Madrid

Für unseren dritten Kennenlerntag haben wir uns Madrid ausgesucht. Zwei oder dreimal war ich schon da. Wie sooft kann ich mich nicht an viel erinnern: an den Bären am Erdbeerbaum und die endlos Menschenmassen in der Nacht. Schauen ma a mal!

Renate hat das Hotel Brach ausgesucht. Fünf Sterne erwarten uns, wir bekommen das Zimmer neben der Rezeption im ersten Stock. Das Zimmer ist klein, aber fein. Um zehn endet der Tag für uns, die erschöpften Reisenden. Von der Bar klingen Schnulzen aus den Achtzigern herauf. Zu „I’m on my way“ denke ich mir: „Fünf Sterne sind das nicht, aber so ist es eben!“. Die Nacht ist kurz! Um halbzwölf haut uns ein House-Techno-Irgendwas-Beat aus den Federn! „I did it my way“ in Neuauflage mit viel Bass und in einer Lautstärke, dass ich ins Gewand springe und auf den Gang stürme. Ebenso aufgeregte wie aufgebretzelte Spanierinnen in ihren goldenen Kleidern mit Getränken in den Händen so weit das Auge reicht. Schön, aber geht’s noch? Ich suche den Concierge und finde ihn nicht. Ehe ich in eines der vielen herumliegenden Funkgeräte brülle, steht er plötzlich da. Er hat schon gesagt, dass die Musik leiser gedreht werden muss. Mein Duolingo-Spanisch reicht, um zu fragen, ob sie ihnen ins Hirn geschissen haben. Es reicht aber nicht fürs „..und vergessen haben runterzulassen.“. Ich will den Manager. Der Mann verweigert. Wurscht, er will hinter seiner Budel verschwinden, aber ich bin ihm auf den Fersen, klatsche dabei in die Hände, wie ich es tue, wenn Mio nicht weiter will und ich hinter ihm her bin. Der gute Mann findet in seiner Not dann noch ein Zimmer im dritten Stock. Wir lassen unsere Sachen im alten Zimmer und schlafen gut. Das Hotel ist recht fein eingerichtet, aber die Bar, die akustisch nicht vom restlichen Hotel abgetrennt ist, lässt mich von einer Buchung abraten.

Ab dem nächsten Tag ist Renate krank. Eine Erkältung hat sie dahin gerafft. So ziehe ich ein paar Mal alleine durch die Stadt. In faultierartigem Tempo – so geht Städtetourismus. Den Besuch bei Paco Roncero, ein von Michelin geadelter Zweisternekoch, lässt sich Renate nicht nehmen. Gleich danach suchen und finden wir wieder im warmen Hotelzimmer Zuflucht. Mein männliches Immunsystem hat mit den Viren leichtes Spiel und widersteht selbstredend, obwohl ich drei Tage auf engstem Raum mit meiner nahezu moribunden Gemahlin verbringe.

Bei unseren teils kurzen Ausflügen an die frische Luft gefällt uns Madrid überaus gut. Eindrucksvoll und gepflegt ist es allemal. Am Tag unserer Abreise findet der Madrid-Marathon statt. Da sind die Straßen um unser Hotel autofrei – herrlich. Mit Renate und dem Wetter geht’s bergauf. Der Himmel ist gar wolkenlos. So präsentiert sich Madrid nochmals von seiner besten Seite.

Die Stadt ist eine klare Empfehlung, das Hotel unter Vorbehalt. Das nächste Mal dann wieder fit wie ein Turnschuh!