, was wir da machen. Erste Protestrufe von aufgeschlossenen Bergsteigerinnen führen dazu, dass Mio die Route wieder selbst wählen darf. Das geht ohnedies besser. Ich bin wirklich erstaunt, wie er den Weg mit Leichtigkeit findet. Wir folgen ihm und stehen dann prompt einmal an. Das wäre ein Eintrag im Bergrettungsbericht: „Die gut ausgestatteten Alpinisten gaben an, ihrem Hund, einem italienischen Lagotto, in immer unwegsameres Gelände gefolgt zu sein…“. Es kam aber nicht so, wir konnten uns selbst retten.

Mio ist in der Zwischenzeit voraus und hat am Kleinen Ankogel wieder seinen Jausen-Check bei anderen Bergsteigern durchgeführt. Die sitzen am Boden. So eine Konstellation kann sich ein Lagotto nicht entgehen lassen. Als wir weiter absteigen, sieht Mio überhaupt keine Veranlassung, diesen für ihn so ertragreichen Flecken Erde hinter sich zu lassen. Wir sind für ihn außer Sichtweite, und ich schaue immer wieder hinter dem Felsen vor. Da steht Mio oben und bettelt. Die Leute sind jetzt irritiert. Vielleicht war es doch nicht so eine gute Idee, den Hund zu füttern. Na ja, machen wir es kurz, ich muss Mio holen. Denn nach den salzigen Snacks steigt er aus verständlichen Gründen in ein Schneefeld ab. Dort realisiert er, dass sein Betreuungsteam irgendwie abhandengekommen ist. Ah nein, da ist ja schon einer, nämlich ich. Uff, alles gut! Er springt das Blockwerk runter und holt Gernot und Renate rasch ein. Jetzt bin ich der, der als einziger aus der Gruppe noch knapp unterhalb des Kleinen Ankogels steht und nicht weitertut!

Der weitere Abstieg erfolgt im Beisein vieler anderer. Wie gesagt, alleine ist man da nicht. Zwei Bergsteigerinnen haben die Bergrettung angerufen, weil sich eine der beiden eine Wunde zugezogen hat und sich nicht in der Lage sieht, den Abstieg eigenständig zu bewältigen. Die beiden Frauen in meinem Alter wirken schon ein bisserl geschockt, scheinen aber recht bergerfahren. Sie haben gar einen Biwaksack mit. Was kann ich da noch an Unterstützung anbieten? Der Hubschrauber soll eh bald da sein. Wir gehen weiter, und tatsächlich hören wir nach ein paar Minuten schon den Hubschrauber, der sogar hier in dem Blockwerk etwas findt, um zu landen. Nochmal geschätzte zehn Minuten später stürzt sich ein gelber ÖAMTC-Rettungshubschrauber an un s vorbei spektakulär ins Tal hinunter. Wow, das funktioniert!

Wir hingegen schleppen uns Richtung Hannoverhaus. Renate stakst eher langsam dahin. Nach ihren Aussagen war die letzte Stunde wieder kein Genuss, aber es war die Tour jedenfalls wert. Beim Hannoverhaus gibt es reichlich Stärkung und die ersten Regentropfen.

Noch 70 Höhenmeter zur Bergstation und wir rauschen wieder runter in die Hitze. Beim Auto setz gar ein bisserl kräftigerer Regen ein. Auf die Minute genau, Glück muss man haben!

Die Tour auf Garmin