Wir starten beim Sessellift in Losenheim in der Zuversicht, dass wir weder Grödel brauchen noch Schneekontakt haben werden. Selbst gehe ich gar in kurzen Hosen. Der Zustieg von Losenheim zum Novembergrat ist zwar lange, aber unseres Erachtens angenehmer als von Schneebergdörfl aus. Die Sonne lacht, heiß ist es nicht, Mio geht vor. Einer kennt sich aus.
Dort, wo der Novembergrat beginnt, endet für uns der Grafensteig. Wir rasten plaudern, haben eine gute Zeit – wie man so schön sagt. Mir geht es heute konditionell gut. Garmin ist zufrieden mit mir. Am Abend wird Garmin resümieren, dass ich heute eine Erholungstour hatte. Ich vermute, dass es keiner der beiden Garmin-Gründer, Gary Burrell und Min H. Kao, mit den Bergen hatten. Meine Oberschenkel werden am nächsten Tag jedenfalls anderer Meinung sein und Erholung einfordern.
Der Novembergrat sieht teils wild aus, bleibt aber stets zahm. Lediglich einmal braucht Mio Unterstützung seiner Zweibeiner. Wahrscheinlich würde er es auch ohne Hilfe schaffen, aber so eine Aktion würde wiederum unser Nervenkostüm strapazieren.
Wir kehren im Dammböckhaus ein. Es wurde in den letzten Jahren renoviert. Die Zahnradbahn sorgt verlässlich für Gäste. Entsprechend ist hier das Service. Wir verdrücken riesige Schnitzel. Die Nachspeise lassen wir aus, da wir auch noch bei der Fischerhütte einkehren wollen. Ohne Visite da oben fürchten wir des Hüttenwirts, Michl, Rache. Das will ja keiner.
Wir gehen vom Dammböckhaus zum Klosterwappen. Das Schnitzel liegt im Magen, besonders Gernot leidet. Mio, der sein Futter erst ganz oben bekommen soll – großes Hundeehrenwort – ist da agiler unterwegs. Er fetzt über die Almen, verschwindet, testet die letzten Schneefelder und sucht Kontakt zu den Murmeln, zu denen er aber letztlich doch respektvoll Abstand hält.
Am Gipfel sorgt der Wind für Unbehagen. Das beschleunigt den Schritt zur Fischerhütte. Wir haben den richtigen Anstieg gewählt. Der Hüttenwirt beklagt, dass noch ein bisserl zu viel Schnee liegt, um die Straße frei zu bekommen. So müssen die Wanderer mutig ein geschätzt 50 Meter langes Schneefeld im Ab- und Aufstieg meistern. Für uns, die wir vom Klosterwappen kommen, ist das kein Thema.
Wegen der Cremeschnitte sind wir da. Offensichtlich hatte sie in der Gefriertruhe einen langen Winterschlaf. Okay, die Zufahrt ist zu und für eine Palette Cremeschnitten den Hubschrauber kommen lassen, ist auch nicht umweltfreundlich. So kauen wir in Gedanken an den vergangenen Winter an der Cremeschnitte, die sonst so wunderbar ist. Zu meinem Entsetzen habe ich Mios Futter vergessen. Mein großes Hundeehrenwort ist damit nichts, absolut nichts, wert. Mann, Mio! Sorry!
Runter geht es über den Fadensteig. Hier muss Mio mindestens einmal und ein weiteres Mal aus Gründen seines Komforts über Felsstufen gehoben werden. Wer im Fadensteig Schnee sehen will, muss gegen Ende des Jahres wieder kommen. Alles aper.
Der Sessellift in Losenheim dient nun den Mountainbikern als Aufstiegshilfe, seit auf den Winter kein rechter Verlass mehr ist. Uns soll es recht sein, wir fahren damit ab. Renate stellt mit der Frage: „Warum soll ich gehen, wenn eh ein Lift fährt?“ die ganze Bergsteigerei in Frage. Aber, um das zu diskutieren, haben wir doch zu viel gemacht. Frohen Mutes und mit Mio am Schoß fahren wir Lift und schauen den MTB-Fahrern zu. Fein, was hier aus der verlassenen Anlage gemacht wurde.
Fixpunkt ist dann noch die Fleischerei in Puchberg. Ich kaufe einen Würstelvorrat zusammen, als müssten wir mit den Reserven durch den Winter. Nein, „selbstgemacht“ und „günstig“ sind die Argumente für meine Hamsterattacke.
Alles tadellos!












