Akademikersteig

Tadellose Bedingungen warten, ab mit Renate ins Höllental, der Akademikersteig steht an. Über die Schönbrunnerstiege, dann ein Stück bis knapp vor die Forststraße auf der Höhenlinie, ehe es Richtung Wand geht. Elegant rechts abgebogen und entlang der Wand hinauf.

Wir kommen an zwei Seilschaften vorbei. Blechmauernpogo und Weg der Freiheit, beide im VII. Schwierigkeitsgrad. Oida! Das ist nix für uns. Obwohl, wie Götter schauen die beiden Sichernden nicht aus. Zumindest hat der eine Gott ein bisserl ein Bäucherl, das sich sicherlich ordentlich anhängt, wenn man drinnenhängt, oder?

Egal, wir stapfen respektvoll weiter und visieren unsere vertrauten II+ an. Die markanten Bäume, die markante Höhle – wir finden sicher zum Einstieg. Die Kraxelei ist selbst auf meiner Webseite schon oft genug beschrieben. Nicht oft genug wiederholen kann man, dass es eine schöne, spannende Kraxelei ist. Für Renate ist es die erste Klettertour in diesem Jahr, entsprechend ist ein bisserl Anspannung in ihr. Das soll so sein, Renate klettert tapfer dahin. Einzig nach dem kurzen Abstieg tut sich schon wieder so ein heimtückischer Spreizschritt auf. Ja, wie nehm’n ma ’n denn? Wir haben Zeit, ich fotografiere ein bisserl. Die Sonne kommt auch hinter den Wänden hervor, das Leben könnte es kaum besser meinen mit mir im Moment.

Das Felsenfenster ist auch noch da. Für mich ist es immer spektakulär, für meine Nachsteiger deutlich entspannter. Jedes Mal bin ich verwundert, warum sich die nicht fürchten. Und ganz am Schluss der Route soll Renate dann vorsteigen. Das macht sie auch und das macht sie auch gut. Fast wäre der Triumph perfekt gewesen, wäre da nicht der komische Grat am Schluss. Links herum oder rechts herum? Ich soll nachkommen. „Weder – noch“ ist die Antwort, „Oben drüber geht’s“. Dann ist es doch ein schöner Grat. Hurra, wir haben es geschafft.

Am Ausstieg gibt’s Schoko und freudiges Geplaudere aber auch Mobilfunkempfang. Renates MRT-Befund ist da. Die Radiologen haben sich Mühe gegeben. Das Knie ist nicht verletzt, aber ein bisserl in die Jahre gekommen. Und weil man das einer sportlichen Frau nicht so in den Befund schreiben darf, liest sich der Arztbrief wie die Menü-Beschreibung in einem Michelin-Restaurant. Leseprobe gefällig? „..mehrfach von zarten Septen durchzogen..“. Oh, die nordatlantische Salzwassersepte – eine Delikatesse!

Die Realität bringt dann den steilen Wachthüttelkamm als Knietest. 28 Leitern warten und können meiner Frau nichts anhaben. Leider hat das Weichtalhaus geschlossen. So gibt es auch keine Forelle wie erhofft. Wir wählen den Payerbacherhof und trösten uns mit lokalem Hirschragout.

Herrliche Tour, toll gemacht, Massima! Der Schmerz geht, die Ehre bleibt – oder so ähnlich. Ein Herbsttagerl fürs Kletter-Kraxeln, das nimmt uns keiner mehr. Sehr fein!

Die Tour auf Garmin