Haidsteig

Lydia und Nico sind da und wollen den Haidsteig gehen. Es ist Wochenende und am Nachmittag ist Regen möglich. Zwei gute Gründe, nicht allzu spät zu starten. Um neun Uhr sind wir am Parkplatz in Griesleiten und der ist voll. Also, man findet noch diese „Da kann man schon auch stehen, oder?“-Parkplätze. Doch diese werden auch bald weg sein.

Der Zustieg ist gemütlich, und wir treffen erstaunlich wenige Menschen. Da kommen wohl nicht alle her, um zu kraxeln. Wie Lydia am Klettersteig unterwegs ist, weiß ich ja schon. Aber, wie es Nico geht, habe ich mich nicht getraut zu fragen. Das war ein Dilemma, denn einerseits gehört es zu einer ordentlichen Vorbereitung, anderseits: darf man das einen Schweizer fragen? Sind die nicht in Felswänden oder Steilabfahrten geboren? Wir besprechen das also am Zustieg. Nico muss eine Variante im Schweizer Genom haben. Die Höhe im Allgemeinen und Leitern im Speziellen sind nicht so sein Ding. Okay, das bekommen wir hin!

Am Einstieg spielen sich Szenen ab, die an die Fotos vom Hillary Step am Mount Everest Mitte Mai erinnern. Die Leute sind halt leichter gekleidet und kaum einer, oder keiner, hat ein Sauerstoffgerät. Trotzdem staut es. Bunt ist es, schön anzuschauen ist es. Und dann höre ich seltsame Geräusch. Da mag sich doch einer, der wohl gerade den Kopf weit im Nacken hat, um die Wand zu studieren, durch einen Ausritt in eine Geröllrinne unerlaubt von der Truppe absondiert haben. Ich sitze da, schlüpfe gerade in meinen Klettergurt und staune nicht schlecht. Schon sehe ich nur noch einen Arm vom Abtrünnigen. Auch die anderen stehen herum. Niemand eilt zur Hilfe, vielleicht ist der Platz in der Schlange zu wichtig. Vielleicht soll sich jemand anderer darum kümmern. Sachen gibt’s!

Dann kommen auch wir dran. Als bunte Perlen in der Kette steigen wir los. Nico ist anfangs respektvoll, ehe das Selbstvertrauen einschießt. Der Weg ist leicht zu finden: „Immer dem Seil nach!“, und so steigt er vor. Na ja, wir sind wie schon erwähnt mittendrin. Vor uns geht nicht viel weiter und hinter uns klebt ein tschechischer Grünhelm so knapp an Lydias Fersen, dass ich kaum brauchbare Fotos zu schießen vermag. Also, Mio hält definitiv respektvolleren Abstand, auch wenn man Leckerlis in der Tasche hat.

Wir sind jedenfalls nicht Ursache für den Stau und werden auch nicht abgebremst. So genießen wir die Tour. Die Einsamkeit und das Gefühl des Auf-sich-gestellt-Seins erleben wir heute nicht.

Bei der Madonna sind die technischen Schwierigkeiten weitgehend erledigt. Lydia erinnert sich gar nur noch an ein Geröllfeld und ein bisserl Aufstieg, was da folgen wird. Oh, da spielt ihr die Erinnerung aber ein bisserl einen Streich. Jetzt gibt es erst einmal Besuch bei Ulli. Die ist gut abgelenkt. Es sind so viel Leute heute hier. Da bleiben wir dann doch nicht lange.

Weiter geht’s über die Demutsleit’n. So nenne ich den der Madonna folgenden Abschnitt. Technisch leicht und unversichert treibt mir der Abschnitt jedes Mal den Puls in die Höhe. Irgendetwas treibt auch Nico in die Höhe. Bald sehen wir in nur noch weit über uns. Ja, der Stau hat sich gelöst. Nico wird sich in Jahren erinnern, dass der Steig okay war, er aber oben dann doch auf die zwei Österreicher warten musste. Das sei ihm vergönnt.

Wir erreichen das Plateau und wandern zum Kreuz weiter. Was für ein Tagerl! Die Optionen Königschusswandsteig und Holzknechtsteig werden abgelehnt. So steigen wir über den Göbl-Kühn-Steig zum Waxriegelhaus und nach einem Mittagessen zum Auto ab. Beim Abstieg dann Blitzen, Donnern und erste Regentropfen. Aber hallo! Bergfex meinte in der Früh noch Null Prozent Regenwahrscheinlichkeit. Meine verlässlichste Quelle, Meteoblue, hat die Gewitter für den Nachmittag mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhergesagt. Kurz vor dem Auto kommt Wind auf, daher Laufschritt! Beim Einsteigen dann starker Regen, im Auto sitzend dann Platzregen. Wow, das nenne ich ein Timing. Der Parkplatz ist noch gut gefüllt und die Straße vom Parkplatz raus auch. Da werden wohl einige nass werden, aber wir hatten Glück und eine definitiv feine Tour!

Die Tour auf Garmin

Großer Sonnleitstein

An diesem Fenstertag geht es nach Hinternaßwald. Wir haben uns den Großen Sonnleitstein ausgesucht. Er soll ein Geheimtipp sein. Am Internet finde ich gar den Ausdruck „Matterhorn der Wiener“. Aber ich denke, da macht sich jemand über die Bewohner der Bundeshauptstadt lustig.

In Hinternaßwald stehen einige Autos, für einen sonnigen Fenstertag im Mai ist es überschaubar. Neben uns macht sich ein Paar in ähnlichem Alter fertig. Sie wollen dieselbe Route gehen. Und noch ein drittes Paar ist da. Ja, aber hallo! Wie geheim ist denn der Geheimtipp?

Die Sonne brennt runter, auf der Schotterstraße ist es wärmer als angenommen. Da überholen uns die Gleichaltrigen, Renate nimmt die Herausforderung an. Nach der Forststraße geht es im Wald recht klar und gerade einer Linie folgend steiler werdend bergauf. Erst denke ich, dass wir die Wanderung ja machen, um fit für die Berge zu werden, aber dann habe ich doch Sorge, dass sich das nicht ganz ausgehen wird. Ich gehe vor und bremse. Das Tempo ist noch immer zügig.

Nach dem steileren Abschnitt im Wald geht es dann flacher dahin. Der Gipfelaufbau ist schön, obschon „Matterhorn“ ein bisserl gar hochgegriffen ist. Am Gipfel sind die drei Paare wieder vereint. Ich denke, wir sechs sind aber an diesem Tag doch die einzigen. Der Zufall hat uns einfach zusammengewürfelt.

Renate zahlt den Preis des schnellen Starts mit leichter Erschöpfung. Auch Mio scheint nicht ganz fit. Aber so sitzen wir da und schauen ins weite Land. Von der Jause gehören Weckerl und Gemüse mir, Mio nimmt den Schinken. Kurz, alles friedlich.

Der Abstieg über die Ameis-Wies-Hütte ist ein bisserl vom Windbruch behindert. Auch merkt man, dass die Gegend hier selten begangen wird. Der Steig ist nicht sonderlich gut ausgetreten. Entsprechend ist es abschnittsweise ein bisserl mühsam. Technisch ist es natürlich kein Problem.

So kommen wir nach gut vier Stunden Gehzeit wieder zum Auto zurück. Alles in allem eine feine Wanderung in abgelegener Gegend. Der Zufall hat uns vier Begleiter geschickt. Sonst vermute ich, ist es hier sehr ruhig. Fein war’s!

Die Tour auf Garmin

Klettersteig Hilde

Ganz schön lange zieht sich die Stoderzinken Alpenstraße von Gröbming zum Parkplatz der Rosemialm herauf. Wir sind an einem Montag in der Zwischensaison hier heraufgefahren. Entsprechend leer ist der große Parkplatz. Der Ausblick war schon während der Anfahrt beeindruckend.

Grödel brauchen wir keine, hätten wir eh daheim vergessen. Aber die festeren Schuhe nehmen wir statt der Zustiegschuhe. Das macht das Kraxeln ein bisserl schwieriger, aber wer weiß, vielleicht verbirgt sich in einer steileren Rinne Schnee. So viel sei vorweggenommen, der Steig ist am 28.4.25 schneefrei. Die Sonne brennt in den Südhang und auf über 1.800m herrscht T-Shirt-Wetter.

Der Zustieg führt erst kurz bergauf, ehe es runter geht. Kurz ist der Zustieg. Auch in aller Gemütlichkeit brauchen wir nicht mehr als 35 Minuten. Nach einem kurzen, einfachen Geröllfeld wartet der Einstieg. Sogar ein schattiges Platzerl gibt es fürs Anlegen von Helm und Klettersteigset.

Der Einstieg ist ein B/C. Erstaunlich, was sich zwischen den Latschen hier findet. Der Fels ist warm und super griffig. Alles sieht nach komfortabel aus und trotzdem geht es gleich merklich los. Renate schnauft – was ist denn da heute los?

Weiter geht es einerseits harmlos zwischen den Latschen und anderseits spektakulär unter einem Überhang dahin. Da hat sich jemand bei der Routenwahl Mühe gegeben. Die Klammernwand ist dann erstmals spannend. Es geht da wirklich senkrecht in die Höhe. Aber die in die Wand geschlagenen Bügel sind beachtlich. Da steht es sich wie auf einer Leiter beim Apfel pflücken. Mit Übung kann man das alles mit wenig Armkraft und nur „aus den Beinen“ gehen. Mit weniger Übung schnauft man da schon ganz schön. Nach ein paar einfacheren Stellen geht es dann in C/D weiter. Wieder Senkrechte, große Bügel und Armbelastung je nach Übung. Fels, Ausblick und Landschaft sind überaus edel. Fein für den, der es genießen kann.

Nach diesen Herausforderungen haben wir ein bisserl die Orientierung verloren. Wir meinen, dass der Ausstieg bald erreicht sein müsste. Aber der Höhenmesser meint, dass wir gerade mal die Hälfte haben. Juchhu, nochmal so viel Freude. Oder, Mist nochmal so viel – das kommt ganz auf die Situation an, in der man sich befindet. Renates Zustand hat sich deutlich verbessert, Garmin gibt ihr zur Sicherheit trotzdem schon mal 4,8 für die aerobe Leistung. Ob sie den Fünfer noch schafft?

Da wir dem Höhenmesser nach den nächsten Latschen beim Blick auf die Höhlenwand Recht geben müssen und wir tatsächlich eher in der Mitte sind, erledigt sich auch das Thema mit dem Fünfer rasch. Renate kämpft tapfer.

Wieder Latschen und dann der Blick auf den Plattenpfeiler! Wau, der sieht auch cool aus. Wieder ist die Wand mit ausreichend Stahl versehen. Die Schwierigkeit ist meines Erachtens somit mit C bzw. B/C richtig angegeben. Das ist auch irgendwie cool, da man bei mittlerer, technischer Schwierigkeit viel Luft unter Sohlen und Hintern bekommt.

Nach diesem Pfeiler rückt das Ende spürbar näher. Die eine oder andere Felsstufe wird noch gekraxelt, ehe der Steig sein Ende findet. Ein paar Minuten und wir stehen beim Gipfelkreuz des Stoderzinkens! Renate hat sich schnell wieder aufgeladen. Fröhlich über den Erfolg wird gescherzt und gelacht.

Runter geht es dann übers Friedenskircherl überraschend kurz zum Parkplatz zurück. Unsere Iduna lädt sich die steile Mautstraße runter fast so schnell auf wie Renate. Wir fahren zurück ins Schlosshotel Pichlarn, wo wir den Nachmittag vertrödeln. Tadellos!

Zusammengefasst: Der Hilde Klettersteig ist ein ganz toll gemachter Steig. Bei mittlerer Schwierigkeit kann man Pfeiler und Wände erleben, die ohne die fetten Stahlhilfen für die Allermeisten unerreichbar sind. Für Anfänger und Kinder ist das aber trotzdem alles nichts. Wer wenig Erfahrung hat, wird die Arme spüren. Wer noch nicht fertig ausgewachsen ist, wird mangels nötiger Arm- und Beinlänge ordentlich gefordert. Das kann man mit Erfahrung leicht kompensieren. Aber Kindern fehlt eben oft beides. Und dann ist da noch die Höhe. Die Ausgesetztheit sollte einem nichts ausmachen. Sonst, so kann ich mir das vorstellen, wird es einem hie und da ein bisserl mulmig werden.

Für uns war es ein superedler Tag. Ende April im T-Shirt hatten wir eine Genusskraxelei der Sonderklasse. Bei diesen Bedingungen ist der Steig eine klare Empfehlung.

Die Tour auf Garmin

Soma Bay


Zu den Fotos


Jasmin lernt für die Matura, Carina will in die Welt hinaus. So buchen wir kurzfristig über TUI das Steigenberger Ras Soma in Ägypten etwas südlich von Hurghada. In vollem Vertrauen auf TUI buchen wir ein Paket inklusive Flug. Bei näherer Betrachtung ein paar Tage vor Abflug erkenne ich, dass wir mit Nesma Airlines fliegen werden. Kenne ich nicht. FlightAware kennt es ebenso wenig. Komisch! Beruhigend ist, dass Google nichts über einen Absturz zu berichten weiß. Verstörend sind der Durchschnittswert der Rezensionen mit unter drei Sternen und die häufige Einleitung mit „Nie wieder Nesma Airlines“ oder „Mit jeder anderen Fluglinie gerne“. Prompt verschiebt sich die angekündigte Abflugzeit nach hinten. Aber wir sind vorbereitet. Letztlich ist der Flug gut. Wir kommen irgendwann in Hurghada an, werden in einem Privattransfer chauffiert und bekommen gegen zwei Uhr morgens unsere Zimmer. Meer und Pool sieht man wie versprochen. Also, das Meer ist in weiter Ferne und durch eine Baustelle von uns getrennt. Der Poolblick ist ein Blick auf den privaten Pool des Zimmers im Erdgeschoss unter uns. Fein, da kann ich morgen den Nachbarn vom Balkon aus Tipps zum Entspannen im eigenen Pool geben. Auch hat sich ein leichter Geruch über das Zimmer gelegt, der definitiv nicht lecker ist. Renate will das Zimmer tauschen. Ich sehe das als chancenlose Übung an. Es sind Osterferien, und fürs Erste will ich schlafen. So auch Renate.

Aber gleich am nächsten Morgen hat Renate dann auch prompt zwei Zimmer im zweiten Stock mit echtem Meer- und Poolblick organisiert – Respekt! Das ruhige Zimmer nach hinten raus bleibt damit anderen Gästen. Für uns geht es ab jetzt bergauf, die Zimmer sind edel!

Die gesamte Anlage ist fein, hier kann man es aushalten. Wir buchen zwei Ausflüge und machen drei. Der erste Ausflug geht mit einem Boot ins Naturschutzgebiet „Mahmya“, was so viel wie Paradies heißt. Selten habe ich so ein gut organisiertes Paradies gesehen. Wir werden der Gruppe „Nemo“ auf einer mehrstöckigen Yacht mit einigen anderen deutschsprachigen Gäste zugeteilt. Es gibt viele Yachten mit vielen Fischgruppen.

Mohammed wird sich um uns kümmern. Er stellt uns den Tagesablauf vor. Ein bisserl viel Information für mich. Irgendwo gibt es eine Schnorchelausgabe und dann Essen, aber auch Freizeit und überhaupt.

Unser Ankern und Übersetzen ins Paradies erinnert mich ein bisserl an D-Day Szenen, als die Alliierten in der Normandie landeten. Okay, auf uns schießt keiner. Aber keine drei Schritte an Land und wir sind auf uns allein gestellt. Wie die anderen Invasoren ziehen wir zur Schnorchelausgabe. Das hat ja mal geklappt. Jetzt folgt vermutlich die Suche nach dem Plätzchen im Paradies. Mohammed, der Hirte der Nemos, ist verschollen.

Jede Menge Matratzen mit Sonnenschirmen liegen im Paradies bereit. Oberösterreicher, die wir von unserer Yacht kennen, und wir haben uns zur Österreicher-Fraktion zusammengetan. Auf uns selbst gestellt wollen wir uns platzieren. Weitgefehlt, der Chef-Nemo einer anderen Fischgruppe vertreibt mich lautstark. Hier sind die Barrakudas. Das fühlt sich auch so an. Ich komme mir vor wie ein Robbenbaby, dass seine Mama unter den tausenden Tieren verloren hat und nun von den anderen Robbenweibchen weggescheucht wird.

Aber jeder Fischartenchef hat einen Oberchef. Und der ist in dem wilden Treiben nicht nur am langärmeligen weißen Hemd leicht zu identifizieren. Ihm ist das Handy schon am Ohr angewachsen, sodass er es nicht mehr halten muss. Er fuchtelt, schreit ein bisserl und organisiert derart das einmalige Erlebnis im ägyptischen Naturschutzparadies auf nächsthöherer Ebene. Ja, wie den unser Fischhäuptling aussieht? Scherzfrage, für mich sehen die alle ja irgendwie gleich aus. Dass unser Offizier des Tages Mohammed heißt, hilft auch nicht. Wir sind verloren! Doch dann passiert ein Wunder: die anderen deutschsprachigen Nemos marschieren geführt von ihrem Mohammed, also unserem Mohammed, am Wasser vorbei. Er beweist sich mittlerweile als großer Redner, seine Schützlinge haben sich an seine Fersen geheftet. Wir wurden schon vermisst.

Die Einteilung in zwei Nemo-Reihen lasse ich geduldig über mich ergehen. Da schau her, wir bekommen die Plätze in der Front Row unseres Matratzenabschnitts. Vielleicht möchte uns Mohammed auch besser im Blick haben. Mit Schmunzeln beobachte ich noch, wie Deutsche neben unserer Zweierreihe Matratzen belegen wollen. Aber das Paradies toleriert keine Vermengung der Fischarten. Husch, husch – zurück in eure Reihe. Okay, ein bisserl Fauchen ist auch dabei.

Wir schnorcheln, was bis auf die Wassertemperatur eine feine Sache ist. Das Essen ist bestens organisiert. Es gibt unter anderem Fisch. Ich glaube, Clown-Fische kann man nicht essen. So fühle ich mich als Tagesmitglied der Nemo-Gruppe wohl. Anderen Fischgruppen mag es da nach dem Motto „Dorade isst Dorade!“ unangenehmer ergehen.

Der Tag ist insgesamt kurzweilig. Das Paradies ist bestens organisiert, es gibt nichts zu meckern. Bei der Abfahrt zur Rückkehr nach Hurghada verabschiedet uns noch eine Katze. Sie sieht unserer Cookie recht ähnlich. Bald wird es wieder ruhig im Paradies sein. Dann kann sie sich um die Fischreste kümmern. Wir schaukeln gemächlich in den Sonnenuntergang. Alles gut!


Zwei Tage später holt uns ein größerer Bus zu unserer zweiten Tour ab. Wir sind auf der VIP Elite Tauchtour eingebucht. Achmed nimmt uns im Bus als erste Gäste in Empfang. Er ist in meinem Alter, was in Ägypten schon ein bisserl ungewohnt ist. Mit Hilfe von Google habe ich auf Arabisch als Gruß „Einen Morgen voller Licht!“ einstudiert und erweiche damit auch Said, den Busfahrer. Er war früher LKW-Fahrer und ist bis nach Riad gefahren. Bald weiß ich alles. Kurz, ich kapere den Bus.

Mit jedem Zwischenstopp in einem der anderen Ressorts füllt sich der Bus weiter und Achmed drängt sich in den Vordergrund. Kaum sind wir komplett, präsentiert er seine eigentlich Bestimmung. Er hat definitiv das Zeug zum Einkaufsfahrtenverkäufer. Aber erst am Boot, einer edlen mehrstöckigen Yacht, legt er noch einmal einen Gang zu. Er spricht schneller Deutsch, als er es kann. Ich verstehe Bruchteile und habe unentwegt Sorge, dass ich dem Kauf von zwei Heizdecken, drei Nackenkissen und einer Herde Kamele zugestimmt habe. Jeder Mitarbeiter an Board wird vorgestellt. Da sind die Crew fürs Schiff, der Koch, der Kellner, die drei Schnorchel-Guides, zwei Fotografen usw. Wir haben laut Achmed Glück, denn normalerweise sind doppelt oder dreimal so viele Touristen an Board. Kaum fühle ich mich wie ein echter Multimillionär auf seiner Yacht, verweist mich Renate auf das Gluckern des vermutlich riesigen Dieselmotors. Uh, sind nicht Yachten die Klimasünder schlechthin? Meine CO2-Bilanz ist wieder einmal vernichtet. Uje, da gebe ich mich schnell wieder Achmeds HSE24-Dauerwerbesendungsredeschwall hin. Das malträtiert die Ohren, aber übertönt den Dieselmotor.

An drei unterschiedlichen Stellen des Riffs schnorcheln wir. Das Wasser ist noch immer kalt. Das Riff dafür umso schöner. An Board wird gekocht und gut gegessen. Der Fotograf glänzt mit einer Spiegelreflexkamera und weiß, wie man Touristen in Pose rückt. Für einen ägyptischen Monatslohn kann man die Fotos dann kaufen. Okay, in Kashoggi-Stimmung tut man das auch. Auch dieser Ausflug ist kurzweilig und eine Empfehlung. Wieder geht es im Sonnenuntergang nach Hurghada zurück. Said – was hat er eigentlich den ganzen Tag getan? – führt uns noch zur größten Moschee Hurghadas, die wir vom Bus aus bestaunen dürfen. Achmed hat mittlerweile eine rekordverdächtige Redegeschwindigkeit erreicht. Er ist aufrichtig freundlich, lädt uns zu sich ein, scherzt über seine Familie, wünscht einen schönen Abend und plötzlich ist er weg. Er ist mit dem Kuvert mit Bakschisch in einem engen Gässchen Hurghadas verschwunden. Said führt uns ins Hotel zurück. Das ist gut so, er redet sehr wenig.


Am letzten Tag leisten wir uns eine Cabaña am Strand in der ersten Reihe. Die Getränke und Snacks sind in der Miete miteinbegriffen. Das erscheint großzügiger als es ist. Immerhin haben wir all-inclusive gebucht. Wir schauen den anderen Touristen am Strand zu, raten ihre Nationalitäten, lesen, schauen aufs Handy, etc. Aber irgendwann muss Abwechslung her. Renate und ich wollen einen Strandspaziergang wagen. Garmin belohnt uns einen solchen gar mit einem Punkt. Wer wird da widerstehen?

Am Strand nach rechts oder nach links? Beide Optionen bieten kilometerlangen Strand. Ich ergänze, dass Soma Bay bald aus ist, wenn wir nach rechts gehen. Nach links kann man stundenlang spazieren. Irgendwann erreicht man das Kempinski und das Sheraton, wo ich vor Jahren schon war. Renate will nach rechts. Auch recht, lerne ich Neues kennen. Ich ziehe mir Hosen und Shirt an, die Sonnenbrille rundet den Auftritt ab. Renate ist sparsamer. Bikini und Sonnenbrille müssen reichen. Ich weise nochmals darauf hin, dass Soma Bay bald endet. Anderseits war Renate schon in mehr Ländern als ich und ist erwachsen genug. So spazieren wir los. An der Grenze unseres Ressorts sitzt ein Wachmann, der uns freundlich zuwinkt. Ab sofort befinden wir uns auf einem Gebiet, dass touristisch gewidmet ist, aber auf dem noch keine fertigen Hotels stehen. In ein paar hundert Metern erkennt man eine Mauer bis zum Meer vor. Hier endet das Touristengebiet und trennt die Welten.

Aber schon ein paar freche Ägypter nutzen den Sonntag und sind in das Gebiet hier „eingedrungen“. Es sind ausschließlich Männer, alle in langen Hosen und Shirts. Ich grüße freundlich, was sie ihre Verwunderung abwerfen lässt. Sie erwidern die Grüße freundlich. Die Blicke ruhen, während wir weiterspazieren, auf uns. Vermutlich mehr auf Renate als auf mir, aber sie ruhen. Die nächste Gruppe ist wieder rein männlich. Aber es sind Jugendliche, voller Übermut. Ich grüße, sie lachen. Da fasst der erste allen Mut zusammen und fragt mich mit übermütigem Blitzen in den Augen, ob er ein Foto mit mir machen kann. Gerne, wir schießen ein Selfie. Ob er eines mit uns beiden machen kann? Auch gerne! Ob er eines mit Renate haben kann? Renate sagt ja. Ehe er seinen Arm um sie legen kann, nehme ich sein Ohr zwischen meine Fingernägel und drehe ein bisserl daran. Nur zur Erinnerung und Rückhalt! Tja, und jetzt hat ein Teenager ein Foto, um das ihn die anderen sicherlich beneiden. Da macht es auch gar nichts, dass die blonde Frau in ihrem denkbar knappen Bikini dreimal so alt ist. Jeder will jetzt ein Foto mit Renate. Mit mir will übrigens keiner eines, komisch! Renate entgleitet die Situation, ihr werden die durch einander schreienden jungen Männer, die sie eingekreist haben verständlicherweise zu viel, zumal es hier mittlerweile auch deutlich mehr Ohrwascheln gibt, als ich Finger habe. So verteidigen wir uns Rücken an Rücken gegen den Übermut und das Betteln der jungen Teenager um ein Foto. Noch finde ich es lustig und ich kann versichern, dass es nicht daran liegt, dass eh keiner mit mir ein Foto will. Wir lehnen nun forscher ab, drehen um und zielen aufs sichere Ressort.

Damit haben wir erstaunlicherweise Erfolg. Wir haben so plötzlichen Erfolg, dass ich es selbst nicht glauben kann und mich umschaue. Siehe da, der freundliche Wachmann vom Ras Soma ist aus dem Schatten heraus und hat Kurs auf uns genommen. Er hat eine Hand hinter dem Rücken am Hosenbund. Aber ehe er amtshandeln kann, sind wir wieder alleine am Strand. Nicht nur die Teenager sind weg, sondern auch die erwachsenen Männer, an denen wir am Rückweg vorbeigekommen wären, sind wie vom Erdboden verschluckt. Ja, und wie sind die jetzt so schnell durch oder über die Mauer? Oder verstecken sie sich in einer Grube? Zumindest haben sie jetzt Fotos oder gar ein Video, dass sicherlich lokal viral gehen wird. Wir kommen am Wachmann vorbei. Er winkt, er lacht und schaut mal nach den Dingen in Richtung Mauer. Auf ein Foto mit ihm wird genauso wenig einer neugierig sein wie mit mir. Renate schiebt ihr knapp bedecktes Popscherl ins sichere Touristengehege. Uff, nochmal Glück gehabt. Wir marschieren jetzt lieber nach links. Da ist das späte Sonnenlicht eh schöner. Sachen gibt’s!

Am Montag holt uns dann wieder ein privater Chauffeur ab. Also, es sind zwei Autos, die sie schicken. Ja, das ist, weil wir zu viel Gepäck haben. Aha, vielleicht hat sich auch rumgesprochen, dass die Frau mit den blonden Locken, der neue ägyptische Internetstar, abreist. Man weiß es nicht!

Unser Ausflug nach Ägypten war somit ein voller Erfolg. Der Rückflug war pünktlich, obschon der Lack an der Maschine von Nesma Airlines ziemlich ab war. Egal, gelandet ist sie sicher und so haben wir es alle drei sicher und bestens erholt nach Hause geschafft!

Haidsteig

Am Vortag habe ich mich auf unserem Tacx NEO Bike Plus Trainer doch beansprucht, und soll der heutige Tag eine Wanderung mit Renate und Mio auf einen neuen Gipfel von Hinternasswald aus bringen. Aber dann ereignet sich das Hoppala auf unserer Treppe. Renate stürzt, hält das Wasserglas und weitere Utensilien hoch, während sie im Langsitz die Stufen nimmt. Das Bürzel ist geprellt. Wir müssen umdisponieren. Und weil mir nichts besseres einfällt, gehe ich den Haidsteig.

Dort geht aber nicht viel. Ich bin einfach schlapp. Am Zustieg überholt mich einer. Uje, ich werde alt. Oberhalb der Waldgrenze meldet sich Wind. Zumindest für Renate wäre das nichts gewesen.

Den Überholer hole ich beim Einstieg ein. Aber im Steig gibt er erst richtig Gas. Also das ist mir bislang auch nicht passiert. Die Uhr sagt, dass ich mich ein bisserl anstrengen könnte. Das ist ein amerikanisches Produkt, da will ich ein „You’re awesome!“ hören. Darauf wartet man bei Garmin aber ewig, heute ganz besonders.

In der Wand beutelt es mich hin und her. Da freut es mich nicht einmal sonderlich. Bei der Madonna ist auch kein Platz zum Verweilen. Da muss man froh sein, wenn einen der Wind nicht von dem Platzl dort bläst.

Ein bisserl Schnee und Eis ist auch noch da. Und so kommt es, dass ich im einfachen Teil abrutsche – die Bergschuhe sind heute auch nicht die richtigen – und ich mir die Fingerknöchel aufschürfe, ordentlich. Heute freut es mich gar nicht mehr, den Königschuss streiche ich.

Am Plateau lasse ich mich vom Wind bergauf zum Preinerwandkreuz treiben, ehe ich mich an den Abstieg mache. Die Neue Seehütte verweigere ich, auch wenn der Wirt ein einladende Tafel gegen den Wind platziert hat. Vor dem Holzknechtsteig lege ich mich zwischen die Latschen und suche Windschatten. Ich habe Renates Proviant mit. Ein Weckerl in drei Schichten mit Frischhaltefolie dazwischen. Das habe ich auch noch nie gesehen. Prompt nutzt der Wind die Chance, entreißt mir das Jausensackerl und ich muss hinterherrennen. Geh bitte! Echt jetzt?

Am Holzknechtsteig wird es wieder ein bisserl wärmer, mir kommt ein junger Bergsteiger entgegen. Deutsch ist nicht seine Muttersprache, und so verstehe ich nicht ganz, was er heute schon gemacht hat. Ich vermute, er war am Haidsteig und ist den Preinerwandsteig runter. Jetzt will er „hinten herum“ zum Königschusswandsteig. Ich zeige ihm die gelbe Tafel am Einstieg zu seinem Steig, und das ist eher die andere Richtung. Da zeigt er mir sein Planungstool am Handy. Ich hab‘ keine Lesebrille mit und bin verwirrt. Jedenfalls muss er wieder zurück. Ich empfehle ihm einen kurzen Abstieg, weil die Rinne unangenehm sein kann und das Überqueren der Rinne erst weit oben gut geht. Danach müsste er wieder absteigen. Er hört auf meinen Rat – oha. So steigen wir gemeinsam ab und hören nach dem Queren der Rinne ein ordentliches Gepolter. Da kommt ein Fels von der Größe eines Medizinballs in der Rinne runter. Wir schauen uns beide an. Jepp, da haben wir Glück gehabt.

Mir reicht es endgültig, ich steige ab. Ab ins Auto und nach Hause. Heute war ich einfach in der falschen Verfassung am falschen Ort!

Die Tour auf Garmin

ÖTK, Blutspur, Matthias-Prinner

Und schon wieder Hohe Wand, aber diesmal alleine! Na ja, alleine bin ich nicht, denn hier an diesem sonnigen Freitag wimmelt es nur so. Wanderer, Klettersteiggeher, Kletterer sind am Boden unterwegs, in der Luft surren die Paragleiter.

ÖTK-Steig und Blutspur sind heute gefühlt schwieriger. Was lerne ich daraus? Eigentlich ist es nur beschränkt verwertbar, was ich auf die Frage antworte: „Und wie schwer ist dieser oder jener Steig?“. Ganz so klar ist es nicht, womit das zusammenhängt. Als Einflussgrößen habe ich:

  • Die Erinnerung vom letzten Mal. War es das letzte Mal leicht, dann ist es beim nächsten Mal gefühlt ein bisserl schwerer und umgekehrt.
  • Bei den schwierigen Stellen hängt es davon ab, wie ich sie erwische. Das ist faszinierend, da ich die Steige und ihre „Schlüsselstellen“ zu kennen glaube. Selbst, wenn ich mich erinnere, die Stelle ein bisserl weiter außen zu nehmen, ist es nicht gesichert, dass sie mir dieses Mal leicht fällt. Da staune ich.

Letztlich ist es egal, weil ich auch diesmal beide Steige ohne Probleme bewältige.

Den Matthias-Prinner-Steig bin ich erst einmal gegangen. Die Strickleiter habe ich als mühsam in Erinnerung und die Seilbrücke als leichter als gedacht. Prompt kommt es anders! Die Strickleiter ist eigentlich easy und die Seilbrücke ein bisserl Überwindung. Der restliche Steig ist dann einfaches Gelände der Schwierigkeit B. Die vielen Besucher haben den Steig ausgeputzt. Also, kaum noch loses Material. Nach knapp 15 Minuten bin ich durch und gönne mir eine Pause.

Runter geht es den Frauenluckensteig. Zuerst wundere ich mich über die vielen jungen Steinböcke. Wer Steinböcke sehen will, sollte auf die Hohe Wand. Man wird nicht enttäuscht. Es sind irritierend viele und verstörend zutraulich. Das nächste Mal streichle ich einen. Scherzerl, aber viel fehlt nicht.

Der Frauenluckensteig ist dann unerwartet spannend, steigt man doch in schwindelerregender Höhe von Metallbügeln auf eine wirklich senkrechte geschätzt zehn Meter hohe Leiter. Ob das jedermanns Sache ist? Hmm!

Weiter unten habe ich zum Abschluss noch eine Begegnung, die mir den Abschied für heute leichter macht. Am Fuße einer Wand frage ich freundlich ein Kletterpaar in meinem Alter, was sie sich denn vorgenommen haben, und bekomme in tadellosem Hietzinger-Deutsch als Antwort: „Das wissen wir noch nicht so recht! Das schauen wir uns noch an.“. Ja, eh, genau! Ihr habt halt einmal alles eingepackt, was man so bis zum VI. Schwierigkeitsgrad braucht, und oben drauf noch ein paar Kilo Reservematerial dazugelegt. Ich ärgere mich kurz, weil ich wirklich zurückhaltend freundlich gefragt habe, aber mir der Gleichaltrige mit seinem Allerwertesten ins Gesicht fahren muss. Seine Begleiterin lächelt entschuldigend. Wie auch immer, sie muss es mit ihrem Herzilein aushalten.

Abgesehen davon war es ein feiner Tag auf einer diesmal stärker frequentierten Hohen Wand!

Die Tour auf Garmin

Gebirgsvereinssteig

Gernot ist mal in Wien, da müssen wir etwas unternehmen. Die Sonne lacht, und diesmal ist es warm. Trotzdem wählen wir „nur“ die Hohe Wand. Weiter oben hat es geschneit. Gernot hat gar nicht die passende Ausrüstung für den unerwarteten Schnee dabei. Renate hat noch im Hinterkopf, dass es in den Bergen auch kalt sein kann.

Den Steig erledigen wir ohne jeden Zwischenfall. Man sieht dem Steig schon etwas an, dass er sehr, sehr oft begangen wird. Aber es ist tadellos gewartet, lediglich der Fels ist stellenweise abgeschliffen wie so mancher Kirchenpfeiler im Vatikan.

Meine beiden Begleiter schnaufen ein bisserl. Ist ja noch früh in der Saison. Das darf noch sein. Anderseits müssen wir noch einiges trainieren, um unsere Ziele wie Königsjodler oder den Klettersteig am Großen Priel zu schaffen.

Auf der Hohen Wand ist den Steinböcken so fad, dass sich gar einer der jungen Steinböcke hinreißen lässt und einen Baum erklimmt. Sachen gibt’s.

Nach einem üppigen Mittagessen auf der Wilhelm-Reichert-Hütte – vor allem ich lange übermaßen zu – geht es den Wagnersteig wieder runter.

Netter Tag bei blitzblauem Himmel!

Die Tour auf Garmin

HTL-Steig und Blutspur

Eigentlich könnte ich ins Fitness Center gehen. Das kann ich eh brauchen, um wieder fit für die Klettersteige zu werden. Da fällt mir ein, dass ich ja gleich einen Klettersteig gehen könnte. Mit dem E-Auto ist mein grünes Gewissen nicht ganz so stark belastet, wie mit dem alten Schweröl-Panzer. Passt also, los geht’s!

Der HTL-Steig hat einen Zustieg von zehn bis fünfzehn Minuten, oder halb so lange, wenn man doppelt so schnell geht. Kurz gesagt, der Zustieg ist denkbar kurz. So stehe ich gerade ein bisserl aufgewärmt am Einstieg. Wohlwissend, was mich erwartet, ziehe ich die Jacke aus und fröstle lieber ein bisserl.

Die Erinnerungen sind derart, dass ich kaum überrascht bin. Es geht leicht und ich bin schnell unterwegs. Nur die Luft muss heute etwas dünner sein. Gelegentlich erwische ich mich beim Keuchen. An der „Überholspur“ findet sich noch jemand zu einem Plauscherl. Ja, das Leben, die Berge, usw.

Nach 48 Minuten bin ich oben. Ich taumle weiter zur Blutspur. Ein junger Steinbock macht mir widerwillig den Weg frei. Hurra, ich habe ihn vertrieben. Beim Foto schaut er dann doch so genervt, dass ich lieber über eine Abkürzung ausweiche. Wir wollen es ja nicht übertreiben.

Die Blutspur, wo ich vor 25 Jahren mal in Not gekommen bin, hat sich eingebrannt. Aber sie wurde auch wiederholt entschärft. Ich vermute, dass auch seit meiner letzten Begehungen die Seilführung am exponierten Eck umgelegt wurde. Oder, ich habe heute Glück und erwische eine einfache Linie. Nach drei Minuten und 33 Sekunden, so sagt es die Uhr, bin ich ohne jedwede Eile durch den Steig durch. Das wird wohl der kürzeste Steig mit Schwierigkeit E sein.

Runter geht es über die Völlerin. Eineinhalb Stunden dauert der Ausflug von Auto zu Auto. Feines Workout, feine Steige!

Die Tour auf Garmin

Törlweg – Gsolhirnsteig

Renate sucht eine Route aus. Den Törlweg kenne ich, aber den Gsolhirnsteig? Sachen gibt’s! Wir wollen unsere Ausdauer trainieren, und dazu geht es zum Knappenhof. Der Frühling ist da. Ich spaziere im T-Shirt und schwitze. Irgendwo im Wald haut Mio ab, und vernichtet Höhe. Der Popo schiebt wohl so lustig nach unten. So springt er den steilen Hang hinunter in der Hoffnung, weit unten das zu entdecken, was ihm die Nase verspricht. Ich setze mich mal auf einen Baumstumpf, das wird dauern. Ich glaube schon an der Art und Weise, wie Mio abhaut, zu erkennen, wie lange es dauern wird. Renate wartet 50 Meter oberhalb.

Dann geht es doch weniger lange, als erwartet. Ich höre etwas in der Ferne, das langsam aber doch näher kommt. Bald sieht man Mio schon, die Zunge hängt recht weit raus. Mio klettert, springt, keucht,.. Es reicht! Wieder bei uns legt er sich mal in den Schatten. Ach, Mio!

Weiter oben im Schnee gibt es dann eine späte Abkühlung für ihn. Der Törlweg endet mit dem Törl, das den Blick auf das Ottohaus freigibt. Heerscharen von Menschen und Hunden tummeln sich bei dem herrlichen Wetter am Plateau. Selbst Schneeschuhwanderer finden noch ein paar Flecken für ihr Abenteuer.

Wir besteigen den Jakobskogel, denn ein Gipfel muss ja sein. Bei der Bergstation wartet auf uns das Mittagessen. Das beste Mittagessen am gesamten Raxplateau, das ist fix.

Im Abstieg nehmen wir den Gsolhirnsteig. Vielleicht war ich schon mal hier. Mag sein, ist aber wohl über ein Vierteljahrhundert her und damit vergessen. Jippieh, wieder etwas Neues dabei gewesen!

Tadeloses Wetter, tadellose Routenwahl, tadelloser Tag auf der Rax!

Die Tour auf Garmin

Athen

Diesmal haben wir alles richtig gemacht. Drei Tage Sonnenschein bei angenehmen Temperaturen. Am Samstag reisen wir über Mittag nach Athen. Im neu eröffneten Hotel The Dolli empfängt man uns mit ehrlicher Herzlichkeit, ganz viel Süßigkeiten und alkoholischen Getränken. In Begleitung der Empfangsdame eilen wir im Lift zuerst zum Zimmer und dann auf die Terrasse, um uns ein Mittagessen zu gönnen. Der Lift ist eng, ein weiterer Hotelgast steigt zu, schaut aufs Handy und macht beim Ein- und Ausatmen Töne. No, das ist nichts Ungewöhnliches, aber Renate fühlt sich an Mio und mich beim Schlafen erinnert, kriegt einen Lachanfall und kann der Enge nicht so schnell entkommen. Der gute Mann ahnt, wer die Ursache der Erheiterung sein kann. Das Glaserl Schampus lässt mich Mio imitieren und um Renate ist es geschehen. Was für ein Auftritt!

Auf der Terrasse kehrt dann allmählich wieder Ruhe ein. Die Akropolis winkt herüber, wir winken zurück. Am Abend machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch die Stadt. Unsere Suite hat noch ein Upgrade erhalten. Da gibt es gar nichts auszusetzen.

Am Sonntag wartet nach dem Frühstück auf der herrlichen Terrasse schon Christina am Eingang der Akropolis. Kompetent führt sie uns durch die antike Stätte. Ich verstehe nicht alles, was sie sagt. Das macht nichts, weil ich mir eh nur einen kleinen Teil merke. So ist er halt noch ein bisserl kleiner. Wichtig ist, dass sie uns beiden sympathisch ist. Ich glänze gar zweimal mit meinem Wissen aus dem Buch „Was wir von der Welt wissen sollten“. Hätte man mir gar nicht zugetraut.

Nach unserer Tour geht es ins Restaurant Cookoovaya. Wir sind irgendwo in dieser Riesenstadt zur falschen Uhrzeit. Okay, Google war es, weil es den Termin mit der falschen Zeitzone eingetragen hat. So laut meiner nie um eine Erklärung verlegenen Ehefrau. Ich ringe mit mir und unterdrücke den Hinweis, dass wir um eine halbe Stunde falsch sind und mir Iran, Afghanistan, Indien,.. als wenige Länder mit einer halben Stunde Zeitverschiebung einfallen. Ich will ja nicht ein weiteres Mal mit meinem unnützen Wissen glänzen. Das Essen ist ebenso gut wie reichlich. Obwohl vorgewarnt, verputze ich bei Gang 7 von 15 einen viertel Kilo Aufstrich von weißer Tarama. Köstlich, aber tödlich!

Die Kalorien müssen verwertet werden, in dem wir in 30 Minuten zum Sonnenuntergang auf den Hügel Lykabettus wollen. Für das edle Lokal habe ich mich in Schuhen mit Ledersohlen fein gemacht. Die sind jetzt da hinauf nicht so geeignet. Auch lange Hose, dickes Shirt und nicht zu vergessen die Butterbombe in mir rächen sich. Aber die Sonne lässt sich auch von Argumenten bezüglich der Zeitzonen nicht aufhalten. So stehen wir zeitgerecht und ich definitiv schwitzend mit gefühlt 42.000 anderen auf dem Gipfel mit seiner 120 Quadratmeter großen Aussichtsfläche. Ein bisserl Schubsen, ein bisserl Lächeln und die Fotos sind im Kasten. Aber jetzt nimmt das Übel endgültig seinen Lauf. Es geht erst steil und dann noch dazu unasphaltiert bergab. An sich schon kein Genuss in Schuhen ohne Dämpfung und Komfort. Aber auch die monatelange Rehabilitation fürs Knie ist wieder dahin. Da kann man jetzt auch nichts machen.

Wieder im Wohnviertel wundern wir uns über die hohe Polizeipräsenz. Renate wäre nicht Renate, wenn sie nicht die jungen Männer fragen würde, warum denn gerade hier so viele von ihnen Dienst schieben. Der Polizist überlegt und antwortet dann, dass der Premierminister hier wohnt. Aha, Renate soll doch fragen, wo genau und ob er denn daheim ist. Aber das traut sie sich dann doch nicht. War wahrscheinlich auch besser so.

Am Abend starre ich jedenfalls von der Terrasse bei einem Glas griechischen Perlweins nach Methode der Champagne auf die Akropolis. Die Götter haben Licht. Fein für sie.

Am Montag begrüßt uns wieder Kaiserwetter. Mit der U-Bahn geht es nach Piräus. Hier habe ich vor knapp 40 Jahren am Hafen auf der Straße geschlafen und auf Gernot gewartet, der mir das neue Surfbrett vorbeibringen sollte. Davor hat ihm der Vater 10.000 Schilling ausgehändigt, um die Gernot auch prompt die Cobra gekauft hat. Wie durch ein Wunder hat er mich am Hafen in der Nacht gefunden. Das Surfbrett hatte er unter dem Arm. Ich habe noch immer das Bild im Kopf, wie er damit durch den Park marschiert. Tja, Google Maps gab es noch nicht und Gernot musste wieder ein paar Stunden in den Norden zurück an sein eigentliches Ziel fahren und ich mit der nächsten Fähre auf die Insel zurück. Mein Leben war also damals schon verwöhnt. Jetzt geht es sogar fast noch besser. Auf einer Strohmatte am Hafen vor einem LKW würde ich nicht mehr schlafen. Der Grund ist aber nicht nur, dass ich mich danach wahrscheinlich drei Wochen nicht bewegen könnte.

Na ja, wir fallen an einem edleren Abschnitt bei Jimmi’s Seafood ein. Mit Blick über den kleinen Yachthafen halte ich mich beim Essen zurück. Der Rosé legt dafür einen Schleier über den gelungenen Tag. Am Meer dann noch ein paar Fotos, ehe wir ins Hotel zurückkehren. Schon der Empfang ähnelt einer Konditorei mit All-you-can-eat. Dann noch der Zitronen-Gugelhupf am Zimmer, der jeden Tag erneuert wird. Mann oh, das sind Herausforderungen.

Dienstag ist schon wieder Abreisetag. Nach dem Frühstück geht es zum Parlament, wo wir Glückskinder zur Wachablöse kommen. Ui, das ist eine Show. Man möchte lachen, aber das würde dem Ernst des Unterfangens nicht gerecht.

Zu Mittag dann wieder Heimflug und Besuch bei Oma, die an diesem Tage 90 wird. Die Wetter-App sagt, dass es in Athen jetzt regnet.


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