Wandern: Krahbergzinken (2.134m)

Sabine und ich sind in Rohrmoos im ARX Hotel bei Uli und Stefan zu Besuch. Um Bergluft zu schnuppern, hat Sabine eine Tour ausgesucht. Na, dann!

Es ist Sonntag und wir haben unsere Gästekarte in der Tasche. Mit Heerscharen an gut gepanzerten Mountainbikern fahren wir mit einer Gondel auf die Planai. Ich staune, wie viele Radler sich da mit der Gondel liften lassen, um sich danach wieder bar jeder Vernunft die Trails in den Abgrund zu stürzen. Schon in Kals, Ischgl und Leogang habe ich das Phänomen bestaunt. Überall zeigen sich unabhängig von Geschlecht und Alter die Menschen risikobereit, dass mir der Mund offen bleibt. Ob da Impf-Skeptiker dabei sind? Ich war sicher nie ein defensiver Mountainbiker, aber da habe ich eine ziemliche Entwicklung verschlafen. Soll so sein, wir sind ja zum Wandern da.

Die Planai ähnelt der Asitz schon sehr. Oben, von der Gondel ausgespuckt, stehen wir mit vielen anderen Frischluftfanatikern oberhalb der Wald- oder gar Baumgrenze und sondieren das Gelände. Der Zinken unserer Begierde ist schnell ausgemacht und so wandern wir los. Der Herbst hat die Heidelbeerstauden so rot gefärbt, dass sogar ich Farben sehen kann. Die Sonne scheint so ungehemmt, dass ich bald in kurzen Hosen und T-Shirt unterwegs bin – und das auf knapp 2.000m.

Der Weg auf den Krahbergbzinken ist nicht zu verfehlen. Erst geht es flach dahin, ehe der Steig steiler wird. Heute plaudere ich mal nicht mit jedem Menschen, der mir entgegenkommt. Das ist ebenso ungewohnt wie undurchführbar. Neugierig bin ich schon auf die letzten 30 Meter, die laut Routenbeschreibung Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordern.

Und siehe da, da tut sich der erste Vorgipfel auf. Aber die kommenden Meter sind mehr als 30 und nicht so arg. Zuversichtlich steigen wir weiter und erreichen nun den echten Vorgipfel. Zurzeit diskutiert man am Internet die Manaslu-Thematik. Seit Mingma G klargestellt hat, dass über 90% der bisherigen Bergsteiger nur auf einem Vorgipfel waren, und er mit seiner Gruppe den „Real Summit“ erreicht hat, ist Unruhe in der 8000er-Communitiy.

Die Situation ist hier zum Verwechseln ähnlich, halt 6.000m tiefer. Die letzten 30m sind jedenfalls von rutschigen Metallklammern und einem Stahlseil zur Querung einer nassen Felsplatte gezeichnet. Also, am Manaslu enden die Seile am Vorgipfel und hier beginnen sie. Aber die Frage, ob man die letzten Meter gehen muss oder nicht, um den Gipfel erklommen zu haben, stellt sich hier wie auch in Nepal.

Uli entscheidet sich für die Methode der letzten 50 Jahre am Manaslu und belässt es beim Vorgipfel. Beene hingegen wächst heute über sich hinaus, macht auf Mingma G und klettert zum Gipfel. Tapfer, da staune ich! Beim Rückweg legt sie noch eine Limbo-Einlage hin. Ist es Übermut, der sie derart unter dem Seil durchtänzeln lässt? Egal, mutig ist es – speziell für jemanden mit einer gewissen Höhenangst.

Die Stahlklammern und die Felsplatte sind übrigens in der Nässe gar nicht so einfach. Vielleicht ist es auch der Angstschweiß, der den Stahl so rutschig macht. Jedenfalls bietet diese Passage viel Beobachtungspotenzial.

Abseits der Massen gelingen dann noch lustige Fotos am Vorgipfel, ehe wir absteigen und über den Planaigipfel inkl. Sky Toilet zur Schladminger Hütte absteigen.

Irgendwie macht Beene en passant noch einen zweiten Platz. Da muss was ganz Besonderes im Müsli gewesen sein.

Die Tour auf garmin.com