Scharnock (2.498m)

Nach einem Ruhetag holt uns Gernot ab und wir fahren nach Hintergöriach. Dort haben wir zwei Optionen: entweder wir packen den Hochgolling oder den Scharnock. Vermutlich sind wir für den Hochgolling ebenso zu früh wie fürs Roteck. So stellen sich Renate und ich auf eine Wanderung auf den Scharnock ein. 1.100 Höhenmeter und ein ein bisserl ausgesetzter Abschluss – das wird gemütlich.

Gemütlich kuschelt sich auch eine Kuh an ein Auto am Parkplatz. Kurz habe ich Sorge um Gernots Gefährt. Die anderen Autos sind eingezäunt. Aber einen Zaun haben wir nicht dabei. Mal sehen, ob sich eine Kuh in Mercedes verliebt.

Zurück zum Gemütlichen! Wir wandern in toller Landschaft auf einer Forststraße dahin, durchqueren Weiler mit Hütten, die man mieten kann, um dem einfachen Leben zu frönen und kommen bald über die Baumgrenzen. Im Göriachwinkel schauen wir in die Gollingscharte. Da ist noch viel Schnee, aber die Steigung wahrlich nicht dramatisch. Aber so wie es aussieht, müssten wir einige steile Schneefelder queren, um auf den Hochgolling zu kommen. Rasch ist entschieden, dass wir zur Landawirseehütte und von dort auf den Scharnock gehen.

Bei der Landawirseehütte hören wir einen sympathischen Hüttenwirt, der weiß, wie hoch die Schneeauflage über dem Eis am Hochgolling ist. Nein, die Scharte kann man verkehrt gehen – warum eigentlich? -, aber der Hochgolling geht nur mit Steigeisen. Der Scharnock braucht Grödel bis zur Scharte, ab dann ist es trocken. All das sprudelt kompetent aus dem guten Mann, aber ich habe meine Zweifel. Bestärkt werden diese durch seine Statur, die vermuten lässt, dass er in letzter Zeit weder auf Hochgolling noch Schnarnock war. Wofür sollte ich auf den Scharnock über die wenig steilen und vor allem weichen Schneefelder Grödel brauchen? Egal, wir haben welche mit und den Rest packen wir auch.

So steigen wir zur Scharte unter dem Scharnock auf, ganz ohne Grödel. Nicht einmal die Stöcke wären notwendig. Die Scharte ist erreicht und nach wenigen Metern packen wir die Stöcke weg, die könnten ab hier im Weg sein. Nach ein paar Metern tut sich ein Anblick auf, der zusammenzucken lässt. Schnee und Regen haben den steilen Hang abrutschen lassen. Erdreich und Steine liegen herum. Ein Weg ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Seit dem Ereignis sind wir wahrscheinlich die ersten hier. Zum Glück ist die Erde zäh und trägt. Wenn das beispielsweise trockener und sandiger wäre, müssten wir erneut umkehren. Renate hat ein mulmiges Gefühl, macht aber tapfer mit. Zum Glück sind die Markierungen nicht abgerutscht. Allzu weit kann es auch nicht mehr sind, sind wir doch schon auf fast 2.400m. So steigen wir in gut gebückter Haltung vorsichtig höher und machen uns ein bisserl Gedanken, wie das im Abstieg werden wird. Jeder Schritt gibt uns zumindest immer mehr Zuversicht, dass das alles hier hält.

Der Gipfel ist ausgesprochen schön. Ausblick und Wetter passen auch. Im Gipfelbuch ist der letzte Eintrag vom Oktober 2023. Wir fotografieren, jausnen und genießen, ehe es an den Abstieg geht. Renate hat ein mulmiges Gefühl. Aber wir gehen die Herausforderung an, Schritt für Schritt. Mag ich solche Schrägen schon im Allgemeinen nicht, ist es mit dem gerissenen Meniskus noch einmal unangenehmer, weil so ein Gefühl der Instabilität dabei ist. So nehme ich fleißig die Hände zur Unterstützung. Renate tut es mir gleich. Aber als letzter geht einer aufrecht im Vertrauen auf sein Training am Balance-Board und seine Erfahrung beim Skifahren: man muss nur die Kante ordentlich reindrücken. Mann oh! Der Abstieg geht jedenfalls deutlich besser als vermutet. Nur bei Renate bricht einmal ein Tritt aus. Der Schrei schreckt mich nicht, habe ich mich doch daran schon gewöhnt. So einer kommt ja auch, wenn beispielsweise die Trinkflasche überraschend schnellt aufschnappt. Und der Schrei ist nur kurz. Trotzdem muss nun unser Skifahrer dran. Wie ein Gentleman gräbt er kleine Tritte mit den Schuhspitzen. Der andere Nichtso-Gentleman hat die letzte Querung hinter sich, freut sich, dass alles gutgegangen ist und sieht mit Erleichterung, dass auch die beiden mittlerweile wieder am unbeschädigten Weg sind.

Der Abstieg über die Schneefelder ist schön und ohne Zwischenfälle. Ich probiere es noch mit Eisbaden im Landawirsee, immerhin auf 2.000m. Das geht gut und kommt mir nicht mal soo kalt vor. Soll ja für die Gelenke gut sein und ewig jung halten. Schauen ma a mal!

Wieder bei der Hütte berichten wir von der Rückseite des Scharnock. Der Hüttenwirt schaut sich die Fotos an, lacht und meint, dass er das den Wegewarten melden muss. Und weg ist er. Er kommt mit drei Zirbenbränden zurück – gegen den Schock – und hüpft wie ein Flummi die Stiegen der Terrasse zu seinem Jeep hinunter. Wow, macht sich der jetzt an die Reparatur des Weges? Nicht ganz, oder muss er erst Werkzeug aus dem Tal holen?

Nach ausreichendem Essen mit einem Kaiserschmarren, der vielleicht zu viel Vorschusslorbeeren hatte, geht es die Forststraße wieder zum Auto. Die Kühe haben Mercedes abgeschleckt, aber keinen weiteren Schaden angerichtet. Uff!

Die Tour war überraschend kurzweilig und landschaftlich durchgehend mehr als lohnend – super fein!

Die Tour auf Garmin

Roteck – Preber – Verlobt

Endlich ein Hochdruckgebiet! Es geht in den Lungau ins Lerchpeuntgut. Die 3.000er haben noch zu viel Schnee, aber hier sollte schon was gehen. Für den ersten Tag habe ich das Roteck ausgesucht und so starten wir vom Prebersee.

Die Preberhalterhütte ist bald erreicht. Hier wird nach links in den Preberkessel abgebogen. Recht einsam ist es und auf jeden Fall landschaftlich überaus schön. Ehe es steil wird, jausnen wir. Das Internet sagt (aktuell), dass wir Kohlenhydrate nachzufüllen haben. Das wird gemacht. Vis-a-vis gibt es unentwegt Steinschlag. Die Sonne schmilzt den Schnee, Wasserfälle beleben die Idylle, das Wetter passt. Besser könnte es nicht sein.

Die Route führt zum Mühlbachtörl hinauf. Der Weg wird nun deutlich steiler, aber alles unaufgeregt. Selbst die Umgehung der Schneefelder ist nicht sonderlich spannend. Am Mühlbachtörl geht es rechts über den Jakob-Reicher-Weg auf den Preber und links aufs Roteck. Der Pfad wird nun nochmals schmaler und offenkundig kaum begangen. Ein Hinweisschild warnt vor anstehenden Unannehmlichkeiten. Gelesen habe ich von ein paar kurzen IIer-Stellen, einmal Abklettern und Ausgesetztheit. Auch das Fehlen einer Markierung ist erwähnt. Zumindest das stellt sich am Beginn der Tour als nicht richtig heraus. Hier sind sehr wohl rote Punkte, sogar weiß umrandet. Die erste IIer-Stelle fordert uns auch nicht. Vorsichtigen Schrittes arbeiten wir uns vorwärts. Dann sehen wir den Gipfel erstmals. Ui, der ist aber schon noch weit. Aber das schaffen wir schon. Immerhin habe ich als Überraschung den Verlobungsring mit.

Und dann ist es auf einmal aus. Schneefelder versperren den Weg. Die sind so steil! Gingen da nicht alte Spuren hinüber, wäre ich sicher, dass wir den Weg verloren haben. Aber da ist nichts zu rütteln, wir stehen bei einer Markierung und erkennen am anderen Ende der Schneefelder den Weg. Ich pack‘ das alles nicht. Wie kann denn der Schnee da halten? Ich versuche einen Schritt. Der Schnee ist extrem weich und nass. Vielleicht ist er das nur am Rand und in der Mitte wird es besser. Aber schon der erste Schritt! Unsere Grödel sind auch keine Option. Die würden in dem weichen Gatsch genau gar nichts helfen. Weiter oben im Schneefeld sieht man Spuren, aber angenehmer sieht es dort auch nicht aus. Renate mahnt zur Vernunft, ich will überlegen. Selbst Steigeisen und Pickel hätten mir diesmal keine Zuversicht geschenkt. Der Schnee scheint grundlos und weich. Okay, wir haben eh nur Grödel und Stöcke mit. Damit wird es sicher nichts. Soll das ein Zeichen sein für mein Vorhaben?

So schnell gebe ich nicht auf. Vielleicht kann man ja oben am Grat umgehen. Am trockenen Felsgrat ist leicht klettern, aber es widerspricht halt meiner Regel „Bleib‘ am Weg!“. Nach 80 Meter gebe ich auf und kehre wieder zur wartenden Renate zurück. Wir steigen in die Scharte ab und packen den Preber. Was soll’s?

Der Anstieg ist landschaftlich recht schön und technisch keine Herausforderung. So schaffen wir es auf den 2.740m hohen Preber, den Hausberg der Tamsweger. Hier sitzen zwei Bergsteiger und genießen die Aussicht. Bald wird es da heroben ruhig sein. Ein schönes Bankerl hat man hier aufgestellt. Sehr passend für mein Vorhaben, finde ich.

Renate weiß von der anstehenden Verlobung, denn den Ring haben wir gemeinsam ausgesucht. Sie war schon ungeduldig mit meiner Langsamkeit. Ich habe mir aber das Recht ausbedungen, entscheiden zu dürfen, wann und wo ich den Antrag mache. Der letzte Vorwand war, dass wir den Moment mit der Drohne filmen. Nur die Drohne ist heute nicht mit. Als weitere Maßnahme habe ich die leere Verpackung im Schrank in Breitenfurt gelassen. So sitzen wir also nebeneinander auf der Bank, ich krame im Rucksack, stell die Ringbox gut verpackt in der Objektivtasche auf die Bank. Renate schaut mir zu, kommentiert alles Mögliche, wundert sich kein bisschen. Dann werde ich zu unvorsichtig und stelle die Box so auf die Bank und will mit meinem Antrag beginnen. Ah, jetzt weiß sie schnell, worum es geht. Und ein paar Augenblicke später sind wir verlobt.

Wir posten Fotos von unserer Verlobung. Als erstes werden die Familiengruppen versorgt. Ein Herzerl von Carina als Antwort kommt ungewöhnlich schnell, und ein paar Minuten später läutet das Telefon. Jasmin ist es – oha! Aber WhatsApp hat sie nicht angeschaut. Ihr Anliegen ist eher das Auffüllen ihres Bankkontos. Okay, die Welt ist gleichgeblieben. Alles im Lot!

Nach dem Verkünden unserer Verlobung auf WhatsApp kommen die ersten Gratulationen. Sehr fein! Und während wir uns da so freuen, kommt eine Tamswegerin den Berg herauf gelaufen. Sie ist wohl ein paar Jahre älter als wir. Auffallend sind ihre Fitness und ihr Lippenstift. Wir kommen ins Gespräch und schießen auf ihren Wunsch ein Gipfelfoto von ihr. Spontan schießt es aus Renate: „Und wir haben uns gerade verlobt!“. Da freut sie sich und erwidert: „Und ich habe am Freitag spontan geheiratet!“. Da staunen wir nicht wenig, lachen und unterhalten uns prächtig. Die geteilte Freude ist wahrlich eine vielfache Freude. Sachen gibt’s! Sie erzählt uns ihre Geschichte. Ja, das Leben ist spannend und bietet so viele Facetten. Hier heroben ist in dem Moment alles mehr als gut!

Ehe ich emotional abhebe, hält mich meine Nüchternheit, die mich bislang durchs Leben geführt hat, am Boden: „Wenn sie jetzt noch zufällig Standesbeamtin ist, dann hat’s was.“. Aber dem ist nicht so, sie meint noch, dass es gut war, dass wir am Roteck umgedreht haben. Ein ganz böser Berg ist das, der schon viele Opfer gefordert hat. Sie war schon unzählige Male am Preber aber erst einmal am Roteck. Dann zischt sie wieder den Preber hinunter.

Auch wir machen uns an den Abstieg. Über die Schneefelder geht es angenehm Richtung Preberhalterhütte. Dort gönnen wir uns eine Jause. Der Hüttenwirt bestätigt, dass das Roteck mittlerweile lieber verschwiegen wird. Selbst auf den Wandertafeln ist es gelöscht. Auch Einheimische verunglücken an dem Berg. Wir haben besser daran getan umzudrehen. Speziell beim Rückweg verliert man leicht die Orientierung. Wow, der Berg ist sagenumworben.

Jetzt noch das letzte Stück zur Ludlalm, wo das Auto wartet. Eine wahrlich eindrucksvolle Tour an einem ganz besonderen Tag endet. Auch im Lerchpeuntgut freut man sich aufrichtig mit uns und gratulier. Aber man weiß ebenfalls von vielen Unfällen und Verunglückten am Roteck. Wir haben alles richtig gemacht. Und plötzlich ist sie wieder da diese Nüchternheit und ich schaue im Internet nach. Das kennt immerhin zwei Unfälle und einen Einsatz der Bergrettung.

Wie auch immer, wir lassen den Abend bei einer Flasche Champagner ausklingen. So soll das sein, frisch verlobt!

Renates Tour auf garmin – Mein Tour ist auf mysteriöse Art und Weise verschwunden, kein Scherz! Das ist nun das erste Mal passiert!

Königschusswandsteig

Renate wagt sich an die nächste Stufe! Der Königschusswandsteig, immerhin mit D/E eingestuft, ist dran. Wir reisen mit dem E-Mini an, da die Q wegen Getriebeproblemen in der Werkstatt ist, und zittern wegen der Reichweite des E-Minis unberechtigt, denn wir schaffen es sogar noch bis nach Hause mit derselben Ladung. Aber so ist es in den Bergen oft, man macht sich Sorgen, und in der Nachbetrachtung waren sie völlig unbegründet. Sind sie aber nicht, weil man bei einer Fehlplanung ein echtes Problem bekommen kann. Also, in den Bergen und nicht mit einem leeren E-Mini auf der Bundesstraße. Alles klar?

Wir wählen den Zustieg vom Preinergscheid über den Göbl-Kühn-Steig. Damit will ich Renate Ermüdung ersparen, die sich meines Erachtens beim Zustieg über den Holzknechtsteig einstellt. Im Nachhinein bin ich nicht so ganz sicher, ob man sich etwas erspart, wenn man vom Preinergscheid zusteigt und nicht von Griesleiten aus.

Vielleicht liegt es auch daran, dass der kurze, schräge Abstieg über das Geröll Renate ein bisserl stresst. Im Aufstieg ist das Geröll aber nicht nur mühsam sondern sicherlich auch erschöpfend. Also, wird schon die richtige Wahl sein.

Wir haben das 20m lange Halbseil mit. Das kommt auch gleich bei der Einstiegswand zum Einsatz. Ich erwische den Einstieg nicht so gut und habe schon Sorge, dass ich Renate derart verschrecke. Aber die ist wohl mit sich selbst beschäftigt. Den „Stand“ beziehe ich oberhalb der paar D-Stellen und lasse nachkommen. Renate meistert diese Stellen problemlos. Das ist gut so. Denn, wer sich hier als Rookie verausgabt, hat die restliche Wand Stress.

Ich binde Renate aus dem Seil und schicke sie weiter. Die kommende Passagen bis zum „Rastplatz“ sollte sie alleine schaffen. Ich nehme mal das Seil auf und verstaue es. Das geht erstaunlich gut, wenn man bedenkt, dass man beispielsweise am Parkplatz deutlich stabiler steht als hier in der Wand. Von oben höre ich ein: „Aber viel einfacher ist das da aber auch nicht!“. Seltsam, wo ist sie denn schon?

Der Plan ist, dass wir bis zur D/E-Stelle ohne Zusatzseil gehen. Es warten ja nur C/D-Stellen und die Rampe, auf der mir beim letzten Mal die Gams entgegengekommen ist. Da läutet das Telefon und bringt gute Nachrichten: Die Q hat keinen Getriebeschaden und kann gerettet werden. Ich verweise, dass wir in der Wand hängen, trotzdem bekomme ich eine ausführliche Erklärung, wie sie gerettet wurde. Renate steigt zwischenzeitlich weiter und ruft: „Links oder rechts?“. Woher ihre Zuversicht kommt, dass ich das von 20 Meter unter ihr sagen kann? Die übliche Antwort: „Immer dem Seil nach und das Seil immer ober dir.“ hat sich abgenutzt, weswegen sie nun ein „Warte, ich komme nach!“ hört. Geduldiges Warten ist im allgemeinen nicht Renates Stärke und im speziellen nicht in unklaren Klettersituationen. „Wenn er wieder einmal nicht da ist, wenn man ihn braucht, dann mache ich halt alleine weiter!“. Derart erreicht sie die Rampe und schnauft diese tapfer hinauf.

Beim Steigbuch wird in der virtuellen Welt das Ingress-Portal eingenommen. Sehr gut! Ich vermag, wieder zurück im realen Leben, nicht die Ursache für das D/E hier zu erkennen. Wenn man sich ein bisserl umschaut, findet man links und rechts Tritte und Griffe, sodass der „überhängende Fels“ seinen Schrecken verliert. Trotzdem hängen wir uns wieder ins Zusatzseil. Bei der „Höhle“ kommt Renate nach. Sie hat nach ihrer Aussage ein bisserl gekämpft, aber alles war machbar.

Die „Höhle“ oder der Durchschlupf oder meinetwegen das Felsfenster zeigt sich von der angenehmen Seite. Selbst das Moos ist ein bisserl staubig trocken. Keine Nässe, keine Feuchtigkeit, kein Rutschen – sehr fein! „Nicht am Seil, sondern links davon. Dann sollte es machbar sein.“ und andere Tipps gebe ich noch und sogleich führe vor. Geht ja! Nach dem Felsspalt errichte ich den Stand und rufe „Nachkommen“. Da kommt sie auch schon, wieder ohne augenfällige Schwierigkeiten. Beim Seil aufnehmen und verstauen stehe ich diesmal besser. Renate kraxelt noch einmal ein C, ehe es zum Ausstieg hin immer leichter wird.

Tadellos, damit ist es geschafft! Renate ist diesmal ganz ruhig. Keine Ahnung, was sie denkt. Sie meint, dass diesmal Demut dabei war. Vielleicht ist auch Verwunderung dabei, dass trotz aller Bedenken und Überlegungen alles so fein gegangen ist. Okay, es war anstrengend, aber jetzt ist es vorbei.

Wir mischen uns unter die Menschenmassen und machen Fotos am Gipfel, ehe wir über Neue Seehütte, Göbl-Kühn-Steig und Waxriegelhaus wieder zum Preinergscheid absteigen.

Gratulation an meine Renate! Tadelloser Tag!

Die Tour auf garmin.com

Donnerkogel Klettersteig

Den Vormittag nach dem Traunstein verbringen wir noch am Traunsee, ehe es am frühen Nachmittag weiter an den Gosausee geht. Das Wetter ist weiterhin instabil. Meine sonst so zuversichtliche Renate hat Wettersorgen. Nach einigen Wiederholungen habe auch ich verstanden, dass sie den Klettersteig nicht bei Regen gehen will. Das will ich auch nicht. Aber ich bin in meinem von Regenerinnerungen geprägten Kindheitsmodus. „Den Vormittag müssen wir nutzen.“, „Wenn am Nachmittag der Regen kommt, sind wir wieder längst in der Hütte.“,.. Der Wetterbericht war damals ungenau und sehr großräumig mit „Im Alpenraum häufig schon am späten Vormittag Schauer. Im Osten hingegen noch überwiegend trocken.“. Mittlerweile haben wir das Wetterradar und für jeden Quadratkilometer eine eigene Wettervorhersage, die meist auch noch recht genau stimmt.

So stimmen auch die angesagten Schauer in Gosau für heute Nachmittag. Aber bis wir in der Gondel sind – ja, wir sind ein bisserl faul heute -, ist es schon wieder trocken. Die 380 Meter Distanz zur Gablonzer Hütte schaffen wir. Gunnar und Jeannette, die Betreiber der Hütte, kenne ich. Sie sind die beiden, die sich am Karl-Ludwig-Haus probiert haben. Nun haben sie eine Hütte gefunden, die sie das ganze Jahr betreiben können und deutlich mehr ihren Vorstellungen entspricht. Im Winter sorgt das Skigebiet für Gäste, im Sommer der Klettersteig mit seiner riesigen Leiter. Die beiden wirken überaus zufrieden. Wir sind gewohnt früh am Zimmer. Der Abend klingt bei Gewittern aus. Auch in der Nacht regnet es weiter heftig. Das wird was werden!

Um kurz vor sieben sind wir die ersten beim Frühstück. Komfortbergsteigen auf 1.500m eben. Mein Plan ist es, früh am Steig zu sein und die Leiter für uns zu haben. Um halbneun kommt die Seilbahn und bringt sicher Bergsteiger in Scharen. Und die anderen Gäste auf der Hütte? Faktisch kommt es aber ganz anders, dazu später. Wir starten um halbacht und sind bis zum Gipfel ungestört.

15 Minuten ist der Einstieg von der Gablonzer Hütte entfernt. Der erste Teil mit der Kaiserverschneidung ist ein bisserl herausfordernd, zumal es von der Nacht noch ordentlich nass ist im Steig. Der Steig hat zwei Stellen, die mit C/D angegeben sind, und vier oder fünf mit C. Der Rest ist dann leichter. Bei der Nässe sieht das alles ein bisserl anders aus, in jedem Fall machbar. Renate kämpft und keucht durch den ersten C/D-Abschnitt. Tapfer ist sie. Es kostet eben Kraft, auf diesen rutschigen, weil nassen und von endlosen Kraxlern abgeschliffenen Felsen, Halt zu finden. Zum Glück wurde an Stiften und Klammern nicht gespart.

Wir verpassen die Abzweigung über den Kleinen Donnerkogel und gehen einfach das Seil entlang weiter. Das nächste Mal möchte ich hier achtsamer sein. Den Kleinen Donnerkogel hätte ich auch gerne mitgenommen.

Mit der Leiter in Sichtweite steige ich vor, um den besten Fotoplatz auszuwählen. Eindrucksvoll sieht das aus. Ich bestaune die Leiter von allen Seiten. Das Wetter sollte halten. Passt! Nun ist auch Renate bei der Leiter angelangt. Ein Blick nach oben, und dann steigt sie zuversichtlich los. Immerhin haben das schon so viele vor ihr geschafft. Erst steigt sie verwegen, dann vorsichtiger immer mit demselben Bein voran. Sprosse für Sprosse geht es höher, die Fotos werden toll. Und irgendwann ist sie oben und nimmt im Schwung auch gleich die C/D-Stelle mit.

Nun bin ich dran. Meine Erkenntnisse, die man vielleicht nicht so oft liest, sind:

  • Der Sprossenabstand ist größer als erwartet. Manche Sprossen sind ein bisserl schief. Da werden die meisten ihre Schritte mit Bedacht wählen müssen.
  • Das Gefühl war teils mulmig. Die Leiter wackelt nur wenig. Immerhin war ich alleine auf der Leiter und es ging kein Wind.
  • Beim Umhängen war mir ebenfalls etwas mulmig. Da kann der Verstand hundertmal wiederholen, dass da nichts, aber absolut gar nichts passieren kann.
  • Beim zweiten Mal ist es wahrscheinlich nicht mehr annähernd so spannend wie bei der Prämiere. Dafür werde ich mehr nach links, rechts, oben und unten schauen. Vielleicht mache ich auch Fotos auf der Leiter.
  • Am Wochenende im Sommer mit vielen Wartenden ist die Herausforderung sicher eine andere. Vier Personen dürfen maximal zu gleich auf der Leiter sein. Wenn sich da nur alle daran halten,.. Aber schon vier Personen sind sicherlich ein Gewackel der Sonderklasse. Wenn dann noch die ersten ungeduldigen Rufe von unten kommen: „Jetzt tua‘ scho‘!“, „Mah, was is ’n da los?“,.. werden sicherlich einige Kandidaten ordentlich geprüft werden.

Nach der Leiter wartet noch ein schönes Stück Kletterei. So ist der Steig in Summe als mittel bis eher lange zu bezeichnen. Am Gipfel sind wir jedenfalls happy, die Aufgabe bewältigt zu haben. Wir sind eine Zeit lang alleine hier heroben, fotografieren, jausnen und genießen den Ausblick.

Wir wollen schon aufbrechen, da erreicht ein Bergführer mit seinem Kunden den Gipfel. Der Bergführer muss ordentlich Geschwindigkeit vorgegeben haben. Sein Gast kommt etwas fertig in Jeans, einer gelben Regenhaut und mit dem Rucksack in der Hand. 28 Buchungen in dieser Saison für die Tour hat der Bergführer schon. Ist halt irgendwann auch nur ein Job. Aber er lacht, die Saison hat erst angefangen, da geht’s noch gut. Beim Abstieg werden sie uns überholen, der Bergführer dabei am Handy in ein Gespräch vertieft.

Wo sind eigentlich die von mir gefürchteten Massen? Von den Hüttengästen ist niemand zu sehen. Ein paar Bergsteiger, die mit der Gondel gekommen sind, habe ich im Steig gesehen, aber wo sind die jetzt hin? Egal, wir machen uns an den Abstieg. Dieser ist als zäh beschrieben. Wir sind vorbereitet und finden ihn dann doch nicht so schlimm. Der Abstieg vom Traunstein hat das Prädikat „zäh“ sicherlich verdient. Auch ist der Abstieg vom Donnerkogel niemals gefährlich. Die Nässe macht ihn rutschig. So muss man eben eher vorsichtig und langsam absteigen, aber es geht.

Ah, da sind drei Bergsteiger! Wo kommen die nur her? Die müssen wohl einen Notausstieg gewählt haben. Eine amerikanische Bilderbuchfamilie ist es. Die Tochter sitzt am Hosenboden und versucht derart, das Geröllfeld zu meistern. Dad hat Mom am kurzen Seil. Ja, sie haben nach der Leiter den letzten Notausstieg gewählt. Ich bin sicher, dass der restliche Aufstieg zum Gipfel und die Normalroute schöner und angenehmer waren als das Schotterfeld. Speziell, wenn offenkundig nur einer in der Runde Bergerfahrung hat. Die Tochter hat aber die Fotos für Instagram geschossen und ist zufrieden. Passt also!

Bald treffen wir das nächste Paar. Der Kletterhelm lässt vermuten, was sie vorhaben. Deutsch- und Englischkenntnisse erlauben aber nur eine spärliche Kommunikation. Verstehe ich sie richtig, so suchen sie die Leiter, auf der sie ihren Freund fotografieren wollen, der als einziger den Einstieg in den Klettersteig gepackt hat. Wie, was?

Und da ist schon die nächste Vierergruppe mit Helm im zügigen Schritt. Diesmal frage ich gar nicht nach ihrem Vorhaben. Vielleicht komme ich mal im Sommer vorbei und schau mir das Treiben hochmotivierter und mitunter ebenso bergahnungsloser Influencer bei gekühlten Getränken und Popcorn an.

Der Abstieg ist heute viel kürzer als sonst. Wir stärken uns nochmals auf der Gablonzer Hütte bei herrlichem Rindfleischsalat und Indischer Currysuppe. Die Garmin-Uhr diagnostiziert bei Renate Vitalwerte, die eigentlich ein baldiges Koma anzeigen. Aber sie wirkt recht frisch und aufgekratzt. Nach dem Kaiserschmarren, der schmeckt, wie ihn nur ein Norddeutscher zubereiten kann, schießt es aus Renate: „In sieben Minuten fährt die nächste Gondel!“. Das ist die mittlere Wartezeit beim 15-Minutentakt, aber ich bin ob der Dringlichkeit in Renates Stimme so alarmiert, dass ich schnell alles zusammenpacke, eine Trinkflasche fülle, ehe wir gemeinsam im Schweinsgalopp zur Gondel zische.

Schön war’s! Gunnar verspreche ich einen weiteren Besuch und meine es ernst,

Die Tour auf Garmin

Traunstein

Das Wetter erinnert ein bisserl an meine Kindheit, ständig regnet es im Westen. Was soll’s? Wir haben Programm. Donnerkogel und Traunstein sind bei unserem Ausflug an den Mondsee unerledigt geblieben. Wir starten, obwohl der Wetterbericht unbeständig ist.

Am Parkplatz am Ostufer des Traunsees werden wir noch ein bisserl abgezogen. 10 Euro für fünf Stunden und 25 Euro für 24 Stunden. Nach dem Zahlen lese ich das dicht bedruckte Informationsblatt der Gemeinde. Unter der Woche empfiehlt die Gemeinde das kostenlose Parken entlang der Straße. Danke für den Tipp! Hmm, das hätte man auch auf die Rückseite des Tickets drucken können.

Wir starten. Erst geht es in eher unnötigen Kehren den Wald hinauf. Der Ausgangspunkt liegt unter 500m und da es auch am Vortag geregnet hat, ist es dampfig. Das gibt so ein bisserl Tropen-Vibes. Renate zischt los, als gäbe es kein Morgen. Das Seil im Rucksack, mit dem ich Renate im Traunsee Klettersteig zusätzlich sichern will, wirkt auch nicht kühlend. So steigen wir den Hernlersteig nach oben. Schnell ist er steil geworden, sehr steil und ohne Verschnaufpause. Erst bei der Rast mit Dachsteinblick halten wir inne. Endlos Fliegen erfreuen sich meines Kühlmechanismus, der etwas hysterisch arbeitet. Zum Glück versteckt sich die Sonne, ich kühle aus. Ab jetzt geht es in Normalbetrieb weiter – sehr angenehm.

Die Felsschrofen führen steil hinauf. Renate hat sich nicht eingelesen und ist dementsprechend vom langen Zustieg überrascht. Auch, dass es so viele Seile hier gibt, wundert sie. Am Horizont im Westen regnet es heftig. Wir sind noch zweihundert Höhenmeter vom Einstieg entfernt. Zieht das Wetter vorbei? Nein, bald sieht man die Böen über den See laufen und wir haben es eilig ins Regengewand zu kommen. Das nenne ich ein Pech. Immerhin sagt das Regenradar, dass nach diesem Schauer nichts nachkommen soll. Mann oh!

Renate verliert verständlicherweise die Lust auf den mit D qualifizierten Sportklettersteig. Ich hoffe auf die trocknende Wirkung der Sonne, die aber noch nicht so recht durchschauen will. Der Schauer ist vorbei, die Felsschrofen rutschig und wir erreichen die Abzweigung vom Hernlersteig zum Traunsee Klettersteig. Das sind gerade mal 150 Höhenmeter. Der Fels ragt sehr steil auf. Der wird nicht mehr nass sein, aber dazwischen wird es wohl rutschig sein. Renate will den Hernlersteig gehen und bietet an, dass ich den schwierigeren Steig mache. Das passt mir erst nicht so recht. Warum sich da trennen? Nur, damit ich einen Steig gehen kann. Dann meint sie, das der Vorteil darin besteht, dass ich den Steig für unser nächstes Mal dann schon kenne. Okay, das überzeugt. Geschickt ist sie, meine Renate!

Renate fotografiert noch, während ich das erste Stück kraxle. Ja, das ist ein D-Steig. Viel Tritte sind in die Wand geschlagen. Im gesamten Steig muss ich nur an wenigen Stellen auf Reibung setzen. Meist sind Stahlstifte eingeschlagen. Trotzdem hat es der Steig in sich. Oft ist er ausgesetzt, manchmal drängt er ab. Psyche und Armkraft werden gefordert. Der Ausblick ist beeindruckend, manchmal steigt man auf einen Stift, unter dem viel Luft ist, ganz viel Luft.

Nach gut 20 Minuten bin ich bei der Gmundner Hütte. Renate kommt fast zeitgleich an. Der rutschige Aufstieg, das An- und Ausziehen der Regenkleidung all das hat Kraft und Zeit gekostet. Aber wir zischen noch schnell ohne Rucksäcke zum großen Kreuz am Traunstein. Ein paar Fotos werden geschossen, ehe es in der Gmundner Hütte dann etwas zu essen gibt.

Als Optionen für den Abstieg bieten sich der Naturfreundesteig und der Mairalmsteig an. Der Naturfreundesteig soll ein bisserl ausgesetzter sein. Von Klettersteigen haben wir für heute genug, auch wenn die Sonne mittlerweile lacht. Wir wählen die einfachere Variante. Aber auch der Mairalmsteig ist steil und lang. Der Traunstein hat also keinen Zustieg, der MTB-tauglich ist. So steigen wir scheinbar endlos nach unten. Mir quetscht es die mukoide Substanz, die meinen gerissenen Meniskus nicht heilen lassen will, in die benachbarten Regionen meines desolaten linken Knies. Da tröstet auch die Tatsache nicht, dass rechts die Hüfte brav ist. Renate zählt wohl auch schon die Schritte. Nein, sie will gar nicht wissen, wie weit es noch ist.

Knapp oberhalb des Sees haben wir zwei Optionen: durch die zwei Tunnel oder den landschaftlich reizvollen Miesweg. Wir widerstehen dem Reiz nicht, steigen zum See ab, spazieren ein Stück und stehen vor einem Wasserfall, der uns den Weiterweg versperrt. Nasse Schuhe oder wieder aufsteigen? Renates Antwort kommt schnell, an einen erneuten Aufstieg ist nicht zu denken. Oha, da staune ich. Die Füße bleiben dafür bei der Überquerung erstaunlich trocken. Der Miesweg kämpft wohl auch mit den heftigen Niederschlägen in diesem Jahr. Vielleicht wir finden ihn auch einfach nicht. So geht es statt geradewegs zum Auto immer wieder bergauf und dann in die nächste romantische Bucht hinunter. Aber mit Romantik hat der „letzte“ Kilometer nur noch sehr wenig oder eher gar nichts zu tun. So trottet eine von uns beiden schicksalsergeben und in Trance die Schotterstraße entlang. Wanderer, die wir überholt haben oder nach uns bei der Hütte gestartet sind, überholen uns. Der Weg durch die Tunneln war wohl kürzer.

Auch unsere heutige Tour geht irgendwann zu Ende. Wir wechseln an die andere Seeseite, wo man im Hotel Das Traunsee schon auf uns wartet. Der See ist überraschend kalt und die Fische schlafen schon auf der Seite liegend auf der Treppe. Wir stören die Fischlein kurz und fühlen uns ein bisserl erfrischt. Durch den Energieschub und weil es eh schon wurscht ist, gehen wir spät essen und stoßen mit Champagner an. Morgen ist ja ein Erholungstag eingeplant. Den brauchen wir dann auch dringend.

Tadelloser Tag!

Unsere Tour auf garmin.com

Haidsteig – Königschusswandsteig

Heute bin ich alleine unterwegs. Die „Standardrunde“ habe ich mir vorgenommen. Also, Parken in Griesleiten, Haidsteig, Abstieg bis zum Königschusswandsteig, diesen wieder rauf und dann den Holzknechsteig runter.

Ich bin gefühlt zügig unterwegs, aber eben nur gefühlt. Beim Einstieg zum Haidsteig fehlen mir schon über fünf Minuten auf die besseren Zeiten. Der Menschheit ist das berechtigterweise völlig wurscht, aber ich bin schon ein bisserl frustriert. Ich gehe meine Standardrunde nie auf Bestzeit. Ich gehe so, dass es fordernd ist, aber sich gut anfühlt. Also, kein Gehetze. So auch heute, aber dass mir damit fünf Minuten oder mehr fehlen?!

Am Steig selbst gibt es heute keine Zwischenfälle. Innehalten bei der Schwarzen Madonna und weiter geht es. Die Kraft verlässt mich. Uh, da muss ich noch ein bisserl trainieren für den Sommer. Renate tröstet mich nach der Tour damit, dass es am minimalistischen Frühstück liegen kann. Eine gute Erklärung. Die These muss ich jedenfalls demnächst überprüfen. Nach 90 Minuten bin ich am Plateau beim Schild zum Haidsteig. Das ist 15 Minuten langsamer als vor zwei, drei Jahren. Oha! Da kann ich mich noch verbessern.

Die weitere Routine sieht vor, dass ich zum Preinerwandkreuz aufsteige. Am Handy sehe ich, dass es ein Ingress-Portal für den Königsschusswandsteig gibt. Oha, das Portal bei der Schwarzen Madonna halte ich bis auf kurze Unterbrechung seit einigen Jahren. Das neue Portal muss von mir erobert werden. Das ist fix, wird gemacht! Heute geht wenig Wind, da sollte ich mit Spusu auch Empfang haben.

Den Abstieg zum Königsschusswandsteig wähle ich heute ganz gut, nicht optimal, war aber auch schon übler. Diesmal will ich mich im Steig ein bisserl mehr konzentrieren, sodass ich Renate berichten kann, was sie denn erwartet, wenn sie das Wagnis demnächst angeht.

Gut, der Einstieg ist schon mal recht steil. Die Topo sagt zurecht ein D. Sehr wenig brauchbare Tritte und Griffe, wenn man nicht gerade im freien Klettern im höheren Schwierigkeitsgrad geübt ist. Bin ich nicht und deswegen brauche ich das Seil. Das braucht Armkraft, von der zu Beginn des Steigs noch genug da ist. Keine Angst, da muss man keinen Klimmzug können, wie das sooft Angst machend am Internet beschrieben ist. Aber man muss sich auf seine Sohlen verlassen und eben einen beträchtlichen Teil des Körpergewichts mit den Händen und Armen halten können. Das ist auch der größte Unterschied zum Haidsteig. Die Schwierigkeit wird mit einer Stufe höher angegeben. D/E erscheint mir hoch, aber D passt ganz sicher. Es warten schon ein paar D-Stellen oder gar D-Abschnitte. Man muss oft griff- und trittlos die Reibung nutzend nach oben. Das kann sehr anstrengend werden. Was hilft da?

  • Erfahrung
    Es gibt oft Griffe und Tritte, auch wenn es mal nicht danach aussieht. Vielleicht muss man ein bisserl weiter links und rechts schauen. Beim Bergsteigen machen die Beine die Arbeit und nicht die Arme. Kleine Schritte, wo möglich. Schwerpunkt zur Wand, usw. Wer die Sache gelassen angeht, tut sich leichter.
  • Gute Schuhe
    Mit guten Sohlen kann man am steilen Fels auch ohne ausgeprägte Tritte ganz gut stehen. Aber die Sohlen sollten am Fels „kleben“. Eigene Kletterschuhe verwende ich nicht. Meine Zustiegsschuhe, Salewa Wildfire 2, sind völlig ausreichend.
  • Trocken sollte es sein
    Bei Nässe wird es echt mühsam. Bei einer meiner vorigen Begehungen war die „Höhle“ unterm Felsfenster bei nassem Fels und nassem Seil so richtig herausfordernd.

Wer sich also ohne links und rechts zu schauen am Seil wie an einem Blitzableiter nach oben zieht und dabei noch versucht, das Seil aus der Wand zu reißen, wird sich seiner Energiereserven rasch entledigen. Wer gelassener agiert, findet meines Erachtens einen echt tollen Steig vor.

Eine Rampe mit geringer Schwierigkeit (A/B und B) ist auch dabei. Steil ist sie allemal. Bergseitig ragt die Preinerwand fast senkrecht hinauf, auf der anderen Seite fällt sie schnell steiler werdend ab. Und als ich diese geschätzt fünf bis zehn Meter breite Rampe hinaufsteige, schaut mich von oben eine ordentliche Gams an. Sie will die Rampe runter, natürlich ungesichert. Ich überlege. Fix ist, dass ich eingehängt bleibe, denn sonst kegelt sie mich schneller aus der Wand, als ich schauen kann. Ein paar Meter sind zwischen dem Stahlseil und der bergseitigen Wand. Auf der anderen Seite kommt der Abgrund schnell. Die Gams ist kein Steinbock und hat Angst. Mio erscheint dagegen, selbst wenn er Angst hat, mutig zu sein. Erwähnt sein, Mio fürchtet sich fast vor allem. Dass die Gams zwischen mir und Wand durchrauschen wird, kann ich mir also nicht vorstellen. Ungesichert zur Wand wechseln, will ich nicht, weil ich dann eben nirgendwo festhänge. Die Gams probiert Optionen und nimmt den durch sie verursachten Steinschlag ohne zu zucken in Kauf. Danke liebe Gams, und ich mache mir deinetwegen Gedanken. Das muss sich ändern, ich muss da raus. Ich steige auf, die Gams ebenso. Will die jetzt durch das Felsfenster? Das Seil geht nun näher an die Bergseite und schon zischt die Gams nach unten. Da schaut sie hinter dem Abbruch hervor und wir stehen uns zwei Meter voneinander entfernt Auge in Auge gegenüber. Keine Chance auf ein Foto, schon springt sie die Rampe hinunter. Wow!

Jetzt warten noch Höhle und Felsfenster. Nass ist es, aber das Seil ist trocken. Uff! Diesmal gehe ich es gelassen an und suche ein bisschen. Ich zwänge mich nicht am Seil entlang, sondern umgehe den rutschigen Buckel und siehe da, es geht leichter. Auch diesmal würde ich meinem Durchstieg nicht das Prädikat „souverän“ geben, aber deutlich besser. Wird werden!

Der Rest ist dann wieder feine Kraxelei. Manchmal fehlt mir halt schon die Kraft. Diesmal geht es aber recht gut. Doch der Schock kommt beim Ausstieg. Das Ingress-Portal ist vor dem Felsfenster und nicht wie von mir vermutet beim Ausstieg. Mist, jetzt muss ich demnächst noch ein Mal her!

Für den Abstieg habe die Stöcke mit. Das passt nicht ganz zur Kletterei, aber der Orthopäde hat einen gerissenen Meniskus festgestellt. Wenn es geht, möchte ich mit der notwendigen OP noch bis Herbst warten. Die Stöcke habe ich von Renate geschenkt bekommen. Diese Carbon-Dinger sind eine Freude, ich zische das Geröll fast wie eine Gams hinunter. So bin ich nach vier Stunden verstrichener Zeit wieder beim Auto und rechtzeitigt daheim. Am Abend wartet noch Kultur im Bad Vöslauer Freibad. Da liest einer den Prozess von Kafka vor. Oder besser er inszeniert ihn. Egal, er macht es gut, denn ich bleibe die eineinhalb Stunden munter. Sehr fein!

Gebirsgsvereinssteig

An diesem Nachmittag setzen wir eine Trainingseinheit an. So wird’s gemacht. Renate ist ein bisserl aufgekratzt. Ob es nass ist, ob es Regen geben kann, wie es diesmal ist? Aufgekratzt, aber definitiv nicht ängstlich. Man merkt, sie hat nun schon ein paar Touren hinter sich. Und mit der Erfahrung kommt das Bewusstsein für die Herausforderungen. Gut so!

Den Zustieg vom Seiser Toni aus finden wir schnell, auch wenn ich diesmal wie jedes Mal denke, dass wir zu weit sind. Da denke ich mir dann, dass ich mir das jedes Mal denke und es deswegen okay ist, aber wir diesmal wirklich zu weit sind. Alles klar? Passt aber jedes Mal.

Im Einstieg ist es gar noch feucht, aber das meistern wir schon mal. Zu sagen ist, dass sich der Fels in den letzten Jahren hier rasch abgenutzt hat. Das ist schon eine speckige Partie da rauf. Entweder schmiergelt sich der Fels der Hohen Wand extra rasch ab oder es sind hier Massen unterwegs. Heute ist jedenfalls nichts los. Deswegen sind ja wir da.

Auch die weiteren Schwierigkeiten nimmt Renate im „Vorstieg“. Steil ist es, die Hände und Arme braucht man. Eine von uns beiden strengt sich wirklich an. Der andere nicht so. Die Hängebrücke wackelt nach dem Winter auch ein bisserl mehr und gehört mal „nachgestellt“. Machbar ist sie trotzdem leicht. Danach bietet die Wand mit der Hängeleiter feine Fotomotive. Da muss man ein bisserl warten, bis man fotografieren kann. Aber dann wird’s gut.

Der Notausstieg ist erreicht. Der Rastplatz hier lässt vermuten, dass man es geschafft hat, aber man ist noch nicht ganz oben. Da wartet noch ein bisserl Kraxeln inklusive der Querung. Und diese Querung ist heute nass. Die Topo gibt der Querung ein C. Das ist auch berechtigt bei trockenen Verhältnissen, wenn die Schuhe gut auf dem steilen Fels halten. Heute halten sie nicht. Da muss der Fuß ein bisserl gezielter platziert werden. Stellenweise mag man aber keinen Absatz oder Spalt finden und da ist es dann kein C mehr, sondern ein sattes D. Zum Glück ist das Seil trocken.

Die folgende D-Stelle ist auch trocken und damit fast einfach. Der Ausstieg lässt nicht lange auf sich warten. Juchhu, Renate hat den Steig ein zweites Mal geschafft. Sehr fein! Runter geht’s den Wagnersteig.

Die Steinböcke stehen wie gewohnt herum. Zu diesen habe ich am Internet nachgelesen. Eigentlich ist so ein Steinbock erst über 2.000m anzutreffen, aber hier trotzen sie der zunehmenden Hitze. Und wie sind sie daher gekommen? Vor Jahrzehnten sind ein paar Steinböcke aus einem Gehege auf der Hohen Wand ausgebrochen. Mittlerweile ist die Population auf 100 Tiere angewachsen – je nach Angaben ein bisserl mehr oder weniger. Einige, vorrangig die Jäger, sagen, dass es viel zu viele sind. Ein Abschuss kommt in der Öffentlichkeit aber nicht so gut an. Die Ausflügler, die die Wildnis so sehr lieben, solange sie nicht wild ist, würden vermutlich protestieren. Wie auch immer, ich verstehe nun, warum Mio nicht auf die Hohe Wand darf, aber sonst eben keine Gefahr besteht, auf einen Steinbock unterhalb von 2.000m zu treffen. Ach, der Hochschwab ist auch noch eine Ausnahme. Dort wurden die Steinböcke bewusst angesiedelt. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Stadelwandgrat III

Renate liegt mit Fieber im Bett. So brechen Gernot und ich auf, um die Erinnerung an den Stadelwandgrat aufzufrischen. Wieder sind wir die einzigen, die an diesem Wochentag in diesem Gebiet unterwegs sind. Diesmal steigen wir weiter im Stadelwandgraben auf, machen damit sogar ein paar Höhenmeter „zu viel“, gelangen dafür aber komfortabel ins Gassel. Gernot notiert als Abzweighöhe 910m. Das ist knapp unter dem Geröllfeld, bei dem der Weg durch den Stadelwandgraben in Aufstiegsrichtung scharf nach rechts abbiegt.

Das Gassel ist weniger anstrengend als sonst, aber noch recht unbegangen in diesem Jahr. Das bedeutet viel Schotter und loses Gestein. Ein nennenswerter Brocken löst sich fast, bleibt aber liegen. Ich warne noch Gernot, der sich 50 Meter hinter mir befindet. So steige ich weiter und höre irgendwann einen Schrei hinter mir. Gernot musste einen Brocken, der langsam auf ihn zugekommen ist, mit den Händen abwehren. Das bringt ihm eine Schürfwunde und einen ziemlichen Stich im Handgelenk. Ich bin extra vorsichtig aufgestiegen und vermute, dass der sich eine, vorher erwähnte Brocken doch noch langsam auf den Weg gemacht hat. Oh, oh – das hätte schlimmer ausgehen können.

Die Lesson learned daraus ist, dass man eng beisammen bleiben soll, wenn die Steine locker liegen. So düsen wir in kurzem Abstand zum Einstieg hinauf. Der ist wie immer, weiter oben als vermutet. Schön brav, den roten Punkten folgen. Diese führen zuverlässig zum Einstieg, der sich auf knapp unter 1.200 Metern liegt.

Der Zustieg war anstrengend, aber hier ist es nun recht kühl. Die Sonne versteckt sich, der Wind pfeift. Ich ziehe mich um, aber zittere beim ersten Stand. Oha! Jetzt kommt auch noch die „Notjacke“ dran, und ab damit passt dann die Temperatur.

Der erste Stand ist am „Zusatzturm“, den man sich auch sparen kann. Man erreicht ihn, wenn man gegen den fetten, roten Pfeil Richtung Ausstieg Richtersteig(?) spaziert. Ich finde der Turm macht Spaß und ist es wert, auch mitgenommen zu werden. Man muss ihn „überschreiten“, das heißt, hinten wieder runter. Das sieht wilder aus, als es ist.

Der Steig ist auf meiner Website schon ein paar Mal beschrieben. Deswegen kommen hier nun keine Details zum Steig, sondern Erkenntnisse der heutigen Begehung. Gernot und ich wechseln uns im Vorstieg ab, das macht die Sache kurzweiliger. Ein bisserl Zeit sparen wir durch reduziertes Umhängen. Wichtiger erscheint aber die Tatsache, dass das einmal vorne weg und einmal hinten nach abwechslungsreicher ist.

So kommt es auch, dass Gernot vor der IIIer-Stelle im Vorstieg ist, und gemäß Topo einmal II+ und einmal III- nimmt. Ich steige hinten nach und bin voller Staunen, was da bei Gernot im Vergleich zu den ersten Begehungen geht. Beim IIIer bin ich dann vorne. Die Stelle ist auch keine sonderliche Hexerei, wenngleich Gernot meint, dass er die nie und nimmer im Vorstieg gepackt hätte. Vielleicht will er Bescheidenheit an den Tag legen. Ich traue es ihm demnächst zu, und das, obwohl er erst seit ein paar Jahren kraxelt.

Der Steig kommt uns kürzer vor. Die Zeiten vergleichen wir nicht. Wozu auch? Ueli Steck war in deutlich weniger Zeit durch die Eiger Nordwand.

Vorm Forsthaus fehlen leider Bänke und Tisch. So jausnen wir am Boden sitzend, ehe wir absteigen. Am Abend gibt es noch mein erstes MRT. Geht sich alles locker aus. Mit Renate geht es auch bergauf.

Alles tadellos!

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Akademikersteig

Jetzt ist der Akademikersteig dran! Wird am Feiertag viel los sein? Ich habe keine Ahnung. Am Vorabend flüchten wir von daheim und überlassen das Haus Jasmin & Friends.

Wir quartieren uns im Schlosshotel Hernstein ein und erleben dort Skurriles! Die Kammer der gewerblichen Wirtschaft für Wien hat sich in die Reihe der überaus wohlhabenden Vorbesitzer eingereiht. Da sieht man, was mit Zwangsmitgliedsbeiträgen geht und dann doch nicht so richtig funktioniert. Das Anwesen ist atemberaubend! Ich würde da in jedem Fall wieder hinfahren, die Preise sind überaus vernünftig. Auf der anderen Seite möchte man lachen, was da an handwerklichem Murks passiert ist. So haben wir am WC im Zimmer ein 24×7 hell leuchtendes Notausgangsschild. In anderen Zimmern der Suite sind auch solche Schilder, aber da hat sie offensichtlich zumindest jemand ausgeknipst. Man wundert sich. Kurz, da ist mit viel Geld, das anderen gehört, das Beste beauftragt, aber nie vernünftig abgenommen worden.

Aber nun zum Akademikersteig. Der ist hier schon oft beschrieben. Am Parkplatz ist für einen Feiertag sehr wenig los. Wir parken ganz „oben“. Das Wetter passt, das Seil ist ganz neu, Renate ist voller Zuversicht. Den Zustieg finde ich mittlerweile verlässlich. Was soll da schiefgehen?

Nichts geht schief. Renate ist flink wie ein Wiesel und überaus geschickt. So schaffen wir es über die mit II+ bewerteten Stellen und erreichen das Steigbuch unterm Felsfenster. Renate schaut ins Buch und entdeckt einen Eintrag von Februar 2024. Gottfried und Gernot waren da. Ich mag den Zufall gar nicht glauben, dass da noch ein anderes Kletter-Duo mit denselben Namen am selben Steig unterwegs war. Ich bin den restlichen Tag hin und weg, bis ich Gernot über diesen Zufall informiere. Der erklärt mir, dass das seine Handschrift ist und wir heuer den Steig schon gegangen sind. Uje, ich mache mir Gedanken!

Renate nimmt auch das Felsenfenster ganz locker. Am abschließenden Grat stellt sich noch einmal die Frage, wo es da rauf gehen soll. Aber dann ist auch der Ausstieg schon geschafft. Gratulation! Wir gönnen uns noch die traditionelle Forelle im Weichtalhaus und sind hoch zufrieden!

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Schafberg

Mit der Schafbergbahn auf den Schafberg und dort ein bisserl die Aussicht genießen. Und damit es nicht ganz so fad wird, noch eine Rundwanderung oben mit drei Seen. Das klingt doch gut. Lydia wählt die Turnschuhe, weil die neuen Bergschuhe unbequem geworden sind. Zum Glück schließt sie sich uns an und schlüpft noch am Parkplatz in die lange Berghose. Dreieinhalb Stunden und ein paar Höhenmeter brauchen keine sonderliche Vorbereitung. So denken wir. Renate reklamiert uns in die ausgebuchte Fahrt um 09:15 und so zuckeln wir in 35 Minuten auf über 1.700m.

Der angekündigte Wetterumschwung kommt ein bisserl eher daher – oha! Der Wind pfeift und wir haben schnell unsere Stirnbänder und Mützen auf. Erstmal geht es bergab Richtung Mönichsee. Lydia tippt dazwischen E-Mails. Sieht alles friedlich aus. Bald wird es abenteuerlicher. Da muss eine Felswand gemeistert werden. Aus der Ferne wirkt sie wild, aus der Nähe ist sie mit Seilen und Stufen versehen. Da bin ich aber froh, dass wir nicht vor drei Tagen als erste Tour den Schafberg gewählt haben. Denn hier im frischen Schnee – aber hallo! Wir sind sicher, dass damit die schwierigen Stellen auf diesem lieblichen Rundweg gemeistert sind. Lydia korrespondiert weiter, die Turnschuhe sind am Limit, aber auf der sicheren Seite.

Beim Mönichsee stören wir eine Eisbadende. Ich kann gar nicht glauben, dass sie da wirklich ins eiskalte Wasser will. Aber sie meint es ernst und ist auch in der Sache gänzlich spaßbefreit. Okay, wir schleichen uns. Mann oh!

Es folgt ein Anstieg Richtung Mittersee und Himmelspforte – meinetwegen. An der Scharte angekommen folgt dann auf der Schattseite ein Abstieg im Schnee. Oh, da könnte man überrascht sein. Sind wir auch ebenso wie unsere Füße schnell nass sind. Lydias Turnschuhe sind jetzt über dem Limit.

Der Mittersee wird bewundert, es geht weiter in einem stetigen Bergauf und Bergab Richtung Suissensee. Langsam wird es zäh. Ein Unterstand gefällt Mio sehr. Leider hat nur er eine Jause mit. Wer rechnet den bei so einer Tour mit Hunger? Ab jetzt sollte es irgendwo bergauf zur Himmelspforte gehen. Fasziniert suchen wir die wirklich steilen Felswände nach einem Weg ab. Nichts da, wird schon kommen. Da Umdrehen eh keine Option ist, gehen wir die Nordseite weiter. Die zu querenden Schneefelder werden steiler, sind aber zum Glück richtig weich. Da schau‘ her, nun ist es fix: die Tour ist anspruchsvoller als gedacht.

Und irgendwann geht es dann gerade nach oben. Oha! Bei trockenen Verhältnissen mag das eine steile, aber doch nette Wanderung sein. Nun ist da jede Menge nasser Schnee drinnen. Huch, das wird ja wirklich noch eine Bergtour. Wir schlagen so gut es geht Stufen in den nassen Schnee. Lydia ist nun wirklich mit dem falschen Schuhwerk unterwegs. Eine Spur ist vor uns. Aber die muss vor ein paar Tagen bei noch mehr Schnee angelegt worden sein. Wir machen eine Variante aus, die einen Grat über Geröll und Wiesen steil und direkt hinaufführt. Mich schreckt es nicht so, aber mit einem normalen Weg hat das wenig zu tun. Die Damen bleiben tapfer. Mio kennt so einen Mist ohnedies und wird auch heute nichts sagen.

Jetzt sind es nur noch 50 Höhenmeter bis zur Himmelspforte. Dort, wo die Seilversicherung herausschaut, kann man erkennen, dass die Stahlseile die ambitionierten Zahnradbahnfahrer links und rechts sichern . Aber nicht nur die in den Fels geschlagenen Stufen auch die Stahlseile sind teils weit unter dem Schnee. Aber hallo!

Von der Bergstation kommen immer wieder Wanderer und blicken ehrfürchtig durch die Himmelspforte in die Wand. Das Bild, das sich ihnen bietet, muss sie erschaudern lassen. Da ist eine junge Frau in Turnschuhen in den steilen Schneefeldern unterwegs. Gelegentlich sichert sie der Vater mit einem Stock. Einen kleinen Hund haben sie auch dabei! Der eine oder andere will einen Rettungsversuch starten, scheitert aber. Wird sich hier gleich ein Bergdrama abspielen? Drehen die eine weitere Folge von „Die Bergretter“ oder eher „Der Bergtrottel“?

Nur noch eine kurze Seillänge trennt uns vom Ziel, aber Seil haben wir eh keins dabei. Umdrehen ist eine Option, aber keiner will die Schneefelder wieder runter. Nicht einmal Mio.

Neugierige Blicke von Wanderinnen in T-Shirts und Shorts, die da oben recht fröstelnd aber zumindest in der Sonne ihren Hals über die Kante vorschieben, treffen uns da in der Nordwand unter der Himmelspforte. Mio startet durch, verirrt sich, hängt aber an der Leine. Na, wenn das nicht Stoff für eine eigene Folge dieser Bergretterserien ist!

Da schicken wir Renate los. Sie ist unerschrocken genug, um sich den Weg über das letzte Schneefeld zu bahnen. Da kommt auch schon der erlösende Ruf von oben: „Alles easy, ab da geht es gut! Ihr könnt kommen!“. Na bitte, geht ja. Unter Ohs uns Ahs erreichen wir den Ausstieg.

Auch wenn es nicht ganz so wild war wie beschrieben, zeigt es ein weiteres Mal, wie leicht man in den Bergen in Nöte kommen kann. Wenn der Schnee ein bisserl härter gewesen wäre oder wenn mehr Schnee eingeweht worden wäre, hätte es schlecht ausgesehen. Wahrscheinlich wären wir dann eher umgedreht. Vielleicht auch nicht, den keiner kann die Bedingungen hundertprozentig vorhersagen. Deswegen mein Appell an alle: seid gnädig mit den „Vollpfosten“, die in Turnschuhen mit einem Hund an der Leine plötzlich weder vor noch zurück können. „Unverantwortlich“ und „deppert“ sind die Attribute, die da schnell in den sozialen Medien verwendet werden. Also, wir waren weit von einer Notsituation entfernt. Anderseits vielleicht auch gar nicht so weit weg, wenn ein paar Grad Celsius weniger, Regen und die Angst dazukommen.

So hatten wir eine überraschend kurzweilige Rundwanderung, die letztlich mit einem ausreichenden Sicherheitspuffer ihr gutes Ende gefunden hat. Wir hatten gar noch Zeit für ein Mittagessen im Berghotel Schafbergspitze vor der gebuchten Abfahrt ins Tal.

Mitgenommen haben wir neben den intensiven Eindrücken auch die gar nicht neue Erkenntnis, dass selbst einfache Touren eine gute Planung brauchen.

Noch im Auto klingen die Eindrücke nach, wie aus der harmlosen Seenrundwanderung aufgrund des Schnees eine alpine Erfahrung geworden ist. Jepp, das war mal was!

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