Bergsteigen: Nandlgrat – Fischerhütte – Fadensteig

Der Herbst grüßt mit erstem Morgenfrost bei uns, in den Bergen hat es geschneit. Ulli hat am Vormittag einen Ausritt und am Nachmittag Besuch. Da wage ich spontan einen Abstecher auf den Schneeberg.

Wegen der Ausrüstung bin ich wieder einmal unsicher. Ich habe mir Grödel im Internet angesehen und erkannt, dass ich mit denen nicht so recht etwas anfangen kann. Also packe ich sogar die Steigeisen ein. Steigeisen bedingen aber auch die steigeisenfesten Schuhe. Na zack, das wird was!

Auf der Autobahn lacht der Schneeberg schon her. Das sieht nach viel Schnee aus, aber das Phänomen kenne ich von den Skitouren. Je näher man kommt, umso weniger Schnee ist da. Ich parke in Losenheim beim Sessellift und starte.

Auf der Forststraße zum Nandlgrat ist es fast dampfig warm. Vielleicht hätte ich in der Kurzen starten sollen! Schon früh sieht man erste Schneereste, aber der schmilzt auch schon. Heißt das, ich trage wieder einmal Ausrüstung spazieren?

Am Nandlgrat treffe ich drei Bergsteiger. Beim Abstieg werde ich erfahren, dass zwei von der Gruppe über 80 sind. Dafür sind sie schnell unterwegs. Kaum habe ich sie überholt, liegt der Grat auch schon unverspurt vor mir. Ab 1.700 Höhenmeter ist fast durchgehend schon eine Schneedecke. Der Schnee ist aber nicht tief und recht feucht. Das stellt alles kein sonderliches Hindernis dar. Einzig die Latschen streifen ihre nasse, schwere Last an mir ab.

Irgendwann ist der Ausstieg da. Ich bin durchgeschwitzt und klettere über die kleine Wechte aufs Plateau. Und da geht’s mit einem Schlag los. Starker Wind fegt übers Plateau – kein Sturm, aber genug, um mir die Kälte in die Knochen fahren zu lassen. Nochmal über die Wechte in den Steig und dort umziehen? Nein, ich zieh‘ mir die Hardshell-Jacke an und stapfe schnell durch den Schnee zur Fischerhütte.

Der Wirt kennt mich und setzt mich an den Stammtisch. Heute bleibe ich lange sitzen und höre Geschichten über seine Gäste, einen Noriker, den er ebenfalls bewirtet hat und was ihm auch eine Anzeige eingebracht hat, die Eingangstür für den Winterraum, die keiner zahlen will/kann, Getränkeempfehlungen für Bergsteiger von 1892, etc.

Irgendwann kommen auch zwei der drei Bergsteiger vom Nandlgrat. Sie haben ein paar Stunden länger gebraucht. Das lässt schließen, dass sie ordentlich Gas gegeben haben, als ich sie überholt habe. Alter schützt vor Torheit nicht. 😉

Weil die Tage schon kurz sind, breche ich kurz nach 14 Uhr wieder auf. Zu meinem Erstaunen kommen mir am Fadensteig noch Leute entgegen und die Ausrüstung ist eher nicht für den Schnee geeignet. Den Fadensteig rinnt Wasser runter und es zieht langsam wieder an. Vielleicht ist das zwei Stunden später dann schon ordentlich eisig. Egal, ich werde da schon längst unten sein.

Am Fadensteig treffe ich dann den dritten der drei Bergsteiger. Er verrät mir das Alter der Truppe. Auch mit 80 muss man sich offensichtlich noch rechtfertigen, wenn man überholt wird. Er ging nicht zur Hütte weiter, er hatte ja eine Jause mit. Und wenn es dunkel wird, wäre es auch nicht so schlimm, da er auch eine Stirnlampe im Rucksack hat. Na servas!

Ich muss mir etwas einfallen lassen, sonst renne ich in 30 Jahren noch immer Rax und Schneeberg auf und ab. Gibt Schlimmeres, gibt Aufregenderes. Schön war der Besuch im Winter allemal.

Tourdetails auf garmin.com