Gebirsgsvereinssteig

An diesem Nachmittag setzen wir eine Trainingseinheit an. So wird’s gemacht. Renate ist ein bisserl aufgekratzt. Ob es nass ist, ob es Regen geben kann, wie es diesmal ist? Aufgekratzt, aber definitiv nicht ängstlich. Man merkt, sie hat nun schon ein paar Touren hinter sich. Und mit der Erfahrung kommt das Bewusstsein für die Herausforderungen. Gut so!

Den Zustieg vom Seiser Toni aus finden wir schnell, auch wenn ich diesmal wie jedes Mal denke, dass wir zu weit sind. Da denke ich mir dann, dass ich mir das jedes Mal denke und es deswegen okay ist, aber wir diesmal wirklich zu weit sind. Alles klar? Passt aber jedes Mal.

Im Einstieg ist es gar noch feucht, aber das meistern wir schon mal. Zu sagen ist, dass sich der Fels in den letzten Jahren hier rasch abgenutzt hat. Das ist schon eine speckige Partie da rauf. Entweder schmiergelt sich der Fels der Hohen Wand extra rasch ab oder es sind hier Massen unterwegs. Heute ist jedenfalls nichts los. Deswegen sind ja wir da.

Auch die weiteren Schwierigkeiten nimmt Renate im „Vorstieg“. Steil ist es, die Hände und Arme braucht man. Eine von uns beiden strengt sich wirklich an. Der andere nicht so. Die Hängebrücke wackelt nach dem Winter auch ein bisserl mehr und gehört mal „nachgestellt“. Machbar ist sie trotzdem leicht. Danach bietet die Wand mit der Hängeleiter feine Fotomotive. Da muss man ein bisserl warten, bis man fotografieren kann. Aber dann wird’s gut.

Der Notausstieg ist erreicht. Der Rastplatz hier lässt vermuten, dass man es geschafft hat, aber man ist noch nicht ganz oben. Da wartet noch ein bisserl Kraxeln inklusive der Querung. Und diese Querung ist heute nass. Die Topo gibt der Querung ein C. Das ist auch berechtigt bei trockenen Verhältnissen, wenn die Schuhe gut auf dem steilen Fels halten. Heute halten sie nicht. Da muss der Fuß ein bisserl gezielter platziert werden. Stellenweise mag man aber keinen Absatz oder Spalt finden und da ist es dann kein C mehr, sondern ein sattes D. Zum Glück ist das Seil trocken.

Die folgende D-Stelle ist auch trocken und damit fast einfach. Der Ausstieg lässt nicht lange auf sich warten. Juchhu, Renate hat den Steig ein zweites Mal geschafft. Sehr fein! Runter geht’s den Wagnersteig.

Die Steinböcke stehen wie gewohnt herum. Zu diesen habe ich am Internet nachgelesen. Eigentlich ist so ein Steinbock erst über 2.000m anzutreffen, aber hier trotzen sie der zunehmenden Hitze. Und wie sind sie daher gekommen? Vor Jahrzehnten sind ein paar Steinböcke aus einem Gehege auf der Hohen Wand ausgebrochen. Mittlerweile ist die Population auf 100 Tiere angewachsen – je nach Angaben ein bisserl mehr oder weniger. Einige, vorrangig die Jäger, sagen, dass es viel zu viele sind. Ein Abschuss kommt in der Öffentlichkeit aber nicht so gut an. Die Ausflügler, die die Wildnis so sehr lieben, solange sie nicht wild ist, würden vermutlich protestieren. Wie auch immer, ich verstehe nun, warum Mio nicht auf die Hohe Wand darf, aber sonst eben keine Gefahr besteht, auf einen Steinbock unterhalb von 2.000m zu treffen. Ach, der Hochschwab ist auch noch eine Ausnahme. Dort wurden die Steinböcke bewusst angesiedelt. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Stadelwandgrat III

Renate liegt mit Fieber im Bett. So brechen Gernot und ich auf, um die Erinnerung an den Stadelwandgrat aufzufrischen. Wieder sind wir die einzigen, die an diesem Wochentag in diesem Gebiet unterwegs sind. Diesmal steigen wir weiter im Stadelwandgraben auf, machen damit sogar ein paar Höhenmeter „zu viel“, gelangen dafür aber komfortabel ins Gassel. Gernot notiert als Abzweighöhe 910m. Das ist knapp unter dem Geröllfeld, bei dem der Weg durch den Stadelwandgraben in Aufstiegsrichtung scharf nach rechts abbiegt.

Das Gassel ist weniger anstrengend als sonst, aber noch recht unbegangen in diesem Jahr. Das bedeutet viel Schotter und loses Gestein. Ein nennenswerter Brocken löst sich fast, bleibt aber liegen. Ich warne noch Gernot, der sich 50 Meter hinter mir befindet. So steige ich weiter und höre irgendwann einen Schrei hinter mir. Gernot musste einen Brocken, der langsam auf ihn zugekommen ist, mit den Händen abwehren. Das bringt ihm eine Schürfwunde und einen ziemlichen Stich im Handgelenk. Ich bin extra vorsichtig aufgestiegen und vermute, dass der sich eine, vorher erwähnte Brocken doch noch langsam auf den Weg gemacht hat. Oh, oh – das hätte schlimmer ausgehen können.

Die Lesson learned daraus ist, dass man eng beisammen bleiben soll, wenn die Steine locker liegen. So düsen wir in kurzem Abstand zum Einstieg hinauf. Der ist wie immer, weiter oben als vermutet. Schön brav, den roten Punkten folgen. Diese führen zuverlässig zum Einstieg, der sich auf knapp unter 1.200 Metern liegt.

Der Zustieg war anstrengend, aber hier ist es nun recht kühl. Die Sonne versteckt sich, der Wind pfeift. Ich ziehe mich um, aber zittere beim ersten Stand. Oha! Jetzt kommt auch noch die „Notjacke“ dran, und ab damit passt dann die Temperatur.

Der erste Stand ist am „Zusatzturm“, den man sich auch sparen kann. Man erreicht ihn, wenn man gegen den fetten, roten Pfeil Richtung Ausstieg Richtersteig(?) spaziert. Ich finde der Turm macht Spaß und ist es wert, auch mitgenommen zu werden. Man muss ihn „überschreiten“, das heißt, hinten wieder runter. Das sieht wilder aus, als es ist.

Der Steig ist auf meiner Website schon ein paar Mal beschrieben. Deswegen kommen hier nun keine Details zum Steig, sondern Erkenntnisse der heutigen Begehung. Gernot und ich wechseln uns im Vorstieg ab, das macht die Sache kurzweiliger. Ein bisserl Zeit sparen wir durch reduziertes Umhängen. Wichtiger erscheint aber die Tatsache, dass das einmal vorne weg und einmal hinten nach abwechslungsreicher ist.

So kommt es auch, dass Gernot vor der IIIer-Stelle im Vorstieg ist, und gemäß Topo einmal II+ und einmal III- nimmt. Ich steige hinten nach und bin voller Staunen, was da bei Gernot im Vergleich zu den ersten Begehungen geht. Beim IIIer bin ich dann vorne. Die Stelle ist auch keine sonderliche Hexerei, wenngleich Gernot meint, dass er die nie und nimmer im Vorstieg gepackt hätte. Vielleicht will er Bescheidenheit an den Tag legen. Ich traue es ihm demnächst zu, und das, obwohl er erst seit ein paar Jahren kraxelt.

Der Steig kommt uns kürzer vor. Die Zeiten vergleichen wir nicht. Wozu auch? Ueli Steck war in deutlich weniger Zeit durch die Eiger Nordwand.

Vorm Forsthaus fehlen leider Bänke und Tisch. So jausnen wir am Boden sitzend, ehe wir absteigen. Am Abend gibt es noch mein erstes MRT. Geht sich alles locker aus. Mit Renate geht es auch bergauf.

Alles tadellos!

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Akademikersteig

Jetzt ist der Akademikersteig dran! Wird am Feiertag viel los sein? Ich habe keine Ahnung. Am Vorabend flüchten wir von daheim und überlassen das Haus Jasmin & Friends.

Wir quartieren uns im Schlosshotel Hernstein ein und erleben dort Skurriles! Die Kammer der gewerblichen Wirtschaft für Wien hat sich in die Reihe der überaus wohlhabenden Vorbesitzer eingereiht. Da sieht man, was mit Zwangsmitgliedsbeiträgen geht und dann doch nicht so richtig funktioniert. Das Anwesen ist atemberaubend! Ich würde da in jedem Fall wieder hinfahren, die Preise sind überaus vernünftig. Auf der anderen Seite möchte man lachen, was da an handwerklichem Murks passiert ist. So haben wir am WC im Zimmer ein 24×7 hell leuchtendes Notausgangsschild. In anderen Zimmern der Suite sind auch solche Schilder, aber da hat sie offensichtlich zumindest jemand ausgeknipst. Man wundert sich. Kurz, da ist mit viel Geld, das anderen gehört, das Beste beauftragt, aber nie vernünftig abgenommen worden.

Aber nun zum Akademikersteig. Der ist hier schon oft beschrieben. Am Parkplatz ist für einen Feiertag sehr wenig los. Wir parken ganz „oben“. Das Wetter passt, das Seil ist ganz neu, Renate ist voller Zuversicht. Den Zustieg finde ich mittlerweile verlässlich. Was soll da schiefgehen?

Nichts geht schief. Renate ist flink wie ein Wiesel und überaus geschickt. So schaffen wir es über die mit II+ bewerteten Stellen und erreichen das Steigbuch unterm Felsfenster. Renate schaut ins Buch und entdeckt einen Eintrag von Februar 2024. Gottfried und Gernot waren da. Ich mag den Zufall gar nicht glauben, dass da noch ein anderes Kletter-Duo mit denselben Namen am selben Steig unterwegs war. Ich bin den restlichen Tag hin und weg, bis ich Gernot über diesen Zufall informiere. Der erklärt mir, dass das seine Handschrift ist und wir heuer den Steig schon gegangen sind. Uje, ich mache mir Gedanken!

Renate nimmt auch das Felsenfenster ganz locker. Am abschließenden Grat stellt sich noch einmal die Frage, wo es da rauf gehen soll. Aber dann ist auch der Ausstieg schon geschafft. Gratulation! Wir gönnen uns noch die traditionelle Forelle im Weichtalhaus und sind hoch zufrieden!

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Schafberg

Mit der Schafbergbahn auf den Schafberg und dort ein bisserl die Aussicht genießen. Und damit es nicht ganz so fad wird, noch eine Rundwanderung oben mit drei Seen. Das klingt doch gut. Lydia wählt die Turnschuhe, weil die neuen Bergschuhe unbequem geworden sind. Zum Glück schließt sie sich uns an und schlüpft noch am Parkplatz in die lange Berghose. Dreieinhalb Stunden und ein paar Höhenmeter brauchen keine sonderliche Vorbereitung. So denken wir. Renate reklamiert uns in die ausgebuchte Fahrt um 09:15 und so zuckeln wir in 35 Minuten auf über 1.700m.

Der angekündigte Wetterumschwung kommt ein bisserl eher daher – oha! Der Wind pfeift und wir haben schnell unsere Stirnbänder und Mützen auf. Erstmal geht es bergab Richtung Mönichsee. Lydia tippt dazwischen E-Mails. Sieht alles friedlich aus. Bald wird es abenteuerlicher. Da muss eine Felswand gemeistert werden. Aus der Ferne wirkt sie wild, aus der Nähe ist sie mit Seilen und Stufen versehen. Da bin ich aber froh, dass wir nicht vor drei Tagen als erste Tour den Schafberg gewählt haben. Denn hier im frischen Schnee – aber hallo! Wir sind sicher, dass damit die schwierigen Stellen auf diesem lieblichen Rundweg gemeistert sind. Lydia korrespondiert weiter, die Turnschuhe sind am Limit, aber auf der sicheren Seite.

Beim Mönichsee stören wir eine Eisbadende. Ich kann gar nicht glauben, dass sie da wirklich ins eiskalte Wasser will. Aber sie meint es ernst und ist auch in der Sache gänzlich spaßbefreit. Okay, wir schleichen uns. Mann oh!

Es folgt ein Anstieg Richtung Mittersee und Himmelspforte – meinetwegen. An der Scharte angekommen folgt dann auf der Schattseite ein Abstieg im Schnee. Oh, da könnte man überrascht sein. Sind wir auch ebenso wie unsere Füße schnell nass sind. Lydias Turnschuhe sind jetzt über dem Limit.

Der Mittersee wird bewundert, es geht weiter in einem stetigen Bergauf und Bergab Richtung Suissensee. Langsam wird es zäh. Ein Unterstand gefällt Mio sehr. Leider hat nur er eine Jause mit. Wer rechnet den bei so einer Tour mit Hunger? Ab jetzt sollte es irgendwo bergauf zur Himmelspforte gehen. Fasziniert suchen wir die wirklich steilen Felswände nach einem Weg ab. Nichts da, wird schon kommen. Da Umdrehen eh keine Option ist, gehen wir die Nordseite weiter. Die zu querenden Schneefelder werden steiler, sind aber zum Glück richtig weich. Da schau‘ her, nun ist es fix: die Tour ist anspruchsvoller als gedacht.

Und irgendwann geht es dann gerade nach oben. Oha! Bei trockenen Verhältnissen mag das eine steile, aber doch nette Wanderung sein. Nun ist da jede Menge nasser Schnee drinnen. Huch, das wird ja wirklich noch eine Bergtour. Wir schlagen so gut es geht Stufen in den nassen Schnee. Lydia ist nun wirklich mit dem falschen Schuhwerk unterwegs. Eine Spur ist vor uns. Aber die muss vor ein paar Tagen bei noch mehr Schnee angelegt worden sein. Wir machen eine Variante aus, die einen Grat über Geröll und Wiesen steil und direkt hinaufführt. Mich schreckt es nicht so, aber mit einem normalen Weg hat das wenig zu tun. Die Damen bleiben tapfer. Mio kennt so einen Mist ohnedies und wird auch heute nichts sagen.

Jetzt sind es nur noch 50 Höhenmeter bis zur Himmelspforte. Dort, wo die Seilversicherung herausschaut, kann man erkennen, dass die Stahlseile die ambitionierten Zahnradbahnfahrer links und rechts sichern . Aber nicht nur die in den Fels geschlagenen Stufen auch die Stahlseile sind teils weit unter dem Schnee. Aber hallo!

Von der Bergstation kommen immer wieder Wanderer und blicken ehrfürchtig durch die Himmelspforte in die Wand. Das Bild, das sich ihnen bietet, muss sie erschaudern lassen. Da ist eine junge Frau in Turnschuhen in den steilen Schneefeldern unterwegs. Gelegentlich sichert sie der Vater mit einem Stock. Einen kleinen Hund haben sie auch dabei! Der eine oder andere will einen Rettungsversuch starten, scheitert aber. Wird sich hier gleich ein Bergdrama abspielen? Drehen die eine weitere Folge von „Die Bergretter“ oder eher „Der Bergtrottel“?

Nur noch eine kurze Seillänge trennt uns vom Ziel, aber Seil haben wir eh keins dabei. Umdrehen ist eine Option, aber keiner will die Schneefelder wieder runter. Nicht einmal Mio.

Neugierige Blicke von Wanderinnen in T-Shirts und Shorts, die da oben recht fröstelnd aber zumindest in der Sonne ihren Hals über die Kante vorschieben, treffen uns da in der Nordwand unter der Himmelspforte. Mio startet durch, verirrt sich, hängt aber an der Leine. Na, wenn das nicht Stoff für eine eigene Folge dieser Bergretterserien ist!

Da schicken wir Renate los. Sie ist unerschrocken genug, um sich den Weg über das letzte Schneefeld zu bahnen. Da kommt auch schon der erlösende Ruf von oben: „Alles easy, ab da geht es gut! Ihr könnt kommen!“. Na bitte, geht ja. Unter Ohs uns Ahs erreichen wir den Ausstieg.

Auch wenn es nicht ganz so wild war wie beschrieben, zeigt es ein weiteres Mal, wie leicht man in den Bergen in Nöte kommen kann. Wenn der Schnee ein bisserl härter gewesen wäre oder wenn mehr Schnee eingeweht worden wäre, hätte es schlecht ausgesehen. Wahrscheinlich wären wir dann eher umgedreht. Vielleicht auch nicht, den keiner kann die Bedingungen hundertprozentig vorhersagen. Deswegen mein Appell an alle: seid gnädig mit den „Vollpfosten“, die in Turnschuhen mit einem Hund an der Leine plötzlich weder vor noch zurück können. „Unverantwortlich“ und „deppert“ sind die Attribute, die da schnell in den sozialen Medien verwendet werden. Also, wir waren weit von einer Notsituation entfernt. Anderseits vielleicht auch gar nicht so weit weg, wenn ein paar Grad Celsius weniger, Regen und die Angst dazukommen.

So hatten wir eine überraschend kurzweilige Rundwanderung, die letztlich mit einem ausreichenden Sicherheitspuffer ihr gutes Ende gefunden hat. Wir hatten gar noch Zeit für ein Mittagessen im Berghotel Schafbergspitze vor der gebuchten Abfahrt ins Tal.

Mitgenommen haben wir neben den intensiven Eindrücken auch die gar nicht neue Erkenntnis, dass selbst einfache Touren eine gute Planung brauchen.

Noch im Auto klingen die Eindrücke nach, wie aus der harmlosen Seenrundwanderung aufgrund des Schnees eine alpine Erfahrung geworden ist. Jepp, das war mal was!

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Braunedlkogel (1.894m)

Tag 2 unseres Mondseeaufenthalts ist da. Renate ist nach Wien gereist und unterbreitet ein Angebot. Mio wollen wir heute Schnee bieten. Über 1.300 Meter sollten die Chancen dafür noch gut stehen. Wir suchen und suchen mit den vorgegeben Werten für zu bewältigende Höhenmeter und Tourenlänge. Die Wahl trifft auf die Postalm und den Braunedlkogel.

17 Euro beträgt die Maut auf der Privatstraße. Da habe ich mich schon einmal gewundert, was es so gibt. So halte ich mich diesmal nicht wieder mit den Gedanken auf, nach welchen Kriterien die Allgemeinheit die Kosten für eine Straße übernimmt und wann sie das nicht tut. Jetzt, wo ich diesen Beitrag tippe, komme ich schon wieder ins Grübeln.

Wie auch immer, die geplante Anreise biegt bald von der Asphaltstraße in eine Schotterstraße Richtung Rettenegghütte ab. Ein Schranken macht der holprigen Fahrt bald ein Ende, und wir bekommen noch ein oder zweihundert Höhenmeter dazu. Macht nichts, wir starten. Mio hat nach wenigen Metern seinen Schnee und ist vor Freude ganz aus dem Häuschen. So soll es sein.

Erst geht es über eine Almwiese und einen eher flachen Schotterweg mit tollem Panorama dahin. Der Föhn bläst und wir sind froh, noch Gewand dabei zu haben. Der Weg biegt ab, wird steiler und ein kleiner Nassschneerutsch legt sich über den Steig. Wir lassen uns nicht abschrecken und steigen höher. Die Schneefelder werden häufiger. Jetzt, am letzten Apriltag, sind sie durch und durch nass. Meine Füße bleiben nicht lange trocken. Aber alles ist machbar. Wir folgen einer frischen Spur und sind dankbar darüber.

Hundert Höhenmeter unter dem Gipfel kommt uns dann der einsame Bergsteiger entgegen. Er kennt sich hier aus. Ich bedanke mich für die Spur und frage, ob man auch über die Nordostseite absteigen kann. Kann man, aber wird halt viel Schnee sein.

Den Gipfel erreichen wir dann rasch, die Jause wird verzehrt und Mio bekommt traditionell auch etwas. Da schaue ich so weit möglich in die unverspurte Route und erkenne, dass es steil ist. Okay, das hat die Karte schon verraten. Und dass wohl einiges an nassem Schnee anzutreffen sein wird. Lydia stört es nicht, wenn wir denselben Weg wieder zurückgehen. Mio auch nicht, und ich kann auch damit leben. So steigen wir nach herrlichem Rundblick wieder unsere Spur hinunter zum Auto.

Der Braunedlkogel ist damit erledigt. Ein tadelloser Tag in den Bergen war das! Die Beine haben auch etwas getan, und nach den zwei Tagen steht definitiv nun ein Erholungstag an. So wird’s gemacht!

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Drachenwand

Lydia gönnt sich nach Projektende eine Woche Auszeit und so treffen wir uns am Mondsee. Renate, Mio und ich kommen aus dem Osten, Lydia aus dem Westen. Für den ersten Tag haben wir uns den Klettersteig auf die Drachenwand vorgenommen. Das ist ein Klettersteig der Schwierigkeit C bzw. C/D, wenn man die Hängebrücke umgeht. Das klingt nicht schwer und sollte als Einstieg passen. Die Berge in der Umgebung sind ordentlich angezuckert. Facebook sagt, dass der Steig und der Abstieg schneefrei sind. Das Wetter passt, und es ist Montag. Das sollte also alles perfekt passen.

Der Parkplatz lässt vermuten, dass hier an Wochenenden und Feiertagen die Hölle los sein muss. Aber an diesem Montag ist wenig los. Statt den Leuten ist der Wasserfall da. Beeindruckend fällt er neben dem Steig nach unten. Lydia hat sich ein Klettersteigset und neue Bergschuhe geleistet. Los geht’s!

Schwierigkeit B soll das hier neben dem Wasserfall sein? Da schau her! Das erscheint uns aber schwieriger, wenngleich auch nicht schwer. Aber wenn das B ist, dann…?

Am oberen Ende des Wasserfalls holen wir uns beim Überqueren desselben gleich mal nasse Füße. Nachdem Renate rechts durchs Wasser ist, möchte ich Lydia vorzeigen, wie das hier ein echter Bergfex angeht und steige dabei prompt ins Wasser, verheddere mich in den Armen des Klettersteigsets und mache, kurz gesagt, keinen guten Eindruck. Nach Lydias Überquerung, ebenfalls satt im Wasser, steigen wir also mit gut gekühlten Hufen weiter.

Steil ist das da, lang ist das da! Etwas überraschend, aber noch nicht wild. Ich hätte aber schon eher mit einem leichten Herumkraxeln gerechnet, als mit einem ordentlichen Klettersteig.

Renate steigt forsch vor. Gelegentlich hört man ein zuversichtliches „Ich schaff‘ das!“ und „Ich kann das!“ von oben. Dahinter folgen Lydia und ich in respektvollem Abstand. Habe ich schon erwähnt, dass der Steig länger als erwartet ist? Dann sind wir bei der Abzweigung. Rechts die kühne Hängebrücke, links die Umgehung in C/D mit guten Möglichkeiten, die Damen auf der Brücke zu fotografieren. Auch das C/D hat es in sich, hält mich aber nicht auf und ich hänge fotobereit in der Wand.

Vis-a-vis sehe ich die Leiter, die um den Felsen biegenden Damen und ein vertrautes „Boah! Na, bravo!“. Aber die Damen sind kein bisserl zögerlich. Renate fragt, wo man sich denn da einhängen soll. Mit der Beantwortung tue ich mir aus der Ferne schwer, aber die Frage war wohl ohnedies rhetorisches Stilmittel, denn schon ist sie über dem Abgrund unterwegs. Fotos werden geschossen, ehe Lydia ebenso vorgeht. Aha, ich staune. Mir soll es recht sein

Wir klettern weiter und der Steig ist doch länger als erwartet. Aber das habe ich schon weiter oben geschrieben. Allzu endlos können 385 Höhenmeter jedoch nicht sein und so sitzen wir bald nach ein paar Gipfelfotos oben und genießen unsere Jause. Der Ausblick auf den Mondsee ist eine Freude. Ein paar Fotos schießen wir noch beim Drachenloch. Schwindel ist den beiden Damen fremd. Ich bin nicht ganz so sicher, ob ich da ebenso entspannt auf dieser ausgesetzten Felsbrücke gestanden wäre. Die Fotos gelingen jedenfalls.

Dann kommt noch der Abstieg, vor dem am Internet so eindringlich gewarnt wird. Heute ist es trocken und wir vermögen die Gefahr nicht zu erkennen. Nach dem Gegenanstieg werden die Schilder eindringlicher. In allen Varianten wird gewarnt, wie verheerend ein Sturz hier wäre. Aber es ist trocken und so sehen wir uns auch hier keiner sonderlichen Gefahr ausgesetzt. Dass es trocken ist, ist eigentlich paradox, denn der Wasserfall, der im Sommer ganz versiegt, ist dieser Tage sehr gut gefüllt.

Wir erreichen jedenfalls das Auto unbeschadet. Bei der Jüngsten in der Runde zittern die Oberschenkel gewaltig. Da muss eine Ladung Magnesium nachgefüllt werden. Bei der zweitjüngsten Teilnehmerin schnalzt 50 Meter vor dem Auto das Knie und so werden es noch anstrengende 50 Meter für Renate. Wir danken es wem auch immer, dass das nicht mitten im Steig passiert ist. Uppsi!

Alles andere war und ist fein. Mio hat den Tag bei einer Betreuerin am anderen Ufer des Sees verbracht. Obwohl auch andere Hunde zu Besuch da waren, war Mio wohl fad. Das vermute ich unbestätigt, denn wie so oft schweigt er dazu. Er freut sich jedenfalls, dass wir wieder da sind und wir freuen uns über einen spannenden und leicht unterschätzten, aber letztendlich souverän gemeisterten Klettersteig.

Palermo

Ein langes Wochenende in Palermo ist doch etwas Feines! Wir wollen Sizilien besuchen. Diesmal werden wir aber nicht von Stadt zu Stadt fahren. Ein langes Wochenende ist uns dafür zu kurz und so beschränken wir uns auf eine Stadt. Damit kann man einerseits nicht behaupten, Sizilien gesehen zu haben, aber anderseits auch einen Zeitverlust durch Herumreisen vermeiden. So genießen wir eben Palermo.

Untergebracht sind wir im Grand Hotel et Des Palmes. Hier fand 1957 ein Gipfel der Mafia statt. Der soll vier Tage gedauert haben – genauso lange wie unser Aufenthalt. Wer wohl in unserem Zimmer übernachtet hat? Hoffentlich war man damals in der Küche des Restaurants, das sich im Stock über unser Suite befindet, mit dem Herumschieben von Inventar rücksichtsvoller als während unserem Aufenthalt. So ein gestresster Mafia-Boss hätte wahrscheinlich nicht so geduldig zugewartet. Na ja, die Zeiten ändern sich.

Palermo haben wir punktuell besichtigt. Das heißt, wir haben es uns gut gehen lassen. Renate hat das Michelin-Essen im Gagini ausgewählt und ich per Zufall authentisches Essen in Mondello, dem schönen Strand in der Nähe Palermos. Während im Gagini nur Touristen das herausragende Essen genossen, waren wir in der Trattoria L’angolo in Mondello die einzigen Touristen. In der Trattoria wurden alle Klischees erfüllt. Temperament, Lebensfreude, Lautstärke und wir mit einer Flasche Weißwein bei authentischem, italienischem Essen mittendrin.

Zwischen den Essen verbringen wir die Zeit mit Spaziergängen in der Stadt und am Strand. Ruhig kommt es mir hier vor. An einem Tag regnet es, da ist es extra ruhig.

Die Herren von 1957 müssen fit gewesen sein. Zumindest ist der Fitnessraum beeindruckend. Wir machen davon als einzige Gäste ausreichend Gebrauch. Sehr angenehm!

Natürlich sehen wir auch die Kathedrale Maria Santissima Assunta. Diese ist überraschend schlicht innen. Wie auch das Hotel sind Fassade und Empfang ein bisserl beeindruckender als der Rest. Möglicherweise wurde da Geld von den anfangs erwähnten Herren in den Fitnessraum abgezweigt. Alles möglich, wenngleich unwahrscheinlich.

In der Kathedrale befindet sich vor dem Altarraum eine horizontale Meridianlinie und fungiert als Sonnenuhr. Man kann nicht nur die Tageszeit ablesen sondern auch, in welchem der zwölf Sternbilder sich die Erde auf ihrem ein Jahr dauernden Weg um die Sonne gerade befindet. Wir sind zu Mittag hier, die Erde sollte in das Sternbild des Stiers eintreten. Zufällig habe ich um halbeins einen Platz an dem im Marmorboden eingelegten Messingstreifen eingenommen. Menschen hängen ihren ReisegruppenleiterInnen an den Lippen, die wild gestikulierend auf den hell erleuchteten Fleck rechts von mir am Boden zeigen, und dabei ihr astronomisches Wissen mit großer Gestik zum Besten geben. Da erkenne auch ich die Sonnenuhr und aus Zufall wird fast Absicht. Der helle Fleck ist ganz in der Nähe des Stiers – das passt. Aber, dass sich das mit der Linie bis 13 Uhr (Anm.: es ist ja Sommerzeit) ausgehen soll, bezweifle ich. So sitzen wir da und beobachten den Fleck, der sich der Linie überraschend schnell nähert. Gelegentlich muss ich einen Touristen verscheuchen, weil sich dieses nicht so helle Touristenlicht zwischen den Boden und den Auslass in der Kuppel der Kathedrale schiebt. Und dann ist es 13 Uhr, aber der helle Sonnenfleck nicht exakt auf der Linie. Also, er ist um zwölf bis 15 Zentimeter von dem Platz entfernt, wo er meines Erachtens sein sollte. Echt jetzt, eine Fertigungstoleranz von diesem Ausmaß?! Ich meine, dass sich plötzlich und speziell die italienischen Reiseführer anderen Sehenswürdigkeiten widmen. Dabei ist doch die Frage so spannend: Es ist astronomisch 12 Uhr und die Sonne steht nicht symmetrisch über der Linie? Ich möchte den Architekten, den beratenden Astronomen oder sonst einen Verantwortlichen sprechen. Oder eiert die Erde gar um die Sonne und wird in sechs Monaten um die gleiche Distanz zur Meridianlinie auf der anderen Seite versetzt stehen? Hallo, ich habe Fragen! Aber niemand hat Interesse. Ich hätte sogar Vorschläge, wie man diesen Missstand korrigieren könnte, ohne dass man die Kuppel abtragen oder den Boden aufreißen muss. Aber niemand teilt meine Empörung. Renate lächelt milde und gibt sich interessiert. Muss sie ja – zwangsläufig. Aber ich bleibe unverstanden zurück. Vielleicht hat eine Künstliche Intelligenz eine Antwort. Doch die erfindet ja angeblich die Antworten, wenn die Frage nur absonderlich genug ist. Wer mir weiterhelfen kann, möge mir eine Nachricht zukommen lassen. Aber ich will eine Antwort und keine tröstenden Worte!

Bis auf diese Konfusion und die Tatsache, dass man von Taxlern übers Ohr gehauen wird, selbst wenn man Uber verwendet, verdient das Wochenende das Prädikat tadellos. Den Italienern scheint es jedenfalls egal zu sein, ob die Linie nun ein paar Zentimeter links oder rechts liegt. Die haben lieber eine gute Zeit in der Trattoria mit Freunden. So bleibt mir Palermo als überaus lebensfrohe Stadt in Erinnerung.

Und sollte mal jemand das Thema der falsch gehenden Sonnenuhr anpacken wollen, ich hätte ein paar Ideen!

Wildes Gamseck

Was im Kurs erlernt wurde, muss gefestigt werden. Renate sucht sich das Wilde Gamseck aus und wählt damit den klassischen Weg der Ostender Bergsteigerlaufbahn. Gerne hätte ich die erste Stufe dieses Weges übersprungen und wäre gleich in den Akademikersteig. Doch auch wenn mich der lange Zustieg und ebenso lange Abstieg nicht so reizen, so werden sie uns fitter machen. Soll sein.

Wir parken in Hinternasswald und wandern los. Bei der Gamseckerhütte wartet eine Gams. Nein, flüchten kann sie nicht mehr. Sie hofft, dass wir an ihr vorbeiziehen werden. Das tun wir auch. Das arme Viecherl hat den Winter überstanden und steht nun etwas lädiert da. Zumindest kann es sich, sofern es denn dazu noch in der Lage ist, am saftigen Grün erfreuen.

Nach zweieinhalb Stunden ist, wie in der Literatur angegeben, der Einstieg erreicht. Man kommt an der Wand in einer gewissen Demut an, wenn man nicht sonderlich fit ist. Der Anstieg ist in unserer aktuellen Form ein bisserl zach. Wir gönnen uns eine Pause und wärmeres Gewand, ehe es in die Wand geht. Renate debütiert in ihrer Kletterkarriere tadellos. Anfangs noch ohne Seil denke ich schon, dass wir das Kletterzeug wieder einmal umsonst herumtragen, aber dann türmen sich scheinbare Schwierigkeiten vor uns auf, an die ich mich gar nicht zu erinnern vermag. Ich meine gar, die „Schlüsselstelle“ schon hinter uns zu haben. Das ist aber nicht so wichtig, denn es bietet sich die Möglichkeit, Erlerntes anzuwenden, und das hat immer seinen Reiz.

Auch für mich hat der Kurs einiges gebracht. Bislang habe ich die Sachen sicherlich nicht falsch gemacht. Aber es war halt aus der Erfahrung bzw. aus dem Selbststudium. Nun habe ich Selbstvertrauen, und die Übungen laufen wie am Schnürchen. So soll es sein. Die Schwierigkeiten sind nach ein paar Metern zu Ende und so können wir uns aufs Üben von Mehrseillängen konzentrieren. Renate nimmt eine Seillänge gar im Vorstieg. Schwer ist der Steig jedenfalls nicht, Renate erlebt keine Schwierigkeiten.

Bei der Bodenalm gibt es eine längere Pause mit selbst mitgebrachter Jause, ehe es durchs Bärenloch zurückgeht. Auch der Abstieg ist lange. Für eine von uns beiden sogar überraschend, ja fast nervig, lange. Hmm? Schon unten auf den letzten Kilometern geht Renate ohne Schuhe. Der Fußballen schmerzt so sehr. Ich staune. Nun bin ich seit 50 Jahren in den Bergen unterwegs, aber das habe ich noch nie gesehen. Vielleicht ist das der Grund, dass es mich auf dem flachen Forstweg hinwirft. Die schöne Hose und meine Haut haben ein paar Löcher. Renate zieht vor Schreck wieder die Schuhe an und absolviert ohne Murren den letzten Kilometer. Geht ja! 😉

Nach sieben Stunden Gehzeit sind wir wieder beim Auto. Nur beim Start in der Früh hatten wir einen Bergsteiger gesehen. Die restliche Zeit mussten wir uns beide genug sein. Fein war’s!

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Peilstein

Gernot hat mir ein Buch mit Klettertouren zum Geburtstag geschenkt. Am Akademikersteig war ich beim letzten Mal unsicher, wie denn das Sicherungsgerät zu verwenden ist. Renate will auch klettern. Jede Menge Gründe, um einen Kletterkurs beim Alpenverein zu buchen. Auch Gernots Renate entschließt sich zur Teilnahme. Tadellos, so stehen wir am Montag am Peilstein und harren der Dinge, die da kommen mögen.

Unser Trainer, Frans, erklärt kurzweilig das Material und fünf notwendige Knoten. Dann wird auch schon abgeseilt. Mutig stürzen wir uns in die Tiefe. Mit der Zuversicht von Kindern, die ganz darauf vertrauen, dass Frans schon alles vernünftig aufgebaut hat. Niemand prüft, was er denn da zusammengehängt hat. Warum auch? Alle vier haben ihren Spaß, ehe es nach Holzschlag zum Mittagessen geht.

Am Nachmittag werden Mehrseillängen geübt. Erst in der Ebene, dann am Gamseckgrat. Auch diese Übung schaffen alle ohne Not und dafür mit Freude. Und ehe der Tag vorbei ist, bekommen wir noch Tipps, deren es so viele gibt. Schauen wir einmal, was wir uns bis zum ersten Einsatz merken. Kurz vor fünf sind wir müde und zufrieden von unserem Arbeitstag draußen wieder am Heimweg. Fein war’s!

Obergurgl

Osterurlaub steht an. Jasmin und Carina sind dabei. So patzigen Schnee wie in Zauchensee oder Ischgl wollen sie nicht mehr haben. Obergurgl bietet sich da als einer der höchsten Orte Österreichs an. Wir gönnen uns ein bisserl Luxus in den Appartements Gletscherblick und müssen dabei gar zwei Stockwerke in zwei getrennten Appartements nehmen. So haben wir drei Schlafräume und damit ein Gästezimmer, das auch Gernot spontan nützt. Die Mädels freut es, denn so kommen sie zu einem Skilehrer, der mit ihnen über die Pisten fetzt.

Renate und ich gehen es gemütlicher an. Mich stört das kein bisserl. Das Wetter ist durchwachsen, teils sperrt der Föhn die Lifte. So kommen Renate und ich nicht einmal nach Hochgurgl. Ein guter Grund, in den nächsten Jahren das nachzuholen. Während weiter unten der Schnee knapp wird, gibt es hier heroben davon reichlich. Sogar zum Tiefschneefahren kommen wir. Renate räumt erst danach ein, dass es ihr erster Versuch seit 2006 ist. Und 2006 war es auch der einzige Versuch. So schaufelt sie tonnenweise Schnee und kommt dabei anständig ins Schnaufen. Oder sie lässt sich tadellos in die Falllinie fallen, um sich dann im Schrecken darüber, wie gut das geht, gleich selbst fallen zu lassen. Tapfer ist sie auf jeden Fall und bald aus verständlichen Gründen müde. Das Knie und den Hals ein bisserl verdreht sitzt sie da und hat sich Respekt verdient. Gernot düst zwischenzeitlich mit den Mädels durchs Unverspurte. So soll’s sein.

Am Nachmittag gönnen wir uns noch das Schleppservice zur Schönwieshütte. Ui, die ist eine klare Empfehlung. Das Essen ist gut, die ersten Tiefschneeschwünge wollen gar mit Champagner begossen werden. So sitzen wir da in Mitten Tirolers Bergwelt, wundern uns leise, wie der Hüttenbau ohne Schlafmöglichkeit je in dieser Einsamkeit genehmigt wurde, und verpassen dabei ganz, wie dicke Schneeflocken draußen eine Winterlandschaft wie aus längst vergangenen Tagen zaubern.

An Tagen, an denen wir nicht auf den Skiern stehen, gehorche ich Amy. Amy trainiert mich für meinen nächsten 10km-Lauf. Nicht direkt sie, denn sie hätte in Tennessee sicherlich genug zu tun, sondern eine Software. Ach, was erkläre ich, neue Zeiten sind das. In jedem Fall absolviere ich auf über 1.900m Seehöhe ein Höhentraining. Renate steht um nichts nach und radelt am anderen Ende des großzügigen Fitnessraums.

Alles tadellos – wunderbare Osterferien!