Gebirgsvereinssteig

Gernot ist mal in Wien, da müssen wir etwas unternehmen. Die Sonne lacht, und diesmal ist es warm. Trotzdem wählen wir „nur“ die Hohe Wand. Weiter oben hat es geschneit. Gernot hat gar nicht die passende Ausrüstung für den unerwarteten Schnee dabei. Renate hat noch im Hinterkopf, dass es in den Bergen auch kalt sein kann.

Den Steig erledigen wir ohne jeden Zwischenfall. Man sieht dem Steig schon etwas an, dass er sehr, sehr oft begangen wird. Aber es ist tadellos gewartet, lediglich der Fels ist stellenweise abgeschliffen wie so mancher Kirchenpfeiler im Vatikan.

Meine beiden Begleiter schnaufen ein bisserl. Ist ja noch früh in der Saison. Das darf noch sein. Anderseits müssen wir noch einiges trainieren, um unsere Ziele wie Königsjodler oder den Klettersteig am Großen Priel zu schaffen.

Auf der Hohen Wand ist den Steinböcken so fad, dass sich gar einer der jungen Steinböcke hinreißen lässt und einen Baum erklimmt. Sachen gibt’s.

Nach einem üppigen Mittagessen auf der Wilhelm-Reichert-Hütte – vor allem ich lange übermaßen zu – geht es den Wagnersteig wieder runter.

Netter Tag bei blitzblauem Himmel!

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HTL-Steig und Blutspur

Eigentlich könnte ich ins Fitness Center gehen. Das kann ich eh brauchen, um wieder fit für die Klettersteige zu werden. Da fällt mir ein, dass ich ja gleich einen Klettersteig gehen könnte. Mit dem E-Auto ist mein grünes Gewissen nicht ganz so stark belastet, wie mit dem alten Schweröl-Panzer. Passt also, los geht’s!

Der HTL-Steig hat einen Zustieg von zehn bis fünfzehn Minuten, oder halb so lange, wenn man doppelt so schnell geht. Kurz gesagt, der Zustieg ist denkbar kurz. So stehe ich gerade ein bisserl aufgewärmt am Einstieg. Wohlwissend, was mich erwartet, ziehe ich die Jacke aus und fröstle lieber ein bisserl.

Die Erinnerungen sind derart, dass ich kaum überrascht bin. Es geht leicht und ich bin schnell unterwegs. Nur die Luft muss heute etwas dünner sein. Gelegentlich erwische ich mich beim Keuchen. An der „Überholspur“ findet sich noch jemand zu einem Plauscherl. Ja, das Leben, die Berge, usw.

Nach 48 Minuten bin ich oben. Ich taumle weiter zur Blutspur. Ein junger Steinbock macht mir widerwillig den Weg frei. Hurra, ich habe ihn vertrieben. Beim Foto schaut er dann doch so genervt, dass ich lieber über eine Abkürzung ausweiche. Wir wollen es ja nicht übertreiben.

Die Blutspur, wo ich vor 25 Jahren mal in Not gekommen bin, hat sich eingebrannt. Aber sie wurde auch wiederholt entschärft. Ich vermute, dass auch seit meiner letzten Begehungen die Seilführung am exponierten Eck umgelegt wurde. Oder, ich habe heute Glück und erwische eine einfache Linie. Nach drei Minuten und 33 Sekunden, so sagt es die Uhr, bin ich ohne jedwede Eile durch den Steig durch. Das wird wohl der kürzeste Steig mit Schwierigkeit E sein.

Runter geht es über die Völlerin. Eineinhalb Stunden dauert der Ausflug von Auto zu Auto. Feines Workout, feine Steige!

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Törlweg – Gsolhirnsteig

Renate sucht eine Route aus. Den Törlweg kenne ich, aber den Gsolhirnsteig? Sachen gibt’s! Wir wollen unsere Ausdauer trainieren, und dazu geht es zum Knappenhof. Der Frühling ist da. Ich spaziere im T-Shirt und schwitze. Irgendwo im Wald haut Mio ab, und vernichtet Höhe. Der Popo schiebt wohl so lustig nach unten. So springt er den steilen Hang hinunter in der Hoffnung, weit unten das zu entdecken, was ihm die Nase verspricht. Ich setze mich mal auf einen Baumstumpf, das wird dauern. Ich glaube schon an der Art und Weise, wie Mio abhaut, zu erkennen, wie lange es dauern wird. Renate wartet 50 Meter oberhalb.

Dann geht es doch weniger lange, als erwartet. Ich höre etwas in der Ferne, das langsam aber doch näher kommt. Bald sieht man Mio schon, die Zunge hängt recht weit raus. Mio klettert, springt, keucht,.. Es reicht! Wieder bei uns legt er sich mal in den Schatten. Ach, Mio!

Weiter oben im Schnee gibt es dann eine späte Abkühlung für ihn. Der Törlweg endet mit dem Törl, das den Blick auf das Ottohaus freigibt. Heerscharen von Menschen und Hunden tummeln sich bei dem herrlichen Wetter am Plateau. Selbst Schneeschuhwanderer finden noch ein paar Flecken für ihr Abenteuer.

Wir besteigen den Jakobskogel, denn ein Gipfel muss ja sein. Bei der Bergstation wartet auf uns das Mittagessen. Das beste Mittagessen am gesamten Raxplateau, das ist fix.

Im Abstieg nehmen wir den Gsolhirnsteig. Vielleicht war ich schon mal hier. Mag sein, ist aber wohl über ein Vierteljahrhundert her und damit vergessen. Jippieh, wieder etwas Neues dabei gewesen!

Tadeloses Wetter, tadellose Routenwahl, tadelloser Tag auf der Rax!

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Athen

Diesmal haben wir alles richtig gemacht. Drei Tage Sonnenschein bei angenehmen Temperaturen. Am Samstag reisen wir über Mittag nach Athen. Im neu eröffneten Hotel The Dolli empfängt man uns mit ehrlicher Herzlichkeit, ganz viel Süßigkeiten und alkoholischen Getränken. In Begleitung der Empfangsdame eilen wir im Lift zuerst zum Zimmer und dann auf die Terrasse, um uns ein Mittagessen zu gönnen. Der Lift ist eng, ein weiterer Hotelgast steigt zu, schaut aufs Handy und macht beim Ein- und Ausatmen Töne. No, das ist nichts Ungewöhnliches, aber Renate fühlt sich an Mio und mich beim Schlafen erinnert, kriegt einen Lachanfall und kann der Enge nicht so schnell entkommen. Der gute Mann ahnt, wer die Ursache der Erheiterung sein kann. Das Glaserl Schampus lässt mich Mio imitieren und um Renate ist es geschehen. Was für ein Auftritt!

Auf der Terrasse kehrt dann allmählich wieder Ruhe ein. Die Akropolis winkt herüber, wir winken zurück. Am Abend machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch die Stadt. Unsere Suite hat noch ein Upgrade erhalten. Da gibt es gar nichts auszusetzen.

Am Sonntag wartet nach dem Frühstück auf der herrlichen Terrasse schon Christina am Eingang der Akropolis. Kompetent führt sie uns durch die antike Stätte. Ich verstehe nicht alles, was sie sagt. Das macht nichts, weil ich mir eh nur einen kleinen Teil merke. So ist er halt noch ein bisserl kleiner. Wichtig ist, dass sie uns beiden sympathisch ist. Ich glänze gar zweimal mit meinem Wissen aus dem Buch „Was wir von der Welt wissen sollten“. Hätte man mir gar nicht zugetraut.

Nach unserer Tour geht es ins Restaurant Cookoovaya. Wir sind irgendwo in dieser Riesenstadt zur falschen Uhrzeit. Okay, Google war es, weil es den Termin mit der falschen Zeitzone eingetragen hat. So laut meiner nie um eine Erklärung verlegenen Ehefrau. Ich ringe mit mir und unterdrücke den Hinweis, dass wir um eine halbe Stunde falsch sind und mir Iran, Afghanistan, Indien,.. als wenige Länder mit einer halben Stunde Zeitverschiebung einfallen. Ich will ja nicht ein weiteres Mal mit meinem unnützen Wissen glänzen. Das Essen ist ebenso gut wie reichlich. Obwohl vorgewarnt, verputze ich bei Gang 7 von 15 einen viertel Kilo Aufstrich von weißer Tarama. Köstlich, aber tödlich!

Die Kalorien müssen verwertet werden, in dem wir in 30 Minuten zum Sonnenuntergang auf den Hügel Lykabettus wollen. Für das edle Lokal habe ich mich in Schuhen mit Ledersohlen fein gemacht. Die sind jetzt da hinauf nicht so geeignet. Auch lange Hose, dickes Shirt und nicht zu vergessen die Butterbombe in mir rächen sich. Aber die Sonne lässt sich auch von Argumenten bezüglich der Zeitzonen nicht aufhalten. So stehen wir zeitgerecht und ich definitiv schwitzend mit gefühlt 42.000 anderen auf dem Gipfel mit seiner 120 Quadratmeter großen Aussichtsfläche. Ein bisserl Schubsen, ein bisserl Lächeln und die Fotos sind im Kasten. Aber jetzt nimmt das Übel endgültig seinen Lauf. Es geht erst steil und dann noch dazu unasphaltiert bergab. An sich schon kein Genuss in Schuhen ohne Dämpfung und Komfort. Aber auch die monatelange Rehabilitation fürs Knie ist wieder dahin. Da kann man jetzt auch nichts machen.

Wieder im Wohnviertel wundern wir uns über die hohe Polizeipräsenz. Renate wäre nicht Renate, wenn sie nicht die jungen Männer fragen würde, warum denn gerade hier so viele von ihnen Dienst schieben. Der Polizist überlegt und antwortet dann, dass der Premierminister hier wohnt. Aha, Renate soll doch fragen, wo genau und ob er denn daheim ist. Aber das traut sie sich dann doch nicht. War wahrscheinlich auch besser so.

Am Abend starre ich jedenfalls von der Terrasse bei einem Glas griechischen Perlweins nach Methode der Champagne auf die Akropolis. Die Götter haben Licht. Fein für sie.

Am Montag begrüßt uns wieder Kaiserwetter. Mit der U-Bahn geht es nach Piräus. Hier habe ich vor knapp 40 Jahren am Hafen auf der Straße geschlafen und auf Gernot gewartet, der mir das neue Surfbrett vorbeibringen sollte. Davor hat ihm der Vater 10.000 Schilling ausgehändigt, um die Gernot auch prompt die Cobra gekauft hat. Wie durch ein Wunder hat er mich am Hafen in der Nacht gefunden. Das Surfbrett hatte er unter dem Arm. Ich habe noch immer das Bild im Kopf, wie er damit durch den Park marschiert. Tja, Google Maps gab es noch nicht und Gernot musste wieder ein paar Stunden in den Norden zurück an sein eigentliches Ziel fahren und ich mit der nächsten Fähre auf die Insel zurück. Mein Leben war also damals schon verwöhnt. Jetzt geht es sogar fast noch besser. Auf einer Strohmatte am Hafen vor einem LKW würde ich nicht mehr schlafen. Der Grund ist aber nicht nur, dass ich mich danach wahrscheinlich drei Wochen nicht bewegen könnte.

Na ja, wir fallen an einem edleren Abschnitt bei Jimmi’s Seafood ein. Mit Blick über den kleinen Yachthafen halte ich mich beim Essen zurück. Der Rosé legt dafür einen Schleier über den gelungenen Tag. Am Meer dann noch ein paar Fotos, ehe wir ins Hotel zurückkehren. Schon der Empfang ähnelt einer Konditorei mit All-you-can-eat. Dann noch der Zitronen-Gugelhupf am Zimmer, der jeden Tag erneuert wird. Mann oh, das sind Herausforderungen.

Dienstag ist schon wieder Abreisetag. Nach dem Frühstück geht es zum Parlament, wo wir Glückskinder zur Wachablöse kommen. Ui, das ist eine Show. Man möchte lachen, aber das würde dem Ernst des Unterfangens nicht gerecht.

Zu Mittag dann wieder Heimflug und Besuch bei Oma, die an diesem Tage 90 wird. Die Wetter-App sagt, dass es in Athen jetzt regnet.


Zu den Fotos


Altenbergersteig

Der Haidsteig vor zwei Tagen hat mir so einen Muskelkater eingebracht, dass ich sofort wieder raus muss. So kann das nicht weitergehen. Also, ab aufs Preinergscheid. Iduna zieht was lautlos den Berg hinauf dahin. Mio mag sie mehr als die Q – gut so!

Mio und ich wandern zur Karreralm und von dort den Altenbergersteig aufs Plateau zwischen Gamseck und Heukuppe. Einsam ist es, wir sind uns selbst genug. Nur am Plateau haben wir Sozialkontakt. Wir treffen den Capo des Gamsrudels. Meine Laienbeobachtungen sagen, dass Gämsen sehr scheue Tiere sind. Da ist nur der Rudelsführer, der sich in den Weg stellt. Man erkennt ihn leicht, und so gehe ich ihm aus dem Weg. Aber Mio will es immer wissen. Das ist ein bisserl ein Stress für mich, weil ich Zweifel habe, dass Mio im Fall der Fälle schnell genug wäre. Der heutige Capo kann es aber wirklich. Er muss in der Spanischen Hofreitschule eine Ausbildung genossen haben. Er tänzelt, springt im Stand und pfeift. Mio pfeift sich nichts. Wann immer sich der Bock ein paar Meter zurückzieht, gehe ich ein Stück weiter meines Weges und Mio ein paar Meter weiter auf ihn zu. Tja, und dann passiert, was ich noch nie gesehen habe. Der Bock steuert auf Mio zu. Damit hat auch Mio nicht gerechnet. Die Vernunft kehrt ein, er flüchtet. Aber leider zu mir. Zum Glück ist eine Gams kein Steinbock. Der Gamsbock zieht ab, wir ziehen ab. Alles gut!

Nach der Heukuppe geht es Richtung Waxriegelhaus. Meine Gelenke sind wieder in Form. Ich kann bergab gar abschnittsweise laufen. Wunderbar, so gut war es schon seit Jahren nicht. Die Muskeln sind es nicht gewöhnt und so werde ich mit einem Muskelkater zahlen. Das nehme ich. Tadelloser Tag somit, ich hoffe, es geht wieder bergauf – oder bergab. Also, je nachdem!

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Haidsteig

Wir sind wieder mobil. Unsere Iduna, ein schwarzer VW ID.7, bringt uns ganz umweltfreundlich, weil elektrisch, in die Griesleiten. Kurz habe ich Sorge, ob sie die Unebenheiten des Parkplatzes packen wird. Aber alles kein Grund zur Sorge. Passt!

Renate hat so oft gefragt, ob es eh nicht kalt sein wird und ob denn das Wetter eh passt, dass ich schon in kurzen Hosen gehen will. Je mehr sie gefragt hat, umso sicherer war ich, dass es ein Ausflug im T-Shirt wird. Ja, so funktioniert das in Gruppen am Berg, auch wenn es ganz kleine Gruppen sind. Kurz, ein bisserl kalt ist es schon und von der Sonne auch nicht viel zu sehen. Dafür geht oben offensichtlich einiges an Wind. Und der Regen am Nachmittag könnte auch früher da sein.

Egal, wir starten! Außer uns parkt nur einer. Das heißt, es wird ähnlich wenig Menschen wie Schnee geben. So soll es sein!

So wandern wir zum Einstieg. Alles ohne Zwischenfälle. Keinerlei Schnee und am Plateau auch nur ganz wenig davon zu sehen. Beim Einstieg dann bläst es schon ordentlich. Renate fragt sich doch hörbar, warum sie sich das antut. Dabei ist sie aber reflektiert genug, um zu erkennen, dass sie sich wieder wahnsinnig freuen wird, wenn sie es geschafft hat. Halt, war da jetzt ein Unterton dabei?

Zum Steig gibt es nichts zu sagen. Er ist schneefrei und trocken. Bei der Madonna grüßen wir Ulli, aber können nur ganz kurz bleiben. Im Süden, von wo der Wind kommt, schauen schon Schauer her. Zumindest die bei Nässe unangenehmeren Stellen haben wir. Aber selbst nass wollen wir trotzdem nicht werden. Weiter geht’s ins letzte Drittel des Steigs. Alles easy. Wir erreichen das Plateau, wo wir uns vom Südwind zum Gipfelkreuz treiben lassen. Auch hier ist der Moment des Verweilens denkbar kurz. Nach ein paar Fotos verlassen wir rasch diesen unwirtlichen Ort.

Spompanadeln lassen wir aus, wir wählen den Holzknechsteig für den Abstieg. Mah, ist der wie jedes Mal entbehrlich. Uns beide setzt es einmal auf den Hintern, das tut auch den Handgelenken nicht gut. Trotzdem ist es der kürzeste Abstieg. Lieber trocken am Holzknechsteig als gewaschen beispielsweise im Preinerwandsteig.

Und wirklich erreichen wir trocken, ganz abgesehen von ein paar Tropfen, das Auto. Im Payerbachhof gönnen wir uns noch ein spätes Mittagessen. Die Dorfpromillienz streitet schon mit schwerer Zunge ein bisserl, wer der seltenen Besucherin an diesem frühen Montagnachmittag den Weg zur Toilette beschreiben darf. Als ich mit ähnlichem Anliegen starte, bleibt es ruhig in der Stube. „Er wird scho‘ ned verlorengehen und wenn, is‘ a ned schod!“ mag sich der eine oder andere beim Blick in den Grünen Veltliner denken.

Wie auch immer, wir hatten einen feinen Tag und noch genug Strom, um locker heimzukommen. Sehr fein!

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Kolfuschg

Während sich Jasmin und Carina mit Lydia und Nico in Lech am Arlberg treffen, fahren wir in mein geliebtes Südtirol. Wir sind im Hotel Recort untergebracht. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, gehört es einem Seilbahnbetreiber. Es ist neu renoviert, also vom Originalhof ist nichts über. Wir residieren luxuriös, die Mitarbeiter sind überaus aufmerksam. Das Abendessen haben wir dazu gebucht. Das tut uns nicht gut, ist aber zu gut, um ausgelassen zu werden.

In Sachen Ski und Schnee ist zu sagen, dass wohl noch weniger Schnee ist als in den anderen Jahren. Aber das Skigebiet liegt hoch genug, sodass der Schnee weitgehend trocken bleibt und ein Genuss ist. All das kann natürlich nur unter massivem Einsatz von Schneekanonen geboten werden.

Wir fahren die Sellaronda in beide Richtungen und schaffen es sogar einmal bis nach St. Christina. Erst, als wir in der „U-Bahn“ sitzen, kann ich mich erinnern, dass ich hier schon mal vor Jahrzehnten war.

Das Hotel mit Bike-Waschstation, Hundedusche und allen möglichen anderen Annehmlichkeiten können wir empfehlen. Unsere Suite ist eine gar nicht so kleine Wohnung. Vis-a-vis führt das Mittagstal vom Sellastock herunter. Die Rezeptionistin sagt, dass ihr Bruder in diesem Jahr die Tour wohl schon einmal gefahren ist. Vorstellen kann ich mir das aufgrund der Schneelage nicht so recht. Und dann schau‘ ich zufällig um halbsieben beim Fenster raus und sehe jemanden mit einer Stirnlampe am unteren Ende des Mittagstals. Ich pack’s nicht und lege mich noch einmal nieder. Das war a mal!

Gretchensteig

Langsam zweifle ich auch schon an, was die Klimaforscher sagen und werde zum Anhänger einer Verschwörungstheorie, leider halt mit anderem Vorzeichen. Aber dazu später. Gestern sind meine neuen Grödel angekommen. Die habe ich bestellt, da ich letzte Woche ein Grödel – der Duden sagt, dass Grödel ein Mehrzahlwort ist, aha! – verloren habe. Verloren und heute wieder gefunden – jetzt habe ich mit drei Paar doch zu viele Paare! Aber der Reihe nach.

Gernot begleitet uns auf die Rax. Wir sind alle nur halb ausgerüstet, weil der Plan war, die Mautstraße vom Pfaffensattel zum Alois-Günther-Haus zu spazieren. Gernot hat nicht einmal einen Rucksack mit. Trotzdem entscheiden wir uns für die Rax. Da geht heute mehr. Nicht viel mehr, aber doch mehr.

Am Preinergscheid geht – Achtung, Novum! – kaum ein Wind. Entspannt starten wir Richtung Reißthalerhütte. Gernot ist in seinen Christkindlmarktschuhen unterwegs und zieht sich meine XL-Grödel über. Auch Renate und ich entscheiden uns für Grödel – wir haben ja genug. Durch den Wald und auch danach ist wahrlich nicht viel Schnee. Aber ab der Baumgrenze wird es absonderlich. Es riecht nach Frühling, die Jacken haben wir in die Rucksäcke gestopft, ich suche nach den ersten Schneerosen, wir haben den 22. Jänner.

Nun zur Verschwörungstheorie: ich mag nicht glauben, dass sich das Klima erst um weniger als 2 Grad erwärmt hat. Hier nicht, hier muss es deutlich mehr sein – warum? Selbst bei vorsichtiger Schätzung liegt die Temperatur um 10° bis 15° zu hoch, es hat deutlich Plusgrade. Okay, das ist nur ein Tag und damit das Wetter und nicht das Klima. Zum Ausgleich müsste es an einem anderen Tagen um 10° weniger haben. Wenn man im Jänner auf 1.500m also Mitte Jänner -10° erwarten kann, müsste es nun einen anderen Tag mit -20° oder tiefer hier heroben geben. Natürlich können es auch zwei Tage mit -15° sein, um den Schnitt zu retten,.. Faktisch sind wir letzte Woche auf der Terrasse am Nachmittag um drei in der Sonne gesessen. Noch so ein „heißer“ Tag. Wie auch immer, ich bin keine Wetterstation auf zwei Beinen. Nach meiner Einschätzung ist es aber eher um vier bis fünf Grad im Schnitt hier heroben wärmer als in einem Jänner vor 25 Jahren oder früher. Entsprechend traurig schaut es mit dem Schnee aus.

All das überlege ich mir, während wir wieder einmal den Schlangenweg runter spazieren. In allen Farben schildere ich, wie uns die Abkürzung mein Grödel gekostet hat. Bei Besichtigung des Ortes des Verschwindens reicht auch ein Schritt ins Latschengestrüpp und da liegt es unübersehbar. Mein schlechtes Gewissen ist weg und weicht einer Reflexion. Was, wenn das nicht mir sondern jemand anderem passiert wäre. „Wie umnachtet kann man sein, dass man das nicht bei der Suche sieht?“, „Muss man halt die Augen aufmachen und schauen!“… Egal, ich habe es wieder und nun gar zwei zuviel. Keine Gams hat sich verletzt, alles gut!

Der Rest ist Routine. Essen am Waxriegelhaus, Abstieg zum Preinergscheid und heim nach Breitenfurt. Feine, entspannte und sonnige Tour!

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Rax – Predigtstuhl

Heute passt alles! Es hat ein bisserl geschneit, und es ist wenig Wind angesagt. Also, nochmals aufs Preinergscheid und dann weiter auf den Predigtstuhl. Das läuft alles prächtig. Die Fotos sprechen für sich. Wir sind die ersten, die nach dem Schneefall, aufsteigen. Viel Schnee ist ja nicht gefallen. Zumindest sieht es sehr fein aus. Den Predigtstuhl schaffen wir. Oben ist es doch recht kalt. Die Winterlandschaft macht wirklich etwas her.

Wir wandern noch zum Karl-Ludwig-Haus. Ich muss nicht nur ein Ingress-Portal holen, sondern auch zwei neue Portale besuchen. Das Rax-Kircherl und ein steinerner Rucksack sind damit auch in der Ingress-Datenbank aufgenommen.

Runter geht es den Schlangenweg. Der Karlgraben ist kein Option. Es fehlt der Schnee. Oberhalb des Siebenbrunnkessels queren wir zum Waxriegelhaus. Ich bin übermütig und will abkürzen. Das hat zur Folge, dass wir uns durchs Dickicht kämpfen müssen. Mein Grödel geht dabei verloren und ist unauffindbar. Schlechtes Gewissen macht sich breit. Vielleicht finde ich es ja im Sommer.

Am Waxriegelhaus kann man um 15 Uhr gar draußen in der Sonne sitzen. Wir sind verwirrt. Beim Abstieg sind wir dann aber schnell in der Kälte und damit wieder mitten im Jänner. Die Bergrettung baut einen Iglu – aha!

Eigentlich wäre bis auf die verlorene Grödel alles gut, würde die Q nicht meinen, dass sie wieder die Kühlflüssigkeit verloren hat. Oh, da wird jemand fluchen. Wir rollen nach Reichenau, kaufen eineinhalb Liter Kühlflüssigkeit und cruisen damit nach Wien.

Feiner Tag mit tollen Fotos!

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Rax – Rundweg

Wir müssen ein bisserl den Fettstoffwechsel trainieren. Also fahren wir zum Preinergscheid. Da streiten die Eigentümer mit der Gemeinde, wer denn nun an der Parkfläche hier verdienen darf – oder so ähnlich. Wie auch immer, es stehen jedenfalls geschätzt nur die Hälfte der Parkplätze zur Verfügung. Der Rest ist abgesperrt. Der Parkautomat kennt sich auch nicht aus. Wer ganz doof ist, zahlt für den abgesperrten Parkplatz. Wer schlau ist, zahlt vermutlich gar nicht. Ich bin irgendwo dazwischen, zahle und hoffe, dass sie sich bis zum Sommer geeinigt haben. Wenn wieder der Bus kommt, wird wieder ein Stückerl vom Parkplatz abgezwickt, dann wird es wirklich eng, zumindest am Wochenende.

Am Preinergscheid weht es wie irre. Das ist zumindest nicht neu. So sind die Leute verleitet, ein bisserl mehr als notwendig mitzuschleppen. Meine Erinnerung an Renate, dass es bei den ersten Bäumen windärmer und wärmer werden wird, verfängt nicht. Wie auch? Ich musste ja schon selbst allzu oft die Erfahrung machen, ehe ich nun eben „leicht“ starte. Mio macht es jedenfalls Spaß.

Wenn schon nicht bei den Temperaturen so haben wir bei der Schneemenge einen Minusrekord. Dass im Jänner schon einmal so wenig Schnee war? Wahrscheinlich, aber erinnern kann ich mich nicht. Wir trinken etwas am Waxriegelhaus. Meine Mütze habe ich vergessen und da wir weitersteigen wollen, wäre so etwas schon fein. Auf einer gut besuchten Hütte kann einem geholfen werden. Gut behütet ziehe ich weiter.

Nur Renates Blick hinauf ist besorgt. Wir gehen einfach so weit, bis wir umdrehen. Das ist ein Plan, obschon ich nicht zu erkennen vermag, warum wir umdrehen sollten. Das Tageslicht wird reichen, das Wetter wird halten und Schneemassen sehe ich, wie schon erwähnt nicht. So steigen wir einen fast aperen Waxriegelsteig Richtung Predigtstuhl hinauf. Am Grat pfeift es ordentlich, beim Bismarcksteig dann teils in stürmischen Böen. Ausgestattet sind wir doch mehr als ausreichend, aber Renate will lieber zurück. Ich kann sie noch zu einer Runde Richtung Neue Seehütte und Abstieg über den Göbl-Kühn-Steig überreden. Erst nach der Tour offenbart Renate, dass sie den Wind oder Sturm nur nicht mag, sondern ihr ganz offenkundig den Spaß verdirbt. Oh, das ist etwas anderes. Künftig kann ich das berücksichtigen. Gerade in den Bergen sollte man so etwas ganz offen kommunizieren. Wieder etwas gelernt.

Das obere Ende des Langermanngrabens überqueren wir gar in Grödel. Den wenigen lockeren Schnee hat der Wind längst abtransportiert, übrig ist ein überaus harter Harschdeckel. Mio erkennt im 4×4-Modus das Problem nicht. Wir wandern den verlängerten Bismarcksteig Richtung Neue Seehütte. Hier im Lee hat der Wind die magere Ausbeute des Winters zwischen den Latschen abgelagert. Es ist so wenig, dass ich mich eine Abkürzung zu nehmen getraue. Das macht man nicht. Aber ich meine, das Gelände gut zu kennen, achte darauf, dass wir zur Not umdrehen können und die Online-Karte erwähnt hier keine erwähnenswerte Steigung. Und dann kommt es so wie geplant. Passiert selten, aber ist recht so!

Am Göbl-Kühn-Steig geht es zurück zum Waxriegelhaus, das wunderbarerweise 365 Tage im Jahr offen hat. Nach opulentem Mal wartet noch der Abstieg zum Preinergscheid.

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