Eigentlich habe ich schon recht viel zu tun. So komme ich erst fast ein Monat nach unserem Ausflug dazu, ein paar Fotos hochzuladen. Text fällt mir eh nicht mehr viel ein. An den gemachten Fotos erkenne ich, dass wir viel gutes Essen hatten und in einem feinen Hotel genächtigt haben.
Jakobskogel
Auch dieses Jahr fahren wir wieder einmal mit der Seilbahn aufs Raxplateau. Es geht raus aus dem Nebel und ab in die Sonne. Weil wir uns auskennen, lassen wir die Schneeschuhe, die an der Bergstation unter der Woche kostenlos verliehen werden, links liegen. Und bereuen das auch bald. Spätestens, als Gernot wieder einmal eine Abkürzung kennt. Mio ist wie immer der einzige, der nichts sagt. Aber die Verstörtheit sieht man ihm an, als er da in grundlosem Pulverschnee durch Latschenfelder muss.
Aber auch ich habe die Tour unterschätzt. Was soll ich da auf dem Plateau-Spaziergang den mit Garmin aufzeichnen. Tja, weit gefehlt!
Trotzdem ein überaus edler Tag in der Sonne. So einen Ausflug kann ich nur empfehlen. Im Dezember ist die Sonne besonders gut fürs Gemüt!


























Gebirgsvereinssteig
Kaiserwetter ist angesagt, die Q verweilt weiter in der Werkstatt und so entscheiden wir uns im E-Mini für die Hohe Wand. Der Gebirgssvereinsteig ist jener Steig in unserem Bereich mit den meisten Begehungen. So hat es mir der Steigerhalter auf der Rax erzählt. Das mag sein, aber heute sind wir fast alleine. Erst beim Ausstieg holt uns ein anderer Kraxler fast ein.
Die vielen Begehungen gehen nicht spurlos am Steig vorbei. Technisch ist er wirklich toll instand gehalten. Der Fels ist abgerieben, speckig und oft recht rutschig. Aber so passiert das halt, wo jedes Jahr Zehntausende rauf kraxeln.
Unsere Besteigung verläuft schon fast als Genusstour. Renate wird immer besser. Für den ÖTK-Steig müssen wir noch ein bisserl üben, aber das wird werden.
Dann gibt es doch noch ein „Erstes Mal“. Zum ersten Mal steigen wir den Springlessteig ab. Der ist fein und eine angenehme Möglichkeit, nach dem Gebirgsvereinssteig wieder zum Auto zurückzukommen.












Haidsteig
Das wird Renates dritte Begehung und unsere erste als verheiratetes Paar. Renate überlegt, ob sie die beheizbaren Socken brauchen wird. Und da ist sie schon die erste Ehekrise: entweder die beheizbaren Socken oder ich! Auch die von Renate zusammengestellte Garderobe lässt den Gentleman in mir verschwinden. Dafür stehe ich nicht zur Verfügung. Wer drei oder vier Jacken am Berg dabei haben will, muss schleppen. So schaut’s aus 😉
Renate berichtet, dass der Steig beim dritten Mal nun schon fast ein Genuss war. Alles klappt geschmeidig, die Bedingungen sind gut, die Sonne lacht, wir besuchen Ulli, und eine von uns ist am Plateau dann aber doch ein bisserl erschöpft. Sehr fein, eine sehr tolle Begleiterin habe ich da!
Der toneo hat meine Portale von grün auf blau gedreht. Das geht mal gar nicht. Die Madonna und das Preinerwandkreuz hole ich zurück. Das Portal im Königschusswandsteig sollte ich aber auch mitnehmen. Wer weiß, wie lange das Knie nach der OP nervt. Also, frage ich an, ob es denn okay sei, wenn ich den Königschusswandsteig ein Stückerl abklettere. Ein geduldiges „Mach nur!“ ist eine feine Antwort. Und da zum Glück kein Heizsockenwetter herrscht, kann Renate in einer ihrer vier mitgeschleppten Jacken die Sonne genießen, während ich immer weiter absteige. Gar durchs Felsfenster muss ich durch. Wenig elegant mache ich das im Rückwärtsgang, was aber eher wurscht ist, weil mich ja eh keiner sieht. An der ungünstigsten Stelle löst sich noch die Trinkflasche aus dem Rucksack. Die balanciert auf meinem Nacken. Ich bin begeistert. Wenn ich jetzt noch wie eine Seerobbe in die Pfoten klatsche, jubelt das Publikum. Da gelingt mir das Meisterstück: in der Höhle verstaue ich die Flasche wieder – yess! Na ja, das Portal hole ich auch noch. Auftrag erledigt, ich darf wieder durchs Fenster rauf.
Zur Auswahl stehen nun die Neue Seehütte oder der Holzknechtsteig. Der Steig ist echt mies, wie ich hier schon oft beschrieben habe, aber deutlich besser als die Seehütte zur Zeit. Renate ist fassungslos ob des Mangels an Genuss im Abstieg, ich bin seit Jahrzehnten auf den Mist hier vorbereitet. Diesmal hat es der Steig wieder in sich! Ja, das ist jedes Mal derselbe Steig. Aber nach jedem Starkregen schaut er anders aus. Und geregnet hat es diesen Herbst schon genug. Die Schotterfelder, die man sonst abfahren und so das Leid lindern kann, sind weggespült. Aber alles geht vorbei, irgendwie kommen wir zum Auto. Eine feine Tour heute!
Die Q ist mittlerweile gefühlt schon öfters in der Werkstatt als auf der Straße. So sind wir im E-Mini unterwegs. Der ist sehr fein, sehr umweltfreundlich und sehr schick, hat aber eine kleine Batterie und die ist in der Griesleiten mehr als zur Hälfte geleert. Ich soll fahren, auch wenn es anders vereinbart war. Aber ich darf nur 80 fahren, weil sich das sonst nicht bis nach Hause ausgeht. 80 auf der Autobahn ist hart! Einmal erwische ich mich dabei, wie ich die Grünstreifen längs der Autobahn absuche und tatsächlich einen riesigen Pilz entdecke. Beim Spazierengehen gelingt mir so ein Kunststück eher selten. Mah, das werde ich nicht aushalten. Da erinnere ich mich an die Zeiten vor 40 Jahren. Gernot und ich haben auf unseren Fahrrädern auf den 15A (Autobus) gewartet. Sobald der uns überholt hat, haben wir reingetreten und haben uns im Windschatten „ziehen“ lassen. LKW gibt es hier und heute auf der Autobahn einige, ich hänge mich bei 90km/h hinter so einem an. Wie ein Drängler klebe ich eine Autolänge hinter ihm und gewinne dabei an Reichweite. Mein grünes Herz triumphiert. Renate ist da nicht so entspannt, sieht uns schon schiebend, weil wir hier mit besinnungslosen 90 km/h dahinrasen. Es ist eigentlich eh klar, wer schieben wird müssen. Das sage ich auch zu, aber nur unter der Bedingung, dass sie das Rekuperieren deaktiviert, während ich schieben muss. Aber soweit wird es nicht kommen!
Überholt ein LKW, dann hänge ich mich an den schnelleren LKW. Jetzt sind wir schon mit über 100 unterwegs. Viel Abstand zur fahrenden Wand vor uns ist nicht. Die Stimmung ist im Wageninneren doch etwas angespannt. Aber wie kann ich mich wieder zurückfallen lassen?
So und so weiter vergeht diese Fahrt in ihrer eigenen Kurzweile. Wir erreichen Breitenfurt mit einer Reserve von ein paar Kilometer – geht doch! Garmin empfiehlt dem Mini eine Erholungszeit von 48 Stunden an der Steckdose. Einen ähnlichen Wert bekommt auch Renate aufgebrummt!
Leider habe ich bei der Madonna die Uhr gestoppt. Der Track ist damit gestoppelt und entfällt heute. Dies im Ersuchen um Nachsicht.












Flittertage in Portugal
Wir gönnen uns ein paar Tage in Portugal, drei Nächte in Lissabon und zwei Tage in Porto. In Lissabon sind wir im Hotel Valverde untergebracht – ein überaus empfehlenswertes Haus! Michelin, dieser französische Reifenhändler, war auch schon hier und hat für Renate Restaurants herausgesucht. So besuchen wir das feine Restaurant Belcanto, das uns das feinste kulinarische Erlebnis seit langem bringt. Lissabon gefällt uns. Die Stadtspaziergänge sind eine Freude. Alles ist recht entspannt und zuvorkommend.
Diesmal sind wir auf eco unterwegs und fahren mit dem Zug von Lissabon nach Porto weiter. Meine letzte Zugfahrt auf dieser Strecke vor 40 Jahren habe ich anders in Erinnerung. Okay, damals war ich mit Oskar unterwegs.
In Porto besuchen wir die Fischfabrik Pinhais. Sie ist mit ihren Sardinen in der markanten Fischdose unter der Marke Nuri bekannt. Österreich ist einer der Hauptabsatzmärkte. Die Firma besteht seit 1920, fast alles wird noch per Hand gemacht. 2016 hat ein Österreicher die Firma übernommen. Wir staunen – hier mehr am Internet. Die Führung ist wirklich eine dringende Empfehlung! Esst mehr Nuri-Sardinen!
Natürlich spazieren wir auch durch Porto, die Bootsfahrt am Douro fällt allerdings leider im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Manchmal regnet es eben auch in Portugal. Am Tag unseres Heimflugs finden wir dann noch, und diesmal wirklich ungeplant, ein ganz besonderes, winziges Lokal. Der Eigentümer hat jahrelang im Belcanto gearbeitet und bietet nun für maximal zehn Gäste selbst Essen an. Das Lessa in Porto ist definitiv auch eine Empfehlung wert. Webseite und so modernen Schnickschnack hat das Lokal nicht, dafür gibt es hier vorzügliches Essen!
Ganz zum Schluss holt sich noch der Atlantik meine Renate. Diese wilden Wellen! Völlig unberechenbar! In unserem Hotel, der Vila Foz, ist das Personal gefordert, um bei der Trocknung zu helfen. Selbst so ein ungewöhnliches Anliegen bringt aber ein Haus dieser Kategorie nicht in Verlegenheit. Eh klar!
Unsere Hochzeit
Zwei Wochen ist die Hochzeit nun her. Mit dem Blog bin ich langsam, mit allem anderen waren wir schneller. Am 21. März 2023 haben wir uns kennengelernt, natürlich übers Internet. Am 18. Juni 2024 war die Verlobung am Preber und am 5. Oktober 2024 nun also die Hochzeit.
„Es ließe sich alles trefflich schlichten, könnte man die Sachen zweimal verrichten.“, so meinte es Goethe. So hatten wir erst vor, ohne Gäste zu heiraten, dann mit drei, dann mit fünf und dann vielleicht doch mit mehr. Wir haben angekündigt und wieder abgesagt. Am Ende zählt das Ergebnis und das ist wunderbar.
Als wir am 27. August am Weg in die Wachau waren, um unsere Ehetauglichkeit feststellen zu lassen, haben wir spontan entschieden, doch ein bisserl auf „Family & Friends“ zu wechseln. Da war die Einladung für die eine oder den anderen dann doch ein bisserl kurzfristig oder gar der ganze Prozess wirr. Seht es uns nach!
In der Kurzfristigkeit haben wir noch Trauzeugen gefunden und Mio trainiert, dass er die Ringe bringen kann. Renate hat die Feierlichkeiten organisiert, ich habe auch etwas getan.
Und dann war er da der 5. Oktober mit all seinen Gästen, aus Nah und Fern. Vielen herzlichen Dank an alle für euer Kommen! Wir waren und sind froh, dass wir uns für eine größere, kleine Runde entschieden haben. Die kleinen Aufmerksamkeiten und schriftlichen Glückwünsche sind ein schönes Andenken. Auch die Bergrettung wird sich über den Spendenregen gefreut haben und sich noch immer fragen, wer denn Renate & Gottfried sind.
Der für mich krönende Beitrag war Renates wunderbare, spontane Ansprache beim Hochzeitsessen. Mit ebenbürtiger Sicherheit schreibe ich nun an dieser Stelle, dass ich ganz sicher und unglaublich dankbar bin, die Richtige gefunden zu haben.
Und nun meldet sich hier Renate ausnahmsweise zu Wort und wiederholt:
„Auch ich habe meine große Liebe gefunden und bin jeden Tag dafür dankbar.“
Am Ende zählt das Ergebnis und das ist wunderbar.
Stadelwandgrat III
Renate und ich gehen den Stadelwandgrat an. Es ist Renates erster IIIer. Der Grat und die leichte Kletterei passen goldrichtig dafür. Was soll da schon schief gehen? In der Früh und beim Zustieg geht es Renate gar nicht gut. Ihr ist ein bisserl übel, der Magen will nicht bergsteigen! Aber sie will die Tour probieren. Schauen ma a mal!
Wir packen das 40m-Seil ein. Das ist ein bisserl kurz. Wir könnten natürlich auch das 60er mitnehmen. Aber das wäre ein bisserl schwer. So könnten wir auch ein 50m-Seil kaufen. Aber das wäre dann ein bisserl blöd.
Irgendwann muss man im Stadelwandgraben nach links abbiegen. Das kann man weit unten machen und sich dann eines steilen Schotterfeldes erfreuen oder weiter oben. Meist biege ich zu früh ab. So auch diesmal. Aber es ist nicht so schlimm, denn ich denke, es gilt: „Je weiter oben umso besser.“. Aber wer will schon zu weit gehen? Egal, beim Abstieg sehen wir auf 910m Seehöhe Markierungen an einem Baum. Gernot hat sich auch schon mal die 910m auf der Uhr fotografiert. Das Wegerl probiere ich jedenfalls das nächste Mal.
Das Gassl ist nach den irrwitzigen Regenmengen der letzten Tage und Wochen eigentlich in gutem Zustand. Keine Sorge! Der folgende Aufstieg hat jedes Mal bessere Markierungen. Vielleicht liegt es daran, dass ich den Aufstieg immer besser kenne. Aber selbst in der Kletterstrecke sind auffällig viele rote Punkte. Diese sind mir bislang gar nicht aufgefallen. Hat da wer nachgebessert? Alles wird besser.
Wie üblich folgen wir in entgegengesetzter Richtung dem markanten roten Pfeil und erreichen nach leichter Kraxelei die Anseilstelle. Schon wartet der erste Turm, der heute wieder einmal ein bisserl schwieriger erscheint. Renate schlägt sich tapfer. Dann wird abgeklettert zum ersten richtigen Stand. Von dort geht es gleich wieder scheinbar schwierig bergauf. All das muss Renate Respekt einflößen, aber sie kommt stets brav hinten nach. Der weitere Verlauf ist immer wieder spannend, aber stets machbar.
Die IIIer-Stelle laut Topo liegt Renate im Magen. Erst wollte sie vor dieser Stelle überlegen, ob sie die Stelle angehen will und dann im weiteren Verlauf der Kletterei war sie sicher, dass sie sie umgehen möchte. Aber ich bin ja vorne. Und als erster nehme ich die IIIer-Stelle in einer der Seillängen gleich mit. Uh, die Stelle gehe ich heute weiter rechts an, wo ein Haken aus der Wand schaut. Also, da fehlen irgendwie Griffe und Tritte für unser Können. Die letzten Male war ich ein, zwei Meter weiter links und dort ging es leichter. Trotzdem komme ich sicher über die Stelle und hole Renate nach.
Sie ist schnell da und steht jetzt unter dem Haken in der IIIer-Stelle. „Also, ich steh‘ jetzt an! wie soll ich da rauf kommen?“. „Immer dem Schnürl nach!“ ist meine beliebte Antwort, zur Unterstützung spanne ich das Seil ein bisserl. Jetzt tut sich lange nichts. Gelegentlich gelingt es mir, wieder ein paar Zentimeter das Seil weiter einzuziehen. Die Arme muss ja schon im Klettergurt hängen. Und dann taucht sie plötzlich auf, zuerst der Helm und dann immer mehr von ihr. „Boah, was war denn das jetzt?“. „Na, vielleicht haben wir schon, ganz ohne es zu bemerken, die IIIer-Stelle mitgenommen?“. „Sicher nicht, die kommt erst! Und sicher ist, die gehe ich nicht!“. „Oh ja, das war schon die IIIer-Stelle!“. „Was echt jetzt?“. „Ja!“.
Jetzt fehlt nur noch eine Stelle mit III-. „Spreizschritt“ erwähnt die Topo dazu. In meiner Erinnerung ist das aber eine wahrlich nicht schwere Stelle. Was allerdings in Renates Kopf vorgeht, kann ich nicht sagen. Jedenfalls steige ich vor, überwinde den Spreizschritt ohne sonderliche Aufmerksamkeit. Den nächsten Stand baue ich ums „Eck“ bei einer kräftigen Latsche. Von Renate höre ich derart nichts. Aber das Seil rutscht fein durch meine Sicherung. Sie kommt näher, bis es plötzlich stockt. Das ist nicht ungewöhnlich. Ich warte. Nix tut sich. Ich warte. Minuten, echte Minuten vergehen. Ich warte, ich rufe: „Alles okay?“. Keine Antwort! Ich fixiere den Stand und steige ihr entgegen. Nun bin ich in Rufweite. Renate steht vor dem Spreizschritt und weiß nicht weiter. Sie will mehr Seil. Anscheinend habe ich sie von oben mit meinem Probeziehen immer weiter nach vorne gezogen, und nun ist die Lage misslich. Ja, das auch, aber selbst mit mehr Seil weiß sie eigentlich nicht, wie sie darüber soll. „Nach links absteigen und drüben wieder rauf!“ rufe ich noch. Dann mache ich mich zurück zum Stand, um ihr mehr Seil geben zu können. Diesmal geht etwas weiter. Etwas erschöpft und fertig steht Renate vor mir. Sie war wirklich ratlos, hat das Offensichtliche nicht gesehen und sich nur gewundert, wie ich da rüber bin. Na ja, dass ich mit meiner Hüftprothese, zwei lädierten Knien nicht wie eine Katze gesprungen bin, sollte eigentlich offenkundig sein. Renate meint, dass sie sogar an die Bergrettung gedacht hat. Das wäre ein lustiger Einsatzbericht geworden: „Die gut ausgerüstete 54-jährige, die am Stadelwandgrat unterwegs war, kam bei einem Spreizschritt in eine brenzlige Lage und konnte weder vor noch zurück. Die zu ihr aufgestiegenen Bergretter sicherten die bereits leicht erschöpfte Bergsteigerin bei einem Schritt galant durch Reichen der Hand, ehe diese selbständig ihre Bergtour mit ihrem Partner, der wenige Meter oberhalb von ihr an einer Latsche gesichert, beim Handyschauen aufgefunden wurde, fortsetzen konnte.“. Auch ein Hubschraubereinsatz wäre fein gewesen. Es hätte ja gereicht, wenn sich Renate kurz am herunterhängenden Bergehaken festhalten hätte können, ehe sie sich mit einem „Danke und Tschüssi!“ verabschiedet hätte. Ging aber auch so, mit Geduld!
Nach diesem eigentlich eher unspektakulären Spreizschritt geht es dann nur noch in flacher werdendem und einfachem Gelände weiter. Ein Grat ist noch dabei. Auch wenn das technisch einfach ist, sichern wir weiter. Da ist eine von uns beiden schon ein bisserl über das Maß des Erwarteten hinaus müde. Vergnügt und zuversichtlich, aber eben doch gefordert. So schaffen wir noch eine Seillänge gesichert, ehe wir ungesichert den letzten Anstieg nehmen und über die Märchenwiese zur Forsthütte absteigen. Jippieh, geschafft und Gratulation an Renate.
Nach Jause und Nachbesprechung geht es wieder durch den Stadelwandgraben zum Auto. Nach den Anstrengungen zieht sich der Abstieg ein bisserl sehr. Aber was soll’s? Geht ja alles vorbei!
Besten Dank an meine tolle Begleiterin!






Anichspitze und Spiegelkogel
Zustieg Ramolhaus und Anichspitze
Die Pläne sind groß, die Zeit wird knapp! Ich würde noch gerne einen Gipfel meiner Bergliste erledigen. Die Weißkugel wartet seit Jahren. Ich bin nicht sonderlich zuversichtlich, dass wir diese in diesem Jahr noch schaffen. Die Hütten schließen bald, die Tage werden kürzer, der erste Schnee könnte kommen. Da tut sich ein Zwischenhoch auf. Nicht sonderlich stabil, aber immerhin. Renate ist bei der Tour für Kurzentschlossene dabei. Wir planen den Anstieg zum Ramolhaus von Obergurgl aus am Donnerstag, die drei Ramolkogel am Freitag und den Schalfkogel am Samstag. Am Sonntag kann dann die Kaltfront in Ruhe kommen.
Mammut hat noch neue Hochtourenschuhe rechtzeitig herbeigeschafft. Meine alten Schuhe wurden bei der letzten Tour verwechselt und sind weiterhin verschollen. Am Donnerstag wollen wir früh in Breitenfurt los. Nur der Wetterbericht verschlechtert sich stündlich. Am Donnerstag Nachmittag wird es regnen, und der Freitag sieht auch gar nicht mehr so gut aus. Als wir in Obergurgl ankommen, regnet es wirklich. Aus dem Rucksacktransport wird es auch nichts, weil der Wind zu stark bläst. Mit schwerem Rucksack im Regengewand 1.100 Höhenmeter – da gibt es Attraktiveres. Wir planen um! Wir übernachten in Obergurgl und versuchen am Freitag Aufstieg zum Ramolhaus und Ramolkogel. Damit packen wir das Programm von zwei Tagen in einen Tag. Nach dieser planerischen Meisterleistung gönnen wir uns ein extra feines Abendessen im Grünerhof. Außer uns kommt niemand an diesem Abend auf diese Idee. Fängt doch gut an!
Am Freitag in der Früh nieselt es. Den Rucksacktransport nehmen wir nicht in Anspruch. So genau lässt sich ja nicht sagen, wann der Rucksack oben ankommt und wir wollen noch auf die drei Ramolkogel. Seil, Klettergurt, Karabiner, Eisschrauben, etc. lassen wir im Auto. Das macht den Rucksack leichter. Der Niesel endet bald und los geht es. Der Hüttenzustieg ist lange, aber technisch kein bisserl herausfordernd. Ein scheinbar endloser Almenweg führt stetig bergauf. Vis-a-vis sehen wir erst das Skigebiet, den Angerer und den Weg zur Langtalereckhütte. Das Ramolhaus schaut nach mehr als zwei Drittel der Strecke das erste Mal zu uns her. Wir sind vorbereitet, dass dies eine optische Täuschung ist. Denn der Weg führt unter dem Ramolhaus vorbei, ehe er dann in einem letzten Anstieg „hinten herum“ zum Haus führt. Das letzte Stück ist steil, aber nicht so steil, wie ich dachte. Renate hat an diesem Tag trotzdem hart zu kämpfen. Die Uhr zeigt mit einer Trainingsbelastung von 5.0 an, dass sie ihr sinnvolles Limit erreicht hat. Vielleicht hilft eine Pause mit Essen am Ramolhaus.
Am Ramolhaus empfängt uns Lenka mit blitzenden Augen. Sie führt die Hütte in der dritten Saison und hat alles fest im Griff. Sie empfiehlt, dass wir uns auf den Nördlichen Ramolkogel, die Anichspitze, beschränken sollen. Das ist der erste Gipfel. Vor allem der Große Ramolkogel ist zu dieser Jahreszeit aufgrund der geänderten klimatischen Verhältnisse doch kompliziert. Na ja, viel mehr als die Anichspitze wird sich heute eh nicht ausgehen.
Nach einer Stunde Pause entscheidet sich Renate, mich zu begleiten. Sie kann ja umdrehen, wenn es zu anstrengend wird. Die Anichspitze sollte nicht so wild sein. So gehen wir mit reduziertem Gepäck los. Immer mehr Nebel breitet sich aus. Aber der Wetterbericht verspricht, dass es trocken bleiben wird. Der Weg ist nicht ganz leicht zu finden. Es sind gar zwei Varianten markiert, wobei bei einer Variante die Markierungen teils ausgekreuzt sind. Komisch ist das, hatte ich noch nie. So folgen wir unserem GPX-Track auf Handy und Uhr. Dieser stellt irgendwie die dritte Variante dar.
Am Beginn der kärglichen Reste des Ramolferners stellt sich dann die Frage, ob wir im Fels bzw. Geröll bleiben oder das Eis nehmen. Wir entscheiden uns fürs Eis. Erst wieder auf der Hütte gesteht Renate, dass sie da schon ausreichend fertig war, aber nicht wegen des Nebels alleine zurückgehen wollte. Anderseits wollte sie mir auch nicht den Gipfel nehmen. So macht meine tapfere Begleitung schon recht erschöpft alles Weitere mit.
Wir steigen über den unteren Teil des Gletschers und wechseln dann in den Fels. Steinmänner und Steigspuren führen bis auf etwa 3.200m. Ab dort ist die Routenwahl für uns eine Glücksfrage. Wenn der Nebel aufreißt, sehe ich eine logische Linie, die auf die Anichspitze führt. Aber das Eis ist halt weit zurückgewichen. Damit ist der Untergrund recht lose. Vielleicht gibt es auch einen tadellosen Weg. Die Literatur erwähnt sogar Bohrhaken. Aber davon sehen wir nichts. Stattdessen kraxeln wir eben über loses Gestein Richtung Gipfel. Oh, da höre ich leichte Anzeichen der Verzweiflung. Das rutscht alles so! Der Unterhaltungswert ist auch wirklich nicht hoch – weglos im Nebel, im Instrumentenflug sozusagen. Wir holen für Renate den Pickel raus. Der gibt auf diesem Untergrund, auf diesen schrägen und von nassem Sand überzogenen Felsplatten Halt. „Positive Vibes“ lautet die Devise. Wie wir da wieder runterkommen? Dieser Frage widmen wir uns, sobald wir oben sind. So geht professionelle Planung! Und dann sind wir oben. Ein stolzes Gesicht sehe ich da! Wow, tapfer! Auf die beiden anderen Gipfel verzichten wir ohne lange Diskussion. Nach einer kurzen Pause rückt der Abstieg in den Fokus!
Der Abstieg über den Westgrat ist mal unspektakulär. Wir erreichen den Firn am oberen Ende des Ramolferners. Die direkte Variante über den Ferner trauen wir uns nicht so recht zu. Stattdessen gehen wir am oberen Rand Richtung Osten und steigen dann doch direkt über den Gletscher ab. Renate meistert auch dieses „erste Mal“ mit Bravour. Es ist schon ein bisserl gewöhnungsbedürftig, wenn man zum ersten Mal eine Eisfläche in dieser Neigung mit dem Gesicht voran im Vertrauen auf die Steigeisen absteigt. Eine der wenigen verbliebenen Gletscherspalten sieht man schon aus größerer Entfernung. Sie wird umgangen und wir steigen diesmal bis zum unteren Ende des oberen Teil des Ferners ab. Dann geht es in Steigeisen durch den Matsch und Geröll zum unteren Teil des einst ewigen Eises. Hier beginnt es leicht zu regnen. Mann oh, das ist ein bisserl zäh! Also, Regenjacke an und weiter geht es. Nun werde auch ich müde, die Uhr gibt auch mir eine 5.0 bei der Anstrengung. So wackeln wir beide mehr als wir gehen zurück zum Ramolhaus. Der letzte Gegenanstieg sieht wilder aus, als er ist. Gegen 17 Uhr sind wir wieder auf der Hütte. Das Abendessen wartet schon fast. Die Zimmer sind geräumig, wir schlafen früh ein. Der Schlaf ist laut Uhr aber wie zu erwarten wenig erholsam. So ist das halt in den Bergen. Das schreckt uns nicht!
Hinterer Spiegelkogel und Abstieg Obergurgl
Es war schon am Vorabend absehbar, dass wir keine Lust und Kraft haben, noch den Schlafkogel vor dem Abstieg anzugehen. Lenka hat uns den Hinteren Spiegelkogel empfohlen. Der Empfehlung wollen wir folgen. Wir schlafen aus, soweit das auf einer Berghütte möglich ist. Um 6:44 steht der Sonnenaufgang am Programm. Die Luft ist klar, der Morgen entsprechend kalt mit Temperaturen leicht unter Null. Heute sieht das Wetter tadellos aus.
Beim Frühstück lassen wir uns Zeit. Meine Schuhe stehen brav noch an ihrem Platz. Wir packen den Rucksack für eine kurze Tour. Renate hat sich ob ihrer gestrigen Tapferkeit eine rucksackfreie Tour verdient. Lenka erklärt uns noch einmal, wie wir auf einem alten und nur teils markierten Steig über den Ostgrat auf den Spiegelkogel gelangen können. Die Runde geht dann weiter im Abstieg über den Nordostgrat zum Ramoljoch und von dort zurück zur Hütte.
Der Aufstieg ist eine leichte und kurzweilige Kraxelei. Es macht richtig Spaß, in der Morgensonne den alten Spuren und den für mich als Rotsehschwachen längst verbleichten Markierungen zu folgen. Bald stehen wir am eigentlichen Grat zum Hinteren Spiegelkogel. Zwei, drei Stellen sind ein bisserl spannender, alles andere gestaltet sich einfach. Die Route am Grat ist genuss- und aussichtsreich. Nach gemütlichen eineinhalb Stunden erreichen wir das Gipfelkreuz. Nur am Horizont sieht man Wolken, sonst ist alles blitzblau. Sehr fein! Wir bleiben diesmal länger am Gipfel. In der Sonne ist es angenehm warm.
Zurück geht es den Teil am Grat, den wir schon kennen. Dort, wo wir im Aufstieg von der Hütte herauf zum Grat gelangt sind, folgen wir nun weiter dem Grat Richtung Ramoljoch. Auch diese Variante ist technisch nicht schwierig, erfordert aber sicherlich Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Zwei, drei Stellen verlangen Aufmerksamkeit. Kurzweilig und schön empfinden wir diesen Abschnitt.
Über das Ramoljoch führt der Zentralalpenweg auf der einen Seite nach Vent, auf der anderen Seite zu unserem Ramolhaus. Am Joch ist richtig etwas los, treffen doch mit uns sieben Bergsteiger aufeinander. Das ist ja fast ein soziales Event hier!
Der Abstieg in den Kessel, wo früher wohl der Ramolferner lag, ist bestens gesichert und mit Steighilfen versehen. Wir sind nun eben nicht auf einer einsamen Route sondern am Zentralalpenweg, quasi einer Autobahn in den Bergen. So sind wir rasch wieder am Ramolhaus, wo wir noch einmal zu Mittag essen, ehe wir nach Obergurgl absteigen.
Die Rucksäcke und die Bergschuhe sind schwer. Der Abstieg ist einfach, aber lang. Schafe stellen sich in den Weg, lassen sich aber vertreiben. An einer Stelle schießt Wasser über den Weg und bietet eine unerbetene Abkühlung. Wie da die Hüttenwanderer in ihren Turnschuhen trockenen Fußes drüber kommen? Ich weiß es nicht, bin aber froh, dass wir die schweren Schuhe anhaben.
Wieder in Obergurgl angelangt, buchen wir uns im Hotel Edelweiß & Gurgl ein. Wir waren in den Semesterferien hier. Rezeptionistin und Kellner meinen sich an uns zu erinnern. Das soll uns recht sein. Nach dem Abendessen fallen wir jedenfalls bald in tiefen Erholungsschlaf. Am nächsten Morgen dann noch eine Seilbahnfahrt auf die Hohe Mut, und damit endet dieser Ausflug. Für Nachmittag ist Regen angesagt und in den folgenden Tagen Schnee. Damit ist auch unsere Hochtourensaison vermutlich beendet.
Für Schalfkogel und Ramolkogel müssen wir ein weiteres Mal vorbeikommen. Hoffentlich passt das Wetter dann. Wir werden ausreichend Zeit einplanen. Dann sollten die beiden Gipfel auf meiner Liste erledigt werden. Schauen ma a mal!
Besten Dank vor allem an meine tapfere, wunderbare Begleiterin Renate!
Hohe Wilde und Eiskögele
Hohe Wilde (3.480m)
Gernot, Lydia und ich reisen nach Obergurgl. Gernot, der nur am ersten Tag dabei sein will, mietet in Obergurgl ein e-Mountainbike und radelt zur Langtalereckhütte. Lydia und ich nehmen die sieben Kilometer und 600 Höhenmeter zu Fuß in Angriff. Die Rucksäcke deponieren wir in Obergurgl. Sie werden am Abend zur Hütte transportiert. Die Hütte ist recht fein. Wir sind in einem der mit acht Betten größten Mehrbettzimmer. Aber auch das Zimmer selbst ist groß. Hier sollten wir es recht gemütlich haben.
Am Abend sitzen wir noch nach dem Abendessen beisammen. Weder Gernot noch ich haben diesmal ausreichend Zeit in die Planung investiert. Die Route auf die Hohe Wilde bzw. Hochwilde habe ich gar von Alpenvereinaktiv automatisch erstellen lassen. Lydia geht die Route im Geiste durch, und da entdecken Gernot und Lydia fast zeitgleich, dass da auch ein Klettersteig dabei ist. Der Hüttenwirt hat schon gemeint, dass wir eine lange Tour vorhaben. Ich frage wegen des Klettersteigs nochmal nach. Nein, den würde er auslassen, weil es dann für den Tag zu viel wird. Wir werden schon so zehn Stunden unterwegs sein. Was uns bei der Überschreitung erwartet, habe ich auch ausgelöscht. In den Beschreibungen stand etwas von Klettern bis II+ und fast durchgängigem Stahlseil. Das widerspricht sich meines Erachtens und mein Hirn hat dann all diese Herausforderungen auf „Sehen wir, wenn wir dort sind!“ reduziert.
Das Zimmer teilen wir mit einer Familie aus München. Ich entschuldige mich schon, dass der Wecker um fünf Uhr läuten wird. Das nimmt die gute Frau gelassen. Es ist, wie es ist, solange nur keine schweren Schnarcher dabei sind. Upps, da hat sie mit uns leider doch ein ziemliches Pech. Wir werden uns beherrschen!
So starten wir nach dem Frühstück um 05:30 kurz nach sechs in unser Abenteuer. Mit uns machen sich noch zwei Deutsche und ein Vater mit Sohn aus Tschechien auf den Weg. Anfangs läuft es gut, aber unterhalb dem zerstörten Hochwildehaus holen sie uns ein. Der Ruhrpott quatscht unentwegt. Anfangs amüsant, dann zunehmend nervig. Zwei Männer und endlos Belanglosigkeiten. Wir rasten beim Hochwildehaus lange, um dem deutschen Wanderradio Vorsprung zu geben. Das Hochwildehaus ist leider dauerhaft geschlossen. Die globale Erwärmung hat den Permatfrostboden, auf dem das Haus gegründet wurde, tauen lassen. Eine 2014 errichtete Stützkonstruktion sicherte es vorübergehend. Schade!
Am Gurglerferner machen wir uns fertig für den Gletscher. Spalten mag ich nicht zu erkennen. Schön ist er trotzdem. In weiter Ferne schaut die Hochwilde zu uns herunter. Das ist schon noch ein Stück. Da ist das gesprächige deutsche Team wieder. Ohne Seil aber mit Eile macht man sich auf den Weg. Auch wir starten, knapp gefolgt vom tschechischen Team. Es geht aufs Annajoch, das über die Jahre ausgeapert ist und damit einen Teil des Gurglerferners abgetrennt hat. Nun wird es auch mal steiler. Deutschland steigt direttissima auf und legt so auf bald 3.300m ein Kardiotraining hin. Wir gehen es gemütlicher an und erreichen wieder mit den beiden anderen Länderteams den Beginn des Fels.
Oh, was ist denn das? Das ist ein Klettersteig. Da sind wir aber ein bisserl überrascht. Ich erinnere mich, was ich gelesen habe. Aber das war verwirrend – Schwierigkeit II+. Wie soll das gehen, wenn es ein Klettersteig ist? Ein mäßig schwieriger Klettersteig soll es sein. Meine Meinung dazu: technisch ist der Klettersteig nicht schwer. Vielleicht sind da ein oder zwei C-Stellen dabei. Überwiegend ist die Schwierigkeit B/C. Die Herausforderungen sind wohl die Ausgesetztheit und die Höhe. Das macht den Steig für die eine oder den anderen spannend. Lydia behilft sich mit Gernots Selbstsicherungsgerät. Gernot verwendet selbst zwei Bandschlingen mit Karabinern. Ich spaziere ungesichert nach. Da werden die Profis jetzt schimpfen, dass Lydias und Gernots Sicherungen nicht den Anforderungen entsprechen und mangels Dämpfung sehr gefährlich sind. Besser als meine sind beide Varianten und psychologische Unterstützung bieten sie auch mehr.
Der Nordgipfel ist bald erklommen. Wui, ist der spektakulär! So ein kühner Gipfelaufbau! Leider kommen erste Wolken auf. Für ein paar Fotos reicht es noch. Wir genießen den Ausblick, aber machen uns dann doch zügig auf den Weiterweg. Wer weiß, was noch auf uns wartet!
Der Kamm vom Nord- zum Südgipfel ist fast durchgängig mit einem Stahlseil und mit einigen Tritthilfen versichert. Spektakulär ist das passende Attribut. Lydia blickt besorgt, klettert aber tapfer weiter. Wo das Seil endet, soll eine leichte Kletterei der Schwierigkeit II beginnen. Diese muss aber der Wind davon getragen haben. So erreichen wir den 3.480m hohen Südgipfel problemlos. Hohe Wolken türmen sich auf, Lydias Füße haben Blasen bekommen und die Deutsche Welle funkt auch wieder.
Ja, Deutschland weiß, wo man zum Langtalerferner absteigt. Der Abstieg macht mir ein bisserl Sorgen, weil als sehr steil und steinschlaggefährdet angekündigt. Bei den hohen Temperaturen ist das kein erfreulicher Ausblick. Ich frage beim deutschen Team nach, ob sie Ahnung haben. Klaro! Selbstbewusst weist man den Grat entlang und zeigt auf Markierungen. Mein Hinweis, dass dieser Weg doch zu einer italienischen Hütte führt, wird abgeschmettert. Da vorne halt links halten, ist doch nicht so schwer. Bescheidener und pragmatischer antwortet das tschechische Generationenduo auf die Frage nach ihrem Abstieg. „There is the hut!“ und zeigt mit einer Abweichung von 180° zur deutschen Variante.
Lydia erhält noch Unterstützung aus Deutschland in Form eines Blasenpflasters, ehe die deutschen Stimmen in Richtung Italien absteigend immer leiser werden. Tschechien wartet taktisch, wir starten. Schon nach wenigen Metern weichen wir scharf links von der deutschen Variante ab. Sogar Markierung sieht man hier und der Abstieg ist nicht annähernd so übel, wie von mir erwartet. Der Nebel hüllt den Langtalerferner und den Grat ein bisserl ein. Gut so, da sieht man das Übel nicht so. Auf der italienischen Seite ist das Wetter klar. Ebenso klar ist, dass von da unten kein Weg heraufführt. Mal sehen, wann die deutsche Sperspitze den Fehler einsieht und umgekehrt.
Der Übergang vom Fels zum Gletscher ist aufgrund des Rückgangs des Gletschers nicht ganz so einfach, weil steil und mit losem Gestein überzogen. Aufgrund der Steilheit entscheiden wir uns, ohne Seil zu gehen, bis wir im flacheren Teil sind. Hier heroben würden wir uns nur gegenseitig mitnehmen, wenn einer losrutscht. Gernot geht vor und sieht sich einer Gletscherspalte gegenüber. Hinter uns beobachtet Tschechien und – da schau her – Deutschland unser Tun. Ich höre, wie Deutschland laut kundtut, wie es die Sache besser angehen wird. Von Demut ist da keine Spur.
Am Seil führt dann Gernot tadellos durch den doch spaltenreichen Ferner Richtung Hütte. Die Spalten sind nicht groß, aber zahlreich. Es ist nicht herausfordernd, aber auch nicht ganz einfach. Zum Glück versteckt sich die Sonne. So ist der Schnee, der zwischen dem Blankeis liegt, nicht ganz so weich. Der Abstieg ist lange, aber irgendwann haben wir die steilen Passagen hinter uns. In sicherem Abstand sind uns die Teams gefolgt. Nun, wo es flach wird, überholt wieder Deutschland. Die beiden deutschen Kinder sind ein paar Jahre jünger als ich. Wir machen Pause und legen das Seil ab. Der Ferner fließt hier ein paar Kilometer noch das Tal hinaus. Das sollte ohne Seil entspannter zu gehen sein. Der Vater aus Tschechien bedankt sich, dass Gernot so brav als Erster über den Gletscher ist. Einer muss es ja tun, und er ist froh, dass er es nicht sein musste.
An der Gletscherzunge sind die drei Teams schon wieder beisammen. Wir haben das Seil aber schon versorgt. Vor allem wittert Gernot aber eine Chance, dass er den Zug nach Wien noch schafft. So eilen wir zur Hütte im Laufschritt und fliegen nach ein, zwei Kilometer an der Stempelstelle für den Langtalerferner vorbei. So alt sieht die Box noch gar nicht aus. Mann oh, der Rückgang der Gletscher passiert hier mit einer irren Geschwindigkeit. Wir sind mit großem Abstand als erstes Team nach über zehn Stunden zurück. Gernot springt aufs Rad und erreicht Bus und Bahn, Deutschland spricht nicht mehr mit uns.
Das war heute wirklich eine tolle, lange, abwechslungsreiche und lohnende Tour. Dringende Empfehlung!
Eiskögele (3.233m)
Mit Lydias Blasen ist wohl an eine Überschreitung des Schlafkogels nicht zu denken. So haben wir am Vorabend den Rucksack mit der Gletscherausrüstung gepackt und nach Obergurgl geschickt. Wir wollen das Eiskögele besteigen. Die Tour ist kürzer und eher ein Wanderberg mit tollem Ausblick, aber ohne Gletscherkontakt.
Wir schlafen aus und Lydia ist bis auf die Blasen wieder fit. Die meisten anderen Gäste sind schon weg, als wir uns fertig machen. Vor uns muss es wild zugegangen sein. Im Ergebnis sind meine Hochtourenschuhe weg. Die Story ist lustig, aber ich gebe sie hier nicht wieder. Gerne erzähle ich sie privat. Ergebnis ist aber, dass meine tollen Schuhe von Mammut weg sind. Stattdessen ist ein Paar über, dass eine Nummer kleiner ist. Sie sind nicht nur eine Nummer kleiner, qualitativ minderer und nicht voll steigeisenfest. Irgendwer ist also mit meinen schönen Schuhen auf und davon. Leider hat er sich bislang nicht gemeldet.
Lydia und ich besteigen das Eiskögele und sind zu Mittag wieder auf der Hütte. Nach dem Mittagessen machen wir uns auf den Fußweg nach Obergurgl. In Summe war das dann fast so viel wie die Überschreitung des Schlafkogels. Wir haben jeden und jede an diesem Tag wegen meiner Schuhe befragt. Wie gesagt, ich schreibe dazu hier nicht mehr. Es gilt die Unschuldsvermutung. Vielleicht hat derjenige die Verwechslung bislang nicht bemerkt. Mag ja sein, dass das jemand ist, der solche Schuhe nur einmal im Jahr trägt. Eigentlich ist das alles wenig glaubwürdig. Aber was macht man, wenn einer in der Gruppe nach einer Stunde, vielleicht auf dem Weg zu einer anderen Hütte, draufkommt, dass er die falschen Schuhe genommen hat? Dreht dann die ganze Gruppe um und riskiert den Tagesplan? Ich vermute, die Gruppe geht gemeinsam weiter. Vielleicht traut sich der Betroffene auch nichts zu sagen. Aber jetzt, wo das Wochenende und damit wahrscheinlich auch die Tour zu Ende ist, würde ich schon erwarten, dass der gute Mann beim Hüttenwirt anruft. Der hat meine Kontaktdaten. Ich würde mich freuen.
Haidsteig – Königschusswandsteig
Meine übliche Runde steht an. Es gibt wenig zu berichten. Der Haidsteig fällt mir richtig leicht. Ich brauche die Hände fast nur zur Stabilisierung. Die Arbeit leisten die Beine. So soll es beim Bergsteigen und Klettern sein. Ich verweile länger bei der Madonna. Im Steig ist kein Mensch, da habe ich meine Ruhe.
Den Abstieg zum Königschusswandsteig finde ich jedes Mal besser. Hier sitzen am Einstieg drei Burschen. Die haben den Haidsteig schon hinter sich. Oh, da hatte Ulli also schon Besuch. Die drei klingen so vernünftig, dass es mir schon fast unheimlich ist. Nein, nein auch das passt schon. Man lässt mich vor. Der Königschusswandsteig ist eine Stufe schwerer als der Haidsteig. Ich muss die Arme deutlich mehr belasten. Das Ingress-Portal erobere ich wieder. Alles muss seine Ordnung haben.
Nach dem Königschusswandsteig schaue ich bei der Neuen Seehütte vorbei. Na ja, kulinarisch ist es ein bisserl besser geworden, aber herkommen muss ich da nicht unbedingt. Die tschechische oder slowakische Betreiberin gibt sich Mühe. Sie nimmt die Bestellungen im Nebengebäude entgegen, schenkt Getränke in Einwegbechern aus und kassiert. In der eigentlichen Hütte liest der Mitarbeiter aus Nepal die Bestellung aus dem Bestellsystem aus, kocht und serviert. So läuft alles am Schnürchen, aber doch ein bisserl befremdlich. Früher ist Franz, der Pächter, mit zwei Mitarbeitern aus Nepal in der kleinen Küche gestanden. Nun verbringt der Koch alleine die Zeit. Trinkgeld sieht er wohl selten. Das ändere ich zumindest heute. Er freut sich.
Und dann steht da noch ein seltsames Schild: „Die Hütte wird mit dem Hubschrauber versorgt!“. Das will ich nicht glauben oder hoffen. Immerhin führt doch eine passable Straße zur Bergstation der Seilbahn.
Beim Bachingerbründl treffe ich einen Mann in langen Hosen. Er hat sich heute dem Preinerwandsteig gewidmet. Dazu schleppt er eine benzinbetriebene Bohrmaschine und all das, was man noch braucht, wenn man einen Klettersteig instand halten will, mit. Die lange Hose muss er ertragen, weil er sich sonst die Beine mit der heißen Bohrerspitze verbrennt. Ich probiere den Rucksack und vermag ihn gar nicht recht zu heben. Der freundliche Mann ist in meinem Alter, vielleicht ein paar Jahre jünger. Für Haidsteig und Königschusswandsteig ist er auch zuständig. Ich erfrage einen kurzen Grundkurs zum Steigbau und der Erhaltung eines solchen. Die Lektion für hier ist, dass man den Steig schont, wenn man vorrangig die Beine beim Klettern verwendet. Wer sich am Stahlseil hochhantelt, macht also nicht nur klettertechnisch einiges falsch, sondern strapaziert auch die Steiganlage über Gebühr.




