Hochschwab

Schon am Freitagnachmittag reisen wir zum Bodenbauer. Wir haben gerade noch ein Zimmer an diesem langen Wochenende ergattert. Der Samstag soll seit langem ein schöner sonniger Tag werden. Da nehmen wir auch etwas mehr Betrieb in Kauf. Wir schlafen sehr gut, auch wenn es recht hellhörig ist. Hellhörigkeit führt dazu, dass keine Ruhe ist, bis der letzte im Bett ist und keine Tür mehr zukracht. Und die Bettruhe endet, wenn die erste munter ist und erstmals die Tür zukracht. Oder ganz schlau, vor dem Haus bzw. vor der Hütte ganz leise flüstert. Die Absicht ist edel, die Wirkung gegenteilig. Egal, wir sind gut ausgeschlafen und nach einem feinen Frühstück zum Aufbruch bereit.

Wir sind wahrlich nicht die einzigen, die an diesem Samstag Richtung Hochschwab starten. Eine Gruppe mit geschätzt 15 Steirern startet zeitgleich. Ihr Leithammel ist mir schon an der Kaffeemaschine aufgefallen, nun befehligt er seine Begleiterinnen und Begleiter unabhängig davon, ob sie ihn dazu gewählt haben oder nicht. Im Laufschritt ziehen sie davon, um auf der Trawiesalm wieder eingeholt zu werden. Große Gruppen sind langsamer. An dieser Erkenntnis kommt man nicht vorbei.

Der Anstieg verläuft ohne Zwischenfälle. Die Wege sind in gutem Zustand, etwaige Schäden vom Winter längst behoben. Spätestens beim Vogauerkreuz sehen wir, dass einige Vorsteiger im G’hackten das Schneefeld links im Geröll umgehen. Wir werden das prüfen, wenn wir näher sind. Und siehe da, als wir beim Schneefeld sind, steigen vor uns zwei rechts davon auf. Das Schneefeld liegt über den Leitern und gibt nur ganz wenig von diesen frei. Aber das Stahlseil ist heraußen, das werden wir also schaffen. So quetschen wir uns zwischen Schneefeld und Fels immer höher. Eine Schnauferei ist das heute. Renate ist wieder fit, wir schnaufen gleich viel.

Nach dem Ausstieg dann noch Bekanntschaft mit einem älteren Kärntner, der mit seinem langsamen Partner unterwegs ist. Dass wir überholen, muss ihn hart getroffen haben. So klebt er sich an die Fersen und lässt seinen Partner im Stich. Ich frage, ob er vor will, aber das verneint er. Er ist so knapp hinter mir, dass ich große Versuchung verspüre, einen fahren zu lassen. Vielleicht bin ich ein bisserl hysterisch, weil ich gewohnt bin, dass wir meist den ganzen Tag kaum jemand treffen. Aber der gute Mann wäre mir auch in der Wiener Innenstadt zu knapp. Dann setzt er zum Überholvorgang an, sprintet vor, nur um sich zwei-, dreihundert Meter weiter demonstrativ wie ein Auerhahn auf einen Fels zu setzen. Er packt eine Jause aus und ein Buch, in dem er umgehend tief versinkt! Nur mit einem Auge prüft er, ob wir ihn eh bestaunen, wie toll er ist. Was für Gene, so ein toller Kerl!

Am Gipfel herrscht Stimmung wie an einem Badetag am Gänsehäufel. Aus allen Himmelsrichtungen strömen Bergsteiger herauf. Wir fotografieren, setzen uns abseits und lassen die Drohne ein bisserl herumfliegen. Wann hat man schon mal fast Windstille am Hochschwab? Renate bekommt noch ein kleines Präsent zur Motivation, ehe es zum Schiestlhaus geht. Essen, nochmal Fliegen mit der Drohne und dann Abstieg. Renate stimmt zu, dass wir die etwas längere Variante über den Graf-Meran-Steig und den Trawiessattel gehen.

Auch hier sind jede Menge Leute unterwegs. Erst am Aufstieg zum Trawiessattel wird es ruhiger. Murmel sind recht geschäftig. Sie erfreuen sich wohl auch der angenehmen Bedingungen. Am Trawiessattel studieren wir den Domeniggweg durch die Südwand. Der kommt bei einem der nächsten Besuche hier dran. Noch sieht man Schnee in der Wand. Aber das sollte gehen. Ein junges Paar macht sich um diese Uhrzeit mit langem Seil auf den Weg in die Wand. Offenkundig haben die Schwierigeres vor. Wow!

Um siebzehn Uhr sind wir wieder kurz vor dem Bodenbauer. Wir sind schon froh, dass wir es bald geschafft haben. Da höre ich eine vertraute Stimme hinter mir. Der morgendliche Leithammel ist auch zurück. Seine Truppe scheint mir ein bisserl dezimiert zu sein. Das scheint ihn nicht zu stören. Er muss jedenfalls auf den letzten Metern noch vor, weil er sonst keinen Tisch bekommt. Beim Bodenbauer erkennt er mich wieder und fragt nach den Bedingungen. Die Antwort interessiert ihn nicht sonderlich. Viel wichtiger ist, dass ich erfahre, dass sie übers Rauchtal runter sind und es echt geil war.

Wie auch immer, so schließt sich der Kreis. Wie waren acht Stunden auf den Beinen bei besten Bedingungen und sind jetzt mal ordentlich müde. Sehr fein und überaus erfreulich, dass Renate wieder fit ist. Neue Herausforderungen dürfen kommen!

Offensichtlich habe ich die Tour am Schiestlhaus irrtümlich gestoppt und gespeichert, so gibt es zwei Garmin-Tracks heute: Aufstieg und Abstieg.

MTB: Schöpfl

Alles wandelt sich. So bin ich von 2016 bis 2019 viel am Mountainbike im Wienerwald unterwegs gewesen. Dann folgten drei Jahre mit Laufen. 2023 und 2024 waren überwiegend Pause. Hüfte und Knie waren beleidigt und wurden teils ausgetauscht. Anfang 2025 zog das Neobike von Tacx/Garmin bei uns ein. Mit Renate habe ich schon 2024 wieder ein paar MTB-Touren im Freien gewagt und an diesem Sonntag hat es sich ergeben, dass ich alleine und ohne Mio daheim war. Da könnte ich doch Vergangenes wiederholen.

Der Schöpfl von daheim aus sollte gehen. Ich werde es mir ein bisserl leichter machen, indem ich die Route überwiegend auf festem Untergrund plane. Nur der Anstieg auf den Schöpfl und die Abfahrt sind auf unbefestigtem Untergrund.

Mit jeder Menge neuem Wissen gegenüber von vor sechs Jahren starte ich also an diesem Sonntag mit seinen optimalen Bedingungen. Ich habe im Rucksack eine Banane und Süßigkeiten, in der Trinkflasche ist purer Apfel-Ribisel-Saft. Die aktuellen Erkenntnisse, das sind im übrigen die Fehler von morgen, sagen, dass ich mir Kohlenhydrate und auch Zucker während der Aktivität reinziehen darf und soll. Fein, ich bin vorbereitet. Der Leistungsdiagnostiker hat meine Trainingsbereiche definiert. Ich weiß also, bei welcher Anstrengung ich durchhalte. Auch Garmin hat ausgerechnet, wann und wo ich wie stark treten solle. Selbst während der Tour rechnet es unentwegt, wie lange ich die jeweilige Belastung noch durchhalten werde. Das ist eine Ausstattung und Vorbereitung, die selbst für einen Profi von vor ein paar Jahrzehnten nicht selbstverständlich war. Da fällt mir die Geschichte von der Tour de France 1950 ein oder Vaters Erkenntnis aus seinen jungen Jahren: möglichst wenig trinken, um möglichst wenig zu schwitzen. Warum wenig schwitzen? Weil da Mineralien verlorengehen. Die hat er damals übrigens nachgefüllt, indem er auf Touren Salztabletten gelutscht hat. In den 40ern und 50ern hat man wohl andere Sorgen.

Heute fühle ich mich jedenfalls fit und starte Richtung Breitenfurt West, wo mich die erste Steigung mit maximal 15% erwartet. Auch der Anstieg in Gruberau kann mir nichts anhaben. Die Fahrer auf ihren Rennrädern sind natürlich schneller als ich auf meinem Mountainbike. Fast am Tag genau vor zwölf Jahren habe ich es mir gekauft. Da gibt es definitiv schon Besseres. Aber ich habe viel in die Reparatur investiert. Ich bin zufrieden.

Klausenleopoldsdorf und Schöpflgitter – es geht voran. Dann verlasse ich den befestigten Untergrund und biege nach rechts in die Schöpflklause und den Salygraben ein. Der Radcomputer sagt mir voraus, was mich erwartet. In regelmäßigen Abständen holt sich der Radcomputer übers Handy die aktuellen Winddaten, sodass er auch diesen Faktor berücksichtigen kann. Mit solch einem elektronischen Coach geht es also da hinauf. Je dunkler das Rot in der Vorhersage, umso steiler wird es. Anfangs sind noch hellrote und orangefarbene Auflockerungen dabei, doch irgendwann ist der weitere Verlauf durchgängig in einem dunklen Bordeaux-Rot. In diesem dunklen Abschnitt geht mir gar einmal die Luft aus. Es ist durchgehend über 15% steil und teils rutschig. Wenn man sehr fit ist, geht das einigermaßen auch ohne Absteigen. Na ja, ich erhole mich kurz, wirklich kurz, und radle weiter. Die Anzeige verkündet einmal gar 20% Steigung. Da sind die Winddaten unerheblich.

Die Warte schaffe ich auch noch irgendwie, obschon die Oberschenkel knapp dran sind, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Einen Streik kann ich jetzt nicht gebrauchen. Wieder beim Schutzhaus stolpere ich in eine Siegerehrung. Fast jede und jeder hält einen Pokal in der Hand. Ich gehe leer aus. Vielleicht bestelle ich mir einen eigenen Pokal am Abend auf Amazon.

Ich soll ordentlich essen und trinken, sagt der Sportwissenschaftler. Kaspressknödelsuppe, Linsen mit Knödel, Schokokuchen, ein Liter Hollundersaft, Wasser und Kaffee sollen mich wieder munter machen. Fürs Erste werde ich mal müde. Soll so sein!

Nach einer Stunde dann der Abstieg. Ich kann mich erinnern, dass mich Wilderes erwartet. An meinem Rad kann ich den Sattel ohne abzusteigen tiefer stellen. Der Luxus ist neu. Doch viel hilft das nicht, ich bin noch nicht ganz auf Touren und fahre den Steig nach Forsthof runter. Der ist steil, mit Wurzeln versorgt und durch große lockere Steine erschwert. Das ginge alles noch irgendwie, wären da nur nicht so viele Wanderer an diesem Sonntag. Die meisten sind deutlich älter als ich. Das wären Schlagzeilen, wenn ich als „Junger“ so ein paar Schneekugeln abräume.

Ein paar Mal steige ich also ab. Einmal ruft mir gar einer zu: „Da hast dir aber nicht den besten Steig für die Abfahrt ausgesucht. Ist wohl besser, wenn du absteigst! Zahlt sich nicht aus.“. Ich steige ab und stimme ihm zu: „Ja, da hast Recht. Für den Scheiß bin ich wirklich zu alt!“.

Weiter geht’s durch Ansiedlungen, die mir alle nichts sagen, wie Pamet, Höfer und Edhof, Richtung Innermanzing. Immerhin gibt es Innerfurt mit und ohne h am Ende. Ich staune! Staunen lässt mich auch, dass es dauernd bergab geht. Ja, bin ich so viel raufgeradelt?

Nach Außerfurt dann die Westautobahn. Yeah, das sollte ich schaffen. Der Computer sagt, dass ich noch 15 Kilometer durchhalte. Ui, sind aber noch 26! Ziemlich guter Rückenwind treibt mich an. Hoffentlich hat das Garmin diesen nicht schon eingerechnet. Gerade sind erst die neuesten Winddaten reingekommen. So beschließe ich, die Tour ein bisserl zu straffen. Selbst die kleinen Umwege, um auf Radwegen zu fahren, lasse ich aus. Jetzt mache ich auf Straßenrennfahrer. Immerhin kann ich den letzten Anstieg, den Roppersberg, nicht auslassen. Da muss ich rauf.

Die Änderungen tragen Früchte. Am Wienerwaldsee sind es noch knapp zehn Kilometer und ich habe noch Energie für sieben. Am Wienerwaldsee findet heute der „Art Walk“ statt. Wirklich übel spielende Blasmusiker stehen da am Wegesrand und lenken die Besucher ab. Die ausgestellten Bilder an den Zäunen sind um nichts besser. Die Krönung dann die tanzenden Gauklerinnen. Mann oh, der Hindernislauf hier raubt Energie. Meine elektronische Klingel ertönt schrill, aber bis ich sie auf dem kleinen Touchscreen gefunden habe, habe ich schon ein paar Besucher umgekegelt.

Nach der Autobahnbrücke gilt endlich wieder freie Fahrt, und ich stehe überraschend bald am „Roppersbergpass“. Meine persönliche Tankanzeige sagt noch drei Kilometer, während noch gut vier Kilometer vor mir liegen. Also, Ohren ausklappen, Rückenwind nutzen und bergab Richtung Breitenfurt-Ost-Ende!

In der Liesingtalstraße bin ich kurz versucht zu erkunden, was passiert, wenn ich jetzt noch ein paar Kilometer weiterfahre. Aber die Waden und Oberschenkel haben ich sich zusammengetan. So brav haben sie duchgehalten. Da will ich es mir nicht verscherzen.

Tadelloser Tag und stolz, die Runde geschafft zu haben!

Die Tour auf Garmin

Nandlgrat

Und schon wieder der Schneeberg. Heute starten wir beim Sessellift in Losenheim. Wir sind Renate, Gernot, Mio und ich. Der Windbruch behindert auf dieser Strecke kein bisschen. So ist der Aufstieg ohne jede Komplikation. Ganz oben hat es geschneit. Wir haben deswegen und wohl ahnend, dass wir sie nicht brauchen werden, die Grödel eingepackt. Aber kalt könnte es werden, auch wenn wir uns schon in der zweiten Maihälfte befinden.

Unser Aufstieg verläuft heute durch mehrere Klimazonen. Unten herrschen noch Temperaturen, die mir ein Gehen im T-Shirt erlauben. Aber am Plateau ist es winterlich kalt. Der Aufstieg selbst ist ausreichend oft beschrieben. Nichts hat sich geändert. Die Bedingungen sind optimal. Der Schneekontakt ist bis zum Plateau minimal und am Plateau egal, solange man nicht in Turnschuhen unterwegs ist.

Michl, der Hüttenwirt der Fischerhütte, staunt nicht schlecht, dass ich schon wieder da bin. So macht er zumindest etwas Umsatz an diesem wahrlich ungewöhnlich unwirtlichen Maitag. Runter geht es den Fadensteig. Hier kommen uns auch tapfere Wanderer in Jogginghosen und Turnschuhen entgegen. Was muss das für ein Genuss auf den Fußsohlen sein!

Am Nandlsteig muss Mio einmal gehoben werden, am Fadensteig zweimal. So weit zur Frage, ob diese Steige mit Hund zu machen sind. Ab der Edelweißhütte bestaunen wir noch den Bau der MTB-Strecke. Uh, das sieht wild aus, und ich bin froh, dass ich sie weder testen noch benutzen muss. Hier müssen andere ran!

Weiterer tadelloser Bergausflug zum Sammeln von Höhenmetern und Ausdauer. Renate geht es auch besser. Wir machen uns fit für größere Herausforderungen. So soll es sein!

Die Tour auf Garmin

Novembergrat

Renate fehlt es mutmaßlich am Eisen, Mio sicher an den Hormonen der Schilddrüse. So parke ich mit meiner nicht hundertprozentig fitten Truppe beim Schwabenhof oberhalb des Schneebergdörfels. Ich hole mir höflich das Okay für mein Parken ein. Denn so richtig sieht das hier nicht nach einer offiziellen Parkmöglichkeit aus.

Der Wind hat letzten September den Wald vernichtet. Auf den Karten ist ein riesiges Sperrgebiet eingezeichnet. Der Grafensteig ist vollständig gesperrt. Das wird spannend, schauen ma a mal!

Der Aufstieg durch den Schneidergraben ist erwartungsgemäß zäh. Renate hängt am letzten Teil des Grabens gar schon an den Stöcken, ein wahrlich ungewohnter Anblick.

Wir biegen nach rechts in den Grafensteig, der wahrlich in abenteuerlichem Zustand ist. Wir haben nur ein kurzes Stück zu bewältigen. Doch von diesem ist nicht viel übrig. Man stolpert weglos dahin. Das ist in diesem Gelände kein Spaß. Dort, wo es steiler ist, ist es vermutlich gar gefährlich! Spuren zeigen, dass sich hier schon andere, seien es Wanderer oder Forstarbeiter, abgemüht haben. Markierungen zeigen, wo der Weg mal war. Genuss ist das keiner. Die erwartete Quelle verpassen wir, ich gehe aber zurück, um für Mio Wasser zu holen. Ein schmuckloses Rohr kommt aus dem Boden und ergießt das Quellwasser ins Chaos. Jede Menge Schlauchrollen belegen, dass hier gearbeitet wird. Oh, da liegt noch viel Arbeit herum.

Auch der schöne Ausblick, an dem der Novembergrat nach links oben abzweigt, ist arg hergenommen. Die Bäume liegen wie umgeknickte Streichhölzer da. Wir rasten und staunen.

Der Novembergrat ist nur anfangs vom Windbruch betroffen. Bald sind wir über Wald- und auch Baumgrenze. Der Steig ist nicht immer leicht zu finden. Bleibt man am Grat, kann aber nicht viel schiefgehen. Weiter oben werden meines Erachtens die Markierungen wieder reichlicher. Blass sind sie allemal.

Mio schafft alle Felsstufen und kleineren Kraxeleien mühelos. Lediglich einmal muss ich ein bisserl mithelfen. Wahrscheinlich hätte er diese Felsstufe aber auch umgehen können.

Der Zustand meiner beiden Begleiter hat sich leider nicht verbessert. Auch die Erkenntnis, dass Renates Route am Plateau den heutigen Höhepunkt erreicht und meine Route noch die Fischerhütte vorsieht, erhellt die Stimmung nicht. So entscheiden wir, dass Renate und Mio den Waxriegel besteigen werden, während ich zur Fischerhütte zische. Heute hat diese den ersten Tag in dieser Saison offen und außerdem sind die drei Ingress-Portale dort oben schon viel zu lange in blauer Hand.

Ich zische los, soweit man da von Zischen reden kann. Knapp vor der Hütte sehe ich Gernots Vater. Ich rufe: „Norbert!“. Da wundert sich jemand. Noch ein paar Meter näher und noch einmal: „Norbert!“. Wieder sehe ich erstauntes Kopfdrehen, aber dann erkennt er mich und lacht. Er hat sich die Zahnradbahn gegönnt und ist zur Fischerhütte aufgestiegen. Jetzt geht es wieder zum Bahnhof zurück. Tapfer! Ein Selfie schießen wir.

Auf der Hütte begrüßt mich Michl, der Wirt, mit einem: „Na servas, wie schaust ’nn du aus? Im Winter nix trainiert? Hehe!.“ Beim obligatorischen „Was willst ’nn trink’n?“ erinnert er sich, dass ich ja einer der beiden Langeweiler bin. Gernot, ebenso wie ich ein Verweigerer des Schnapsels, lässt er auch gleich grüßen.

So, jetzt noch zum Kaiserstein. Die Portale sind im Schnelldurchgang zurückerobert und weiter geht’s zum Damböckhaus, wo Renate schon wartet. Schon am Weg zum Gipfel ist ihr Mio abgehauen und hat sich mit Genuss in Gülle – ja, auch die hat irgendwie da heraufgefunden – gewälzt. Er stinkt in kaum auszuhaltendem Ausmaße. Die Hütte wurde renoviert und ist gerade in Fertigstellung. Schön ist es geworden, wirklich überraschend fein. Auch das Essen ist sehr gut. Renate meint gar, dass es der beste Topfenstrudel auf einer Hütte ever war. Wäre da nur nicht Mio, der bei jeder Bewegung einen Schwall loslässt, der einem den Atem raubt. Zum Glück schläft er. So ein Genießer!

Der Schneidergraben wäre die kürzeste Variante, um zum Auto zu gelangen. Aber Renate mag das Abfahren im Geröll nicht und für Mio wäre es vielleicht oder wahrscheinlich eine Qual an den Pfoten. Eigentlich überrascht er oft, wie er locker nimmt, was man ihm nicht zutraut. Wir ersparen uns jedenfalls den Schneidergraben und spazieren zur Elisabethkirche und von dort zur Haltestelle Baumgartner. Vor der Adolf-Kögler-Hütte geht es dann links runter ins Mieseltal. Am Talboden angekommen schneiden wir elegant, aber nicht nachzuahmen, Richtung Schwabenhof ab. Dabei macht Mio noch Bekanntschaft mit einem kräftigen Fuchs, der aber kein bisserl an einer näheren Bekanntschaft interessiert ist.

Tadellose, längere Tour!

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Haidsteig

Lydia und Nico sind da und wollen den Haidsteig gehen. Es ist Wochenende und am Nachmittag ist Regen möglich. Zwei gute Gründe, nicht allzu spät zu starten. Um neun Uhr sind wir am Parkplatz in Griesleiten und der ist voll. Also, man findet noch diese „Da kann man schon auch stehen, oder?“-Parkplätze. Doch diese werden auch bald weg sein.

Der Zustieg ist gemütlich, und wir treffen erstaunlich wenige Menschen. Da kommen wohl nicht alle her, um zu kraxeln. Wie Lydia am Klettersteig unterwegs ist, weiß ich ja schon. Aber, wie es Nico geht, habe ich mich nicht getraut zu fragen. Das war ein Dilemma, denn einerseits gehört es zu einer ordentlichen Vorbereitung, anderseits: darf man das einen Schweizer fragen? Sind die nicht in Felswänden oder Steilabfahrten geboren? Wir besprechen das also am Zustieg. Nico muss eine Variante im Schweizer Genom haben. Die Höhe im Allgemeinen und Leitern im Speziellen sind nicht so sein Ding. Okay, das bekommen wir hin!

Am Einstieg spielen sich Szenen ab, die an die Fotos vom Hillary Step am Mount Everest Mitte Mai erinnern. Die Leute sind halt leichter gekleidet und kaum einer, oder keiner, hat ein Sauerstoffgerät. Trotzdem staut es. Bunt ist es, schön anzuschauen ist es. Und dann höre ich seltsame Geräusch. Da mag sich doch einer, der wohl gerade den Kopf weit im Nacken hat, um die Wand zu studieren, durch einen Ausritt in eine Geröllrinne unerlaubt von der Truppe absondiert haben. Ich sitze da, schlüpfe gerade in meinen Klettergurt und staune nicht schlecht. Schon sehe ich nur noch einen Arm vom Abtrünnigen. Auch die anderen stehen herum. Niemand eilt zur Hilfe, vielleicht ist der Platz in der Schlange zu wichtig. Vielleicht soll sich jemand anderer darum kümmern. Sachen gibt’s!

Dann kommen auch wir dran. Als bunte Perlen in der Kette steigen wir los. Nico ist anfangs respektvoll, ehe das Selbstvertrauen einschießt. Der Weg ist leicht zu finden: „Immer dem Seil nach!“, und so steigt er vor. Na ja, wir sind wie schon erwähnt mittendrin. Vor uns geht nicht viel weiter und hinter uns klebt ein tschechischer Grünhelm so knapp an Lydias Fersen, dass ich kaum brauchbare Fotos zu schießen vermag. Also, Mio hält definitiv respektvolleren Abstand, auch wenn man Leckerlis in der Tasche hat.

Wir sind jedenfalls nicht Ursache für den Stau und werden auch nicht abgebremst. So genießen wir die Tour. Die Einsamkeit und das Gefühl des Auf-sich-gestellt-Seins erleben wir heute nicht.

Bei der Madonna sind die technischen Schwierigkeiten weitgehend erledigt. Lydia erinnert sich gar nur noch an ein Geröllfeld und ein bisserl Aufstieg, was da folgen wird. Oh, da spielt ihr die Erinnerung aber ein bisserl einen Streich. Jetzt gibt es erst einmal Besuch bei Ulli. Die ist gut abgelenkt. Es sind so viel Leute heute hier. Da bleiben wir dann doch nicht lange.

Weiter geht’s über die Demutsleit’n. So nenne ich den der Madonna folgenden Abschnitt. Technisch leicht und unversichert treibt mir der Abschnitt jedes Mal den Puls in die Höhe. Irgendetwas treibt auch Nico in die Höhe. Bald sehen wir in nur noch weit über uns. Ja, der Stau hat sich gelöst. Nico wird sich in Jahren erinnern, dass der Steig okay war, er aber oben dann doch auf die zwei Österreicher warten musste. Das sei ihm vergönnt.

Wir erreichen das Plateau und wandern zum Kreuz weiter. Was für ein Tagerl! Die Optionen Königschusswandsteig und Holzknechtsteig werden abgelehnt. So steigen wir über den Göbl-Kühn-Steig zum Waxriegelhaus und nach einem Mittagessen zum Auto ab. Beim Abstieg dann Blitzen, Donnern und erste Regentropfen. Aber hallo! Bergfex meinte in der Früh noch Null Prozent Regenwahrscheinlichkeit. Meine verlässlichste Quelle, Meteoblue, hat die Gewitter für den Nachmittag mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhergesagt. Kurz vor dem Auto kommt Wind auf, daher Laufschritt! Beim Einsteigen dann starker Regen, im Auto sitzend dann Platzregen. Wow, das nenne ich ein Timing. Der Parkplatz ist noch gut gefüllt und die Straße vom Parkplatz raus auch. Da werden wohl einige nass werden, aber wir hatten Glück und eine definitiv feine Tour!

Die Tour auf Garmin

Großer Sonnleitstein

An diesem Fenstertag geht es nach Hinternaßwald. Wir haben uns den Großen Sonnleitstein ausgesucht. Er soll ein Geheimtipp sein. Am Internet finde ich gar den Ausdruck „Matterhorn der Wiener“. Aber ich denke, da macht sich jemand über die Bewohner der Bundeshauptstadt lustig.

In Hinternaßwald stehen einige Autos, für einen sonnigen Fenstertag im Mai ist es überschaubar. Neben uns macht sich ein Paar in ähnlichem Alter fertig. Sie wollen dieselbe Route gehen. Und noch ein drittes Paar ist da. Ja, aber hallo! Wie geheim ist denn der Geheimtipp?

Die Sonne brennt runter, auf der Schotterstraße ist es wärmer als angenommen. Da überholen uns die Gleichaltrigen, Renate nimmt die Herausforderung an. Nach der Forststraße geht es im Wald recht klar und gerade einer Linie folgend steiler werdend bergauf. Erst denke ich, dass wir die Wanderung ja machen, um fit für die Berge zu werden, aber dann habe ich doch Sorge, dass sich das nicht ganz ausgehen wird. Ich gehe vor und bremse. Das Tempo ist noch immer zügig.

Nach dem steileren Abschnitt im Wald geht es dann flacher dahin. Der Gipfelaufbau ist schön, obschon „Matterhorn“ ein bisserl gar hochgegriffen ist. Am Gipfel sind die drei Paare wieder vereint. Ich denke, wir sechs sind aber an diesem Tag doch die einzigen. Der Zufall hat uns einfach zusammengewürfelt.

Renate zahlt den Preis des schnellen Starts mit leichter Erschöpfung. Auch Mio scheint nicht ganz fit. Aber so sitzen wir da und schauen ins weite Land. Von der Jause gehören Weckerl und Gemüse mir, Mio nimmt den Schinken. Kurz, alles friedlich.

Der Abstieg über die Ameis-Wies-Hütte ist ein bisserl vom Windbruch behindert. Auch merkt man, dass die Gegend hier selten begangen wird. Der Steig ist nicht sonderlich gut ausgetreten. Entsprechend ist es abschnittsweise ein bisserl mühsam. Technisch ist es natürlich kein Problem.

So kommen wir nach gut vier Stunden Gehzeit wieder zum Auto zurück. Alles in allem eine feine Wanderung in abgelegener Gegend. Der Zufall hat uns vier Begleiter geschickt. Sonst vermute ich, ist es hier sehr ruhig. Fein war’s!

Die Tour auf Garmin

Klettersteig Hilde

Ganz schön lange zieht sich die Stoderzinken Alpenstraße von Gröbming zum Parkplatz der Rosemialm herauf. Wir sind an einem Montag in der Zwischensaison hier heraufgefahren. Entsprechend leer ist der große Parkplatz. Der Ausblick war schon während der Anfahrt beeindruckend.

Grödel brauchen wir keine, hätten wir eh daheim vergessen. Aber die festeren Schuhe nehmen wir statt der Zustiegschuhe. Das macht das Kraxeln ein bisserl schwieriger, aber wer weiß, vielleicht verbirgt sich in einer steileren Rinne Schnee. So viel sei vorweggenommen, der Steig ist am 28.4.25 schneefrei. Die Sonne brennt in den Südhang und auf über 1.800m herrscht T-Shirt-Wetter.

Der Zustieg führt erst kurz bergauf, ehe es runter geht. Kurz ist der Zustieg. Auch in aller Gemütlichkeit brauchen wir nicht mehr als 35 Minuten. Nach einem kurzen, einfachen Geröllfeld wartet der Einstieg. Sogar ein schattiges Platzerl gibt es fürs Anlegen von Helm und Klettersteigset.

Der Einstieg ist ein B/C. Erstaunlich, was sich zwischen den Latschen hier findet. Der Fels ist warm und super griffig. Alles sieht nach komfortabel aus und trotzdem geht es gleich merklich los. Renate schnauft – was ist denn da heute los?

Weiter geht es einerseits harmlos zwischen den Latschen und anderseits spektakulär unter einem Überhang dahin. Da hat sich jemand bei der Routenwahl Mühe gegeben. Die Klammernwand ist dann erstmals spannend. Es geht da wirklich senkrecht in die Höhe. Aber die in die Wand geschlagenen Bügel sind beachtlich. Da steht es sich wie auf einer Leiter beim Apfel pflücken. Mit Übung kann man das alles mit wenig Armkraft und nur „aus den Beinen“ gehen. Mit weniger Übung schnauft man da schon ganz schön. Nach ein paar einfacheren Stellen geht es dann in C/D weiter. Wieder Senkrechte, große Bügel und Armbelastung je nach Übung. Fels, Ausblick und Landschaft sind überaus edel. Fein für den, der es genießen kann.

Nach diesen Herausforderungen haben wir ein bisserl die Orientierung verloren. Wir meinen, dass der Ausstieg bald erreicht sein müsste. Aber der Höhenmesser meint, dass wir gerade mal die Hälfte haben. Juchhu, nochmal so viel Freude. Oder, Mist nochmal so viel – das kommt ganz auf die Situation an, in der man sich befindet. Renates Zustand hat sich deutlich verbessert, Garmin gibt ihr zur Sicherheit trotzdem schon mal 4,8 für die aerobe Leistung. Ob sie den Fünfer noch schafft?

Da wir dem Höhenmesser nach den nächsten Latschen beim Blick auf die Höhlenwand Recht geben müssen und wir tatsächlich eher in der Mitte sind, erledigt sich auch das Thema mit dem Fünfer rasch. Renate kämpft tapfer.

Wieder Latschen und dann der Blick auf den Plattenpfeiler! Wau, der sieht auch cool aus. Wieder ist die Wand mit ausreichend Stahl versehen. Die Schwierigkeit ist meines Erachtens somit mit C bzw. B/C richtig angegeben. Das ist auch irgendwie cool, da man bei mittlerer, technischer Schwierigkeit viel Luft unter Sohlen und Hintern bekommt.

Nach diesem Pfeiler rückt das Ende spürbar näher. Die eine oder andere Felsstufe wird noch gekraxelt, ehe der Steig sein Ende findet. Ein paar Minuten und wir stehen beim Gipfelkreuz des Stoderzinkens! Renate hat sich schnell wieder aufgeladen. Fröhlich über den Erfolg wird gescherzt und gelacht.

Runter geht es dann übers Friedenskircherl überraschend kurz zum Parkplatz zurück. Unsere Iduna lädt sich die steile Mautstraße runter fast so schnell auf wie Renate. Wir fahren zurück ins Schlosshotel Pichlarn, wo wir den Nachmittag vertrödeln. Tadellos!

Zusammengefasst: Der Hilde Klettersteig ist ein ganz toll gemachter Steig. Bei mittlerer Schwierigkeit kann man Pfeiler und Wände erleben, die ohne die fetten Stahlhilfen für die Allermeisten unerreichbar sind. Für Anfänger und Kinder ist das aber trotzdem alles nichts. Wer wenig Erfahrung hat, wird die Arme spüren. Wer noch nicht fertig ausgewachsen ist, wird mangels nötiger Arm- und Beinlänge ordentlich gefordert. Das kann man mit Erfahrung leicht kompensieren. Aber Kindern fehlt eben oft beides. Und dann ist da noch die Höhe. Die Ausgesetztheit sollte einem nichts ausmachen. Sonst, so kann ich mir das vorstellen, wird es einem hie und da ein bisserl mulmig werden.

Für uns war es ein superedler Tag. Ende April im T-Shirt hatten wir eine Genusskraxelei der Sonderklasse. Bei diesen Bedingungen ist der Steig eine klare Empfehlung.

Die Tour auf Garmin

Soma Bay


Zu den Fotos


Jasmin lernt für die Matura, Carina will in die Welt hinaus. So buchen wir kurzfristig über TUI das Steigenberger Ras Soma in Ägypten etwas südlich von Hurghada. In vollem Vertrauen auf TUI buchen wir ein Paket inklusive Flug. Bei näherer Betrachtung ein paar Tage vor Abflug erkenne ich, dass wir mit Nesma Airlines fliegen werden. Kenne ich nicht. FlightAware kennt es ebenso wenig. Komisch! Beruhigend ist, dass Google nichts über einen Absturz zu berichten weiß. Verstörend sind der Durchschnittswert der Rezensionen mit unter drei Sternen und die häufige Einleitung mit „Nie wieder Nesma Airlines“ oder „Mit jeder anderen Fluglinie gerne“. Prompt verschiebt sich die angekündigte Abflugzeit nach hinten. Aber wir sind vorbereitet. Letztlich ist der Flug gut. Wir kommen irgendwann in Hurghada an, werden in einem Privattransfer chauffiert und bekommen gegen zwei Uhr morgens unsere Zimmer. Meer und Pool sieht man wie versprochen. Also, das Meer ist in weiter Ferne und durch eine Baustelle von uns getrennt. Der Poolblick ist ein Blick auf den privaten Pool des Zimmers im Erdgeschoss unter uns. Fein, da kann ich morgen den Nachbarn vom Balkon aus Tipps zum Entspannen im eigenen Pool geben. Auch hat sich ein leichter Geruch über das Zimmer gelegt, der definitiv nicht lecker ist. Renate will das Zimmer tauschen. Ich sehe das als chancenlose Übung an. Es sind Osterferien, und fürs Erste will ich schlafen. So auch Renate.

Aber gleich am nächsten Morgen hat Renate dann auch prompt zwei Zimmer im zweiten Stock mit echtem Meer- und Poolblick organisiert – Respekt! Das ruhige Zimmer nach hinten raus bleibt damit anderen Gästen. Für uns geht es ab jetzt bergauf, die Zimmer sind edel!

Die gesamte Anlage ist fein, hier kann man es aushalten. Wir buchen zwei Ausflüge und machen drei. Der erste Ausflug geht mit einem Boot ins Naturschutzgebiet „Mahmya“, was so viel wie Paradies heißt. Selten habe ich so ein gut organisiertes Paradies gesehen. Wir werden der Gruppe „Nemo“ auf einer mehrstöckigen Yacht mit einigen anderen deutschsprachigen Gäste zugeteilt. Es gibt viele Yachten mit vielen Fischgruppen.

Mohammed wird sich um uns kümmern. Er stellt uns den Tagesablauf vor. Ein bisserl viel Information für mich. Irgendwo gibt es eine Schnorchelausgabe und dann Essen, aber auch Freizeit und überhaupt.

Unser Ankern und Übersetzen ins Paradies erinnert mich ein bisserl an D-Day Szenen, als die Alliierten in der Normandie landeten. Okay, auf uns schießt keiner. Aber keine drei Schritte an Land und wir sind auf uns allein gestellt. Wie die anderen Invasoren ziehen wir zur Schnorchelausgabe. Das hat ja mal geklappt. Jetzt folgt vermutlich die Suche nach dem Plätzchen im Paradies. Mohammed, der Hirte der Nemos, ist verschollen.

Jede Menge Matratzen mit Sonnenschirmen liegen im Paradies bereit. Oberösterreicher, die wir von unserer Yacht kennen, und wir haben uns zur Österreicher-Fraktion zusammengetan. Auf uns selbst gestellt wollen wir uns platzieren. Weitgefehlt, der Chef-Nemo einer anderen Fischgruppe vertreibt mich lautstark. Hier sind die Barrakudas. Das fühlt sich auch so an. Ich komme mir vor wie ein Robbenbaby, dass seine Mama unter den tausenden Tieren verloren hat und nun von den anderen Robbenweibchen weggescheucht wird.

Aber jeder Fischartenchef hat einen Oberchef. Und der ist in dem wilden Treiben nicht nur am langärmeligen weißen Hemd leicht zu identifizieren. Ihm ist das Handy schon am Ohr angewachsen, sodass er es nicht mehr halten muss. Er fuchtelt, schreit ein bisserl und organisiert derart das einmalige Erlebnis im ägyptischen Naturschutzparadies auf nächsthöherer Ebene. Ja, wie den unser Fischhäuptling aussieht? Scherzfrage, für mich sehen die alle ja irgendwie gleich aus. Dass unser Offizier des Tages Mohammed heißt, hilft auch nicht. Wir sind verloren! Doch dann passiert ein Wunder: die anderen deutschsprachigen Nemos marschieren geführt von ihrem Mohammed, also unserem Mohammed, am Wasser vorbei. Er beweist sich mittlerweile als großer Redner, seine Schützlinge haben sich an seine Fersen geheftet. Wir wurden schon vermisst.

Die Einteilung in zwei Nemo-Reihen lasse ich geduldig über mich ergehen. Da schau her, wir bekommen die Plätze in der Front Row unseres Matratzenabschnitts. Vielleicht möchte uns Mohammed auch besser im Blick haben. Mit Schmunzeln beobachte ich noch, wie Deutsche neben unserer Zweierreihe Matratzen belegen wollen. Aber das Paradies toleriert keine Vermengung der Fischarten. Husch, husch – zurück in eure Reihe. Okay, ein bisserl Fauchen ist auch dabei.

Wir schnorcheln, was bis auf die Wassertemperatur eine feine Sache ist. Das Essen ist bestens organisiert. Es gibt unter anderem Fisch. Ich glaube, Clown-Fische kann man nicht essen. So fühle ich mich als Tagesmitglied der Nemo-Gruppe wohl. Anderen Fischgruppen mag es da nach dem Motto „Dorade isst Dorade!“ unangenehmer ergehen.

Der Tag ist insgesamt kurzweilig. Das Paradies ist bestens organisiert, es gibt nichts zu meckern. Bei der Abfahrt zur Rückkehr nach Hurghada verabschiedet uns noch eine Katze. Sie sieht unserer Cookie recht ähnlich. Bald wird es wieder ruhig im Paradies sein. Dann kann sie sich um die Fischreste kümmern. Wir schaukeln gemächlich in den Sonnenuntergang. Alles gut!


Zwei Tage später holt uns ein größerer Bus zu unserer zweiten Tour ab. Wir sind auf der VIP Elite Tauchtour eingebucht. Achmed nimmt uns im Bus als erste Gäste in Empfang. Er ist in meinem Alter, was in Ägypten schon ein bisserl ungewohnt ist. Mit Hilfe von Google habe ich auf Arabisch als Gruß „Einen Morgen voller Licht!“ einstudiert und erweiche damit auch Said, den Busfahrer. Er war früher LKW-Fahrer und ist bis nach Riad gefahren. Bald weiß ich alles. Kurz, ich kapere den Bus.

Mit jedem Zwischenstopp in einem der anderen Ressorts füllt sich der Bus weiter und Achmed drängt sich in den Vordergrund. Kaum sind wir komplett, präsentiert er seine eigentlich Bestimmung. Er hat definitiv das Zeug zum Einkaufsfahrtenverkäufer. Aber erst am Boot, einer edlen mehrstöckigen Yacht, legt er noch einmal einen Gang zu. Er spricht schneller Deutsch, als er es kann. Ich verstehe Bruchteile und habe unentwegt Sorge, dass ich dem Kauf von zwei Heizdecken, drei Nackenkissen und einer Herde Kamele zugestimmt habe. Jeder Mitarbeiter an Board wird vorgestellt. Da sind die Crew fürs Schiff, der Koch, der Kellner, die drei Schnorchel-Guides, zwei Fotografen usw. Wir haben laut Achmed Glück, denn normalerweise sind doppelt oder dreimal so viele Touristen an Board. Kaum fühle ich mich wie ein echter Multimillionär auf seiner Yacht, verweist mich Renate auf das Gluckern des vermutlich riesigen Dieselmotors. Uh, sind nicht Yachten die Klimasünder schlechthin? Meine CO2-Bilanz ist wieder einmal vernichtet. Uje, da gebe ich mich schnell wieder Achmeds HSE24-Dauerwerbesendungsredeschwall hin. Das malträtiert die Ohren, aber übertönt den Dieselmotor.

An drei unterschiedlichen Stellen des Riffs schnorcheln wir. Das Wasser ist noch immer kalt. Das Riff dafür umso schöner. An Board wird gekocht und gut gegessen. Der Fotograf glänzt mit einer Spiegelreflexkamera und weiß, wie man Touristen in Pose rückt. Für einen ägyptischen Monatslohn kann man die Fotos dann kaufen. Okay, in Kashoggi-Stimmung tut man das auch. Auch dieser Ausflug ist kurzweilig und eine Empfehlung. Wieder geht es im Sonnenuntergang nach Hurghada zurück. Said – was hat er eigentlich den ganzen Tag getan? – führt uns noch zur größten Moschee Hurghadas, die wir vom Bus aus bestaunen dürfen. Achmed hat mittlerweile eine rekordverdächtige Redegeschwindigkeit erreicht. Er ist aufrichtig freundlich, lädt uns zu sich ein, scherzt über seine Familie, wünscht einen schönen Abend und plötzlich ist er weg. Er ist mit dem Kuvert mit Bakschisch in einem engen Gässchen Hurghadas verschwunden. Said führt uns ins Hotel zurück. Das ist gut so, er redet sehr wenig.


Am letzten Tag leisten wir uns eine Cabaña am Strand in der ersten Reihe. Die Getränke und Snacks sind in der Miete miteinbegriffen. Das erscheint großzügiger als es ist. Immerhin haben wir all-inclusive gebucht. Wir schauen den anderen Touristen am Strand zu, raten ihre Nationalitäten, lesen, schauen aufs Handy, etc. Aber irgendwann muss Abwechslung her. Renate und ich wollen einen Strandspaziergang wagen. Garmin belohnt uns einen solchen gar mit einem Punkt. Wer wird da widerstehen?

Am Strand nach rechts oder nach links? Beide Optionen bieten kilometerlangen Strand. Ich ergänze, dass Soma Bay bald aus ist, wenn wir nach rechts gehen. Nach links kann man stundenlang spazieren. Irgendwann erreicht man das Kempinski und das Sheraton, wo ich vor Jahren schon war. Renate will nach rechts. Auch recht, lerne ich Neues kennen. Ich ziehe mir Hosen und Shirt an, die Sonnenbrille rundet den Auftritt ab. Renate ist sparsamer. Bikini und Sonnenbrille müssen reichen. Ich weise nochmals darauf hin, dass Soma Bay bald endet. Anderseits war Renate schon in mehr Ländern als ich und ist erwachsen genug. So spazieren wir los. An der Grenze unseres Ressorts sitzt ein Wachmann, der uns freundlich zuwinkt. Ab sofort befinden wir uns auf einem Gebiet, dass touristisch gewidmet ist, aber auf dem noch keine fertigen Hotels stehen. In ein paar hundert Metern erkennt man eine Mauer bis zum Meer vor. Hier endet das Touristengebiet und trennt die Welten.

Aber schon ein paar freche Ägypter nutzen den Sonntag und sind in das Gebiet hier „eingedrungen“. Es sind ausschließlich Männer, alle in langen Hosen und Shirts. Ich grüße freundlich, was sie ihre Verwunderung abwerfen lässt. Sie erwidern die Grüße freundlich. Die Blicke ruhen, während wir weiterspazieren, auf uns. Vermutlich mehr auf Renate als auf mir, aber sie ruhen. Die nächste Gruppe ist wieder rein männlich. Aber es sind Jugendliche, voller Übermut. Ich grüße, sie lachen. Da fasst der erste allen Mut zusammen und fragt mich mit übermütigem Blitzen in den Augen, ob er ein Foto mit mir machen kann. Gerne, wir schießen ein Selfie. Ob er eines mit uns beiden machen kann? Auch gerne! Ob er eines mit Renate haben kann? Renate sagt ja. Ehe er seinen Arm um sie legen kann, nehme ich sein Ohr zwischen meine Fingernägel und drehe ein bisserl daran. Nur zur Erinnerung und Rückhalt! Tja, und jetzt hat ein Teenager ein Foto, um das ihn die anderen sicherlich beneiden. Da macht es auch gar nichts, dass die blonde Frau in ihrem denkbar knappen Bikini dreimal so alt ist. Jeder will jetzt ein Foto mit Renate. Mit mir will übrigens keiner eines, komisch! Renate entgleitet die Situation, ihr werden die durch einander schreienden jungen Männer, die sie eingekreist haben verständlicherweise zu viel, zumal es hier mittlerweile auch deutlich mehr Ohrwascheln gibt, als ich Finger habe. So verteidigen wir uns Rücken an Rücken gegen den Übermut und das Betteln der jungen Teenager um ein Foto. Noch finde ich es lustig und ich kann versichern, dass es nicht daran liegt, dass eh keiner mit mir ein Foto will. Wir lehnen nun forscher ab, drehen um und zielen aufs sichere Ressort.

Damit haben wir erstaunlicherweise Erfolg. Wir haben so plötzlichen Erfolg, dass ich es selbst nicht glauben kann und mich umschaue. Siehe da, der freundliche Wachmann vom Ras Soma ist aus dem Schatten heraus und hat Kurs auf uns genommen. Er hat eine Hand hinter dem Rücken am Hosenbund. Aber ehe er amtshandeln kann, sind wir wieder alleine am Strand. Nicht nur die Teenager sind weg, sondern auch die erwachsenen Männer, an denen wir am Rückweg vorbeigekommen wären, sind wie vom Erdboden verschluckt. Ja, und wie sind die jetzt so schnell durch oder über die Mauer? Oder verstecken sie sich in einer Grube? Zumindest haben sie jetzt Fotos oder gar ein Video, dass sicherlich lokal viral gehen wird. Wir kommen am Wachmann vorbei. Er winkt, er lacht und schaut mal nach den Dingen in Richtung Mauer. Auf ein Foto mit ihm wird genauso wenig einer neugierig sein wie mit mir. Renate schiebt ihr knapp bedecktes Popscherl ins sichere Touristengehege. Uff, nochmal Glück gehabt. Wir marschieren jetzt lieber nach links. Da ist das späte Sonnenlicht eh schöner. Sachen gibt’s!

Am Montag holt uns dann wieder ein privater Chauffeur ab. Also, es sind zwei Autos, die sie schicken. Ja, das ist, weil wir zu viel Gepäck haben. Aha, vielleicht hat sich auch rumgesprochen, dass die Frau mit den blonden Locken, der neue ägyptische Internetstar, abreist. Man weiß es nicht!

Unser Ausflug nach Ägypten war somit ein voller Erfolg. Der Rückflug war pünktlich, obschon der Lack an der Maschine von Nesma Airlines ziemlich ab war. Egal, gelandet ist sie sicher und so haben wir es alle drei sicher und bestens erholt nach Hause geschafft!

Haidsteig

Am Vortag habe ich mich auf unserem Tacx NEO Bike Plus Trainer doch beansprucht, und soll der heutige Tag eine Wanderung mit Renate und Mio auf einen neuen Gipfel von Hinternasswald aus bringen. Aber dann ereignet sich das Hoppala auf unserer Treppe. Renate stürzt, hält das Wasserglas und weitere Utensilien hoch, während sie im Langsitz die Stufen nimmt. Das Bürzel ist geprellt. Wir müssen umdisponieren. Und weil mir nichts besseres einfällt, gehe ich den Haidsteig.

Dort geht aber nicht viel. Ich bin einfach schlapp. Am Zustieg überholt mich einer. Uje, ich werde alt. Oberhalb der Waldgrenze meldet sich Wind. Zumindest für Renate wäre das nichts gewesen.

Den Überholer hole ich beim Einstieg ein. Aber im Steig gibt er erst richtig Gas. Also das ist mir bislang auch nicht passiert. Die Uhr sagt, dass ich mich ein bisserl anstrengen könnte. Das ist ein amerikanisches Produkt, da will ich ein „You’re awesome!“ hören. Darauf wartet man bei Garmin aber ewig, heute ganz besonders.

In der Wand beutelt es mich hin und her. Da freut es mich nicht einmal sonderlich. Bei der Madonna ist auch kein Platz zum Verweilen. Da muss man froh sein, wenn einen der Wind nicht von dem Platzl dort bläst.

Ein bisserl Schnee und Eis ist auch noch da. Und so kommt es, dass ich im einfachen Teil abrutsche – die Bergschuhe sind heute auch nicht die richtigen – und ich mir die Fingerknöchel aufschürfe, ordentlich. Heute freut es mich gar nicht mehr, den Königschuss streiche ich.

Am Plateau lasse ich mich vom Wind bergauf zum Preinerwandkreuz treiben, ehe ich mich an den Abstieg mache. Die Neue Seehütte verweigere ich, auch wenn der Wirt ein einladende Tafel gegen den Wind platziert hat. Vor dem Holzknechtsteig lege ich mich zwischen die Latschen und suche Windschatten. Ich habe Renates Proviant mit. Ein Weckerl in drei Schichten mit Frischhaltefolie dazwischen. Das habe ich auch noch nie gesehen. Prompt nutzt der Wind die Chance, entreißt mir das Jausensackerl und ich muss hinterherrennen. Geh bitte! Echt jetzt?

Am Holzknechtsteig wird es wieder ein bisserl wärmer, mir kommt ein junger Bergsteiger entgegen. Deutsch ist nicht seine Muttersprache, und so verstehe ich nicht ganz, was er heute schon gemacht hat. Ich vermute, er war am Haidsteig und ist den Preinerwandsteig runter. Jetzt will er „hinten herum“ zum Königschusswandsteig. Ich zeige ihm die gelbe Tafel am Einstieg zu seinem Steig, und das ist eher die andere Richtung. Da zeigt er mir sein Planungstool am Handy. Ich hab‘ keine Lesebrille mit und bin verwirrt. Jedenfalls muss er wieder zurück. Ich empfehle ihm einen kurzen Abstieg, weil die Rinne unangenehm sein kann und das Überqueren der Rinne erst weit oben gut geht. Danach müsste er wieder absteigen. Er hört auf meinen Rat – oha. So steigen wir gemeinsam ab und hören nach dem Queren der Rinne ein ordentliches Gepolter. Da kommt ein Fels von der Größe eines Medizinballs in der Rinne runter. Wir schauen uns beide an. Jepp, da haben wir Glück gehabt.

Mir reicht es endgültig, ich steige ab. Ab ins Auto und nach Hause. Heute war ich einfach in der falschen Verfassung am falschen Ort!

Die Tour auf Garmin

ÖTK, Blutspur, Matthias-Prinner

Und schon wieder Hohe Wand, aber diesmal alleine! Na ja, alleine bin ich nicht, denn hier an diesem sonnigen Freitag wimmelt es nur so. Wanderer, Klettersteiggeher, Kletterer sind am Boden unterwegs, in der Luft surren die Paragleiter.

ÖTK-Steig und Blutspur sind heute gefühlt schwieriger. Was lerne ich daraus? Eigentlich ist es nur beschränkt verwertbar, was ich auf die Frage antworte: „Und wie schwer ist dieser oder jener Steig?“. Ganz so klar ist es nicht, womit das zusammenhängt. Als Einflussgrößen habe ich:

  • Die Erinnerung vom letzten Mal. War es das letzte Mal leicht, dann ist es beim nächsten Mal gefühlt ein bisserl schwerer und umgekehrt.
  • Bei den schwierigen Stellen hängt es davon ab, wie ich sie erwische. Das ist faszinierend, da ich die Steige und ihre „Schlüsselstellen“ zu kennen glaube. Selbst, wenn ich mich erinnere, die Stelle ein bisserl weiter außen zu nehmen, ist es nicht gesichert, dass sie mir dieses Mal leicht fällt. Da staune ich.

Letztlich ist es egal, weil ich auch diesmal beide Steige ohne Probleme bewältige.

Den Matthias-Prinner-Steig bin ich erst einmal gegangen. Die Strickleiter habe ich als mühsam in Erinnerung und die Seilbrücke als leichter als gedacht. Prompt kommt es anders! Die Strickleiter ist eigentlich easy und die Seilbrücke ein bisserl Überwindung. Der restliche Steig ist dann einfaches Gelände der Schwierigkeit B. Die vielen Besucher haben den Steig ausgeputzt. Also, kaum noch loses Material. Nach knapp 15 Minuten bin ich durch und gönne mir eine Pause.

Runter geht es den Frauenluckensteig. Zuerst wundere ich mich über die vielen jungen Steinböcke. Wer Steinböcke sehen will, sollte auf die Hohe Wand. Man wird nicht enttäuscht. Es sind irritierend viele und verstörend zutraulich. Das nächste Mal streichle ich einen. Scherzerl, aber viel fehlt nicht.

Der Frauenluckensteig ist dann unerwartet spannend, steigt man doch in schwindelerregender Höhe von Metallbügeln auf eine wirklich senkrechte geschätzt zehn Meter hohe Leiter. Ob das jedermanns Sache ist? Hmm!

Weiter unten habe ich zum Abschluss noch eine Begegnung, die mir den Abschied für heute leichter macht. Am Fuße einer Wand frage ich freundlich ein Kletterpaar in meinem Alter, was sie sich denn vorgenommen haben, und bekomme in tadellosem Hietzinger-Deutsch als Antwort: „Das wissen wir noch nicht so recht! Das schauen wir uns noch an.“. Ja, eh, genau! Ihr habt halt einmal alles eingepackt, was man so bis zum VI. Schwierigkeitsgrad braucht, und oben drauf noch ein paar Kilo Reservematerial dazugelegt. Ich ärgere mich kurz, weil ich wirklich zurückhaltend freundlich gefragt habe, aber mir der Gleichaltrige mit seinem Allerwertesten ins Gesicht fahren muss. Seine Begleiterin lächelt entschuldigend. Wie auch immer, sie muss es mit ihrem Herzilein aushalten.

Abgesehen davon war es ein feiner Tag auf einer diesmal stärker frequentierten Hohen Wand!

Die Tour auf Garmin