Flittertage in Portugal


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Wir gönnen uns ein paar Tage in Portugal, drei Nächte in Lissabon und zwei Tage in Porto. In Lissabon sind wir im Hotel Valverde untergebracht – ein überaus empfehlenswertes Haus! Michelin, dieser französische Reifenhändler, war auch schon hier und hat für Renate Restaurants herausgesucht. So besuchen wir das feine Restaurant Belcanto, das uns das feinste kulinarische Erlebnis seit langem bringt. Lissabon gefällt uns. Die Stadtspaziergänge sind eine Freude. Alles ist recht entspannt und zuvorkommend.

Diesmal sind wir auf eco unterwegs und fahren mit dem Zug von Lissabon nach Porto weiter. Meine letzte Zugfahrt auf dieser Strecke vor 40 Jahren habe ich anders in Erinnerung. Okay, damals war ich mit Oskar unterwegs.

In Porto besuchen wir die Fischfabrik Pinhais. Sie ist mit ihren Sardinen in der markanten Fischdose unter der Marke Nuri bekannt. Österreich ist einer der Hauptabsatzmärkte. Die Firma besteht seit 1920, fast alles wird noch per Hand gemacht. 2016 hat ein Österreicher die Firma übernommen. Wir staunen – hier mehr am Internet. Die Führung ist wirklich eine dringende Empfehlung! Esst mehr Nuri-Sardinen!

Natürlich spazieren wir auch durch Porto, die Bootsfahrt am Douro fällt allerdings leider im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Manchmal regnet es eben auch in Portugal. Am Tag unseres Heimflugs finden wir dann noch, und diesmal wirklich ungeplant, ein ganz besonderes, winziges Lokal. Der Eigentümer hat jahrelang im Belcanto gearbeitet und bietet nun für maximal zehn Gäste selbst Essen an. Das Lessa in Porto ist definitiv auch eine Empfehlung wert. Webseite und so modernen Schnickschnack hat das Lokal nicht, dafür gibt es hier vorzügliches Essen!

Ganz zum Schluss holt sich noch der Atlantik meine Renate. Diese wilden Wellen! Völlig unberechenbar! In unserem Hotel, der Vila Foz, ist das Personal gefordert, um bei der Trocknung zu helfen. Selbst so ein ungewöhnliches Anliegen bringt aber ein Haus dieser Kategorie nicht in Verlegenheit. Eh klar!

Unsere Hochzeit

Zwei Wochen ist die Hochzeit nun her. Mit dem Blog bin ich langsam, mit allem anderen waren wir schneller. Am 21. März 2023 haben wir uns kennengelernt, natürlich übers Internet. Am 18. Juni 2024 war die Verlobung am Preber und am 5. Oktober 2024 nun also die Hochzeit.

„Es ließe sich alles trefflich schlichten, könnte man die Sachen zweimal verrichten.“, so meinte es Goethe. So hatten wir erst vor, ohne Gäste zu heiraten, dann mit drei, dann mit fünf und dann vielleicht doch mit mehr. Wir haben angekündigt und wieder abgesagt. Am Ende zählt das Ergebnis und das ist wunderbar.

Als wir am 27. August am Weg in die Wachau waren, um unsere Ehetauglichkeit feststellen zu lassen, haben wir spontan entschieden, doch ein bisserl auf „Family & Friends“ zu wechseln. Da war die Einladung für die eine oder den anderen dann doch ein bisserl kurzfristig oder gar der ganze Prozess wirr. Seht es uns nach!

In der Kurzfristigkeit haben wir noch Trauzeugen gefunden und Mio trainiert, dass er die Ringe bringen kann. Renate hat die Feierlichkeiten organisiert, ich habe auch etwas getan.

Und dann war er da der 5. Oktober mit all seinen Gästen, aus Nah und Fern. Vielen herzlichen Dank an alle für euer Kommen! Wir waren und sind froh, dass wir uns für eine größere, kleine Runde entschieden haben. Die kleinen Aufmerksamkeiten und schriftlichen Glückwünsche sind ein schönes Andenken. Auch die Bergrettung wird sich über den Spendenregen gefreut haben und sich noch immer fragen, wer denn Renate & Gottfried sind.

Der für mich krönende Beitrag war Renates wunderbare, spontane Ansprache beim Hochzeitsessen. Mit ebenbürtiger Sicherheit schreibe ich nun an dieser Stelle, dass ich ganz sicher und unglaublich dankbar bin, die Richtige gefunden zu haben.

Und nun meldet sich hier Renate ausnahmsweise zu Wort und wiederholt:
„Auch ich habe meine große Liebe gefunden und bin jeden Tag dafür dankbar.“

Am Ende zählt das Ergebnis und das ist wunderbar.


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Stadelwandgrat III

Renate und ich gehen den Stadelwandgrat an. Es ist Renates erster IIIer. Der Grat und die leichte Kletterei passen goldrichtig dafür. Was soll da schon schief gehen? In der Früh und beim Zustieg geht es Renate gar nicht gut. Ihr ist ein bisserl übel, der Magen will nicht bergsteigen! Aber sie will die Tour probieren. Schauen ma a mal!

Wir packen das 40m-Seil ein. Das ist ein bisserl kurz. Wir könnten natürlich auch das 60er mitnehmen. Aber das wäre ein bisserl schwer. So könnten wir auch ein 50m-Seil kaufen. Aber das wäre dann ein bisserl blöd.

Irgendwann muss man im Stadelwandgraben nach links abbiegen. Das kann man weit unten machen und sich dann eines steilen Schotterfeldes erfreuen oder weiter oben. Meist biege ich zu früh ab. So auch diesmal. Aber es ist nicht so schlimm, denn ich denke, es gilt: „Je weiter oben umso besser.“. Aber wer will schon zu weit gehen? Egal, beim Abstieg sehen wir auf 910m Seehöhe Markierungen an einem Baum. Gernot hat sich auch schon mal die 910m auf der Uhr fotografiert. Das Wegerl probiere ich jedenfalls das nächste Mal.

Das Gassl ist nach den irrwitzigen Regenmengen der letzten Tage und Wochen eigentlich in gutem Zustand. Keine Sorge! Der folgende Aufstieg hat jedes Mal bessere Markierungen. Vielleicht liegt es daran, dass ich den Aufstieg immer besser kenne. Aber selbst in der Kletterstrecke sind auffällig viele rote Punkte. Diese sind mir bislang gar nicht aufgefallen. Hat da wer nachgebessert? Alles wird besser.

Wie üblich folgen wir in entgegengesetzter Richtung dem markanten roten Pfeil und erreichen nach leichter Kraxelei die Anseilstelle. Schon wartet der erste Turm, der heute wieder einmal ein bisserl schwieriger erscheint. Renate schlägt sich tapfer. Dann wird abgeklettert zum ersten richtigen Stand. Von dort geht es gleich wieder scheinbar schwierig bergauf. All das muss Renate Respekt einflößen, aber sie kommt stets brav hinten nach. Der weitere Verlauf ist immer wieder spannend, aber stets machbar.

Die IIIer-Stelle laut Topo liegt Renate im Magen. Erst wollte sie vor dieser Stelle überlegen, ob sie die Stelle angehen will und dann im weiteren Verlauf der Kletterei war sie sicher, dass sie sie umgehen möchte. Aber ich bin ja vorne. Und als erster nehme ich die IIIer-Stelle in einer der Seillängen gleich mit. Uh, die Stelle gehe ich heute weiter rechts an, wo ein Haken aus der Wand schaut. Also, da fehlen irgendwie Griffe und Tritte für unser Können. Die letzten Male war ich ein, zwei Meter weiter links und dort ging es leichter. Trotzdem komme ich sicher über die Stelle und hole Renate nach.

Sie ist schnell da und steht jetzt unter dem Haken in der IIIer-Stelle. „Also, ich steh‘ jetzt an! wie soll ich da rauf kommen?“. „Immer dem Schnürl nach!“ ist meine beliebte Antwort, zur Unterstützung spanne ich das Seil ein bisserl. Jetzt tut sich lange nichts. Gelegentlich gelingt es mir, wieder ein paar Zentimeter das Seil weiter einzuziehen. Die Arme muss ja schon im Klettergurt hängen. Und dann taucht sie plötzlich auf, zuerst der Helm und dann immer mehr von ihr. „Boah, was war denn das jetzt?“. „Na, vielleicht haben wir schon, ganz ohne es zu bemerken, die IIIer-Stelle mitgenommen?“. „Sicher nicht, die kommt erst! Und sicher ist, die gehe ich nicht!“. „Oh ja, das war schon die IIIer-Stelle!“. „Was echt jetzt?“. „Ja!“.

Jetzt fehlt nur noch eine Stelle mit III-. „Spreizschritt“ erwähnt die Topo dazu. In meiner Erinnerung ist das aber eine wahrlich nicht schwere Stelle. Was allerdings in Renates Kopf vorgeht, kann ich nicht sagen. Jedenfalls steige ich vor, überwinde den Spreizschritt ohne sonderliche Aufmerksamkeit. Den nächsten Stand baue ich ums „Eck“ bei einer kräftigen Latsche. Von Renate höre ich derart nichts. Aber das Seil rutscht fein durch meine Sicherung. Sie kommt näher, bis es plötzlich stockt. Das ist nicht ungewöhnlich. Ich warte. Nix tut sich. Ich warte. Minuten, echte Minuten vergehen. Ich warte, ich rufe: „Alles okay?“. Keine Antwort! Ich fixiere den Stand und steige ihr entgegen. Nun bin ich in Rufweite. Renate steht vor dem Spreizschritt und weiß nicht weiter. Sie will mehr Seil. Anscheinend habe ich sie von oben mit meinem Probeziehen immer weiter nach vorne gezogen, und nun ist die Lage misslich. Ja, das auch, aber selbst mit mehr Seil weiß sie eigentlich nicht, wie sie darüber soll. „Nach links absteigen und drüben wieder rauf!“ rufe ich noch. Dann mache ich mich zurück zum Stand, um ihr mehr Seil geben zu können. Diesmal geht etwas weiter. Etwas erschöpft und fertig steht Renate vor mir. Sie war wirklich ratlos, hat das Offensichtliche nicht gesehen und sich nur gewundert, wie ich da rüber bin. Na ja, dass ich mit meiner Hüftprothese, zwei lädierten Knien nicht wie eine Katze gesprungen bin, sollte eigentlich offenkundig sein. Renate meint, dass sie sogar an die Bergrettung gedacht hat. Das wäre ein lustiger Einsatzbericht geworden: „Die gut ausgerüstete 54-jährige, die am Stadelwandgrat unterwegs war, kam bei einem Spreizschritt in eine brenzlige Lage und konnte weder vor noch zurück. Die zu ihr aufgestiegenen Bergretter sicherten die bereits leicht erschöpfte Bergsteigerin bei einem Schritt galant durch Reichen der Hand, ehe diese selbständig ihre Bergtour mit ihrem Partner, der wenige Meter oberhalb von ihr an einer Latsche gesichert, beim Handyschauen aufgefunden wurde, fortsetzen konnte.“. Auch ein Hubschraubereinsatz wäre fein gewesen. Es hätte ja gereicht, wenn sich Renate kurz am herunterhängenden Bergehaken festhalten hätte können, ehe sie sich mit einem „Danke und Tschüssi!“ verabschiedet hätte. Ging aber auch so, mit Geduld!

Nach diesem eigentlich eher unspektakulären Spreizschritt geht es dann nur noch in flacher werdendem und einfachem Gelände weiter. Ein Grat ist noch dabei. Auch wenn das technisch einfach ist, sichern wir weiter. Da ist eine von uns beiden schon ein bisserl über das Maß des Erwarteten hinaus müde. Vergnügt und zuversichtlich, aber eben doch gefordert. So schaffen wir noch eine Seillänge gesichert, ehe wir ungesichert den letzten Anstieg nehmen und über die Märchenwiese zur Forsthütte absteigen. Jippieh, geschafft und Gratulation an Renate.

Nach Jause und Nachbesprechung geht es wieder durch den Stadelwandgraben zum Auto. Nach den Anstrengungen zieht sich der Abstieg ein bisserl sehr. Aber was soll’s? Geht ja alles vorbei!

Besten Dank an meine tolle Begleiterin!

Die Tour auf garmin

Anichspitze und Spiegelkogel


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Zustieg Ramolhaus und Anichspitze

Die Pläne sind groß, die Zeit wird knapp! Ich würde noch gerne einen Gipfel meiner Bergliste erledigen. Die Weißkugel wartet seit Jahren. Ich bin nicht sonderlich zuversichtlich, dass wir diese in diesem Jahr noch schaffen. Die Hütten schließen bald, die Tage werden kürzer, der erste Schnee könnte kommen. Da tut sich ein Zwischenhoch auf. Nicht sonderlich stabil, aber immerhin. Renate ist bei der Tour für Kurzentschlossene dabei. Wir planen den Anstieg zum Ramolhaus von Obergurgl aus am Donnerstag, die drei Ramolkogel am Freitag und den Schalfkogel am Samstag. Am Sonntag kann dann die Kaltfront in Ruhe kommen.

Mammut hat noch neue Hochtourenschuhe rechtzeitig herbeigeschafft. Meine alten Schuhe wurden bei der letzten Tour verwechselt und sind weiterhin verschollen. Am Donnerstag wollen wir früh in Breitenfurt los. Nur der Wetterbericht verschlechtert sich stündlich. Am Donnerstag Nachmittag wird es regnen, und der Freitag sieht auch gar nicht mehr so gut aus. Als wir in Obergurgl ankommen, regnet es wirklich. Aus dem Rucksacktransport wird es auch nichts, weil der Wind zu stark bläst. Mit schwerem Rucksack im Regengewand 1.100 Höhenmeter – da gibt es Attraktiveres. Wir planen um! Wir übernachten in Obergurgl und versuchen am Freitag Aufstieg zum Ramolhaus und Ramolkogel. Damit packen wir das Programm von zwei Tagen in einen Tag. Nach dieser planerischen Meisterleistung gönnen wir uns ein extra feines Abendessen im Grünerhof. Außer uns kommt niemand an diesem Abend auf diese Idee. Fängt doch gut an!

Am Freitag in der Früh nieselt es. Den Rucksacktransport nehmen wir nicht in Anspruch. So genau lässt sich ja nicht sagen, wann der Rucksack oben ankommt und wir wollen noch auf die drei Ramolkogel. Seil, Klettergurt, Karabiner, Eisschrauben, etc. lassen wir im Auto. Das macht den Rucksack leichter. Der Niesel endet bald und los geht es. Der Hüttenzustieg ist lange, aber technisch kein bisserl herausfordernd. Ein scheinbar endloser Almenweg führt stetig bergauf. Vis-a-vis sehen wir erst das Skigebiet, den Angerer und den Weg zur Langtalereckhütte. Das Ramolhaus schaut nach mehr als zwei Drittel der Strecke das erste Mal zu uns her. Wir sind vorbereitet, dass dies eine optische Täuschung ist. Denn der Weg führt unter dem Ramolhaus vorbei, ehe er dann in einem letzten Anstieg „hinten herum“ zum Haus führt. Das letzte Stück ist steil, aber nicht so steil, wie ich dachte. Renate hat an diesem Tag trotzdem hart zu kämpfen. Die Uhr zeigt mit einer Trainingsbelastung von 5.0 an, dass sie ihr sinnvolles Limit erreicht hat. Vielleicht hilft eine Pause mit Essen am Ramolhaus.

Am Ramolhaus empfängt uns Lenka mit blitzenden Augen. Sie führt die Hütte in der dritten Saison und hat alles fest im Griff. Sie empfiehlt, dass wir uns auf den Nördlichen Ramolkogel, die Anichspitze, beschränken sollen. Das ist der erste Gipfel. Vor allem der Große Ramolkogel ist zu dieser Jahreszeit aufgrund der geänderten klimatischen Verhältnisse doch kompliziert. Na ja, viel mehr als die Anichspitze wird sich heute eh nicht ausgehen.

Nach einer Stunde Pause entscheidet sich Renate, mich zu begleiten. Sie kann ja umdrehen, wenn es zu anstrengend wird. Die Anichspitze sollte nicht so wild sein. So gehen wir mit reduziertem Gepäck los. Immer mehr Nebel breitet sich aus. Aber der Wetterbericht verspricht, dass es trocken bleiben wird. Der Weg ist nicht ganz leicht zu finden. Es sind gar zwei Varianten markiert, wobei bei einer Variante die Markierungen teils ausgekreuzt sind. Komisch ist das, hatte ich noch nie. So folgen wir unserem GPX-Track auf Handy und Uhr. Dieser stellt irgendwie die dritte Variante dar.

Am Beginn der kärglichen Reste des Ramolferners stellt sich dann die Frage, ob wir im Fels bzw. Geröll bleiben oder das Eis nehmen. Wir entscheiden uns fürs Eis. Erst wieder auf der Hütte gesteht Renate, dass sie da schon ausreichend fertig war, aber nicht wegen des Nebels alleine zurückgehen wollte. Anderseits wollte sie mir auch nicht den Gipfel nehmen. So macht meine tapfere Begleitung schon recht erschöpft alles Weitere mit.

Wir steigen über den unteren Teil des Gletschers und wechseln dann in den Fels. Steinmänner und Steigspuren führen bis auf etwa 3.200m. Ab dort ist die Routenwahl für uns eine Glücksfrage. Wenn der Nebel aufreißt, sehe ich eine logische Linie, die auf die Anichspitze führt. Aber das Eis ist halt weit zurückgewichen. Damit ist der Untergrund recht lose. Vielleicht gibt es auch einen tadellosen Weg. Die Literatur erwähnt sogar Bohrhaken. Aber davon sehen wir nichts. Stattdessen kraxeln wir eben über loses Gestein Richtung Gipfel. Oh, da höre ich leichte Anzeichen der Verzweiflung. Das rutscht alles so! Der Unterhaltungswert ist auch wirklich nicht hoch – weglos im Nebel, im Instrumentenflug sozusagen. Wir holen für Renate den Pickel raus. Der gibt auf diesem Untergrund, auf diesen schrägen und von nassem Sand überzogenen Felsplatten Halt. „Positive Vibes“ lautet die Devise. Wie wir da wieder runterkommen? Dieser Frage widmen wir uns, sobald wir oben sind. So geht professionelle Planung! Und dann sind wir oben. Ein stolzes Gesicht sehe ich da! Wow, tapfer! Auf die beiden anderen Gipfel verzichten wir ohne lange Diskussion. Nach einer kurzen Pause rückt der Abstieg in den Fokus!

Der Abstieg über den Westgrat ist mal unspektakulär. Wir erreichen den Firn am oberen Ende des Ramolferners. Die direkte Variante über den Ferner trauen wir uns nicht so recht zu. Stattdessen gehen wir am oberen Rand Richtung Osten und steigen dann doch direkt über den Gletscher ab. Renate meistert auch dieses „erste Mal“ mit Bravour. Es ist schon ein bisserl gewöhnungsbedürftig, wenn man zum ersten Mal eine Eisfläche in dieser Neigung mit dem Gesicht voran im Vertrauen auf die Steigeisen absteigt. Eine der wenigen verbliebenen Gletscherspalten sieht man schon aus größerer Entfernung. Sie wird umgangen und wir steigen diesmal bis zum unteren Ende des oberen Teil des Ferners ab. Dann geht es in Steigeisen durch den Matsch und Geröll zum unteren Teil des einst ewigen Eises. Hier beginnt es leicht zu regnen. Mann oh, das ist ein bisserl zäh! Also, Regenjacke an und weiter geht es. Nun werde auch ich müde, die Uhr gibt auch mir eine 5.0 bei der Anstrengung. So wackeln wir beide mehr als wir gehen zurück zum Ramolhaus. Der letzte Gegenanstieg sieht wilder aus, als er ist. Gegen 17 Uhr sind wir wieder auf der Hütte. Das Abendessen wartet schon fast. Die Zimmer sind geräumig, wir schlafen früh ein. Der Schlaf ist laut Uhr aber wie zu erwarten wenig erholsam. So ist das halt in den Bergen. Das schreckt uns nicht!

Der erste Tag auf garmin.com

Hinterer Spiegelkogel und Abstieg Obergurgl

Es war schon am Vorabend absehbar, dass wir keine Lust und Kraft haben, noch den Schlafkogel vor dem Abstieg anzugehen. Lenka hat uns den Hinteren Spiegelkogel empfohlen. Der Empfehlung wollen wir folgen. Wir schlafen aus, soweit das auf einer Berghütte möglich ist. Um 6:44 steht der Sonnenaufgang am Programm. Die Luft ist klar, der Morgen entsprechend kalt mit Temperaturen leicht unter Null. Heute sieht das Wetter tadellos aus.

Beim Frühstück lassen wir uns Zeit. Meine Schuhe stehen brav noch an ihrem Platz. Wir packen den Rucksack für eine kurze Tour. Renate hat sich ob ihrer gestrigen Tapferkeit eine rucksackfreie Tour verdient. Lenka erklärt uns noch einmal, wie wir auf einem alten und nur teils markierten Steig über den Ostgrat auf den Spiegelkogel gelangen können. Die Runde geht dann weiter im Abstieg über den Nordostgrat zum Ramoljoch und von dort zurück zur Hütte.

Der Aufstieg ist eine leichte und kurzweilige Kraxelei. Es macht richtig Spaß, in der Morgensonne den alten Spuren und den für mich als Rotsehschwachen längst verbleichten Markierungen zu folgen. Bald stehen wir am eigentlichen Grat zum Hinteren Spiegelkogel. Zwei, drei Stellen sind ein bisserl spannender, alles andere gestaltet sich einfach. Die Route am Grat ist genuss- und aussichtsreich. Nach gemütlichen eineinhalb Stunden erreichen wir das Gipfelkreuz. Nur am Horizont sieht man Wolken, sonst ist alles blitzblau. Sehr fein! Wir bleiben diesmal länger am Gipfel. In der Sonne ist es angenehm warm.

Zurück geht es den Teil am Grat, den wir schon kennen. Dort, wo wir im Aufstieg von der Hütte herauf zum Grat gelangt sind, folgen wir nun weiter dem Grat Richtung Ramoljoch. Auch diese Variante ist technisch nicht schwierig, erfordert aber sicherlich Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Zwei, drei Stellen verlangen Aufmerksamkeit. Kurzweilig und schön empfinden wir diesen Abschnitt.

Über das Ramoljoch führt der Zentralalpenweg auf der einen Seite nach Vent, auf der anderen Seite zu unserem Ramolhaus. Am Joch ist richtig etwas los, treffen doch mit uns sieben Bergsteiger aufeinander. Das ist ja fast ein soziales Event hier!

Der Abstieg in den Kessel, wo früher wohl der Ramolferner lag, ist bestens gesichert und mit Steighilfen versehen. Wir sind nun eben nicht auf einer einsamen Route sondern am Zentralalpenweg, quasi einer Autobahn in den Bergen. So sind wir rasch wieder am Ramolhaus, wo wir noch einmal zu Mittag essen, ehe wir nach Obergurgl absteigen.

Die Rucksäcke und die Bergschuhe sind schwer. Der Abstieg ist einfach, aber lang. Schafe stellen sich in den Weg, lassen sich aber vertreiben. An einer Stelle schießt Wasser über den Weg und bietet eine unerbetene Abkühlung. Wie da die Hüttenwanderer in ihren Turnschuhen trockenen Fußes drüber kommen? Ich weiß es nicht, bin aber froh, dass wir die schweren Schuhe anhaben.

Wieder in Obergurgl angelangt, buchen wir uns im Hotel Edelweiß & Gurgl ein. Wir waren in den Semesterferien hier. Rezeptionistin und Kellner meinen sich an uns zu erinnern. Das soll uns recht sein. Nach dem Abendessen fallen wir jedenfalls bald in tiefen Erholungsschlaf. Am nächsten Morgen dann noch eine Seilbahnfahrt auf die Hohe Mut, und damit endet dieser Ausflug. Für Nachmittag ist Regen angesagt und in den folgenden Tagen Schnee. Damit ist auch unsere Hochtourensaison vermutlich beendet.

Für Schalfkogel und Ramolkogel müssen wir ein weiteres Mal vorbeikommen. Hoffentlich passt das Wetter dann. Wir werden ausreichend Zeit einplanen. Dann sollten die beiden Gipfel auf meiner Liste erledigt werden. Schauen ma a mal!

Besten Dank vor allem an meine tapfere, wunderbare Begleiterin Renate!

Der zweite Tag auf garmin.com


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Hohe Wilde und Eiskögele


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Hohe Wilde (3.480m)

Gernot, Lydia und ich reisen nach Obergurgl. Gernot, der nur am ersten Tag dabei sein will, mietet in Obergurgl ein e-Mountainbike und radelt zur Langtalereckhütte. Lydia und ich nehmen die sieben Kilometer und 600 Höhenmeter zu Fuß in Angriff. Die Rucksäcke deponieren wir in Obergurgl. Sie werden am Abend zur Hütte transportiert. Die Hütte ist recht fein. Wir sind in einem der mit acht Betten größten Mehrbettzimmer. Aber auch das Zimmer selbst ist groß. Hier sollten wir es recht gemütlich haben.

Am Abend sitzen wir noch nach dem Abendessen beisammen. Weder Gernot noch ich haben diesmal ausreichend Zeit in die Planung investiert. Die Route auf die Hohe Wilde bzw. Hochwilde habe ich gar von Alpenvereinaktiv automatisch erstellen lassen. Lydia geht die Route im Geiste durch, und da entdecken Gernot und Lydia fast zeitgleich, dass da auch ein Klettersteig dabei ist. Der Hüttenwirt hat schon gemeint, dass wir eine lange Tour vorhaben. Ich frage wegen des Klettersteigs nochmal nach. Nein, den würde er auslassen, weil es dann für den Tag zu viel wird. Wir werden schon so zehn Stunden unterwegs sein. Was uns bei der Überschreitung erwartet, habe ich auch ausgelöscht. In den Beschreibungen stand etwas von Klettern bis II+ und fast durchgängigem Stahlseil. Das widerspricht sich meines Erachtens und mein Hirn hat dann all diese Herausforderungen auf „Sehen wir, wenn wir dort sind!“ reduziert.

Das Zimmer teilen wir mit einer Familie aus München. Ich entschuldige mich schon, dass der Wecker um fünf Uhr läuten wird. Das nimmt die gute Frau gelassen. Es ist, wie es ist, solange nur keine schweren Schnarcher dabei sind. Upps, da hat sie mit uns leider doch ein ziemliches Pech. Wir werden uns beherrschen!

So starten wir nach dem Frühstück um 05:30 kurz nach sechs in unser Abenteuer. Mit uns machen sich noch zwei Deutsche und ein Vater mit Sohn aus Tschechien auf den Weg. Anfangs läuft es gut, aber unterhalb dem zerstörten Hochwildehaus holen sie uns ein. Der Ruhrpott quatscht unentwegt. Anfangs amüsant, dann zunehmend nervig. Zwei Männer und endlos Belanglosigkeiten. Wir rasten beim Hochwildehaus lange, um dem deutschen Wanderradio Vorsprung zu geben. Das Hochwildehaus ist leider dauerhaft geschlossen. Die globale Erwärmung hat den Permatfrostboden, auf dem das Haus gegründet wurde, tauen lassen. Eine 2014 errichtete Stützkonstruktion sicherte es vorübergehend. Schade!

Am Gurglerferner machen wir uns fertig für den Gletscher. Spalten mag ich nicht zu erkennen. Schön ist er trotzdem. In weiter Ferne schaut die Hochwilde zu uns herunter. Das ist schon noch ein Stück. Da ist das gesprächige deutsche Team wieder. Ohne Seil aber mit Eile macht man sich auf den Weg. Auch wir starten, knapp gefolgt vom tschechischen Team. Es geht aufs Annajoch, das über die Jahre ausgeapert ist und damit einen Teil des Gurglerferners abgetrennt hat. Nun wird es auch mal steiler. Deutschland steigt direttissima auf und legt so auf bald 3.300m ein Kardiotraining hin. Wir gehen es gemütlicher an und erreichen wieder mit den beiden anderen Länderteams den Beginn des Fels.

Oh, was ist denn das? Das ist ein Klettersteig. Da sind wir aber ein bisserl überrascht. Ich erinnere mich, was ich gelesen habe. Aber das war verwirrend – Schwierigkeit II+. Wie soll das gehen, wenn es ein Klettersteig ist? Ein mäßig schwieriger Klettersteig soll es sein. Meine Meinung dazu: technisch ist der Klettersteig nicht schwer. Vielleicht sind da ein oder zwei C-Stellen dabei. Überwiegend ist die Schwierigkeit B/C. Die Herausforderungen sind wohl die Ausgesetztheit und die Höhe. Das macht den Steig für die eine oder den anderen spannend. Lydia behilft sich mit Gernots Selbstsicherungsgerät. Gernot verwendet selbst zwei Bandschlingen mit Karabinern. Ich spaziere ungesichert nach. Da werden die Profis jetzt schimpfen, dass Lydias und Gernots Sicherungen nicht den Anforderungen entsprechen und mangels Dämpfung sehr gefährlich sind. Besser als meine sind beide Varianten und psychologische Unterstützung bieten sie auch mehr.

Der Nordgipfel ist bald erklommen. Wui, ist der spektakulär! So ein kühner Gipfelaufbau! Leider kommen erste Wolken auf. Für ein paar Fotos reicht es noch. Wir genießen den Ausblick, aber machen uns dann doch zügig auf den Weiterweg. Wer weiß, was noch auf uns wartet!

Der Kamm vom Nord- zum Südgipfel ist fast durchgängig mit einem Stahlseil und mit einigen Tritthilfen versichert. Spektakulär ist das passende Attribut. Lydia blickt besorgt, klettert aber tapfer weiter. Wo das Seil endet, soll eine leichte Kletterei der Schwierigkeit II beginnen. Diese muss aber der Wind davon getragen haben. So erreichen wir den 3.480m hohen Südgipfel problemlos. Hohe Wolken türmen sich auf, Lydias Füße haben Blasen bekommen und die Deutsche Welle funkt auch wieder.

Ja, Deutschland weiß, wo man zum Langtalerferner absteigt. Der Abstieg macht mir ein bisserl Sorgen, weil als sehr steil und steinschlaggefährdet angekündigt. Bei den hohen Temperaturen ist das kein erfreulicher Ausblick. Ich frage beim deutschen Team nach, ob sie Ahnung haben. Klaro! Selbstbewusst weist man den Grat entlang und zeigt auf Markierungen. Mein Hinweis, dass dieser Weg doch zu einer italienischen Hütte führt, wird abgeschmettert. Da vorne halt links halten, ist doch nicht so schwer. Bescheidener und pragmatischer antwortet das tschechische Generationenduo auf die Frage nach ihrem Abstieg. „There is the hut!“ und zeigt mit einer Abweichung von 180° zur deutschen Variante.

Lydia erhält noch Unterstützung aus Deutschland in Form eines Blasenpflasters, ehe die deutschen Stimmen in Richtung Italien absteigend immer leiser werden. Tschechien wartet taktisch, wir starten. Schon nach wenigen Metern weichen wir scharf links von der deutschen Variante ab. Sogar Markierung sieht man hier und der Abstieg ist nicht annähernd so übel, wie von mir erwartet. Der Nebel hüllt den Langtalerferner und den Grat ein bisserl ein. Gut so, da sieht man das Übel nicht so. Auf der italienischen Seite ist das Wetter klar. Ebenso klar ist, dass von da unten kein Weg heraufführt. Mal sehen, wann die deutsche Sperspitze den Fehler einsieht und umgekehrt.

Der Übergang vom Fels zum Gletscher ist aufgrund des Rückgangs des Gletschers nicht ganz so einfach, weil steil und mit losem Gestein überzogen. Aufgrund der Steilheit entscheiden wir uns, ohne Seil zu gehen, bis wir im flacheren Teil sind. Hier heroben würden wir uns nur gegenseitig mitnehmen, wenn einer losrutscht. Gernot geht vor und sieht sich einer Gletscherspalte gegenüber. Hinter uns beobachtet Tschechien und – da schau her – Deutschland unser Tun. Ich höre, wie Deutschland laut kundtut, wie es die Sache besser angehen wird. Von Demut ist da keine Spur.

Am Seil führt dann Gernot tadellos durch den doch spaltenreichen Ferner Richtung Hütte. Die Spalten sind nicht groß, aber zahlreich. Es ist nicht herausfordernd, aber auch nicht ganz einfach. Zum Glück versteckt sich die Sonne. So ist der Schnee, der zwischen dem Blankeis liegt, nicht ganz so weich. Der Abstieg ist lange, aber irgendwann haben wir die steilen Passagen hinter uns. In sicherem Abstand sind uns die Teams gefolgt. Nun, wo es flach wird, überholt wieder Deutschland. Die beiden deutschen Kinder sind ein paar Jahre jünger als ich. Wir machen Pause und legen das Seil ab. Der Ferner fließt hier ein paar Kilometer noch das Tal hinaus. Das sollte ohne Seil entspannter zu gehen sein. Der Vater aus Tschechien bedankt sich, dass Gernot so brav als Erster über den Gletscher ist. Einer muss es ja tun, und er ist froh, dass er es nicht sein musste.

An der Gletscherzunge sind die drei Teams schon wieder beisammen. Wir haben das Seil aber schon versorgt. Vor allem wittert Gernot aber eine Chance, dass er den Zug nach Wien noch schafft. So eilen wir zur Hütte im Laufschritt und fliegen nach ein, zwei Kilometer an der Stempelstelle für den Langtalerferner vorbei. So alt sieht die Box noch gar nicht aus. Mann oh, der Rückgang der Gletscher passiert hier mit einer irren Geschwindigkeit. Wir sind mit großem Abstand als erstes Team nach über zehn Stunden zurück. Gernot springt aufs Rad und erreicht Bus und Bahn, Deutschland spricht nicht mehr mit uns.

Das war heute wirklich eine tolle, lange, abwechslungsreiche und lohnende Tour. Dringende Empfehlung!

Die Tour auf Garmin

Eiskögele (3.233m)

Mit Lydias Blasen ist wohl an eine Überschreitung des Schlafkogels nicht zu denken. So haben wir am Vorabend den Rucksack mit der Gletscherausrüstung gepackt und nach Obergurgl geschickt. Wir wollen das Eiskögele besteigen. Die Tour ist kürzer und eher ein Wanderberg mit tollem Ausblick, aber ohne Gletscherkontakt.

Wir schlafen aus und Lydia ist bis auf die Blasen wieder fit. Die meisten anderen Gäste sind schon weg, als wir uns fertig machen. Vor uns muss es wild zugegangen sein. Im Ergebnis sind meine Hochtourenschuhe weg. Die Story ist lustig, aber ich gebe sie hier nicht wieder. Gerne erzähle ich sie privat. Ergebnis ist aber, dass meine tollen Schuhe von Mammut weg sind. Stattdessen ist ein Paar über, dass eine Nummer kleiner ist. Sie sind nicht nur eine Nummer kleiner, qualitativ minderer und nicht voll steigeisenfest. Irgendwer ist also mit meinen schönen Schuhen auf und davon. Leider hat er sich bislang nicht gemeldet.

Lydia und ich besteigen das Eiskögele und sind zu Mittag wieder auf der Hütte. Nach dem Mittagessen machen wir uns auf den Fußweg nach Obergurgl. In Summe war das dann fast so viel wie die Überschreitung des Schlafkogels. Wir haben jeden und jede an diesem Tag wegen meiner Schuhe befragt. Wie gesagt, ich schreibe dazu hier nicht mehr. Es gilt die Unschuldsvermutung. Vielleicht hat derjenige die Verwechslung bislang nicht bemerkt. Mag ja sein, dass das jemand ist, der solche Schuhe nur einmal im Jahr trägt. Eigentlich ist das alles wenig glaubwürdig. Aber was macht man, wenn einer in der Gruppe nach einer Stunde, vielleicht auf dem Weg zu einer anderen Hütte, draufkommt, dass er die falschen Schuhe genommen hat? Dreht dann die ganze Gruppe um und riskiert den Tagesplan? Ich vermute, die Gruppe geht gemeinsam weiter. Vielleicht traut sich der Betroffene auch nichts zu sagen. Aber jetzt, wo das Wochenende und damit wahrscheinlich auch die Tour zu Ende ist, würde ich schon erwarten, dass der gute Mann beim Hüttenwirt anruft. Der hat meine Kontaktdaten. Ich würde mich freuen.

Die Tour auf Garmin


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Haidsteig – Königschusswandsteig

Meine übliche Runde steht an. Es gibt wenig zu berichten. Der Haidsteig fällt mir richtig leicht. Ich brauche die Hände fast nur zur Stabilisierung. Die Arbeit leisten die Beine. So soll es beim Bergsteigen und Klettern sein. Ich verweile länger bei der Madonna. Im Steig ist kein Mensch, da habe ich meine Ruhe.

Den Abstieg zum Königschusswandsteig finde ich jedes Mal besser. Hier sitzen am Einstieg drei Burschen. Die haben den Haidsteig schon hinter sich. Oh, da hatte Ulli also schon Besuch. Die drei klingen so vernünftig, dass es mir schon fast unheimlich ist. Nein, nein auch das passt schon. Man lässt mich vor. Der Königschusswandsteig ist eine Stufe schwerer als der Haidsteig. Ich muss die Arme deutlich mehr belasten. Das Ingress-Portal erobere ich wieder. Alles muss seine Ordnung haben.

Nach dem Königschusswandsteig schaue ich bei der Neuen Seehütte vorbei. Na ja, kulinarisch ist es ein bisserl besser geworden, aber herkommen muss ich da nicht unbedingt. Die tschechische oder slowakische Betreiberin gibt sich Mühe. Sie nimmt die Bestellungen im Nebengebäude entgegen, schenkt Getränke in Einwegbechern aus und kassiert. In der eigentlichen Hütte liest der Mitarbeiter aus Nepal die Bestellung aus dem Bestellsystem aus, kocht und serviert. So läuft alles am Schnürchen, aber doch ein bisserl befremdlich. Früher ist Franz, der Pächter, mit zwei Mitarbeitern aus Nepal in der kleinen Küche gestanden. Nun verbringt der Koch alleine die Zeit. Trinkgeld sieht er wohl selten. Das ändere ich zumindest heute. Er freut sich.

Und dann steht da noch ein seltsames Schild: „Die Hütte wird mit dem Hubschrauber versorgt!“. Das will ich nicht glauben oder hoffen. Immerhin führt doch eine passable Straße zur Bergstation der Seilbahn.

Beim Bachingerbründl treffe ich einen Mann in langen Hosen. Er hat sich heute dem Preinerwandsteig gewidmet. Dazu schleppt er eine benzinbetriebene Bohrmaschine und all das, was man noch braucht, wenn man einen Klettersteig instand halten will, mit. Die lange Hose muss er ertragen, weil er sich sonst die Beine mit der heißen Bohrerspitze verbrennt. Ich probiere den Rucksack und vermag ihn gar nicht recht zu heben. Der freundliche Mann ist in meinem Alter, vielleicht ein paar Jahre jünger. Für Haidsteig und Königschusswandsteig ist er auch zuständig. Ich erfrage einen kurzen Grundkurs zum Steigbau und der Erhaltung eines solchen. Die Lektion für hier ist, dass man den Steig schont, wenn man vorrangig die Beine beim Klettern verwendet. Wer sich am Stahlseil hochhantelt, macht also nicht nur klettertechnisch einiges falsch, sondern strapaziert auch die Steiganlage über Gebühr.

Die Tour auf garmin.com

Stubaier Alpen


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Sonntag, 4. August 2024

Schon am Samstag sind wir ins Stubaital angereist, um uns am Sonntag mit einer der ersten Gondeln auf über dreitausend Meter schaukeln zu lassen. Das Gletscher-Skigebiet ist geschlossen. Das könnte am weitgehend verschwundenen Gletscher liegen. Nein, hier heroben lässt sich die Klimaerwärmung nicht leugnen. Kaum ein Gast ist da. In Pflichterfüllung drehen sich die Gondeln und bringen uns nach oben.

Bestens ausgestattet marschieren wir los. Einmal irren wir uns. An der Bergstation eines sich im Sommerschlaf befindlichen Sessellifts erzeugt das Schaukeln eines Hinweisschildes ein Quietschen wie in einem Italo-Western. Ein bisserl trostlos, auch das Wetter will nicht so recht. Würde uns die Sonne ein Loch in den Rücken brennen, würde es auch nicht passen!

Kaum sind wir am Pfaffenjoch und nähern wir uns dem Gletscher, sind die Menschen da. Auch wir seilen uns an. Jede Menge Notfallausrüstung ist dabei, die nie zum Einsatz kommen soll. Wir wandern über den Sulzenauferner unter dem Zuckerhütl. Der Fels am Zuckerhütl ist im Sommer so locker, dass kaum noch jemand im Sommer es besteigt. Ich kann mich an meine Jugend erinnern, in der ich mich in dem steilen Firn, der bis oder fast bis ganz oben gereicht hat, gefürchtet hatte. Der Vater hat damals unten gewartet und ich bin alleine rauf.

Wir lassen das Zuckerhütl rechts liegen und widmen uns dem Wilden Pfaff. Der hat auf der Nordseite noch ein steiles Firnfeld, wo schon ein bisserl das Eis vorschaut. Man könnte auch im Fels gehen, aber wir wollen ja was erleben. Renate ist das erste Mal mit Steigeisen unterwegs und darf sich gleich beim ersten Mal fürchten. Ich habe sie am kurzen Seil. Das macht aus uns eine enge Schicksalsgemeinschaft. Wir würden beide den Firn abrauschen, und im Auslauf ein jammerndes, erbärmliches Bild geben. Passiert aber nicht.

Man kann uns als durchaus erschöpft bezeichnen, als wir den Wilden Pfaff (3.458m) erklommen haben. Ab jetzt geht es fast nur noch bergab. Und wie es bergab geht. In der Tourenbeschreibung stand fast von Schwierigkeit II mit Sicherungen an vielen Stellen. Das ist widersprüchlich und so habe ich es aus meiner Betrachtung gestrichen. Jetzt stehen wir da und starren sehr steil nach unten. In der Ferne sieht man schon das Becherhaus. Das ist wirklich noch ein ganzes Stück. So klettern wir das, was immer es auch ist ab, und staunen nicht schlecht über die heutigen Herausforderungen.

Jetzt noch über den Übeltalferner, an der Müllerhütte vorbei zum Becherhaus. Da kommt uns eine Fünfergruppe entgegen, das Becherhaus ist voll, sie wurden zur Müllerhütte geschickt . Kurz überlege ich Reaktionen, die mir einfallen, wenn das uns widerfährt. Keine ist im Einklang mit dem Strafgesetzbuch. Schauen ma a mal.

Das Becherhaus müssen wir erst noch erklimmen. Ein launischer Klettersteig raubt mir die letzte Energie. Renate geht es besser. Aber so richtig kann sie die Sissy-Stiege zur Hütte auch nicht genießen.

Die Hüttenleute empfangen uns freundlich, den Willkommensschnaps lehnen wir dankend ab. Schon vor dem Abendessen fange ich an, mit einem Kaiserschmarren meine Kohlenhydratespeicher aufzufüllen. Das Abendessen um 19 Uhr ist auch erstaunlich fein. Das Hüttenleben kann beginnen. Das Zimmer ist recht okay, vor allem, wenn man die Höhe bedenkt, auf der die Hütte liegt, immerhin 3.195m.

Der Sonntag auf garmin.com

Montag, 5. August 2024

Für heute haben wir uns die Sonklarspitze (3.450m) vorgenommen. Die Nacht war erbärmlich. Okay, das ist meist in dieser Höhe so. Unsere Uhren meinen, dass wir nicht ganz auf der Höhe sind. Von sportlicher Betätigung wird abgeraten. Renate hat es gestern besser ausgehalten als ich. Die Trainingsbereitschaft ist bei mir bei 1 von 100. Tiefer geht’s nicht.

Wir starten über die Sissy-Stiege und den kühnen Abstieg über die Leiter auf den Firn. Weiter geht es zur Müllerhütte und dann in einem Bogen an den Ostgrat der Sonklarspitze. Von Spalten ist keine Spur. Am Fels des Ostgrat lassen wir Seil und Steigeisen zurück. Nun wird gekraxelt und das ist, nun ja, kurzweilig. Hinauf geht es leichter, das wird im Abstieg spaßig. Renate hat aber eine Routine entwickelt, sodass mir das keine Sorge macht – Respekt!

Uns kommen überraschend viele Leute entgegen. Aber bald sind wir alleine, nur der Wind stört ein bisserl. Nach Jause und Fotos geht es wieder an den Abstieg. Der ist abermals kurzweilig. Renate meistert all das mit Bravour. Wir sammeln Seil und Steigeisen ein und machen uns wieder gletscherfit. Da gehört Disziplin dazu, den Gefahren vermag ich keine zu erkennen.

Der Aufstieg zum Becherhaus ist wahrlich zäh. Die Sonne brennt runter, der finale Anstieg zum Becherhaus gibt einem den Rest. Zumindest sind wir zum Mittagessen da, wovon wir ausgiebig Gebrauch machen.

Um 16 Uhr wollen wir noch auf den Wilden Freiger (3.418m) und die Drohne mitnehmen. Eine Stunde soll der Aufstieg dauern und einfach sein. So wandern wir los. Aber schon bald stellt sich der Anstieg als gar nicht so einfach dar. Renate ist an einer schwierigeren Stelle ein Stück zurück, eine ein bisserl ausgesetzte Stelle trennt uns. Sie schickt mich alleine weiter und lässt sich zu keiner anderen Option als der Umkehr überreden. Gut, die Hütte ist nahe und ich zische alleine weiter – ein bisserl schade ist das schon!

Knapp vor dem Gipfel fallen mir zwei junge Bergsteigerinnen auf. Da spricht mich die eine an, ob ich ihr einen Gefallen tun kann. Ich soll ihren Kontrollpass am Gipfelkreuz abstempeln. Sie war oben, hatte aber den Rucksack weiter unten abgestellt und derart den Pass vergessen. Ihre Freundin wirkt überaus desperat. Hmm, wir waren im Gespräch und ich wurde um einen Gefallen gebeten. Da werde ich nicht nochmals nachfragen.

Am Gipfel angekommen, probiere ich die Drohne aus. Aber sie will nicht. Flugdatenspeicher voll, Sichtsensoren deaktiviert und große Höhe. Mir kommt es vor, als würde sie Ausreden suchen. Das Licht und die Stimmung würden jedenfalls passen. So mache ich mich unverrichteter Dinge wieder an den Abstieg.

Beim Abstieg hole ich die zwei Bergsteigerinnen knapp vor der Hütte ein. Die eine trägt nun einen eindrucksvollen Verband an der Wade. Die Geschichte ist die: schon am Gipfel hat sie beide Sohlen ihrer Bergschuhe verloren, den Abstieg ohne Sohlen gewagt und sich nun bei einem Sturz ordentlich verletzt. Die fehlenden Sohlen und die tiefe Wunde sind zwei ganz starke Argumente für den Hubschrauber. Aber das wollen sie lieber nicht. Ich ringe ihnen das Versprechen ab, dass sie den Hüttenwirt informieren. Der Hüttenwirt macht klar, dass er nicht weiß, was er machen soll, wenn sich die Wunde in der Nacht entzündet. Am nächsten Tag kann sie ohne Sohlen ohnedies nicht absteigen. So kommt der Hubschrauber dann doch noch.

Renate und ich haben uns um je zehn Euro eine Dusche gegönnt und sind damit zumindest äußerlich wieder hergestellt. Zuversichtlich starten wir in die Nachtruhe.

Der Montag auf Garmin.com

Dienstag, 6. August 2024

Sonnenaufgang bei wolkenlosem Himmel – wow! Für heute haben wir uns eine leichtere Tour vorgenommen. Sie führt über den Übeltalferner zum Botzer Ferner, diesen hinauf zur Botzer Scharte, dann den Ostgrat hinauf auf die Königshofspitze. Runter geht’s über den flachen, namenlosen Ferner und wieder hinauf über den Übeltalferner zum Becherhaus. So weit der Plan.

Der Hüttenwirt wirkt wirklich kompetent. Selbst hat er diese Touren auf alpenvereinaktiv zur Verfügung gestellt. Er erklärt, dass der Aufstieg über den Ostgrat ganz einfach ist. Man muss sich lediglich den Weg suchen, markiert ist da nichts. Der Abstieg über die Westseite ist ein Genuss. Am Internet ergänzt er: „Für Einsteiger und zu Übungszwecken geeignet.“.

Wir sind schon etwas erschöpft von den zwei Vortagen. Doch dann ist Renate wieder eine wunderbare Begleiterin, überwindet sich, und wir steigen auf den Übeltalferner. Eine einzige Spalte stellt sich uns in den Weg. Wir müssen sie umgehen. Das waren die Herausforderungen am Gletscher. Der Klimawandel hat die Gletscher abgeschliffen, und meines Erachtens damit entschärft. Auf anderen Gletschern wird es anders sein. Hier sieht es jedenfalls danach aus.

Der Hubschrauber hat Gletscherforscher in der Früh abgesetzt. Abgesehen von diesen, sind wir ganz alleine in dieser traumhaft schönen Landschaft unterwegs. Wir haben es nicht eilig. Die Tour sollte am frühen Nachmittag erledigt sein. Einige Pausen später sind wir am Botzer Ferner auch schon weit aufgestiegen. Der Aufstieg zur Botzer Scharte scheint wirklich gut machbar zu sein. Und weiter? Aber eins nach dem anderen. Wir steigen über den Firn und die Felsen zur Scharte auf. Renate ist wie immer tapfer, da gibt es kein Murren oder Zweifeln.

Aber bei mir kommt massiver Zweifel auf. Ich sehe bei bestem Willen nicht, wie wir da rauf kommen sollen. Ist der Hang abgerutscht? Loses Gestein türmt sich immer steiler werdend vor uns auf. Okay, es ist nicht weit, aber da gehe ich nicht rauf. Renate schlägt vor, noch ein Stück weiter zu steigen, aber diesmal verweigere ich strikt.

Wann denn der Hüttenwirt das letzte Mal hier war? Ich habe so meine Zweifel. Leicht soll es sein. Ich habe noch seine abweisende Armbewegung in Erinnerung, als er die Schwierigkeit erwähnt.

So sitzen wir auf der Scharte und erfreuen uns des wirklich feinen Jausenplatzes. Einsam ist es und wirklich schön ist es.

Irgendwann steigen wir wieder das Firnfeld und den Botzer Ferner ab. Danach geht es hinauf zum Becherhaus. Wir wählen eine längere, weniger steile Variante. Das Fehlen von Spalten lässt diese sorglose Wegwahl zu. Die Sonne brennt ganz schön runter.

Halt, was ist das? Eine Fata Morgana? Geht da einer mit den Skiern am Rücken in der Ferne alleine über den Gletscher. Alleine am Gletscher! Ha, der wird vom Alpenverein definitiv unehrenhaft entlassen. Mit dem Super-Tele am Handy erkennen wir mehr. Er trägt einen ganzen Bund Stangen auf der Schulter. In der anderen Hand trägt er das Handy, auf das er unentwegt starrt. Irgendjemand muss ihm GPS-Koordinaten aufgeschrieben haben. Die geht er jetzt ab. Hat er einen Punkt gefunden, legt er eine Stange ab. Da komme ich mir in der total professionellen Hochtourenausrüstung ein bisserl komisch vor. Seltsames Gefühl, so als Touri-Puri am Gletscher unterwegs.

Der Aufstieg geht dann besser als an den letzten Tagen. Trotzdem keuchen wir unter der Hütte gewaltig.  Auf der Sonnenterrasse werden Kalorien und Getränke nachgefüllt. Die Königshofspitze haben wir nicht geschafft, aber es war trotzdem ein toller Tag in den Bergen.

Bis zum Abendessen spielen wir noch zwei Runden Würfelpoker. Sachen macht man, wenn man nicht viel machen kann. Ich staune.

Die Hütte ist nicht mehr so voll, wir bleiben zu zweit in unserem Zimmer. Das Essen ist gewohnt gut, und so könnte der Tag gemütlich ausklingen, wäre da nicht der Wetterbericht für morgen, der heftige Gewittern ab 14 Uhr mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagt. Diese Gewitter waren schon von Anfang an für Mittwoch angekündigt, aber nun hat die Intensität zugenommen. Bei Renate kommt Unruhe auf. Auch ich habe keinen Funken Lust, bei Gewitter auf einem Grat oder Gletscher zu sein. Ich will nicht einmal das Regengewand anziehen. Das ist eine Schwitzerei, auch wenn es die besten Materialien sind, die man momentan kaufen kann. So schlage ich vor, dass wir um sieben Uhr starten, da jede halbe Stunde zählen könnte. Renate nickt und Gute Nacht.

Mittwoch, 7. August 2024

Die Nacht war schlaftechnisch nicht viel besser als die vorigen. Es hat geblitzt und gedonnert. Um 05:30 läutet der Wecker und augenblicklich steht Renate in voller Montur im Zimmer. Oha, ich bin beeindruckt. Für gewöhnlich dauert es eineinhalb bis zwei Stunden vom Aufwachen bis zum Aufbrechen. Alleine brauche ich eine Stunde – verlässlich durch viele Ereignisse belegt. Egal, heute hat es jemand eilig.

Frühstück, Rucksack packen, Zähneputzen und Zahlen. Renate legt Professionalität an den Tag, ich staune, mir soll es recht sein. Um sieben Uhr sind wir unterwegs – okay, sind auch eineinhalb Stunden, aber mit mehr notwendiger Vorbereitung als sonst. Wir starten Richtung Westen zur Müllerhütte. Eigentlich ein traumhaftes Wetter, wäre da nur nicht die große Gewitterwolke im Westen. Ich tippe und hoffe sehr, dass die aufgehende Sonne diesen bedrohlichen Amboss auflösen wird. Wetterberichte sind über die Jahre wirklich gut geworden! Nur sehe sehe ich auch nicht weit nach Westen. Was, wenn dort noch mehr labile Luft nachkommt. Wir haben keinen Plan B. Da gibt es also unschöne Szenarien. Nasser Fels, Gewitter am Grat oder Gletscher,.. Vielleicht schaffen wir es auch knapp zur Seilbahn, die dann aber wegen Unwetter eingestellt ist.

Wir wollen uns nicht in Panik reden und überlegen nur die eine oder andere Option. Renate bleibt cool und entspannt, das ist wirklich sehr angenehm!

Ein weiterer Vorteil ist, dass sie ein Tempo vorlegt, dass ich sie bremsen muss. Schon nach 45 Minuten sind wir an der Müllerhütte vorbei. So ein Tempo halten wir mit den schweren Rucksäcken sicher nicht durch.

Bald steht der Pfaffengrat an, der uns am Sonntag im Abstieg so überrascht hat. Rauf geht es leichter als runter. Die Kletterei ist wirklich eine Freude. So weit, so gut! Die Gewitterwolke hat übrigens gegen die aufgehende Sonne verloren. Auch das sieht gut aus. Und dann überholen wir noch ein junges Paar. Die junge Frau geht am kurzen Seil. So sind sie doch recht langsam unterwegs. Für sie ist es die erste Hochtour. Das ist wahrlich tapfer. Wir vereinbaren, dass das schnellere Paar bei der Seilbahn bekannt gibt, dass noch jemand unterwegs ist. Und ich hoffe doch sehr, dass wir es sind, die Bescheid geben werden.

Renate zischt den Grat hinauf und keucht wild. Die Höhe, durchgehend über 3.000m, fordert ihren Tribut. Und dann das Juchhu, wir sind am Wilden Pfaff. Das heißt, Klettern am nassen Fels bleibt uns schon mal erspart.

Vom Wilden Pfaff wählen wir die Normalroute im Abstieg und lassen das steile Firnfeld aus. Auch das Zuckerhütl und andere günstige Dreitausender ziehen unberücksichtigt an uns vorbei. Renate hat einen gut unterdrückten, aber auch unübersehbaren Zug zum Ziel.

So geht sie vor und ich hinten nach. Wie viel Schnee die Sonne in den letzten drei Tagen weggefressen hat! Ich schaue links, ich schaue rechts und plötzlich ist unter mir nichts mehr. Mit dem rechen Bein bin ich zur Gänze eingebrochen. Renate macht völlig automatisiert, was man in so einer Situation machen muss. Sie zückt das Handy. Aber Mist, das will dauernd ein Video machen und kein Foto. Wenn der Rest der Schneebrücke nachgibt, fliegt sie mir mit ihrem Handy hinterher. Okay, das ist unwahrscheinlich, aber trotzdem will ich da raus. Die Fotografin gibt ihr Okay, und ich ziehe mein zwischenzeitlich gut gekühltes Bein aus dem kalten, feuchten Schneeloch.

Dann ist auch der Gletscher schon aus, wir sind wieder am Pfaffenjoch. Wir werden auch nicht bei Gewitter am Gletscher stehen. Jetzt drohen nur noch eine Regenwanderung oder eine eingestellte Seilbahn. Da gönnen wir uns doch glatt eine Pause mit Jause.

Die weiteren Teile der Strecke ziehen problemlos vorbei. Müdigkeit macht sich breit. Wir sind im Skigebiet angekommen und müssen noch zur Seilbahn aufsteigen. Hart, aber machbar.

Der Himmel ist mittlerweile bedeckt, das Wetter hat zugezogen. Oben bei der Aussichtsplattform und der Gondel stehen ausreichend Menschen. Das wird sich ausgehen. Wir treffen auf ein junges Paar aus Holland. In kurzen Hosen und Turnpatschen wurden sie von der Gondel auf 3.200m ausgespuckt. Wo wir denn herkommen? Ah, die Müllerhütte! Dort wollen sie hin, aber es ist wohl schon zu spät heute. Wie bitte? Was bitte? Ich bin zu müde. Alternativ gehen sie eben nur bis zur Hildesheimer Hütte. Nein, da kommt keine Hütte. Was soll der Blödsinn? Nein, eine Karte haben sie nicht. Jetzt erbarmen wir uns doch. Ein Blick aufs Handy sagt, dass sie falsch gegangen sind. Sie müssen zurück zur Gondel und dann einen anderen Weg nehmen, der aber auch über den Gletscher führt. Fasziniert schauen sie auf mein Handy. Ja, haben die denn gar nichts mit! Ob man auf dem richtigen Weg Steigeisen braucht? Na ja, sieht nicht so steil aus, aber ohne Grödel wird es nicht gehen. Man braucht nur 45 Minuten. So steht es am Schild bei der Bergstation. Schon, aber am richtigen Weg und in die richtige Richtung. Und in Turnschuhen? Geht’s noch? Mir wird die Diskussion zu anstrengend, die Reserven sind wirklich aufgebraucht. Eine Frage noch: ob ich glaube, dass es zu regnen beginnen wird. Na ja, der Wetterbericht sagt, ab 14 Uhr und es ist 13:30. Mag sein, dass es sich verzögert. Auch, wenn ich so alt bin wie die beiden zusammen, kann ich den Regen nicht riechen, sorry!

Ich überlege kurz, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass wir hier auf einen Extremfall getroffen sind. Das wird eher die Regel als die Ausnahme sein. Wir starten zur Bergstation. Die Niederländer bleiben zurück. Wir haben den Weg verloren und mein Anstieg ist ihnen zu steil. There must be another route! Alles Gute!

Mit leeren Batterien kommen wir bei der Bergstation an. Renate hat so professionell durchgehalten, aber jetzt hält sie nichts mehr. Sie will runter vom Berg. Wir stolpern in eine freie Gondel und abwärts geht es. Die Dresdner Hütte bei der Mittelstation bietet sich für ein Mittagessen an. Aber die ersten Tropfen fallen schon. Nein, gleich bis runter zum Auto, ohne weiteres Risiko, kompromisslos! Alles ist gut gegangen. Für uns zumindest, denn nach ein paar Kilometern im Auto schüttet es abenteuerlich. Wie sich das in Turnschuhen in über 3.000m abfüllen muss? Ich weiß es nicht, und will es auch trotz feiner Ausrüstung, soweit möglich, vermeiden.

Der Mittwoch auf garmin.com

Für uns gehen vier intensive Tage zu Ende. Ich habe in Renate eine herausragende Begleiterin gefunden. Das kann ich gar nicht oft genug erwähnen. Jepp, so ist es!

Wir fahren nach Lans bei Innsbruck zum Isserwirt, wo wir um 17:30 Abendessen und danach unmittelbar in Tiefschlaf verfallen. So soll es sein! Nach einem Spaziergang in Innsbruck rollen wir nach Salzburg, wo Renate mit ihrer Freundin die Festspiele besucht. Ich liege im Bett. Entweder habe ich mir einen neuen Virus in der Gondel eingefangen oder der alte Virus war so freundlich, die vier Tage zu pausieren. Den Stadtspaziergang in Salzburg absolviere ich noch einigermaßen würdevoll, das geplante Essen mit Renates Freunden lassen wir besser ausfallen.


Fazit

  • Renate ist eine wahrlich tapfere und Ruhe bewahrende Partnerin, auf die ich mich voll verlassen kann. Vielleicht habe ich das schon erwähnt.
  • Drei Nächte und vier Touren in vier Tagen sind anstrengend, wirklich anstrengend für uns.
  • Die Stubaier Alpen sind ein tolles Tourengebiet, auch wenn sie durch den Klimawandel einiges an Strahlkraft verloren haben.
  • Das Becherhaus ist toll geführt und auf jeden Fall einen Besuch wert. Die Lage ist beeindruckend und einmalig.
  • Die Müllerhütte wäre für uns besser gelegen. Wir hätten uns einige Wegzeiten gespart. Nach Angaben anderer Bergsteiger war die Hütte in diesen Tagen wenig besucht. Ob das immer so ist, kann ich natürlich nicht sagen. Die Hütte soll ebenso wie das Becherhaus gut und freundlich geführt sein.

ÖTK-Steig – Blutspur

Der Regen kommt schneller als vermutet. Da fahre ich rechtzeitig von der Südautobahn ab und gönne mir wieder einmal den ÖTK-Steig für die Fitness.

Na, bumm! Da parken viele Autos am Sonnenuhrparkplatz. Der Parkautomat ist aufgebrochen. Interessantes Volk, diese Kletterer! Man mag wirklich nur den Kopf schütteln. Ich parke gratis, auch wenn aufgefordert wird, Bargeld in die Säule einzuwerfen. Erstens kann ich mein Handy, mit dem ich zahlen wollte, nicht einwerfen. Zweitens, sollte ich Geld in eine aufgebrochene Kassa einwerfen?

Mit den Jahren kommt die Erkenntnis, welcher Klettersteig schwer ist und welcher nicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich noch nicht ganz fit bin. Der ÖTK-Steig ist jedenfalls heute anstrengend. Früher oder im fitten Zustand denke ich mir immer: „Ja, die Steige sind halt unterschiedlich, aber ob der eine oder der andere schwieriger ist, könnte ich nicht sagen.“. Heute verstehe ich, warum Gernot den Steig nicht so recht gehen will, und ich notiere, dass Renate noch ein bisserl üben muss, bis wir diese Herausforderung annehmen.

In 48 Minuten bin ich ungehetzt am Plateau. Da ist noch Kraft für die Blutspur. Auch die ist heute nicht die Vier-Minuten-Übung wie die letzten Male. Machbar ist sie allemal. Mag sein, dass da eine E-Stelle drinnen ist, aber der Steig ist so kurz, dass man sich wirklich schwertut zu ermüden.

Runter geht es über die Völlerin. Tja, und da liegen vier Steinböcke quer am Weg. Andere Bergsteiger verständigen die Bergrettung, aber ich bin da wesentlich erfahrener im Umgang mit diesen Viecherln. Na ja, glaube ich zumindest. Erst fotografiere und dann vertreibe ich. Provokant langsam räumen die Halbstarken den Weg.

Am Parkplatz kommen mir noch zwei Buben in voller Montur entgegen. Den C-Steig wollen sie gehen. Kenne ich nicht. Da sind auch schon vier Erwachsene, ein Österreicher und drei Amis. Den ÖTK-Steig wollen sie gehen. Der Österreicher scheint bergerfahren zu sein, aber wohl nicht im Führen einer Gruppe. Ich frage, ob er sicher ist, dass die Buben – ich schätze knapp über zehn – den Steig schaffen werden. Ja! Und ob die drei Amis fit sind? Ja, die klettern bis zu V+. Eine der Erwachsenen versteht wohl, worum es geht und antwortet: „No, we don’t! Don’t give any misinformation!“. Viel Spaß auf jeden Fall! Für mich ein weiterer Beleg, wieviel in den Bergen gutgeht, wieviel die Berge verzeihen. Da sind dann die vielen Unfallsmeldungen in den Medien verständlich. Also, ich würde den ÖTK-Steig mit einem geübten Zahnjährigen auch gehen. Dies allerdings in Betreuung durch einen erfahrenen Erwachsenen, der sich ausschließlich um maximal ein Kind kümmert. In den Bergen gelten Eigenverantwortung und Freiheit im Handeln mir am meisten und so lasse ich sie mit einem „Eine schöne Tour wünsche ich euch!“ ziehen. Ich bin jedenfalls für heute fertig, fein war’s! Beim Starten des Autos fallen die ersten Tropfen auf die Windschutzscheibe.

Die Tour auf garmin.com

Singapur und Bali


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Singapur

Über Zürich fliegen wir nach Singapur. Wir, das sind Renate, Carina, Tilla und ich. Renate hat vor doch schon einiger Zeit ein Jahr in Singapur studiert und so statten wir diesem Stadtstaat einen Besuch ab. Der Flug ist erstaunlich erträglich. Selbst in der Economy Class kann ich ganz gut schlafen. Das Fliegen wird besser. Die Immigration ist ebenso professionell und kurzweilig. Da funktioniert alles.

Zwei Taxis werden uns zugeteilt, weil wir zu viert mit dem Gepäck nicht in eines passen. Renate hat die Hotels ausgesucht. Das ist mir überaus angenehm, weil mich die Hotelwahl schlicht nervt. Ehe sie mit Tilla ins Taxi hüpft, ruft sie mir noch zu: „Wir sehen uns im Fullerton Bay Hotel“. Gerne, mir soll es recht sein. Im Taxi prüfe ich die Buchung und wundere mich, dass hier steht „The Fullerton Hotel“. Ich frage den Taxler. Ja, es gibt das Fullerton Bay Hotel und „The Fullerton“. Um es kurz zu machen, wir sitzen zu viert im Fullerton Bay bei der Rezeption. Eine Buchung findet der gute Mann nicht. Das Bay ist das modernere Hotel und gefällt den Mädels sehr gut. Das Fullerton ist das ehemalige Postgebäude mit jeder Menge Historie. Die Rezeption findet unsere Buchung letztlich im Schwesterhotel und wir wandern ins gar nicht so weit entfernte Fullerton. Uppsi, kann man ja vertauschen!

Singapur ist eine feine Stadt. Auch die angekündigte Schwüle ist bei unserem Besuch bis auf einmal eigentlich erträglich. Selbst mir gelingt es, im Freien und ohne Schweißausbruch zu essen. Wir besichtigen die Gardens by the Sea, Chinatown, Little India, das arabische Viertel, natürlich das Raffles Hotel,…

Die Stadt ist wohl organisiert und sehr sicher. Der Besuch hier ist tiefenentspannt und macht Spaß. Alles hat seine Ordnung. Na ja, und dass man fürs bei Rot-über-die-Ampel-gehen gleich eingesperrt wird, bezweifle ich nun mal schwer. Der Taxler, der uns wieder zum Flughafen bringt, hält es mit den Regelungen nicht so streng. Wir sitzen zu viert im Taxi, und weil der Kofferraum für unser Gepäck zu klein ist, habe ich einen Koffer am Schoß. Alles ganz entspannt!

Bali

Spätabends kommen wir in Denpasar an. Die Einreise ist ähnlich unkompliziert wie in Singapur, und trotzdem erkennt man einen ziemlichen Unterschied. Indonesien lässt für den Zoll genauestens ausfüllen. Das passiert ganz modern am Handy. Ich verschweige die Einfuhr des Tablets und habe ein bisserl Stress. Aber am Zoll reicht das Hochhalten des Handys für die gefällige Prüfung. Der Zöllner hält sein Handy ebenfalls hoch. So halten alle ihr Handy hoch und die Zollkontrolle ist damit für alle erledigt. Wer will, kann sich auch noch auf ähnliche Art und Weise kontrollieren lassen, ob er die Umweltabgabe gezahlt hat. Wir haben gezahlt, aber verzichten auf das Winken mit dem Handy. Welcome to Bali!

Ubud

Suad, unser Fahrer, wartet schon auf uns. Er bringt uns nach Ubud. Google Maps meint, dass wir für die 36 Kilometer fast zwei Stunden brauchen werden. Da bin ich mal gespannt. Aber so ist es dann auch wirklich auf Bali. In einer endlosen Kolonne, flankiert links und rechts von hunderten Mopeds, zuckeln wir dahin. Im Dunklen ziehen Imbissbuden, eine an die andere gereiht, an uns vorbei. Endlich in Ubud angekommen, erkennen die Mädels, dass man hier vermutlich gut shoppen kann. Die Imbissbuden sind besseren Lokalen und jede Menge Läden bekannter Marken gewichen. Im Hotel werden wir überaus freundlich empfangen. Am Zimmer wartet ein Obstkorb. Begeistert schäle ich eine Schlangenfrucht, beiße kraftvoll in den vermeintlich weichen Kern und verabschiede mich von meinem Schneidezahn. Okay, mit ausgebrochenem Schneidezahn bin ich hier nicht der einzige. Das ist mir schon am Flughafen aufgefallen. Vielleicht macht es mich sogar sympathisch hier. Es sieht jedenfalls für meine Begleiterinnen ein bisserl irritierend aus. Aber was soll’s? Wir fallen müde in die Betten, vielleicht wächst er ja über Nacht nach.

In Ubud stehen Reisplantagen, Tempel und der Monkey Forest am Programm. Kurz, alles was so zu Bali gehört. Zu Bali gehört natürlich auch der Kaffee, dessen Bohnen von irgendwelchen katzenähnlichen Viecherln vorverdaut wurden. Aha, eine Delikatesse! Die erschließt sich mir nicht zu hundert Prozent. Oder, meinetwegen bzw. für meinen Kaffee braucht niemand den Katzenmist einsammeln.

Während unseres Aufenthalts erreicht uns die Nachricht, dass Österreich von Platz 1 der Liste mit der unfreundlichsten Bewohner durch Kuwait verdrängt wurde. Ich horche in mich hinein und muss gestehen, das mit der Unfreundlichkeit ist nicht so ganz an den Haaren herbeigezogen. Die Leute sind hier so uneingeschränkt freundlich, dass ich anfangs immer dachte: „Was will die von mir?“ oder „Macht sich der gar lustig?“. Schon nach kurzer Zeit akzeptiere ich, dass man hier eben freundlich ist, auch wenn ich mir das als Bewohner des nun zweitunfreundlichsten Landes der Welt nicht so recht vorstellen kann. Es ist halt so und es ist fein so.

Sanur

Nächster Stopp auf Bali ist das Bali Beach Hotel in Sanur. Es ist das einzige Hochhaus. Als erstes Hotel dieser Art wurde es in den 60ern errichtet und diente wohl als Mahnmal, was man hier nicht will. Nun wurde und wird es renoviert. Wow, der Blick von unserem Balkon ist ein Wahnsinn. Der Pool ist riesig, Renate kann ihre Bahnen ziehen. Das Hotel lässt mich aber auch schmunzeln. Alles ist schön und großzügig. Bei genauerem Hinsehen frage ich mich aber, ob das alles auf Temu oder Wish bestellt wurde. Und welchen Beruf hat der Elektriker gelernt? Die Lichtschalter zeigen erratisches Verhalten und der Kriechstrom lässt es im Zimmer auch ein bisserl hell sein, obwohl alles ausgeschaltet ist. Macht aber nichts, weil wir unter den ersten Gästen nach der Renovierung sind. Meine Prognose ist: lange wird das nicht halten. Aber diese Prognose behalte ich für mich, sonst erkennt man mich gleich als unfreundlichen Österreicher.

Renates Sache sind die offenen Gewässer nicht. Das scheint widersprüchlich zur Tatsache, dass sie so gerne schwimmt. Egal, so fahre ich mit Carina und Tilla alleine zum Schnorcheln. Zu dritt haben wir drei Angestellte auf unserem privaten Motorboot. Das Motorboot ist ein bisserl in die Jahre gekommen und gleicht nicht sonderlich dem Boot auf den Fotos, mit denen geworben wurde. Damit taugt es nicht ganz für die sozialen Medienauftritte der Mädels, aber es bringt uns gut zu den unterschiedlichen Spots. Wir tauchen mit Rochen und Schildkröten. Einmal winken uns gar Delfine zu. Mein Highlight ist das Drift Snorkeling. Bequemer geht nicht! Eine starke Strömung zieht dich über Kilometer entlang der Küste dahin. Man muss gerade die Taucherbrille ins Wasser halten.

Jimabaran

Letzter Stopp ist Jimabaran. Hier wird nochmals ausgiebig Strandleben genossen. Es ist eine teure Ecke auf Bali, für das uns gewöhnte Preisniveau aber überaus günstig. So leisten wir uns auch hier wie bei den anderen Stationen feinstes Essen und schlürfen aus Kokosnüssen zu für Bali unverschämten Preisen. Die Mädels braten, pardon tannen, in der prallen Sonne, um bei der baldigen Heimkehr auch ordentlich Respekt bei den Daheimgebliebenen einzufahren.

Ein ganz entspannter Urlaub geht zu Ende. Der Rückflug ist ein bisserl anstrengender. Warum, weiß ich nicht. Wenn eines Tages Fernreisen umweltverträglich werden, kann man dann so einen Ausflug auch ohne schlechtes Gewissen tätigen. Ich bin sicher, daran wird gearbeitet! Dann wird alles, aber wirklich alles gut!

Rauher Kamm – Ötscher

Noch nie war ich am Ötscher! Also, jetzt schon – nach diesem Montag. Und darum geht’s in diesem Beitrag.

Google hat interessante Ideen bei der Anreise. Wir fahren doch recht lange auf einer Schotterstraße durch wildromantische Schluchten zu unserem Parkplatz Raneck. Von Lackenhof aus ist die Straße asphaltiert.

Renate hat eine recht große Runde ausgesucht. Diese beginnt mal mit einem Abstieg auf der Forststraße, ehe ein langer, steiler Anstieg im Wald folgt. Eine schweißtreibende Tour ist das um diese Jahreszeit und bei dieser Schwüle. Oberhalb der Waldgrenze wird es besser. Nach zwei Stunden erfolgt plangemäß die neu eingeführte Tradition mit Weckerl, Schoko und Getränk! Wer modern sein will, kann sich ja auch Carb-Gels reinzischen. Klingt besser, bringt dasselbe.

Nach unserer Pause beginnt der Rauhe Kamm. Der ist in unserer Wahrnehmung eine feine, abwechslungsreiche Kraxelei. Mio tut sich anfangs leicht, braucht aber bald ein paar Mal Unterstützung. Rasch entwickelt er eine neue Methode. Mutig springt er die Kletterstellen hoch, strampelt so weit er kommt und wartet dann auf die humane Unterstützung. Oh, oh, wenn das nur auf ewig gutgeht!

Der Rauhe Kamm endet auf einem Plateau. Nicht zu groß, aber doch ein Stück zu gehen, bis zum Gipfel. Für die Jause ist es hier zu kalt. Der Ötscher trägt Wolken über sich, Wind geht auch etwas. Kurz, es ist ungemütlich, und wir steigen zum Ötscher Schutzhaus ab. Das ist laut Internet nur offen, wenn der Lift in Betrieb ist. Im Juni sieht es unter der Woche aber schlecht aus.

Der Abstieg zur Hütte ist unspektakulär. Die Ankunft umso erfreulicher, denn die Hütte hat offen. Kaspressknödel, Toast, Marillenkuchen,… wir füllen nach. Runter geht es direkt die schwarze Schipiste. Als wir dann schon fast ganz unten sind, fährt der Sessellift los. Mann oh! Da wird ein junger Hüttenhelfer wohl den Berg rauf transportiert. Na ja, soll sein, wir sind ja schon unten. Ein paar Kilometer noch Richtung Raneck und unsere Tour ist geschafft.

Der Rauhe Kamm ist eine leichte, kurzweilige Kraxelei, die mit Hund durchaus machbar ist. Landschaftlich ist die Tour jedenfalls eine Empfehlung. Von Juni bis August empfehle ich ein Auge aufs Thermometer und Hygrometer. Der Anstieg durch den Wald kann schon recht schwitzig werden.

Ein feiner Tag war’s!

Die Tour auf Garmin