Karlhochkogel über Wallmerin und Käfereck

Donnerstagabend geht es zum Bodenbauer. Wir wollen am nächsten Tag früh los, weil uns aller Wahrscheinlichkeit nach eine Hitzeschlacht erwartet. Die Wirtin kennt Wallmerin und Käfereck nicht so recht. „Das sagt ma nix. Da geht kaum aner hin!“. Recht hat sie, einen einzigen Wanderer werden wir auf der langen Tour treffen.

Früh ins Bett – es gibt Schlimmeres – und früh aus den Federn. Um 07:30 starten wir am Parkplatz Karlschütt. Erst geht es eine Forststraße dahin, ehe das aufmerksame Auge ein Steinmanderl entdeckt, an dem scharf rechts abgebogen werden muss. Na ja, eigentlich hilft der Punkt auf meiner Uhr, der der heruntergeladenen Route folgt. Nun geht es den Wald bergauf. Es wird steiler, aber noch erträglich. Dann wartet gegen Ende des Waldes nochmals ein bisserl eine nicht so steile Passage, ehe es durch die Latschen immer steiler bergauf geht. Die Sonne ist heraußen, es brennt, ich schwitze wie ein Pferd. Der Boden ist wie eine weiche Matte – hat man auch selten. Eine Felsnadel will umgangen werden. Wer dort ist, wird wissen, welche ich meine. Unten(!) links herum geht der Weg. Wir haben erst rechts probiert – erfolglos. Es gibt eben keine Markierungen, nur Augen auf!

Allmählich nähern wir uns der „Schlüsselstelle“ unter dem Käfereck. Habe ich schon erwähnt, dass es die meiste Zeit über steil ist? Schweißtreibend steil! Egal, Felsen tun sich vor einem auf. Die Tour ist beim Alpenverein mit I+ vorgestellt. Das heißt, man braucht gelegentlich die Hände ein bisserl. Das ist sicherlich so, wenn man die richtige Route findet, aber die ist eben nicht markiert. Wir finden auch durch, es war wohl nicht die I+-Variante, aber durchaus machbar. Ein bisserl Bergerfahrung ist schon notwendig, wenn man da nicht irgendwo im Nirgendwo herumhängen will. Machbar, und mit Erfahrung leichter!

Am Plateau, dem Mühlbachboden, findet sich auch kein markierter Weg. Steinmännchen stehen herum, aber um einen Weg kümmert sich hier keiner. So müssen wir gelegentlich über Latschenfelder. Diese sind tatsächlich begehbar, aber vermutlich nicht für Mio. Ein Glück, dass er daheim geblieben ist. Der Karlhochkogel sieht noch recht fern aus, der bisherige Anstieg hat uns schon ein bisserl geschlappt. Aber was soll’s? Weiter muss es gehen. Und natürlich hat auch dieser Restanstieg irgendwann ein Ende – schneller als gedacht.

Am Gipfel treffen wir den schon erwähnten Wanderer. Wir berichten, dass wir Richtung Windscharte weiter und dann in den Karlgraben wollen. Ah, interessant! Ich bin da jedes Mal fasziniert, wie andere Wanderer bzw. Bergsteiger interessiert und dankbar auf mein Handy schauen. Wie orientieren sich denn die? GPS-Uhr sehe ich auch keine. Landkarte in Papierform eventuell im Rucksack. Gehen die nach Gefühl, Gehör, Geruch,..? Oder folgen sie ausgetretenen Pfaden? Ich verlasse mich lieber auf die Technik. Der blaue Punkt sollte auf oder in der Nähe der roten Linie bleiben. Das funktioniert auch ohne Markierung oder im Nebel. Vorausgesetzt, die rote Linie ist vernünftig eingezeichnet. Das ist mitunter oft nicht so. Auch bei dieser Tour hat der Autor einige Mal bei der Aufzeichnung gepatzt. Vielleicht ist es ein alter Track – früher hat man schon mal das GPS-Signal verloren. Dann wurde zwischen den beiden Punkten einfach eine gerade Linie gezogen. Pragmatisch, aber in Realität dann problematisch. So ist es auch heute. Des Öfteren geht es schnurstracks über Felsen oder Almwiesen. Da die Sonne lacht, ist das heute aber keine Herausforderung.

Wir rasten am Gipfel und schauen rüber zum Hochschwab. Dort tummeln sich die Menschen. Paragleiter heben ab. Wir schauen einsam aus der Ferne zu. Runter geht es dann, wie schon erwähnt, als Überschreitung Richtung Windscharte. In den Karlgraben führt der vorgegebene Track kerzengerade. Weg ist eh keiner zu erkennen, also steigen wir ebenso zielstrebig ab. Also, in umgekehrter Richtung muss diese scheinbar endlos lange, steile Almwiese eine Qual sein. Aber runter geht’s. Gämsen und Murmel wundern sich. Einige Murmelbauten sind übrigens richtig luxuriös, haben sie doch eine aufgeschüttete Terrasse mit tollem Ausblick.

Weiter unten steht dann eine Jagdhütte, die wir aber rechts liegen lassen. Erfreulicherweise ist der Weg ab jetzt gut ausgetreten. Das lässt mich rätseln. Warum kommen hier so viel mehr Wanderer her? Ich habe ausreichend Zeit, mir das zu überlegen. Der Karlgraben ist lange und serpentinenreich.

Wieder im Wald hören wir Wasser, und ich habe eh schon so einen Durst. Die Wasserflasche ist schon lange leer. Doch der Weg führt wieder von der Quelle weg. Wenn der Weg noch einmal an den Bach heranführt, lasse ich mir die Chance nicht entgehen. So kommt es auch. An wildromantischer Stelle findet sich ein Zustieg. In der Beschreibung wurden Stellen erwähnt, an denen man gar baden kann. Weiter unter uns hören wir gar Stimmen. Nein, Leute brauche ich nicht. Also, runter mit der Wäsche und rein in die Kinderbadewanne. Mit Geschick kann ich mich hinlegen. Eiskalt ist es. Renate staunt, ist mir aber ohne zu zögern hinten nach und schließt sich dem Eisbad an. Edel!

Wieder dem Anlass entsprechend gekleidet steigen wir den Rest ab. Schon nach ein, zwei hundert Metern sind die ersten beiden jungen Männern zu den doch etwas monotonen Klängen aus ihrer Soundbox am Erfrischen. Jetzt kann es nicht mehr weit sein. Eineinhalb Kilometer sind es noch geschätzt. Immer mehr Badelustige kommen uns entgegen. Das Phänomen ist recht lustig. Die Quelle ist dort entsprungen, wo wir gebadet haben. Nach ein paar Hundert Meter verschwindet der Bach aber wieder. Entlang der dazwischenliegenden Strecke kann gebadet werden und das tun einige.

Erfrischt erreichen wir das Auto und fahren noch einmal zum Bodenbauer zurück. Das Kaloriendefizit fühle ich auf. Aber kulinarisch war es diesmal nicht sonderlich. Egal, der Tag war gelungen. Wir rollen elektrisch Richtung Breitenfurt.

Anstrengende, heiße Tour! Auch da hat Renate kein bisserl nachgelassen. Wir sollten fit sein für das, was da kommen mag!

Die Tour auf Garmin